Brustkrebstagebuch: Anzeichen

gestern fragte mich eine gute Freundin:

„sag mal, hast du denn die ganze zeit nichts davon gemerkt, dass du über jahre eine so schwere erkrankung hattest?“

doch, hab ich, wenn ich ehrlich bin. es gab sogar jede menge anzeichen dafür, dass mit mir grundlegend etwas nicht stimmt. es kam nur niemand, inklusive mir selbst, auf die idee, dass ich an krebs erkrankt bin. denn damit rechnet man nicht. vor krebs hat man so viel angst, steckt es so weit weg, dass man es nicht einmal in erwägung zieht. ich denke, das ist ein wesentlicher grund dafür, dass viele menschen, selbst wenn sie deutlich spüren, dass mit ihnen etwas nicht stimmt oder gar einen knoten entdecken, warten. den kopf in den sand stecken. ich glaube auch, dass man in manchen fällen schlimmeres verhindern könnte, wenn man die augen aufmacht, auf seine intuition hört und handelt.

ich habe meinen knoten im januar dieses jahres gefunden und bin sofort zum arzt gegangen und dann ging alles ganz schnell. tatsächlich ging es mir in den letzten 2 jahren nicht gut. ich habe genau gespürt, dass mit mir etwas nicht stimmt. bin auch zum arzt gegangen. aber, wie gesagt, niemand hat in diese richtung gedacht. weder ich, noch mein hausarzt, noch meine gynäkologin. nach allem was ich heute weiß, spürt man krebs in diesem stadium nicht direkt. im krankenhaus sagte man mir, wenn es soweit ist, dass man diese krankheit spürt, ist sie schon sehr weit fortgeschritten. vorher spürt man es nicht. man spürt unter umständen aber andere dinge. und heute weiß ich, dass es not tut, darauf zu hören, signale, die einem der körper und der geist sendet, zu hören, ernst zu nehmen und zu handeln.

wie gesagt, mir ging es die letzten 2 jahre ziemlich mies: ich war sehr schlapp, weit hinter meiner kondition zurück, schnell und häufig müde, morgens müder als abends. zudem plagte mich das ganze jahr über eine ungewohnt starke allergie. so ziemlich gegen alles. ich sagte mir immer wieder mal: „mein immunsystem flippt ja dieses jahr so richtig aus.“ ich fühlte mich grundlos und häufig niedergeschlagen und lustlos. meine motivation im job tendierte gegen null. ich überlegte schon, ob ich eine depression hatte und war zwischendurch ganz unglücklich bei dem gedanken, da ich mich ja immer für einen sehr lebensfrohen und aktiven menschen hielt. alles fiel mir schwer. zu diesen körperlichen symptomen sendete mir mein geist immer wieder die gleiche botschaft: „ mit dir stimmt was nicht.“ nur was? was stimmte mit mir nicht? ich schob es auf meine berufliche überbelastung und begegnete meiner schlappheit mit sport und willenskraft. und war unglücklich wie nie. also ging ich anfang letzten jahres zu meinem hausarzt und wir einigten uns darauf, dass ich ein paar vitamine brauche und ansonsten mehr für meine regeneration und fitness tun soll. letztes jahr im sommer hatte ich dann ein erlebnis. wir waren gerade in griechenland angekommen und freuten uns auf unseren 1-wöchigen segeltörn. während wir unser gepäck aufs boot trugen, blitzte in mir plötzlich ein gedanke auf, klar und hell und absolut: „mit dir stimmt etwas nicht. etwas grundsätzliches. du bist ernsthaft krank.“ ich weiß noch, dass ich fürchterlich erschrak, stehen blieb und mir die tasche aus der hand fiel. ich schaute meinen mann an und sagte: „du, ich glaube, ich hab was ganz schlimmes. das hört sich jetzt verrückt an, aber ich spüre das ganz genau.“ wieder siegte mein verstand über mein gefühl und empfahl mir, sich einfach mal im urlaub richtig zu erholen und abzuschalten, dann wäre wieder alles im lot. war es aber nicht. die stimme in mir wollte nicht die klappe halten. also ging ich noch einmal zum arzt, direkt nach dem urlaub und bat um eine vollständige untersuchung. von meinem erlebnis erzählte ich nichts, das war mir peinlich und ich wollte nicht, dass er mich für irgendsoeine psychotante hielt. es wurde ein großes blutbild gemacht, speichel- und urintest, ultraschall der leber und ein EKG. mit dem ergebnis, dass mein hormonstatus offenbar unerklärlich völlig im keller war mit allen wechseljahre-symptomen, ohne dass ich aber in den wechseljahren war. großes rätsel. zu diesem zweck überwies er mich an meine gynäkologin. und gab mir höher dosierte vitamine. ich ging zu meiner gynäkologin, die mir kurzerhand sagte, es sei alles soweit ok und kein grund zur beunruhigung. sie sah sich die werte an, machte eine ultraschalluntersuchung der brust und empfahl mir die pille. da ich zuvor keine nahm, vermutete sie, dass diese pille meinen in den keller gerutschten hormonstatus wieder ein paar stockwerke höher befördern würde. das war im september.

ich nahm nun die pille, die ich nicht vertrug, tapfer jeden tag, machte sport und sagte meiner inneren stimme, die heftig rebellierte: „halt jetzt die klappe. du bist hysterisch. deine hormone sind durcheinander geraten, vermutlich bist du kurz vor den wechseljahren und drehst durch.“

an silvester saß ich in in einem österreichischen skiort inmitten einer fröhlichen hotel-silvesterfeier an meinem tisch und in mir kreiste die ganze zeit ein gedanke: „ich weiß nicht warum, aber ich stehe mit dem gesicht an der wand.“ 2 tage später entdeckte ich abends den knoten in meiner brust.

mein unterbewusstein, das offenbar so sensibel ist, dass es die erkrankung spürte, hatte mich lange angefunkt. möglicherwesie hat es an jenem abend auch meine linke hand geführt, die den BH anders auszog als sonst und daher die linke brust an einer anderen stelle als sonst berührte. und den knoten fand. in einem frühen stadium. so dass ich noch rechtzeitig handeln und, wie ich hoffe, schlimmeres vermeiden konnte.

gestern fiel mir das alles wieder ein. was ich damit sagen will, warum ich das hier aufschreibe: mädels und jungs, hört auf eure innere stimme. sie ist es grundsätzlich wert, ernstgenommen zu werden.“

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Zwangstherapiert ;-)

es gibt menschen, die sich berufen fühlen. sie spüren eine mission in sich und fühlen sich berufen, diese mission möglichst vielen menschen kundzutun und ihnen einen weg zu weisen. im falle von jesus und buddha etwa ist das ja eine gute sache. im falle von diplom-psychologen mit sendungsbewusstsein und zudem einem ausgewachsenen sprung in der schüssel ist das jedoch sehr anstrengend und ätzend. so wie im fall von renate, nennen wie sie mal renate sprunginderschüssel.

wir waren am samstag auf dem geburtstag meiner schwiegermama eingeladen. sie wurde 75 und hat ein großes fest gefeiert, zu dem ihre zahlreichen freunde und ebenso zahlreichen verwandten eingeladen waren. einer ihrer brüder ist seit einiger zeit mit besagter renate lieert. renate geht man von jeher am besten großflächig aus dem weg, da sie in der regel sofort anfängt, einen tiefenpsychologisch zu foltern. das problem ist, dass renate einen immer findet. sie ist sozusagen ständig auf der suche nach opfern. schaut man auch nur zufällig in ihre richtung, heftet sie sogleich ihren bedeutungsschweren psychoblick auf einen, nach dem motto: ich seh dich. ich kenne dein problem. ich werde dir helfen ob du willst oder nicht. man sollte spätestens jetzt versuchen, zu entkommen.

am samstag entkam ich ihr nicht. sie saß bei uns am tisch, aaahhhhhhh. so wie sie mich bei der begrüßung ansah, musste ich davon ausgehen, dass sie von meiner brustkrebserkrankung wusste. schlecht. ich musste also dringend vermeiden, dass sie neben mir saß. nun heftete sie sich sogleich an meine fersen und spähte, wo ich mich hinsetze. „setz dich sofort neben mich, schnell!“ raunte ich meinem mann zu. „und bleib hier bloß sitzen„. renate pflanzte sich neben meinem mann, so hatte sie mich gut im auge. ich wusste, dass sie fortan auf eine gelegenheit lauern würde. betont vertiefte ich mich in ein ausführliches gespräch mit meiner linken, sehr netten tischnachbarin. ich glaube, in ihrem leben hat noch niemand so ein interesse an ihren enkeln und ihrem garten bekundet wie ich an diesem abend. dann passierte es. mein mann musste auf die toilette und blieb auf dem rückweg im gang in einem gespräch hängen.

flatsch saß renate neben mir und eröffnete ihre psychofolter mit den worten:

“ du arme!“sie kramte eine visitenkarte aus ihrer hässlichen clutch, oder wie man diese taschen nennt: „du kannst mich jederzeit anrufen“

dabei blickte sie mir tief und voll pscho in die augen. schüttel*****nun habe ich ja in den letzten 3 monaten gelernt, dass mir gewisse gespräche in meinem zustand schaden. sie fangen fast alle mit der einleitung “ du arme!“ an. im folgenden möchte ich nun den anschließenden dialog wiedergeben:

ich: „hör mal, ich möchte mit dir nicht darüber reden.“

renate: „wie geht es dir denn?“

ich: „eigentlich recht gut“jedenfalls, bis du dich zu mir gesetzt hast

renate: „deine augen blicken müde und traurig“

ich: “ kein wunder, ich bin seit 4 wochen in der bestrahlung“

renate: “ warum tust du dir das an?“

ich: „?????????“

renate: “ deine augen blicken müde und traurig. du solltest die bestrahlung nicht machen“

ich: “ wenn du brustkrebs hättest, würdest du auch müde und traurig blicken“

renate: „ICH bekomme so etwas aber nicht. denn ICH bin in kontakt mit meiner inneren stimme.“

mensch ey, endlich WEISS ich, warum ich brustkrebs bekommen habe: weil ich keinen kontakt zu meiner inneren stimme habe. warum hat mir das denn vorher keiner gesagt?

ich: „hör mal, es reicht mir jetzt. das gespräch tut mir nicht gut und ich möchte, dass du mich jetzt in ruhe lässt“

renate: „du blockst mich ab“

ich, energisch: „ja, das tue ich. LASS MICH JETZT IN RUHE“

renate, mit deutlich erhobener stimme und aggressivem unterton: „gib mir meine visitenkarte wieder zurück. ich weiß, wer ich bin und was ich leiste. du WIRST schon sehen“ war das eine drohung?

sie hievte ihren pferdehintern vom stuhl und flatschte sich wieder neben ihren mann, dem sie gleich alles brühwarm erzählte.

irritiert saß ich auf meinem stuhl und beschloss, es nicht ernst zu nehmen. leichter gesagt als getan. hat das ganze wochenende in mir gebrodelt. und es ging mir auch mies. ich werde frau sprunginderschüssel diese woche einen brief schreiben und ihr in aller deutlichkeit sagen, was ich von ihrem verhalten halte. manche dinge gehören einfach nur return to sender.