An Tagen wie diesen…

…sollte man einfach zu hause bleiben, im bett, in sicherheit und warten, bis diese tage vorüber gehen. internet, glotze und kaffeemaschine gehen wieder, aber die schwarze wolke hat sich noch nicht ganz verzogen. gestern habe ich zwei hiobsbotschaften erhalten, die mich heute nacht wach hielten. meine mama ist gestern abend erkrankt, irgendein fieser infekt, von dem man noch nicht weiß, was für einer. ich bin beunruhigt. joschi, der gerade mal wieder oma- und opawoche macht, hat einen schutztrieb-schub bekommen, als die ärztin heute mittag auf hausbesuch kam und wollte sie nicht ans bett lassen. als mein vater versuchte, ihn vom bett zu ziehen, hat joschi ihn in die hand gebissen. schöne scheiße. die zweite hiobsbotschaft kam gestern morgen von einer freundin, deren kleine tochter plötzlich und sehr schwer erkrankt ist, die untersuchungen im krankenhaus sind in vollem gange, noch ist nicht klar, was sie hat, ihr zustand ist ernst. der blanke horror. was ist nur los?

als ich heute von der arbeit nach hause fuhr, hatte ich eine begegnung, die mir, trotz allem, ein lächeln ins gesicht zauberte. zur rechten zeit, sozusagen! ich stand an einer ampel, als mir im schneckentempo ein fahrender schrotthändler entgegentuckerte, die hand um eine große bimmel geschlossen, die laut bimmelnd aus dem fenster geschwenkt wurde *bimmel bammel*. das gefährt war ein uralter pickup, rostig und wacklig, auf der ladefläche türmte sich undefinierbarer metallschrott. im führerhaus erblickte ich drei, halt, vier gestalten: schrottpapa, schrottmama, halbwüchsiges schrottkind, schrotthund. alle vier hässlich wie die nacht. einer mehr als der andere. schrottpapa sah aus wie ein waldschrat, der schon seit sehr, sehr langer zeit im wald in einer laubhütte lebt. schrottmama zeigte ein imposantes mopsgesicht unter einer gewagten, weißblond toupierten nestfrisur, in der vogelmietnomaden gehaust haben mussten. in schrottkinds gesicht funkelten zahnspange, brille und pickel um die wette. schrotthund, eine abenteuerlich struppige promenadenmischung, rundete das gesamtbild harmonisch ab.

wisst ihr, was mir das lächeln ins gesicht zauberte? das glück, das mir aus diesem auto entgegenstrahlte. vater, mutter und kind strahlten um die wette und sahen einfach nur fröhlich, glücklich und zufrieden aus. der hund hechelte mit grinsegesicht von einem zum andern. schön. einfach nur schön!

an der nächsten ampel, ich hatte das bild immer noch vor meinem inneren auge, stand ich neben einem riesigen, schwarzmetallic glänzenden porsche. am steuer ein alter, graumelierter sack mit grimmigem gesicht. auf dem beifahrersitz ein halb so altes klon-blondie mit frustgesicht. so kanns gehen. ich musste noch mehr grinsen 😉

Halloween und eine verwirrte Katerwolf

„süßes oder saures!“

tönt es alle paar minuten von der haustür her. vermummte gespenster stehen mit riesigen säcken vor derselben und fordern ihren halloween-beitrag. da ich, wie jedes jahr, völlig vergessen habe, dass halloween ist, kann ich nur mit scharfen nüssen dienen, die ich irgendwo noch in der schublade gebunkert hatte. die kommen aber sensationell gut an. hätte ich nicht gedacht. vermutlich haben die gespenster schon einen süßigkeiten-overkill.

gerade eben stand ein völlig verzücktes gespenst vor meiner tür und drückte selig eine packung „schwarzer-pfeffer-nüsse extra scharf“ an seine brust und schwärmte voller theatralik:

“ ja, oh ja, endlich nüsse, scharfe nüsse, ja, ja, oh, vielen dank, scharfe nüsse, wie wunderbar!“

ich tippe auf 6. klasse, theater-AG 😉

ansonsten habe ich einen irgendwie verwirrten tag zu verzeichnen. werde ich alt, weil mir die zeitumstellung zu schaffen macht? heute war ich in der mittagspause kurz in der stadt (reiseführer indien kaufen) und fragte mich, ob wir nun sommerzeit oder winterzeit haben. bei gefühlten 20 grad und strahlender sonne hatten alle cafés in der altstadt ihre tische und stühle draußen, menschen saßen mit sonnenbrillen und t-shirts in der sonne, die eiscafés waren knackevoll. als kontrastprogramm boten ein paar markthändler nebendran ihre adventskränze an und ab und an sah man in der menschenmenge die eine oder andere gestalt mit wintermütze und fellmanntel. ganz nach dem motto: die uhren werden umgestellt, also rein in die winterklamotten. irgendwie verwirrend, das ganze.

und als ich eben zur gewohnten zeit ausreiten war, war ich vollends verwirrt, als auf dem rückweg die sonne begann unterzugehen. häähhh??? war ich unterwegs unbemerkt durch eine zeitmaschine geritten? nö, war einfach nur halb 6. ne, leute, das ist nichts für mich mit der winterzeit. ich glaub, ich verkleide mich jetzt als eiszapfen und ziehe mit joschi, als bösem zottelmonster, randalierend von tür zu tür und brülle:

„süßes oder saures!“ 

Vorfreude

morgen früh gehts für paar tage zum sohnemann nach ungarn. juhuuu, ich freu mich *rumtanz*

vermisse ihn schon sehr, seit er letzten september ausgezogen ist  – und dann noch in die ferne! ich bringe ein paar schöne fotos aus pécs mit. macht es gut und bis die tage *winke*

eure katerwolf

Heldenabenteuer auf der Mosel

das foto in meinem neuen header ist mir zufällig in die hände gekommen. es müsste aus den späten 70ern stammen. mit dem foto öffnet sich eine schatzkiste voller erinnerungen, so zum beispiel die erinnerung an einen von vielen kindersommern, die ich bei einer befreundeten familie an der mosel verbracht habe. 3 dreikäsehochs unterwegs. das heißt eher 2 dreikäsehochs zu beiden seiten und 1 sechskäsehoch in der mitte. das bin ich. ich bin der lulatsch in der mitte. die anderen beiden sind genauso alt wie ich, zumindest das mädchen zu meiner linken. der andere ist der kleine bruder. ich war schon als baby eine lange latte.

mit allerlei gummitieren bewaffnet sind wir auf dem weg zum fluss. damals konnte man problemlos in der mosel schwimmen. heute ist sie giftig. aber vielleicht war sie damals schon giftig und es hat sich keiner drum geschert. genauso wenig wie um solche dinge, wo sich die kinder so herumtrieben den ganzen tag. unerreichbar ohne handy. aber glücklich, wenn sie abends dreckig und hungrig von abenteuern, die man den eltern besser vorenthielt, zurückkehrten.

so wie auf diesem bild.

mit der ausnahme, dass wir hier gerade zu einem abenteuer unterwegs waren. in dem moment, in dem wir hier fotografiert wurden, wussten wir aber noch nichts davon. wir wollten einfach ein bisschen unsere schwimmtiere und -bälle auf der mosel ausprobieren. am ufer trafen wir einen nachbarsjungen. ich erinnere mich noch genau an ihn. er war älter und größer und ein aufschneider. und er hatte ein paar große, aufgeblasene, schwarze autoreifen dabei. genauso groß wie seine klappe. mit der er uns zu der wahnsinnstat überredete, auf den gummireifen über die mosel zu paddeln.

neee, wir waren doch keine angsthasen, die sich das nicht trauten.

so setzten wir uns mit flatternden löwenherzen in die reifen und paddelten mutig drauflos. wenn man so etwas noch nie zuvor gemacht hat, weiß man auch nicht, wie breit so ein fluss in wirklichkeit ist. sehr breit nämlich. unendlich viel breiter, als man sich gedacht hat. und wie stark die strömung ist. zunächst klappte es ganz gut. als wir uns der mitte näherten, nahm uns die strömung ein gutes stück mit dahin, wo der fluss noch breiter wurde. und wo ein frachtschiff unseren weg kreuzte, das uns wild behupte. wir entkamen. allerdings nicht der strömung, die uns noch ein gutes stückchen mitnahm.

das wetter war schon zu dem augenblick nicht so optimal, als wir zum moselufer aufbrachen. es war schwül, drückend, gewittrig. wir wurden angemahnt, nicht zu weit vom haus wegzugehen, damit wir bei dem aufkommenden gewitter schnell schutz suchen konnten. aber wer kümmert sich in dem alter schon um wetter. vor allem, wenn das abenteuer ruft.

ungefähr zu dem zeitpunkt, als wir feststellten, dass die mosel dabei war uns zu bezwingen, anstatt umgekehrt, brach das gewitter los. mit allem, was dazu gehört. schwarzer himmel, donner und blitz, starker wind, platzregen, wilder fluss. und mittendrin 4 abenteurer auf schwarzen autoreifen.

ihr könnt euch vorstellen, wie es uns ging?

ich erinnere mich bis heute an die angst, die uns packte. aber angst verleiht bekanntlich übernatürliche kräfte. so paddelten wir alle mit popeye-armen voran und erreichten das andere ufer, ohne zu ertrinken, vom blitz getroffen zu werden oder vor angst tot umzufallen. dort kauerten wir lange zeit unter ein paar büschen, schlotternd vor angst und kälte, bis das gewitter vorbeizog. ab dem zeitpunkt waren wir helden. unsere geschichte, warum wir so lange wegblieben und warum wir so nass waren, glaubte uns zuhause keiner. auch helden werden drakonisch bestraft. aber wir waren helden. und wenn wir uns heute sehen, was sehr selten vorkommt, erinnern wir uns jedesmal aufs neue an dieses abenteuer. wir sind dann wieder helden.

Vollgefuttert und reich beschenkt

na, habt ihr die feiertage alle gut überlebt? ohne magendurchbruch? lag unter dem tannenbaum, was ihr euch gewünscht habt? und seid ihr zufrieden und blickt gelassen dem jahresende entgegen? das hoffe ich sehr 🙂

ich blicke auf ein paar schöne tage zurück. als größte freude von allen kam mein sohn, der im september zum studium in die ferne zog, am donnerstag für 1 woche nach hause und ich versuche, ihn nicht allzusehr zu beglucken. ich habe ihn 3 monate nicht gesehen und in dieser zeit ist er etwa 1 meter breiter geworden. er war schon früh sehr groß und entwickelte sich ab 16 kontinuierlich vom spargeltarzan zu einem breitschultrigen, durchtrainierten, 1,90 m-hünen. und jetzt, mit 19, sieht er aus wie conan, der barbar. wahnsinn. wie hat dieser große mann jemals in meinen bauch gepasst *grübel*. hab ich ihn zu lange gestillt? 😉

es ist schön, ihn hier zu haben und zu sehen, dass es ihm so offensichtlich gut geht und er mit seinem studium in ungarn zufrieden und erfolgreich ist und anfängt, sein eigenes leben zu leben. wenn ich zurückblicke und den weg sehe, den ich mit ihm zurückgelegt habe und wo er jetzt steht, erfüllt mich das nicht nur mit freude sondern auch mit stolz. stolz auf uns beide. bis donnerstag darf ich ihn noch ein bisschen hätscheln und mich freuen 😉

weihnachten im kreis der familie war schön und ich bin dankbar, dass wir alle zusammen feiern konnten. alle waren froh darüber. nach meiner erkrankung hat das schlichte da-sein eine neue qualität bekommen. tatsächlich gab es diesmal auch keine geschenkpannen. nur 3 geschenke müssen umgetauscht werden, da offensichtlich für zwergwüchsige gekauft. *tadaaa* ich bin nun stolze besitzerin einer heiß gewünschten nikon D 7000. wow. was für ein geiles teil. bin mächtig glücklich. allerdings ist die kamera so facettenreich und die bedienungsanleitung so dick, dass ich beschlossen habe, im neuen jahr einen foto-workshop zu besuchen. ich hasse bedienungsanleitungen und verstehe dinge viel besser, wenn sie mir jemand zeigt und habe den ehrgeiz, die kamera in ihrer ganzen bandbreite zu verstehen anstatt letztendlich doch nur im auto-modus stecken zu bleiben.

ich habe ein paar wunderbare reitartikel geschenkt bekommen und fühlte mich dadurch in eine zeit versetzt, als ich 15 war. wie schön *seufz*. eigentlich hat nur noch ein flicka-buch unter dem baum gefehlt 😉

mein sohn hat mir einen film auf DVD geschenkt, den wir zusammen im kino gesehen haben, als er 12 war. ein königreich für ein lama. wie süß! und einen gemeinsamen zoo-besuch. wie supersüß! und noch ein paar andere wunderschöne sachen lagen da für mich unter dem baum. wir haben, wie jedes jahr, viel geschenkt, das geht bei uns nicht anders.

ich habe aber auch merken müssen, dass bei mir der hammer belastungsmäßig doch noch deutlich tiefer hängt, als vermutet. so habe ich an heiligabend schon recht früh schlapp gemacht, so richtig schlapp, was mich etwas geschockt hat. heute habe ich zur feier des tages meine monatliche zoladexspritze bekommen und werde den rest des tages wie gewohnt in der kurve hängen.

eine ganze urlaubswoche liegt nun vor mir und ich freue mich darauf. hach, 1 ganze woche *schwärm*

lasst es euch gut gehen im endspurt 2010!

Moses von der Mosel

meine beste freundin testete kürzlich ihre 15-jährige tochter auf bibelfestigkeit.

„sag mal, anna, kennst du eigentlich moses?“

„ja.“

„und was weißt du über ihn?“

„ich glaube, er wurde in irgendeinem fluß gefunden.“

„und wie hieß der fluß?“

„hmmm, mosel?“

*gröööööööl* „nein, süße, der fluß hieß nicht mosel. es war der nil.“

„aha. und warum heißt der moses dann nicht nils?“

……

„weißt du denn, wie die 3 heiligen könige hießen?“

„?????????“

„ok, ich gebe dir einen tipp. der eine hieß wie ein bekanntes gespenst aus einem film.“ (*caspar*)

„hui buh!!!!“



Neues vom Pupser

keine angst, mein blog mutiert jetzt nicht zum pups-blog im sinne von die top 10 der besten pupse oder gar potd=pups of the day *gg* auch wenn der gedanke an sich sehr verlockend ist. ich könnte meinen blog in linker pups und mich selbst in pupswolf umbenennen *kicher*.

aber einer geht noch 😉

und zwar meine persönliche, weltliebste pupsgeschichte. starring: mein papa. ein türke. klein katerwolf.

bei uns in der familie wurde immer gut gepupst, man sah es als natürlich an und es gab kein großes gerede darum. höchstens mal kommentare wie :

„uff, hast du heute etwa schlangengulasch gefrühstückt?“

mein papa war der chefpupser. eines tages, ich war noch ein kleines mädchen, ging ich mit meinem papa in die stadt. wir durchquerten gerade eine einkaufspassage, ich glücklich an papas hand schaukelnd, als er plötzlich drastisch das tempo erhöhte und in richtung rolltreppe eilte. er hatte einen mordspups auf lager und wollte mit ihm an die frische luft. doch der weg war weit und die rolltreppe unendlich lang. kaum hatten wir die rettungsbringende rolltreppe erreicht, drehte mein paps sich hetisch um, keiner zu sehen, und ließ eine art detonationspups vom stapel. einen bruchteil von sekunde später ertönte hinter uns ein geräusch. es hörte sich in etwa so an:

„uuuurrrrrgggghhhh. stöööööhhhhhn. uaaahhhhhh.“

vorsichtig drehten wir uns um. direkt auf der stufe hinter uns stand ein mann. ein türke. jedenfalls sah er so aus. von seiner grünlichen gesichtsfarbe einmal abgesehen. er stand da und schaute meinen vater stumm anklagend an. mit einer spur entsetzen und erbostsein. er stand aber noch. was ein wunder war, denn mein vater muss ihm direkt vor die brust gepupst haben. der muss sich irgendwie im düsentempo von hinten angeschlichen haben. vorher war er nicht auf der rolltreppe, das kann ich bezeugen.

und was tat mein papa? raste wie vom blitz getroffen die rolltreppe hoch und weg. mit mir an der hand. im gegensatz zu meinem hund kann ich sprechen. das war wohl mein glück.

ich sag nur: der apfel fällt nicht weit vom stamm. habt nen schönen tag.

All inclusive Urlaub – inklusive Renate und Willie

der wunderbare artikel von anna-lena weckt in mir erinnerungen: sommer 2006. eine bekannte, spanische insel. ein bekannter ferienclub. all inclusive. mein mann, ich und unsere 3 patchwork-kinder.  alle drei in der pubertät. wir hatten nur gutes gehört und waren voller vorfreude.

wenn ich ehrlich bin, hatte ich schon auf dem weg vom flughafen zum club düstere vorahnungen und fluchttendenzen. eine endlose, graue geröllwüste erstreckte sich nach allen seiten. ab und an ziegen. fressen die ziegen dort steine? die geröllwüste wurde durch künstlich bewässerte grüne parks unterbrochen, die fast ausschließlich zu ferienanlagen gehörten.

so auch zu unserer. von außen sah es eigentlich nett aus. ein großes, helles hauptgebäude, ein großer pool und kleine, schöne bungalows überall. „na„, dachte ich mir, „hab dich nicht so. ist doch schön, wird sicher super hier.“ wir bezogen unseren bungalow, packten schnell aus und machten uns auf den weg zum strand, es war ja noch früh! der strand, tja. er war menschenleer. seltsam, wieso nur? wir bahnten uns zwischen gefühlten 1000 liegen auf der sonnenterrasse, die einem flüchtlingsboot glich, den weg zum strand. kaum waren wir unten, wussten wir warum: der wind blies uns fast von den füßen und wir waren binnen sekunden gesandstrahlt. oha. schwimmen durfte man nicht. also wieder zurück auf die sonnenterrasse.

hier versammelte sich auf einem haufen all das, was man nie, nie im leben auf einem haufen sehen will. nicht mal einzeln will man das sehen. und schon gar nicht im badeanzug. geschweige denn oben ohne. im stringtanga. nach einigem suchen fanden wir 2 liegen und ließen uns darauf nieder. zu den nachbarliegen war etwa 5 cm abstand. wir legten uns hin und wagten einen vorsichtigen blick in die runde. 1000 augenpaare starrten zurück. schließlich löste sich eine frau aus der menge und kam auf uns zu. die erde bebte. voll das alphatier, im stringtanga, blonde dauerwelle, dick mit ordentlich holz vor der hütte. d.h. auf der fußmatte vor der hütte (ich weiß, ist gemein, aber ihr habt die walküre nicht erlebt!). zielstrebig bahnte sie sich ihren weg durch die menge und ließ sich mit baumelnden melonen auf der liege meines mannes nieder.

„tach, ich bin die renate. ich komme aus bochum und bin schon zum fünfzehnten mal hier. mit dem willie. WILLIE, komma her.“

willie kam. klein, schütteres haupthaar, ausgemergelt aber mit bierbauch, sportbadehose und adiletten an den füßen.

„tach, ich bin der willie. die bessere hälfte von renate.“

sprachs und ließ sich auf meiner liege nieder. ungefragt. hey, mein mann und ich sind sehr kommunikativ und gesellig, aber bei einer halbnackten renate samt willie auf der liege ist auch mal gut.

„und iiiiiihr? wie oft seid ihr schon hiergewesen? na los, erzählt mal!“

„gar nicht. und ich bin etwas müde und möchte mich jetzt gerne etwas ausruhen.“

das kam irgendwie nicht gut an. nachdem wir als außenseiter entlarvt wurden, erstarb das gespräch schnell und renate zog samt willie ab und tratschte mit allen über uns. ich hatte in den nächsten 14 tagen den einen oder anderen kampf um die liegen mit renate, da ich zu den menschen gehöre, die badetücher, die morgens schon um 6 auf liegen verteilt werden, herunterzunehmen und die liege zu okkupieren, wenn um 10 immer noch keiner erscheint. ich habe dort dinge gesehen, das glaubt ihr nicht. zum beispiel das: einen mann, der gegen mittag zu seiner mit handtuch belegten liege kam und einen fremden darauf vorfand. es entspann sich ein disput, der darin gipfelte, dass der erstbesitzer die liege mit muskulösen, behaarten armen packte und versuchte, den feindlichen eroberer, wie ein primat schreiend, herunterzuschütteln. isch schwör!

der wind blieb, ist ja auch die insel der starken winde, frau schlau ;-). es regnete auch. das erste mal im august seit 5000 jahren. es war kühl. ich trug 14 tage abends meine 2 pullis übereinander, die ich dabei hatte. ich versuchte mich im all inclusive-sportprogramm. pilates, yoga und tiefenentspannung sowie bauch beine po machen bei starkwind in einem zugigen, offenen pavillon mit meerblick nur begrenzt spaß. merkt euch das. also, was kann man in einem all inclusive club sonst noch so machen? richtig, essen. also aß ich. und aß und aß und aß. mein magen dehnte sich täglich. ich fing an renate zu ähneln.

mein mann segelte den ganzen tag (das durfte man, zumindest ab und an) und war abends so müde, dass er gegen halb 9 dringend schlafen musste. echt ne party, leute. also bin ich abends alleine in die open air disco mit riesiger, ovaler bartheke gegangen. zunächst schaute ich mir die animateur-show an, der man nirgends entkam und erfreute mich allabendlich an animateuren in tierkostümen, die irgendwelche fürchterlichen sachen sangen. und dann ging die party richtig los. YES. jeden abend zur gleichen musik: YMCA, diana ross und falco. echt geil. zu YMCA stürmten alle auf die tanzfläche und machten unter anleitung der animateure diesen YMCA-tanz. kennt ihr den? und dann wurde getrunken, was reingeht. mit steigendem alkoholpegel sank die schamgrenze. was da so auf der tanzfläche und der bar abging ist bar jeder beschreibung. hab meinen lebtach nicht so viele vokuhilas und blonde dauerwellen beim balzen gesehen, wie dort. ich dachte eigentlich, die seien ausgestorben. aber nein, es gibt da diese enklave auf einer spanischen geröllinsel, da ist das noch voll hip.

unfassbar. warum tun menschen so etwas? ich versteh das nicht. ich bin ein lebensfroher, unternehmungslustiger mensch, aber in dieses urlaubsfeeling kam ich nicht rein. sorry, leute. balzende renates und willies beim YMCA-hütchentanz, ne, geh fort!

unsere kinder hatten einen eigenen bungalow und machten die nacht zum tag. ich glaube, wenigstens sie hatten spaß. es war nicht unser letzter cluburlaub. wir waren später in der türkei in einem anderen club und hatten sehr viel spaß, alle. da waren aber auch sehr viele einheimische und die mischung machts. aber auf die vokuhilainsel fahr ich im leben nicht mehr.

empty nester und ungarn für anfänger

wir sind jetzt empty nester, hab ich gestern gehört. das sind paare, deren kinder ausgezogen sind. hört sich ja fast schon wieder nach jeder menge spaß an 😉

was macht denn das große vogelkind im weiten ungarn? es hat sich offensichtlich gut eingelebt. das sehe ich daran, dass es bereits seine EC karte verloren und sein auto auf eine mauer gesetzt hat. und zwar so, dass alle räder in der luft, das auto bewegungsunfähig war und von einem ungarischen pannendienst von der mauer gehievt werden musste. zur großen freude aller nachbarn. von einem ungarischen pannendienst, der gott-sei-dank folgende deutsche wörter sprach und verstand: auto. kaputt. panne. ja. nein. halbe stunde. komme. rechnung. kein problem. nix kaputt. service fahren, kontrolle.

das ist erwähnenswert, da ich während meines ungarnaufenthaltes das gefühl hatte, dass in ungarn mit ausnahme der kellner absolut niemand englisch spricht. und ungarisch ist eine sprache, in der man nicht einmal ja und nein versteht. ja heißt igen. das sagt schon alles. wenn man, so wie ich letzte woche, versucht, zwecks geldsparen mit öffentlichen verkehrsmitteln vom hauptbahnhof zum flughafen zu gelangen, lernt man alle englischsprachigen nationen dieser welt schätzen. ich brauchte für den weg mit bus, u-bahn, straßenbahn und dann doch taxi 2 1/2 stunden. wobei ich nach 2 stunden manövrierunfähig mit meinem koffer vor einem abgelegenen städtischen  friedhof strandete und kurz vor einem nervenzusammenbruch stand, da ich sicher war, meinen flieger zu verpassen. es war mir nicht möglich, mich mit hilfe des wortes airport durchzufragen. auch meine pantomimischen fähigkeiten: ausgebreitete arme und flugzeuggeräusche, halfen nichts. wenn kein taxi am friedhof vorbeigekommen wäre, das mich für eine unsumme zum flughafen brachte, hätte ich mir dort vermutlich einen grabstein bestellt. den flieger habe ich übrigens nur deshalb nicht verpasst, weil er 1 stunde verspätung hatte. das war mein glück. ansonsten hätte ich auf dem flughafen mit größter wahrscheinlichkeit eine blutrausch-attacke bekommen 😉

und die vogelmama, was macht die derweil? heute den 1. tag wieder vollzeit arbeiten, nach 6 wochen wiedereingliederung. das ist einerseits ganz schrecklich, andererseits aber auch wieder gut. fühle mich ein wenig wie in einer riesigen welle heute, mal durcheinandergewirbelt mittendrin, mal obenauf surfend. das wird.

und joschi & lola? den geht es prächtig. joschi hatte letzte woche seinen durchbruch als reitbegleithund. er hat jetzt die führung übernommen und trabt energisch und ehrgeizig vorneweg, wirft ab und an einen blick über die schulter und läuft im trab im gestreckten galopp an lolas linker flanke mit. scheint ihm mächtig spaß zu machen. ich bin froh, dass lola so gutmütig und hundelieb ist. joschi fängt sie nämlich dezent an zu terrorisieren. schnappt in der stallgasse nach ihren fesseln, wenn sie den hintern in die stallgasse dreht und knurrt sie an, wenn sie ihn beschnuppern will.

welt in ordnung soweit.