Rehageflüster: Aerobic-Elfen und Kurschatten-Notstand

die sonne scheint. endlich. nicht zu fassen. wie wunderbar. hier oben an der nordseeküste ging 1 woche lang die welt unter. jetzt scheint sie wieder, die sonne, pünktlich zum wochenende, brave sonne 😆

hier war was los in den letzten 2 tagen :mrgreen:

mein speisesaal-tisch hat mit heidrun einen willkommenen neuzugang zu melden. heidrun ist mitte 60 und platzt vor guter laune und schalk. herrlich. zitat am frühstückstisch, nachdem ich sie diskret darauf hingewiesen habe, dass ihr hosenstall offensteht: „na sowas. allzeit bereit und keiner weit und breit.“

apropos. wir sind jetzt in dem stadium, in dem wir die paar wenigen reha-männer, die hier auffällig verängstigt herumlaufen, nach allen mitteln der weiblichen kunst vernichtend durchgetratscht haben. kein kurschatten weit und breit. ich such keinen, aber die eine oder andere sucht schon. es gibt hier nur kleine knubbelige, große hungerspargelige, und allerlei sonstiges unschmackhaftes. und wenn dann mal einer ansatzweise nach was aussieht, glänzt er im small-talk mit einer detaillierten schilderung seiner lungenoperation und anderer, fehlender körperorgane. ne ne, nicht sehr antörnend. ein neuzugang (jung, knackig) wurde sogleich abgecheckt, fiel jedoch leider aufgrund seines hardcore-sächsischen akzents durch.

aber, was uns nicht schmeckt, schmeckt vielleicht der nachbarin. so zum beispiel unserer reha-walküre. gemein, ich weiß. aber sie wäre wirklich die idealbesetzung in einer wagner-inszenierung. singen kann sie übrigens auch, sie ist nämlich gesangslehrerin. jedenfalls ist sie nicht so wählerisch. und gibt gerne private gesangsstunden in ihrem zimmer *flüster*

die wenigen männer hier tauchen in den verschiedenen programmen, sorry anwendungen, jeweils als quotenmann auf. beim bogenschießen und nordic walking mag das nicht so auffallen, im step-aerobic dagegen schon. heute hatte ich das vergnügen, beim step-aerobic einen ellenlangen, dünnen quotenmann als direkten nachbar zu haben. ich habe noch nie einen solchen bewegungs-spast gesehen. noch nie. er hatte gefühlt mindestens 5 arme und 10 beine und doppelt so viele füße, die alle in verschiedene richtungen rotierten. und machte alle bewegungen gegenläufig zu denen der trainerin. unglaublich. ich habe mich die ganze zeit gezwungen, nicht zu ihm rüberzuschielen. zum einen, weil ich keinen lachkrampf bekommen wollte, zum andern, weil ich selbst einige not mit der arm-bein-koordinierung hatte. nachdem ich bei einer, zugegebenermaßen sehr komplizierten, übung einige zeit *hrumpf uffta zisch* geräusche neben mir hörte, linste ich doch mal rüber zu ihm. und sah: eine aerobic-elfe. mit ausgebreiteten armen stand er in fliegerhaltung wie biene maja mit einem bein auf dem stepper. das andere bein schwang in pendelbewegungen hin und her. beide arme kreisten gegenläufig um ihn herum wie 2 satteliten. in seinem gesicht stand pure glückseligkeit.

wie bei loriot. 100 %. danke dafür. das leben ist so schön 😆

ansonsten bin ich guter dinge und genieße die reha in vollen zügen. habe gestern einen ersten entwurf meines elefanten-seidenschals angefertigt. ein glück war es ein entwurf. ich muss noch sehr viel üben. derzeit habe ich sogar große probleme, einen elefanten abzupausen, wenn ihr versteht. die gruppenleiterin schaut mich komisch an. ich merke das sehr wohl *beleidigt guck*

ich wünsche euch ein wunderbares, hoffentlich sonniges wochenende, eure rehawolf

Bericht aus der Reha: Ich bin eine große Künstlerin, Teil 2

warum teil 2, wenn es gar keinen teil 1 gibt? es gibt einen teil 1, oder besser gab. ich habe eben schon meine töpfergeschichte fertig geschrieben, da setzte sich unversehens ein kurschatten-anwärter neben mich und textete mich aus dem stegreif zu. von kopf bis fuß. er informierte mich darüber, dass er eine frau hat (ach was, hätte ich nicht gedacht), dass er gestern mit einer netten dame von hier einen netten abend verbracht hat (na sowas), dass er reich ist, da er jedes jahr 2 wochen urlaub auf sylt macht, mit seiner frau (jo mei) UND dass er echt toll ist, von natur aus. mr. boombastic der reha sozusagen. da ich nicht wollte, dass er mir auf den bildschirm glotzt, habe ich den laptop zugeklappt und weg war der text. grrrrrr. gerade stolziert mr. boombastic, eier aus plastik, mit rayban-brille auf der nase mit seiner vorabend-bekanntschaft an mir vorbei ins freie. gut, muss ich mich also nicht mehr hinter der topfpflanze verstecken 😆

zurück zum thema: ich bin eine große künstlerin. das weiß ich seit 4 stunden. seit ich töpfern war oder besser: modelieren mit ton. wir waren zu fünft, alles töpfer-jungfrauen. und eine feministisch angehauchte kursleiterin oder vielleicht auch frisch verlassene kursleiterin, jedenfalls war sie gar nicht gut auf die herren der schöpfung zu sprechen. vielleicht hatte sie zuvor auch einen töpferkurs für männer geleitet und war noch traumatisiert 😉

wir bekamen lange, blaue bastelkittel, wie früher im kindergarten, herrlich und: einen klumpen ton. den mussten wir zunächst etwa 10 minuten lang schlagen, d.h. mit schmackes auf die tischplatte knallen, plitsch, platsch, gibs ihm! das allein macht schon großen spaß. man macht das, damit die luftblasen aus dem ton rausgehen. das wollen wir jetzt mal nicht hinterfragen.

danach kam die motiv-findungsphase. wir blätterten uns durch bücher mit vorlagen, aber so richtig fand ich nichts, weder igel noch aschenbecher noch bauchige frauenfiguren inspirierten mich. also ging ich ein bisschen in mich und wartete, bis meine innere stimme zu mir sprach.

nach einigen minuten sprach sie:

„modeliere einen tibet terrier als olivenschale. modeliere joschi.“

ehrfürchtig nahm ich ein blatt papier und fertigte eine skizze an. sie sah aus wie snoopy mit wassersucht. egal. meine kursleiterin begriff, dass ich es ernst meinte mit meiner idee und motivierte mich anzufangen. also saß ich versunken da, knetete, glättete, zwirbelte und siehe da, nach 45 minuten hatte ich eine recht robuste schale vor mir stehen. sie war deutlich größer als geplant. deutlich. sie eignet sich sicher auch als chipsschale oder obstschale 😆

dann kam der hund in teilen. 4 füße mit pfoten, die auch einem elefanten passen würden. ergebnis: schale auf 4 füßen mit pfoten. als nächstes kam ein imposanter geringelter hundeschwanz. den musste ich nach dem ranbappen an die schale mit folie stützen, damit er nicht abbricht. ergebnis: schale mit 4 füßen, pfoten und ringelschwanz. dann kam die königsdisziplin: der kopf. okay, hierzu brauchte ich einige anläufe, denn er sah zunächst aus wie ein pferd, dann wie ein schaf, dann wie ein idiot und dann *tataaa* wie ein hundekopf. es folgten 2 große schlappohren, eine dicke hundenase und fertig war die tibet-terrier-schale.

und wie toll die aussieht, ich fass es nicht. die kursleiterin war völlig begeistert, so etwas hatte sie noch nie gesehen. ich auch nicht, haha 😆

in mir steckt also eine große künstlerin. ich schmeiße meinen job hin und werde professionelle hundeschalen-ton-modeliererin. dann zieh ich nach ibiza und verkaufe meine kunstwerke am strand. es gibt im leben immer eine alternative, wenn man sein wahres potential entdeckt 😉

am mittwoch wird das große werk glasiert und gebrannt. dann gibt es hier ein foto, versprochen!