Rehageflüster: Kleine Lästerstunde

vielleicht habt ihr es schon gemerkt, dass ich mich diesmal mit reha-lästereien zurückhalte. ich bin zugegebenermaßen ein wenig von meiner letztjährigen reha-läster-begebenheit traumatisiert. ihr erinnert euch: ich wurde noch in der klinik von einem mitpatienten enttarnt. peinlich, peinlich.

tief in mir sitzt die angst, dass, während ich ahnungslos tratsch blogge, plötzlich eine walküre auf mich zurast, mich am kragen packt, schüttelt und brüllt: „sooooooo, ICH bin also die fette wuchtbrumme mit oberlippenbart, die in ihren kräutertee sabbert?????“

aber so ganz ohne tratsch geht es nicht. außerdem reise ich nächsten montag ab. also, los gehts, wen hätten wir den da *händereib*

fangen wir mit meiner ganz speziellen freundin an, annabelle. annabelle ist chronisch gut drauf. sie ist durchtrainiert, jüngeren datums, stets dynmischen schrittes unterwegs, die trendigen sportklamotten sitzen perfekt, der dunkle pferdeschwanz wippt frohgemut im takt. annabelle sprüht vor lebensfreude und munterkeit. im speisesaal lacht sie am lautesten. abends in der kneipe um die ecke auch. annabelle kennt jeden, liebt jeden, umarmt jeden. annabelle ruht ganz in ihrer mitte und fordert ihre gesamte umgebung auf, ebenfalls seine mitte zu suchen. sie findet alles und jeden SUPPPIII!!! wenn man annabelle dreimal hintereinander aus nächster nähe erlebt hat, möchte man ihr gerne eine große socke in den mund stecken, wahlweise ihren hals ein paarmal umdrehen.

wen hätten wir noch? ahhh ja, die reha-irre. in jeder reha gibt es eine reha-irre. dieses jahr ist es mäggie. mäggie, mit betonung auf gg, ist undefinierbaren alters und ähnelt einer mumie. sie ist ausgedörrt, gestählt, trägt eine art indianerstirnband und bewegt sich mit einer dynamik, dass es einem angst und bange wird. sie wirkt, als wäre sie in einer mission unterwegs. im zirkeltraining powert sie wie ein duracellbatteriebetriebener hase, im nordic walking ist sie immer die erste, im frühsport rast sie im kreis herum wie gedoped und stürzt sich im anschluss bei jedem wetter in die nordsee.

„kein schöner anblick mehr.“ konstatierte heute morgen eine mitpatientin trocken.

ebenfalls in jeder reha gibt es den aufreißer. im letzten jahr war es jochen, der auf dicke frauen stand. dieses jahr ist es mäx. mäx ist mittelgroß, dynamisch, und sehr läääässig, schmissig. er geht federnden schrittes durch die rehaanlage, fährt sich grinsend durchs haar und verteilt petzaugen. und legt die eine oder andere flach. vermute ich jedenfalls. da ich ihn schon mehrfach abends in wechselnder, giggelnder begleitung gesichtet habe. er erinnert mich an meinen exmann. ganz schlecht.

ich hätte noch eine terror-else anzubieten. sie ist etwa 100, hat eine sagenhafte turmfrisur und begleitet ihren etwa 200 jahre alten mann. und terrorisiert ihn. er hat klumpfüße und krücken. sie einen rollator. mit dem rollt sie wie eine furie im foyer herum und managed ihren armen mann. gerade sitzt er etwas erledigt vor der großen frontscheibe im foyer. schön im schatten einer gardine, da die sonne reinknallt. sie zieht sie auf, damit er licht hat. „du brauchst licht, LICHT!“ schmunzelnd beobachte ich, wie sie gerade zur rezeption rollt und er schnell und heimlich die gardine wieder zuzieht und unschuldigt guckt.

und ich gucke jetzt mal in den speisesaal, das mittagessen ruft. und heute nachmittag pack ich die badehose ein und hau mich sowas von an den strand.

macht es gut, ihr lieben, eure bikiniwolf

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Rehageflüster: Völker, hört die Signale

hm. hmmmm. hmmmmm. ich kann menschen, die streiken, durchaus auch verstehen. und wenn die mitarbeiter der nordseeklinik unterbezahlt und ausgebeutet werden, dann ist das sicher gemein. aber ich bin als patientin hier, in meinem fall kostet das die deutsche rentenversicherung eine menge geld, und ich bin hier, um durch zahlreiche, zielgerichtete anwendungen kraft und ausdauer aufzubauen. und nicht um antistreikzettel der mitpatienten oder solidaritätsstreikzettel der klinikmitarbeiter zu unterschreiben. oder mit anderen patienten mit transparenten „behandelt uns endlich richtig“ und „gebt uns salat zu essen“ durch die klinikflure zu ziehen und streikenden klinikmitarbeitern mit transparenten „behandelt uns endlich richtig“ und „gebt uns mehr geld“ zu begegnen. grrr. auf den fluren rotten sich wütende patienten zusammen und rufen die revolte aus, in den therapiezimmern und im speisesaal klinikmitarbeiter. um 11 war heute meine visite angesetzt und ich hatte mir vorgenommen, mich dort auch mal zu beschweren. als ich vor der tür stand, klebte dort ein zettel mit der botschaft: „internistische visite fällt heute aus organisatorischen gründen aus.“ wie jetzt? ich nehme an, die ärzte verstecken sich irgendwo, weitab revoltierender patienten, im keller.

aus allen ecken hört man die gleichen gespräche: „ich will mich ja nicht beschweren, aaaaber so eine unverschämtheit, ich will mein geld zurück etc. pp…“ gerade beschwert sich am nachbartisch eine garstige, ausgemergelte mittfünfzigerin darüber, dass sie viiiieeel zu wenig anwendungen hat und nicht mehr alle 2 tage spaghetti mit hackfleischsoße aus der büchse fressen mag, ihr moppelrundes gegenüber hingegen meckert, man würde sie nur durch die gegend hetzen, von einer anwendung zur nächsten und sie wolle endlich mal das meer sehen. das einzige gute nach 3 wochen sei, dass sie 6 pfund zugenommen hat, das täte ihr gut, sie wäre ja vorher sooo entsetzlich abgemagert gewesen 😯

draußen regnets.

das herumsitzen und in der gegend herumstreunen hat aber auch einen vorteil. man sieht so einiges. zum beispiel ingrid steeger. ne, ne, nicht die echte, aber ein einwandfreies double. oder die adlige schwester. läuft in pastellfarbenen dreiteilern durch die gegend, mächtig mit ketten behängt und einer brille, die man noch aus den siebzigern kennt, so mit schmetterlingsbügeln und glitzer, voll krass. es gibt natürlich auch hier, wie in jeder reha, den club der dicken, die fröhlich und moppelig herumsitzen und sich mit tricks und kniffs vor den anwendungen drücken sowie den club der perücken-emmas. ich weiß, voll gemein, aber als selbst-krebskranke darf ich sowas 😉 und, da es hier auch eine orthopädische abteilung gibt, robbt hier so allerhand hinkend und gebückt durch die gegend. von den schuppenflechten aus der derma-abteilung nicht zu sprechen. da ist man mit brustkrebs doch gar nicht so schlecht bedient. bin ich heute ein klein wenig zynisch? ach, passt schon.

gestern mittag verstrickte ich mich vor dem eingang zum speisesaal beim händedesinfizieren (ja, händedesinfizieren, denn es gab hier gerade einige noro-virus-fälle) mit einer gruppe frauen in eine diskussion darüber, ob einen die krebskranken, die schuppenflechten oder die hinkeheinis mehr runterziehen. jeder beharrte natürlich, ganz gemäß seiner eigenen befindlichkeit, darauf, dass es immer die anderen sind, die einen mehr runterziehen. es ist schon auch spaßig hier 😉

gestern nachmittag, als ich einen schönen strandspaziergang unternahm, gesellte sich eine reha-insassin an meine seite und wir kamen ins plaudern. das heißt, sie plauderte. wie ein maschinengewehr ließ sie salven auf mich los, dabei wild mit den armen fuchtelnd: also, ich bin schon die vierte woche hier…bra bra bra….ich mache alles immer, aquajogging, walking, lehmbrennen, yoga, krafttraining…bra bra bra….also man muss zur therapieleitung und die mal so richtig zur minna machen, dann läuft das…bra bra bra….und dann muss man ja auch noch fahrrad fahren, kreuz und quer über die insel und immer schön den strand auf und ab…bra bra bra….oh, schon 10 minuten vorbei, ich muss schnell weg, zum qi gong, und tschüss.“ 

erschöpft frage ich sie zum abschied: „weswegen bist du eigentlich hier?“

„burn out, burn out!“

😉 😉 😉

so, ihr lieben, jetzt gehe ich mir die spaghetti mit hackfleischsoße reinhauen und dann wickel ich mich in meinen ostfriesennerz und radle zum reitstall. hin und zurück immerhin 20 km. meine heutige anwendung. do it yourself.

eure katerwolf 😆

Überleben im Cluburlaub: erziehungsfreie Pestbeulen

Aus gegebenem Anlass folgt nun eine Zusatzkategorie, die erziehungsfreie Pestbeule: „Oooohhhhnee, ooo-hoooo-ne, ooooohneee hab ich gesagt!“ schallt es vom Mittagsbuffet zu uns herüber. Kurzer Blick über die Schulter: ein etwa 9-jähriger Rotzlöffel lehnt am Hamburgergrill und erteilt dem netten Türken hinter dem Grill feldwebelmäßig Anweisungen, dass es ohne Zwiebel, Tomaten, Soße und alles sein soll. Ohne Bitte ohne Danke, einfach nur unfreundlich. Der nette Türke entschuldigt sich und legt einen neuen Hamburger auf den Grill. Der Gatte, sichtlich not amused über den Ton des jungen Mannes, schlendert zu ihm, beugt sich zu ihm herab und flüstert ihm ins Ohr: „Freundlich, bitte!“ Verständnisloser Blick seitens des Jungen.

Kurze Zeit später am Pool: ein Mädchen will nicht aus dem Wasser. Mutter versucht freundlich lange Zeit alles Mögliche. „Marie-Clare-Emma-Luise, würdest du bitte jetzt aus dem Wasser kommen, Mami ist sonst gaaanz, gaaanz traurig!“ Kind ignoriert das geflissentlich. Als es schließlich nicht drumherum kommt, gehts los: Wutanfall, Zornesausbruch, wildes Beschimpfen der Mama, Sachen herumschmeiß. Deutschland, deine Kinder.

Eine Weiterentwicklung der kleinen, verzogenen Pestbeule ist der Jung-Teenager mit IPhone. Dieser ist im Club in Gruppen anzutreffen, meist trohnt eine Bienenkönigin in der Mitte, umgeben vom Fußvolk, und keiner spricht. Warum? Das ist out. Stattdessen schicken sich alle untereinander Nachrichten aufs IPhone.

Und weil es hier so schön reinpasst, die Kategorie der Urlaubs-Familienvater. Dieser trägt tagsüber seine Brut auf dem Arm, wahlweise führt er sie an der Hand, gerne begleitet von der Kindsmutter, einem jungen Klon- Blondie in Ralph Lauren Sport Outfit. Irgendwie spürt man, dass er das zuhause eher selten tut. Dort ist Blondie nebst Brut mehrheitlich alleine zu Hause, während Paps von Meeting zu Meeting und ab und an von Zweitblondie zu Drittblondie düst. Nicht so im Urlaub, das wird alles nachgeholt! Paps watschelt hier im jugendlichen Outfit mit Baseballkappe verkehrtherum auf der Omme durch die Clubanlage und erklärt den Kids lautstark die Welt. „Siehst du, Ole, das dort drüben ist die Brottheke. Wollen Paps und Ole mal ein Brot holen gehen? Komm, Ole, jetzt gehen Paps und Ole mal pullern. Sollen wir den Pullermann mal rausholen?“

Abends, wenn Blondie und Nachkömmlinge schon schlafen, mutiert der Urlaubs-Familienvater zur Kategorie der Aufreißer und macht an der Clubbar einen los. Baggert, trinkt und tanzt Hiphop auf der Tanzfläche. Bevorzugte Sexpartner dieser Kategorie ist alles, was willig ist. Zu später Stunde entdeckt man ihn beim obligatorischen Cluburlaub-Resteficken.

Überleben im Cluburlaub: Der Sportfanatiker

Wenn man Cluburlaub macht, begegnet man unweigerlich der Kategorie Sportfanatiker. Den Sportfanatiker erkennt man an seinem Sport-Outfit und an seinem dynamischen Gang. Damit meine ich, er hat sein Sport-Outfit immer an und ist immer dynamisch unterwegs. Schaut man frühmorgens aus dem Hotelzimmer, etwa um das Wetter zu prüfen, sieht man ihn schon durch die Clubanlage joggen. Später, beim Frühstück, kommt er dynamisch und ernst dreinschauend angeschossen, belädt sich mit Müsli, Obstsalat und Fruchtshake, vertilgt alles hektisch und schon düst er wieder vondannen, einen Kometschweif hinter sich herziehend. Zur nächsten Sporteinheit. Der Sportfanatiker ist ein Einzelkämpfer, schließt sich im Club aber gerne auch mit Gleichgesinnten zusammen. Ähnlich spaßfreie Gesellen, wie er selbst.

Zu welchem Sportprogramm auch immer man selbst erscheint, der Sportfanatiker ist schon da, weiß welche Matten und Hanteln und Stricke man braucht und macht sich schon warm. Während man selbst bei Step 1 mit seinen plötzlich 10 Armen und Beinen kämpft, hüpft er dynamisch auf und ab und sieht entsetzlich motiviert aus. Neben ihm kommt man sich grundsätzlich wie der Gruppenspast vor. Kommt man mit ihm ins Gespräch, will er wissen, ob man schon Aerobic, Bogenschießen, Hot Iron, Fatburner und Indoor Cycling gemacht hat und wie es war. Wenn man das verneint, ist man eh untendurch und wird wie Luft behandelt. Am liebsten macht er fanatisch Indoor Cycling, da geht er so richtig ab. Zum Warmwerden genau das Richtige. Während der Cycling- Otto Normalo nach dieser Brutaloeinheit keuchend in der Ecke liegt, sprintet der Sportfanatiker wie der Roadrunner die Treppe runter, schnappt sich ein paar Hunteln und geht 2 Stunden am Strand joggen.

Abends sitzt er dann gestählt am Achtertisch, schaut olympisch umher und schweigt. In der Clubdisco ist er eher nicht anzutreffen, er muss früh schlafen gehen, Kräfte für den nächsten Tag sammeln. Freundschaften im Club pflegt er, abgesehen von anderen Sportfanatikern, auch mit der Kategorie verhungerte AerobicSchnepfe und gestresster Planabarbeiter. Mit dem Vielfraß steht er auf Kriegsfuß, ebenso mit dem Primat. Als Club-Sexpartner kommt am ehesten die AerobicSchnepfe in Frage.

Bericht aus der Reha: vorläufig letzte Lästerstunde

jaaaa, denn morgen fahre ich nach hause. also schnell noch ein paar lästerwürdige news aus der reha 😉

gunter sachs ist am wochenende angereist. sieht zumindest aus wie gunter sachs. ein playboy erster güte. steinalt. lässig lange graue haare. verwaschene jeans. weißes hemd. coole lederweste drüber. megasupercoole sonnenbrille – immer, auch abends. nennen wir ihn bandscheiben-gunter. schlurft mit wolfsblick über das gelände und macht den denver-clan wuschig.

dann gibt es hier seit paar tagen den club der lustigen witwen. auch steinalt. superlustig drauf. sind schon das 7. mal zusammen hier. kennen sämtliche verbotenen schleichwege, über die man die klinik auch nach der sperrzeit um 23 uhr betreten kann, inklusive akut-krankenhaus-katakomben. das ist gut zu wissen, denn die sperrzeit hier ist strikt. letztes jahr sind wohl 2 nach hause geschickt worden, weil sie versucht haben nach mitternacht in ziemlich alkoholisiertem zustand über die feuerleiter in die klinik zu kommen :mrgreen: jedenfalls sind die witwen klasse. mit allen wassern gewaschen und kennen unglaublich viele, versaute witze.

dann habe ich gestern zu vorgerückter stunde noch einen anderen club entdeckt: den club der armen socken. sind so die ganz ganz armen socken der reha. sehen aber so aus, als hätten sie auch spaß.

hannelore und massai sind nun zusammen verschollen. wo die wohl stecken? tstststs.

ansonsten hatte ich ein tolles wochenende. was WAR das für ein schönes wochenende. am freitag mit schatziputzi nach list geradelt und zurück und abends in der heiß empfohlenen strumhaube zu abend gegessen. tolles lokal. super essen. lässiger ort. danach auf dem rückweg noch bei wonnemeier eingekehrt, meine reha-clique vollzählig angetroffen und gemeinsam am strand bei einem super leckeren caipi einen sensationellen sonnenuntergang genossen.

am samstag endlich endlich endlich der heiß ersehnte ausritt durchs watt. WOOOOWWWWWW. das war so toll, ich bin immer noch ganz aus dem häuschen. hat einfach nur spaß gemacht, so im vollen galopp über das watt zu brettern. es lebe das hottehü!

abends dann mit der clique im strandhaus fußball gesehen und anschließend einen sehr lustigen abend verbracht mit gemeinsamen ablästern. unter anderem erfahren, dass einige brustkrebs-mädels zum spaß die perücken tauschen um ihre tischnachbarn zu verwirren *lach* man bekommt mit der zeit echt galgenhumor.

gestern dann noch schnell einen brunch in der sansibar, einfach nur um mal da gewesen zu sein. sylt ist echt eine insel der coolen locations. ich komme sicher wieder.

jetzt geh ich mal was futtern und später stell ich noch paar fotos ein, die ich hier gemacht habe. bis gleich….

Bericht aus der Reha: Ich habe einen Traum…

seit ein paar tagen habe ich einen traum: ich lebe auf sylt, in einem schönen, alten friesenhaus mit blumengarten, ich habe ein pferd, ein rudel hunde und bin schriftstellerin. mein brustkrebs bleibt für immer weg. und ich bin unendlich glücklich.

*seufz*

was gibt es hier eigentlich neues? ich war am sonntag nochmal reiten. und war noch viel schöner als am samstag. herr eiche setzte vollstes vertrauen in mich und gab mir ein flotteres pferdchen. lacrosse. lacrosse ist ein tolles pferd. flott, brav, weich im maul und im rücken. hach, herrlich. ich habe nach gefühlten 100.000 jahren versucht, den trab und den galopp auszusitzen und was soll ich sagen: es hat geklappt. nicht nur das. nach einigen minuten war das alte gefühl wieder da. dieses wunderbare gefühl, das einen überkommt, wenn man auf einem pferderücken vor sich hin trabt oder galoppiert. ich bin darüber so froh, ich kanns euch gar nicht sagen. am samstag gehe ich dann endlich 2 stunden ins gelände. ins watt. und ich habe mir fest vorgenommen, die reiterei auch zu hause wieder aufleben zu lassen. muss mir noch überlegen wie.

erstmal *tadaaa* fahre ich ende september für 1 woche nach polen auf einen reiterhof. *jaaaaaaaaaa*. schon alles gebucht. ich freu mich wie wutz. 1 woche sternritte durch die pommersche seenplatte, abends lagerfeuer UND ich kann joschi mitnehmen. UND das ganze kostet nur einen appel und nen knopp.

ich habe nach meiner diagnose nämlich einen entschluss gefasst, wie ihr wisst. der da heißt: prioritäten neu sortieren. und ganz vorne, an 1. stelle steht jetzt: wieder dinge tun, die mir spaß machen. sie auch wirklich machen.

ich hatte gestern einen termin beim sozialdienst, denn ein service der rehaklinik ist es auch, die wiedereingliederung ins berufsleben in die wege zu leiten. tja, jetzt werde ich also am 20. juli wiedereingegliedert. 7 wochen lang, erst 4 wochen lang 3 stunden täglich, dann 2 wochen lang 5, dann 1 woche 6 und schließlich wieder voll. und dann erstmal nach polen – auf den schock hin 😉

ich habe beschlossen, ab januar nächsten jahres meine arbeitszeit zu reduzieren und nur noch 3/4 zu arbeiten.

ein paar lästereien gibt es auch, hier aus der klinik, es gibt nämlich ein paar neuzugänge 😉

: da wäre zunächst ein neuzugang am denver-clan-tisch. da sitzt seit gestern nun barbie. eine schon etwas ältere barbie. also, wenn es eine model barbie, geliftet gäbe, so sähe sie aus. zieht sich zu allen mahlzeiten um, kommt in großer robe mit passender handtasche, hochsteckfrisur und trägt goldene fußkettchen zum sport. sportklamotten ist nicht. nein, sport wird in rosafarbenen capri-jenas mit passendem fußkettchen absolviert. die bewegungen sind, sagen wir mal, alle sehr geziert und anmutig. läster, ich weiß, aber ich komme sicher nicht in die hölle 😉

weiter gehts: seit gestern gibt es hier ein objekt der begierde. steckbrief: etwa 2 meter groß, muskulös, jung, schwarz, sexy. *lechz*. wir nennen ihn heimlich den massai-krieger. schlendert im raubtiergang durch die gänge und grüßt mit einem lasziven:

„hi, how is it doing?“

gestern abend kam er mir frontal im schmalen gang entgegen *schwitz*

„hi, how is it doing?“

fragte er mit seiner tiefen stimme.

ich, mit minnie mouse stimme:

„ohhhh, thaaaank you, fine!“ „giggelgiggel“  „piieeeps“ „quiiieeetsch“

*rotanlauf*

ist das die möglicheit? hallo, katerwolf? gehts noch?

tatsächlich so passiert, gestern abend, 18:30 uhr.

alle schwärmen für ihn. die mädels aus meiner clique hier schmieden pläne, wie sie an seinen programmplan rankommen um die zeiten auszuspionieren, wann er im schwimmbad und im geräteraum training hat 😆

ach, herrlich, für sowas wird man doch nie zu alt.

ebenfalls neu seit sonntag ist die gitarrenspielerin. spielt zwischen den anwendungen immer und überall gitarre. und singt dazu. gar nicht mal so schlecht, außer sie singt marianne rosenberg, das kann sie nicht. sie spielt auch abends am strand, was sehr schön ist. allerdings ist es auch wichtig, dass die spielt. denn wenn sie nicht spielt, quasselt sie. ich meine, sie quasselt. unglaublich. und hört nie mehr auf. bis man einen kreislaufkollaps bekommt. und nun dürft ihr 3x raten, mit wem sie gestern zu später stunde am strand im strandkorb saß? mit unserem massai-krieger. sauerei sowas!

ich war gestern dafür noch mit paar mädesl bei wonnemeier, sonnenuntergang schauen. was war das schön. die sonne versank glutrot in der spiegelglatten see. wir saßen mit caipis bewaffnet im strandkorb, aus am strand aufgestellten lautsprechern erklang chill-out-music und das leben war einfach nur schön. ob ich wohl hauptberuflich hier in der reha bleiben kann, für immer?

naja, ich habe ja jetzt meinen traum….

Bericht aus der Reha: kleine Lästerstunde

ich komm deswegen sicher nicht in die hölle, wenn ich jetzt mal ein kleines bisschen lästere, oder?

also: ich bin ja jetzt 10 tage hier in der rehaklinik und habe einen ungefähren überblick darüber, wer hier so alles durch die gänge kreucht und fleucht. die meisten sehen völlig normal aus. obwohl, lustig ist das ja schon. in wirklichkeit ist das hier ja so eine art reparaturwerkstatt. so wird also gehinkt, geschlurft, geschleppt, aber auch dynamisch mit federndem gang gespurtet und man fragt sich dann jedesmal: „hm, weswegen der oder die wohl hier ist?“. die klinik ist spezialisiert auf brustkrebs-, orthopädie-, allergie- und hauterkrankungen. die hautleute erkennt man meist sofort ;-), die orthopädieleute je nach gebrechen, die brustkrebsleute haben in der regel kurze haare oder perücken und man erkennt sie auch. aber es gibt auch ausnahmen. so erkennt man mich zum beispiel nicht als brustkrebspatientin, weil ich meine haare noch habe. vermutlich rätseln auch einige, warum ich hier bin.

neben den vielen normalos gibt es hier aber auch ein paar skurile gestalten. mr. boombastic hatten wir ja schon. er bleibt sich treu. man sieht ihn meist von kichernden blondinen umgeben, zum frühsport erschien er heute mit spiegelverglaster rayban-sonnenbrille und sonnengebräunten oberarmen. yes! dann haben wir einen sehr skurilen zeitgenossen hier. ich nenne ihn mr. robbe, weil er so einen seehundschaunzer hat. er hat wuschelige, graue haare, besagten schnorres und läuft konsequent im anzug herum, mit seidenschal, jawoll. zum sportprogramm erscheint er im immer gleichen sportanzug, marke ich bin schon 100 jahre alt und nicht gewaschen, wanderschuhen und bei outdooraktivitäten mit steppjacke drüber. er hat immer den gleichen gesichtsausdruck – grimmig – und ist irgendwie immer neben der spur. heute beim frühsport standen alle in einem großen kreis am strand, wer steht fast in der mitte, alleine? robbe. so kam die ganze gruppe in den genuss, ihn beobachten zu können. vor allem die übung wir rotieren die arme in entgegengesetzter richtung bot amüsante blickmöglichkeiten. meine nachbarin stupste mich kichernd an und sagte: „hihi, stell dir vor, wir wären im fernsehen und alle würden ihn sehen. da käm doch keiner mehr her.

dann gibt es noch die tussi-clique. sitzen alle an einem tisch, wir nennen ihn den denverclan-tisch, sind um die 60 und kommen immer in vollem prunk zum essen. ich mein, hier kommen fast alle im sport-outfit, aber die tussis nicht. escada, hermes, burberry, am besten alles kombiniert in schrillen farben, dazu goldene kreolen bis zur schulter. sehr lustig. auch die gesichter sind „bearbeitet“.

wen hätten wir noch? den club der lustigen tanten. wohnen bei mir im gang, sind um die 70 und mächtig gut drauf. fragen immer lustige sache, zum beispiel heute: „sagen sie mal, die gemischte sauna am donnerstag, ist die nackig?“ ich: „nein, soweit ich weiß, nicht.“ tante: „och schade, dann geh ich nicht hin.“

ach ja, und jesus ist auch hier. lange haare, jesuslatschen, und dieser besondere blick. sehr speziell. von dem habe ich noch nicht so ganz den plan im sack. muss ich dranbleiben.

so, erstmal genug gelästert für heute. was gibts ansonsten? mir gehts wieder gut, das ei ist sozusagen wieder gekocht. allerdings soll ich morgen nochmal zum psychologen, hmpf, ich hoffe, der versaut mir nicht das wochenende. habe aber gehört, dass alle heulend da rauskommen. ich war heute extrem aktiv und merke bereits, wie meine fitness steigt. meine beine laufen irgendwie von alleine und fühlen sich total leicht an, echt coooool. ich war heute um 7 zum frühsport am strand und danach im geräteraum zum krafttraining und danach schwimmen. nachmittags gabs wieder mein geliebtes qigong und ich habe 30 minuten lang nur solche dinge gemacht: den regenbogen getragen; wolken hochgehoben, auseinandergeschoben und verteilt; den himmel gestützt; den adler erschossen und schäfchenwolken zart gestreichelt. was für ein herrlicher zeitvertreib! „und, was hast du heute so gemacht?“ „och, schäfchenwolken zart gestreichelt.“ 😆

danach stand nordic walking & walking auf dem programm. für mich das erste mal hier. als ich am treffpunkt ankam, stand da eine voll dynamische truppe in den startlöchern. eine zu spät kommende, ältere, sehr füllige frau begrüßte uns mit den worten: „ohjeh seht ihr alle sportlich aus. wird die gruppe geteilt? in sportliche und solche wie mich?“ jesus war auch da und schaute mich hypnotisch an. und die robbe war da – grimmig wie immer.

wir hatten einen prächtigen sonnentag heute und ich war 1 stunde am strand und war nackig schwimmen. toll, so ein fkk-strand. jetzt werde ich nochmal zum strand runtergehen und mir den sonnenuntergang anschauen. hey, nicht schlecht, oder?