Ein lustiger Abend

manchmal muss man abends einfach den hintern vom sofa hieven, rein in die schlappen und sich unters volk mischen. raus aus der routine. so wie gestern abend.

die sonne kam gerade raus, und gatte und ich beschlossen spontan, dem häuslichen sofa zu entfliehen. in einem kleinen klub in der innenstadt wurde eine lesung gegeben. kennt ihr oliver uschmann? den autor von „hartmut und ich“ und weiteren, sehr, sehr lustigen büchern? nicht? lesen. und ablachen.

wie immer war ich von der fixen idee besessen, wir könnten zu spät kommen und keinen sitzplatz mehr ergattern, was zu folge hatte, dass wir bereits viertel nach 6 das haus verließen, in die stadt tappten und um halb 7 vor dem klub standen. der hatte noch gar nicht richtig auf, weil um 7 erst einlass war und die lesung ab 8 beginnen sollte. die sonne schien immer noch schön, und wir beschlossen, ein paar schritte zurück ins studentenviertel zu gehen und bei unserem chaotischen lieblingsitaliener ein gläschen zu trinken. der hatte sogar auf. das ist bei einem wirt, der auf seinem ladenschild unter öffnungszeiten samstag: vielleicht stehen hat, nicht selbstverständlich. er war leider nicht da, dafür eine ebenso chaotische aushilfe, die eigentlich nur thailändisch sprach, uns zuerst einen sekt mit kork ausschenkte und nach rückgabe desselben mit einer neuen, verschlossenen sektflache zu uns kam, meinen mann anschaute und fragte: „helfen?“

schließlich saßen wir zufrieden mit unserem prickelwasser und einer schale oliven auf der gartenterrasse (bestehend aus: 1 kleiner tisch und 2 stühle auf dem bürgersteig, alles schief) und beobachteten zufrieden das straßenleben. ein buntes völkchen war unterwegs. sehr schön. nach ein paar minuten rollte eine etwas skurrile gestalt auf rollerblades an uns vorbei, rollte ein paar mal hin und her, blieb vor uns stehen und schaute uns prüfend an. „der hattn schaden.“ ging mir spontan durch den kopf, während ich etwas unsicher seinen blick erwiderte. den hatte er auch. ganz ordentlich sogar. war aber einer von der harmlosen sorte. ein frührentner, der den staat ausgetrickst hatte und seitdem munter auf seinen rollerblades die stadt durchstreifte, auf seine art den staat bekämpfte und das auf sehr unterhaltsame weise zu erzählen wusste. den könnte man einfach so auf die bühne stellen. jedenfalls erzählte er uns, wie er es geschafft hat, das arbeitsamt zum wahnsinn zu treiben, wie er sich wann und wo schon der staatsgewalt inform von „bullen“ widersetzt hatte, er beschrieb dramatisch eine verfolgungsjagd, bei der ihn „bullen“ auf seinen rollerblades quer durch das viertel jagten und wie das ganze dann vor gericht landete. und er erzählte uns, dass er nun ein amtliches schreiben bei sich trägt, dass er „gewisse probleme mit behörden habe“. sehr amüsant das ganze, wirklich.

und dann gingen wir doch noch zur lesung. auch sehr amüsant. der kleine klub war überwiegend mit studenten bevölkert, manche mit wilden rastafrisuren, ganz wunderbar, ich liebe sowas. oliver uschmann ist live große klasse. ein toller entertainer! sein neustes buch beschäftigt sich mit rockfestivals (überleben auf festivals). humorvoll, klug, bissig und herrlich respektlos teilt er festivalbesucher und musiker in kategorien ein und die art wie er das macht, hat zwerchfellmuskelkater zur folge. ich hab so gelacht, dass mir zeitweise die backenmuskeln geschmerzt haben. seine lesung begleitete er mit schnappschüssen von festivalbesuchern, musik und zahlreichen anekdoten. wer einfach mal wieder hemmungslos ablachen will, dem empfehle ich insbesondere die kapitel: cabanossi und bettina.

als wir am späten abend nach hause tappten, waren wir sehr zufrieden mit dem ablauf des abends. so soll es sein! und zu hause freute sich ein wuscheliger tibet terrier frenetisch über die heimgekehrten.

Internetdesaster und ein wahrer Held

mein mann ist ein held. ein wahrer held.

5 tage hatten wir kein internet. davon auch 3 tage kein telefon. unser serviceanbieter hatte eine störung von ausmaßen eines schwarzen lochs vorzuweisen. während unserer konsequenten anrufe bei der service-hotline und dem stundenlangen schweben in musikalischen warteschleifen und roboter-aufforderungen, die 1, 2, oder 3 zu drücken, wahlweise mit ja und nein zu antworten, wurde nicht nur unsere geduld auf eine harte probe gestellt, nein, wir lernten auch nahezu alle hotline-mitarbeiter kennen.

und bekamen immer wieder zu hören: sorry, riesenstörung, wir arbeiten mit hochdruck daran.

wenn man das ausreichend oft gehört hat, wird man aggressiv und bekommt unschöne gedanken. da ich mich in solchen fällen nicht verlässlich unter kontrolle habe, übernahm mein gatte die kommunikation. ich durfte zuhören und durfte zeuge wunderbarer dialoge werden. kleine kostprobe? gerne doch 😉

gatte: „ja, wir wissen, dass sie eine großstörung haben. wir haben ja auch schon etwa 100 x miteinander telefoniert. wie lange dauert sie denn noch?“

hotline: „blablablabla im großraum frankfurt haben an die 60.000 kunden kein internet blablabla

gatte (laut): „DAS INTERESSIERT MICH NICHT. WIR LEBEN HIER NICHT IN OST-ANATOLIEN UND HABEN KEIN STROM. WIR LEBEN IN DEUTSCHLAND UND HABEN SEIT 5 TAGEN KEIN INTERNET!!“

*grins* der kann echt lustig sein, der gatte.

gestern morgen dann der letzte anruf bei der hotline. wir erfuhren, dass die störung behoben und nun vielmehr nur noch bei uns war. liege vermutlich an unserem gerät. saubacken, darauf hatten wir gewartet. es folgte ein unschöner dialog zwischen gatten und hotline und der einigung darauf, dass ein techniker benachrichtigt und zu uns geschickt wird. zum selbstkostenpreis natürlich.

während dieser 5 tage stöpselten wir alle stecker und kabel raus und wieder rein. etwa 5.000 mal. gestern abend griff sich der gatte erneut und entschlossen den laptop und fummelte und stöpselte am gerät und router und an allem herum, was kabel hatte. machte diverse netzwerkdiagnosen und auf einmal, wunder über wunder, schaute er mich ungläubig an und verkündete:

„es geht wieder!“

ich (ebenso ungläubig guckend): „wie hast du das jetzt gemacht?“

er: „keine ahnung.“

ist doch auch egal. hauptsache, es geht wieder. mein mann ist ein held.

und ich, ich kann wieder bloggen, juhuuuuuuuuuuuuuuuuu 😆 😆 😆

3 Wochen Indien: Auf den Leib geschneidert

wo war ich stehen geblieben? richtig, in udaipur. udaipur, die weiße stadt. die wunderschöne, weiße stadt.

es ist erstaunlich, dass man in indien immer wieder in städte kommt, die so viel sauberer und ruhiger sind als der rest. auf unserer reise war das eindeutig udaipur. vielleicht liegt es auch an dem vielen weiß, das in der stadt vorherrscht. udaipur kommt vergleichsweise modern daher. man sieht viele, teure markengeschäfte und teure autos auf den straßen und auch noble wohngegenden.

in udaipur durften wir auch einen langen blick auf das weltberühmte „schwimmende“ hotel oberoi werfen. spielplatz vieler, berühmter filme, ich meine, auch ein james bond wurde dort gedreht. wie eine weiße perle liegt es mitten im schimmernden see.

wir besichtigten einen erstaunlich gut im schuss befindlichen, prachtvollen stadtpalast. kein wunder, dass er so gut gepflegt ist, schließlich wohnt der maharadscha dauerhaft darin. die 2 prächtigen marwarpferde auf dem foto sind das zeichen, dass er gerade anwesend ist,

seht ihr auch den blauen himmel auf diesem foto? *seufz*

wir schlenderten, wie immer überwältigt ob der ganzen schönheit, durch den palast und kamen aus dem staunen gar nicht mehr heraus. schließlich ist udaipur die stadt mit der berühmtesten malschule für miniaturmalerei in indien. früher wohnten die künstler als hofmaler fest im palast. später wurden sie vom maharadscha in ein ebenfalls herrschaftliches gebäude in der stadt umquartiert. auch dort waren wir, aber dazu später. zunächst möchte ich euch noch eins meiner lieblingsfotos zeigen, weil es so viel von der indischen mentalität offenbart: offen, wissbegierig, verspielt, fröhlich, humorvoll, herzlich und sehr, sehr charmant. das foto zeigt eine gruppe junger männer, die sich unserer führung angeschlossen hatten und uns mit ihrer fröhlichkeit immer wieder ablenkten.

udaipur ist auch eine stadt, in der man aufs vortrefflichste einkaufen kann. wir hatten gewissermaßen alle druck diesbezüglich. bislang war kaum zeit, ausführlich zu bummeln und zu shoppen. als sohan uns zunächst in ein textilgeschäft mit hauseigenem schneider und anschließend in die schule für miniaturmalerei geleitete, verfielen teile unserer gruppe in einen ekstatischen shoppingrausch. indien ist das land der schönsten stoffe, die man sich denken kann.

stoff aussuchen, maß nehmen, schneidern lassen: in indien eine angelegenheit von nur ein paar stunden. nachmittags bestellt, wurden uns die wunderschönen sachen schon am abend ins hotel geliefert. wir probierten alles an und liefen umher wie könige und königinnen. kaufrausch teil 2 erfolgte in der miniatur-malschule. es wäre ein leichtes gewesen, ganze laster mit miniaturmalereien mitzunehmen. zum glück sind diese kostbaren kunstwerke auch in indien teuer.

man könnte meinen, das reicht für einen tag. aber nein doch. mitnichten 😉 es erstaunte mich die ganze reise über wie viel schönes und erfreuliches man an einem einzigen tag bewältigen kann. so setzten wir nach dem abendessen noch einen lang gehegten, von mir infiltrierten, plan in die tat um: bollywoodkino. von anbeginn schmachtete ich die allgegenwärtigen kinoplakate des neuen shah rukh khan films ra-one an. damit stand ich aber nicht alleine da 😆 so war die gruppe derer, die am abend ins kino mitkamen, größer als erwartet. lustigerweise wollte auch unsere busfahrer mit, so dass wir bequem mit dem bus ins kino fuhren. das kino, super modern und großzügig, lag in der obersten etage eines shopping centers. allein das shopping center war ein einmaliges erlebnis. es gab nur wenige geschäfte, dafür umso mehr menschen, die in horden durch das gebäude liefen und sich ihres lebens freuten. es sah fast so aus, als wäre es eine art volksbelustigung, ins shopping center zu gehen und rolltreppe zu fahren. rauf und runter. köstlich! ra-one lief an dem abend leider nicht, und so einigten wir uns auf den brandneuen bollywood-kassenschlager rockstar. in hindi. ohne untertitel. zum brüllen. wir saßen im kino, starrten gebannt auf eine riesige leinwand, auf der getanzt, gesungen, geliebt und gelitten wurde und verstanden kein wort. erstaunlicherweise konnten wir alle der handlung folgen. bollywoodfilme dauern in der regel mehrere stunden. da es schon spät war, blies sohan gegen halb 12 zum aufbruch und wir verließen schweren herzens das kino. mit dem festen entschluss, noch auf dieser reise das versäumte nachzuholen. noch immer berauscht von dem erlebnis gingen wir richtung bus, als uns auffiel, dass der busfahrer fehlte. weg. einfach weg, der gute mukesh. sohan versuchte ihn auf dem handy zu erreichen. vergebens. es verging etwa 1/2 stunde, bis er ihn  erreichte und mukesh aus dem kinosaal kam. und was war? mukesh war im film eingeschlafen. als sein handy ihn weckte, war er völlig verwirrt, dass wir alle weg waren. wir trösteten ihn, dass er den film verpasst hatte, worauf er uns nur breit angrinste. er wollte den film gar nicht sehen, er wollte nur mit ins kino, weil die kinosessel so bequem sind und er darin schlafen wollte 😆