Tamoxifen, Antihormontherapie & Co

immer wieder erreichen mich anfragen von betroffenen, ich solle öfters darüber schreiben, wie es mir während der therapie ergeht. tatsächlich schreibe ich nicht so häufig darüber, weil ich manchmal denke, das mag keiner auf dauer lesen. und vergesse darüber, dass es sehr wohl viele gibt, die das gerne lesen, da sie sich auf diese art informieren können. daher werde ich von nun an regelmäßiger über den therapieverlauf berichten. keine angst, meine lustigen geschichten aus dem leben kommen dabei nicht zu kurz, dafür habe ich noch zu viele auf lager 😆

heute vor einem jahr….

auf den tag genau heute habe ich im vergangenen jahr den knoten in meiner brust entdeckt. und befand mich von einer auf die andere sekunde in einem orkan, der mich lange in alle richtungen schmiss, auf und ab, hin und her. am 22. januar war die operation und anfang februar begann meine antihormontherapie. zunächst mit der einnahme von tamoxifen, kurze zeit später die bestrahlung, im märz die erste zometa-infusion und ab april zusätzlich zoladexspritzen. unmittelbar nach der operation, im februar, habe ich mich komplementär zu einer akupunkturbehandlung entschlossen (insgesamt 35 sitzungen, 3x wöchentlich, inklusive verlängerung). ich meine, dass mir die behandlung sehr geholfen hat, in jeglicher hinsicht. mitte juni bin ich nach sylt in die reha gefahren, was mich enorm nach vorne gebracht hat. nicht nur körperlich, durch intensive sporteinheiten, sondern auch seelisch, durch großartige therapiesitzungen beim klinikpsychologen, durch für mich wichtige kontakte, die ich dort knüpfte und durch die ungemein wohltuende atmosphäre sylts. die nordseeklinik westerland leistet hervorragende arbeit, hut ab! rückblickend kann ich sagen, dass die reha den umschwung zum guten brachte. wer mehr über meine reha erfahren möchte: ich habe aus der reha gebloggt (mitunter sehr amüsant) und alle berichte unter der kategorie brustkrebs abgelegt.

seit august ergänze ich die therapie durch mistelspritzen, hauptsächlich um den nebenwirkungen von tamoxifen und zoladex entgegenzuwirken.

ich bin 2010 durch eine große bandbreite von nebenwirkungen hindurch gegangen: hitzewallungen, stimmungsschwankungen, schlaflosigkeit, unruhe, gereiztheit, große müdigkeit, appetitlosigkeit, keine lust mehr auf körperliche nähe, um nur einige zu nennen. ich hatte glück, keine chemo machen zu müssen, da mein tumor nicht gestreut hatte. dafür habe ich die bestrahlung nicht sehr gut vertragen. ich war völlig erledigt und verbrachte tage auf dem sofa oder eierte mit dem hund ums haus. es ist mir ein rätsel, wie es manche frauen schaffen, während der bestrahlung arbeiten zu gehen. ich habe aber zahlreiche getroffen, die die bestrahlung kaum als belastend erlebt haben. grundsätzlich habe ich immer wieder erlebt, dass die eine frau das eine, die andere frau das andere besser verträgt. es lässt sich schwer auf einen nenner bringen. mein persönlicher horror heißt: zoladex. wenn ich diesen riesen-oschi von spritze schon sehe, wird es mir anders. das ganze letzte jahr war ich nach der spritze regelmäßig 2 tage völlig schlapp und musste in der regel zu hause bleiben. zoladex ist grässlich. aber ich bin andererseits doch froh, dass es das gibt! die letzten beiden male war es besser und ich habe grund zur hoffnung, dass ich mich daran gewöhne. die schwester lässt die örtliche betäubing nun doppelt so lange einwirken, so dass ich die injektion kaum noch spüre. und nach der letzten spritze war ich nur noch 1 tag schlapp und am nächsten konnte ich schon wieder reiten gehen.

zometa habe ich bislang 2x bekommen und es jedesmal erstaunlich gut vertragen. es gibt viele, die vor allem die erste infusion schlecht wegstecken und tagelang heftige gliederschmerzen haben.

wie geht es mir jetzt mit der therapie, nach fast 1 jahr? grundsätzlich kann ich sagen: das hängt immer ganz davon ab ob ich gerade meine gut-schlaf- oder schlecht-schlafphase habe. seit 1 woche schlafe ich wieder gut. enstprechend gut und stark fühle ich mich. davor hatte ich eine ausgeprägte 3 wochen anhaltende schlecht-schlafphase mit im schnitt 3 stunden schlaf pro nacht. entsprechend mies ging es mir in dieser zeit. ich bin dann müde, unkonzentriert, nicht belastbar, verheult und tendenziell depri. das richtige mittel gegen die schlaflosigkeit habe ich noch nicht gefunden. sport scheint zu helfen. und zwar sport, der müde macht, zum beispiel 3x die woche 40-60 minuten joggen oder, wie jetzt, 3 x die woche 40-60 minuten schwimmen. es ist nicht so, dass ich danach immer schlafe wie ein stein aber ich fühle mich dann ausgeglichener, auch wenn ich schlecht schlafe. derzeit handhabe ich das mit der schlaflosigkeit so: ich genieße und nutze die gut-schlafphasen und akzeptiere zähnknirschend die schlecht-schlafphasen in dem bewusstsein, dass sie vorüber gehen, irgendwann. und das es schlimmeres gibt.

das reiten tut mir gut, eindeutig. selbst wenn ich mich völlig erschlagen fühle während ich zum pferd fahre, danach fahre ich immer zufrieden und pfeifend zurück. das schreiben tut mir ebenfalls gut. manchmal fühle ich mich grässlich und wenn ich anfange darüber zu schreiben, fängt es mir währenddessen an gutzugehen. es macht sinn danach zu suchen, was einem in dieser situation weiterhilft, was einen gut fühlen lässt. grundsätzlich habe ich begonnen, mich an dem zu orientieren, was mir gut tut und mich von dem abzuwenden, was mir nicht gut tut. das ist sehr hilfreich und gar nicht mal so schwer. wenn man erstmal damit begonnen hat, erwacht das innere alarmsystem von ganz alleine und macht laut und deutlich *biieeep* *biieep* *biieep*, wenn man sich in gefahr begibt. kennt ihr „raab in gefahr“? ich nenne es dann „katerwolf in gefahr“.

ich habe 2010 krankheitsbedingt insgesamt 6 monate in der arbeit ausgesetzt. ende juli fing ich meine stufenweise wiedereingliederung an. ich hatte mich für eine schnelle wiedereingliederung entschieden und zwar 2 monate lang. ende september habe ich wieder begonnen vollzeit zu arbeiten. das würde ich heute nicht mehr so machen. es war zu schnell und ich hatte mich überschätzt. die 3 monate vollzeit im letzten jahr waren für mich sehr belastend, da ich zum einen gemerkt habe, dass die dafür erforderliche belastbarkeit noch nicht da ist und zum anderen das schlechte gewissen tickte, dass ich nicht so belastbar bin, wie es erforderlich war. hinzu kam, dass ich abends meist zu müde war um noch sport zu machen. ich schlief sehr schlecht, nachts plagte mich die innere mentale foltermaschine und ich kam in einen unguten kreislauf rein. was ich aber merkte! bereits in der reha legte man mir nahe, beruflich für einen bestimmten zeitraum kürzer zu treten. so habe ich mich entschlossen, ab 2011 für 2 jahre teilzeit zu arbeiten. seit gestern also. ich bin über diese entscheidung sehr froh. insgesamt schaue ich neugierig dem noch frischen jahr entgegen.

soviel für heute, liebe grüße, katerwolf 😆

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Mir.ist.heiß. Tamoxifen und Hitzewallungen

womit wir wieder mal bei den nebenwirkungen des antihormonpräparates tamoxifen angelangt sind. brustkrebspatientinnen, die vor den wechseljahren an brustkrebs mit positiven hormonrezeptoren erkranken, sprechen gut auf eine antihormontherapie an. aber darüber habe ich in den letzten monaten ausreichend berichtet. mit hilfe des präparats tamoxifen wird man künstlich, vorzeitig und schnell in den zustand der wechseljahre geschickt. egal, ob man 25 oder 45 ist, man kommt unweigerlich in die wechseljahre. ein hauptmerkmal sind hitzewallungen. ich nehme tamoxifen seit anfang februar 2010 und habe in den ersten 6 monaten eigentlich keine hitzewallungen gehabt. ich habe schon befürchtet, dass das tamoxifen bei mir vielleicht gar nicht wirkt. etwa zu dieser zeit hat mir mein gynäkologe angeraten, unabhängig davon den sogenannten Cyp2d6 test zu machen, der auskunft darüber gibt, ob man das tamoxifen überhaupt verstoffwechselt oder nicht. im  falle eines negativen ergebnisses kann man nämlich auf ein anderes präparat umsteigen. ich verstoffwechsle das tamoxifen nicht zu 100% optimal aber ausreichend, soweit das ergebnis.

seit etwa 1 monat habe ich nun hitzewallungen. UND WIE! es ist ein komisches gefühl, einfach so in die wechseljahre zu kommen. vor allem, wenn die natur sich im normalfall noch ein paar jährchen zeit gelassen hätte. und jetzt? ich sag nur:

MIR.IST.HEIß.

völlig unvorbereitet wird neuerdings mein innerer glutofen angeschmissen und taucht mich in gluthitze ein. urgh. man kann es etwa mit dem gefühl vergleichen, zu nah an einem brutheißen kachelofen zu sitzen und definitiv viel zu dick angezogen zu sein. nachts strample ich mich 100x frei, liege wie ein heißer lavastein herum, nur um mich paar minuten später fröstelnd wieder zuzudecken. 10 minuten später gehts wieder los. argh. ich versuch es einfach mal mit humor zu nehmen. so auch heute in der mittagspause, als ich in einer sehr vollen apotheke einkaufen war. vor mir die verkäuferin, um mich herum menschen, die darauf warteten, endlich dran zu kommen. plötzlich WUSCH und ich sah aus wie ein rotgeflecktes, schwitziges schmuddel. alle haben es gemerkt und schauten mich an. es war auch unübersehbar.

„ganz schön heiß hier, was?“

ließ ich grinsend in die runde los.

sehr seltsam das ganze. ich hab nie viel geschwitzt, im moment allerdings habe ich das gefühl, wechselwäsche mit mir herumtragen zu müssen – für den notfall. ich habe vor etwa 1 monat mit der misteltherapie angefangen, die diese nebenwirkungen positiv beeinflussen soll. so GANZ merk ich noch nichts davon. aber gut ding braucht gut weil. und wenigstens bin ich dann irgendwann mit den wechseljahren durch, wenn auch vorzeitig und hab dieses übel nicht noch vor mir. es gibt nichts, das nicht für was gut wäre 😉

Was hilft bei Nebenwirkungen von Tamoxifen?

diese frage taucht jeden tag mehrfach in meinen suchanfragen auf. kein wunder. denn die nebenwirkungen von tamoxifen sind ein kapitel für sich. ich habe hierzu schon den einen oder anderen beitrag geschrieben, allerdings hat sich die qualität der nebenwirkungen in den letzten 4 wochen so stark verändert, dass ich heute einen aktuelleren beitrag dazu schreiben möchte. und ich kann auch nur darüber berichten, wie es mir geht. ich nehme das tamoxifen nun seit 7 monaten. seit ende april nehme ich monatlich noch zoladex und alle 6 monate zometa. in den ersten monaten der tamoxifen-einnahme habe ich das medikament alles in allem sehr gut vertragen. stimmungsschwankungen und gereiztheit sind natürlich von anfang an ein thema, aber irgendwie gewöhnt man sich daran und lernt damit umzugehen. meistens jedenfalls 😉 (siehe hierzu mein beitrag hässlicher schlumpf)

so habe ich in den ersten monaten gedacht: „das stecke ich doch locker weg, wenn das alles ist.“

mittlerweile ist es anders. seit etwa 5 wochen habe ich das gefühl, dass sich die nebenwirkungen des tamoxifen deutlich verstärkt haben. das hauptproblem sind massive schlafstörungen. aber auch hitzewallungen und stimmungsschwankungen. die hitzewallungen haben sich seit beginn der misteltherapie ende juli deutlich gebessert. das schlafproblem ist geblieben. ich habe seit etwa 4 wochen so gut wie gar nicht geschlafen. in der regel schlafe ich abends rasch und problemlos ein. dann aber werde ich in den frühen morgenstunden, meist schon so gegen halb 3, 3, wach und finde keinen schlaf mehr. in dieser wachphase bin ich dann so extrem unruhig, dass ich keine 5 sekunden in der gleichen position liegen bleiben kann sondern mich über stunden hin und her schmeiße wie ein gejagtes reh. ich habe schon probiert aufzustehen und etwas zu tun, zu lesen, entspannungsübungen zu machen, nützt  nichts. als konsequenz bin ich am darauffolgenden tag völlig im eimer und „überstehe“ den tag irgendwie. es gibt zwischendurch immer mal 2-4 tage hintereinander, an denen ich fast gar nicht schlafe. das ist eine enorme belastung. im büro bin ich null leistungsfähig und meine stimmung fällt durch diesen schlafentzug in den keller. nach allem, was ich bisher gehört habe, scheint dies eine charakteristische nebenwirkung des tamoxifen zu sein. so wird in den entsprechenden foren eifrig darüber gesprochen und es werden tipps ausgetauscht. was ich da so lese, stellt mir teilweise aber die haare und zwar aus folgendem grund: es ist bekannt, dass tamoxifen mit zahlreichen schlafmitteln und antidepressiva nicht eingenommen werden darf, da hierdurch die wirkungssweise des tamoxifen stark herabgesetzt, zum teil sogar ganz ausgesetzt werden kann. es gibt hierzu fortlaufende studien, die laufend aktualisert werden. nicht nur das bekannte antidepressiva paroxetin, auch andere, von der wirkungsweise schwächere und vermeintlich harmlose medikamente, fallen in diese gruppe. dennoch werden diese medikamente zur bekämpfung der nebenwirkungen konsumiert.

ich habe gestern meinen gynäkologen angerufen um mit ihm ein „SOS- ich drehe durch, wenn ich nicht bald mal schlafe-gespräch“ zu führen. als gynäkologischer onkologe habe ich ihn bislang als sehr kompetent, gewissenhaft und kritisch auf diesem gebiet erlebt. er bestätigte mir, dass die meisten schlafmittel nicht mit tamoxifen eingenommen werden dürfen. dazu gehören wohl alle „harmlosen“, d.h. nicht süchtig machenden, mittel. die schlafmittel, die die wirkung des tamoxifen nicht mindern, sind leider auch die, die hochgradig süchtig machen. na super. wir haben uns darauf geeinigt, dass ich eins dieser hammerdinger verschrieben bekomme, das medikament jedoch nur im absoluten notfall einnehmen soll. d.h. maximal 1x die woche und auch nicht jede woche. die tabletten werde ich mir also für den worst case aufheben. ansonsten werde ich eine andere lösung finden müssen.

was zu helfen scheint, ist ausdauersport. wenn ich 45-60 minuten laufen gehe, schlafe ich mindestens bis 5 uhr morgens durch. die letzten tage konnte ich wegen einer rückenzerrung nicht laufen gehen und schlief eigentlich gar nicht. gestern bin ich trotz schmerzen 10 runden um den sportplatz geeiert und siehe da, ich habe geschlafen, zumindest bis 5, das ist doch was. auch schwimmen, hier aber mindestens 1000 meter, hilft. problematisch wird es, wenn ich aus dem einen oder anderen grund keinen sport machen kann. ich bin mir sicher, dass die eine oder andere betroffene, die diesen beitrag hier liest, genau weiß, wovon ich spreche.

es ist und bleibt ein wesentliches problem. die sportkomponente scheint aber eine hilfe zu sein. ebenso die misteltherapie. zudem will ich im winter eine erneute akupunkturbehandlung beantragen. ich habe diese behandlung parallel zur bestrahlung gemacht und sehr davon profitiert. derzeit muss ich noch 3 monate warten, bis ich eine erneute behandlung beantragen kann. nach meiner erfahrung kann ich mir gut vorstellen, dass es hilft. ein weiterer trost ist, dass die nebenwirkungen des tamoxifen nach etwa 2-3 jahren nachlassen. in ermangelung einer echten alternative zu tamoxifen klammere ich mich dann eben an diesen strohhalmen fest. sonst krieg ich nämlich die krise.

ach ja, fast vergessen: alles wird gut!

Brustkrebstagebuch: Wie geht es mir 7 Monate nach der Operation?

gestern waren es 7 monate, seit ich operiert wurde. knapp 2 wochen zuvor hatte ich den knoten in meiner brust entdeckt. wird mal wieder zeit für ein paar plaudereien aus dem brustkrebstagebuch. die letzte plauderei ist schon eine weile her. ganz schön viel passiert in den letzten 6 wochen, ich blicke auf eine bewegte zeit zurück. ich habe wieder begonnen zu arbeiten, ich habe mir ein pferd gemietet und reite wieder, mein sohn ist ausgezogen, ich habe meine 2. brustkrebsnachsorge gehabt, ich habe mit der misteltherapie angefangen. früher ging die zeit oftmals einfach so vorbei, heute empfinde ich sie viel intensiver. ich nehme an, das ist ein charakteristisches merkmal einer solchen erkrankung oder generell einer nahtoderfahrung, dass man die dinge anschließend viel intensiver empfindet.

am samstag abend waren wir bei freunden auf einem sehr schönen gartenfest eingeladen. es waren sehr viele leute da, ein richtig turbulentes fest. ich traf dort eine gute, alte freundin, die mich seit ein paar wochen nicht mehr gesehen hatte. während wir uns unterhielten, sagte sie plötzlich:

an deinen augen sieht man, dass du langsam wieder zurückkommst. das letzte mal, als ich dich gesehen habe, warst du noch ganz weit weg. das hat mir ganz schön angst gemacht.“

tatsächlich, ist das so? und wo war ich dann eigentlich? ein wenig später fand ich mich in einer gruppe fröhlich plaudernder menschen auf der terrasse wieder. während ich den unterschiedlichen gesprächssträngen von allen seiten lauschte, merkte ich, wie meine wahrnehmung wegdriftete, über die terrasse hinaus, richtung horizont. ich schaute in die im wind raschelnden baumwipfel und höher hinauf, in den himmel, der sich rot färbte und lauschte, nahm die feinen schwingungen wahr. spürte im gleichen augenblick den kleinen unterschied zwischen mir und den anderen. spürte, wie ich nach wie vor vergleiche. in diesem augenblick wurde mir bewusst, was meine freundin meinte. ich befinde mich nach wie vor in einer art parralel-universum. dem brustkrebs-universum. von dort unternehme ich nun immer häufiger ausflüge in die normale welt. ob ich dort jemals wieder ganz ankomme? keine ahnung. und ist es schlimm, wenn es nicht der fall ist?

am anfang meiner erkrankung habe ich ein buch von kora decker gelesen, in dem sie über ihre erfahrungen mit der diagnose brustkrebs berichtet. mitunter sehr amüsant! sie beschreibt in ihrem buch einen ganz besonderen augenblick. ziemlich genau 1 jahr nach ihrer diagnose erfüllt sie sich einen traum und unternimmt eine große reise nach australien. an einem sonnigen tag entdeckt sie einen idyllischen, kleinen see. und während sie sich darin völlig zufrieden auf dem rücken treiben lässt, wird ihr mit einem mal etwas bewusst: dass sie nicht mehr an brustkrebs denkt. dass ihre sinne frei davon sind.

ich denke, das ist ein prozess, den man durchlebt: der anfängliche schock und die trauer; dann die mühen der therapie und die auseinandersetzung mit dem lebenstrieb und dem prinzip hoffnung; die allmähliche wiedergewinnung der körperlichen und geistigen belastbarkeit und die damit verbundene, freigesetzte energie; die stufenweise rückkehr ins leben mit arbeit, partnerschaft, familie, freundeskreis; dem bedürfnis und bemühen, neu gewonnene erkenntnisse über sein leben (was tut mir gut!) in den alltag zu integrieren; und dem auf und ab, das mit diesem prozess verbunden ist. und während dieser ganzen zeit ist man von diesem brustkrebs-dingsbums erfüllt. es ist nicht so, dass man ständig bewusst daran denkt, aber es tickt im hintergrund. tick, tick, tick.

und wie geht es mir dabei im moment? wie kann man das am besten beschreiben? vielleicht so: ich fange an, meine umgebung wieder viel stärker wahrzunehmen und auch auf sie einzugehen. meine angst hat sich in ein kleines hinterstübchen zurückgezogen. ich bin häufig noch von situationen überfordert. stress geht gar nicht. ich bin auch oft traurig. ich traue mich wieder, pläne zu schmieden, die weiter weg sind als 6 monate. es gibt ganz schön viele dinge, die neu in meinem leben sind und die mir großen spaß machen. es gibt ganz schön viele dinge in der zukunft, auf die ich mich freue. ich schaffe es deutlich besser als früher mich abzugrenzen. und das vielleicht wichtigste: früher bin ich einfach so durch meinen überbordenden alltag gewuselt, meist von irgendwas gestresst, mit 1000 dingen im kopf, die ich am nächsten tag, in der nächsten woche, im nächsten monat und jahr tun möchte. das ist jetzt anders. klarer. wenn ich nach vorne schaue, sehe ich einen hellen, schnurgeraden weg vor mir.

mal sehen, was die nächsten monate so bringen.

Kleine Alltagsgeschichten…

regnets bei euch auch bindfäden? aber immerhin ist es ein warmer sommerregen und kein kalter februarregen, so kann man sich regen schönreden 😉 und während ich hier in die tasten tippe, kommt von rechts schon blauer himmel 😆

gestern war ich das 1x alleine beim pferd. lola stand auf der weide. als ich dort ankam, war ich ganz froh, dass ihre besitzerin mitgekommen war, ich hätte lola sonst vermutlich nicht gefunden in der pferdeherde, hab sie ja erst 3x gesehen. haha, wäre sicher auch ein spaß gewesen, wenn ich das falsche pferd mitgenommen und geritten hätte 😆

ich bin mit ihr in die reithalle gegangen, da ich in ruhe testen wollte, wie es so ist mit ihr, alleine. und vor allem wie der gallopp funktioniert, den ich bislang noch nicht ausprobiert habe. das war schon witzig. ich auf einem pferd in der halle. ich glaube, das letzte mal ist jetzt über 20 jahre her. ich war erstaunt, wie gut das gestern geklappt hat. lola hat mir der himmel geschickt. sie ist brav, fleißig und kann alles. macht alles, was ichvon ihr will und das ohne murren. was für ein braves pferdchen. außerdem ist sie extrem goldig, habe mich richtig in sie verliebt. sie ist sehr neugierig. um die reithalle ist eine hohe bande und nur am ein- bzw. ausgang ist über der tür eine große sichtluke nach draußen auf den hof. die sichtluke ist allerdings so hoch angesetzt, dass ein pferd von lolas größe nicht einfach rausschauen kann. da draußen allerlei interessante geräusche vor sich gingen, schraubte lola jedesmal beim vorbeireiten ihren hals vorsichtig hoch und spähte mit riesigen augen raus. das mit dem „riesige augen machen“ scheint ihre spezialität zu sein, hat sie ja im gelände schon gemacht. als dann noch ein stallbursche mit einem ewig langen, gelben wasserschlauch in die halle kam und begann den boden zu sprengen, fielen ihr fast die augen aus dem kopf. echt süß. nach 2 stunden reiten und pferdkuscheln hatte ich auch nicht mehr das dringende bedürfnis schreiend in den wald zu rennen und fuhr deutlich entspannter nach hause zurück. schöne sache ist das mit dem reiten. ich bin stolz auf mich, dass ich mein in der reha gefasstes vorhaben so schnell in die tat umgesetzt habe.

joschi war gestern noch nicht mit, er war mit meinem sohn über nacht im elternhaus seiner freundin und kam gestern abend sehr zufrieden zurück. auch süß. sein ausflug scheint von erfolg gekrönt gewesen zu sein. wie ich gehört habe, wurde er dort von allen gehätschelt und bewundert. außerdem gibt es dort im garten einen teich mit fröschen. das ist eine sache ganz nach joschis geschmack. auf dem reiterhof waren gestern tonnenweise hunde. an der leine, ohne leine, angebunden, frei umherlaufend, alles vertreten. alles bellte durcheinander. ich habe auch schon den boss der truppe ausfindig gemacht: paul. paul ist ein deutscher terrier-mix und ganz offensichtlich der boss. tja, das wird dann munter werden mit joschi. ein zusammentreffen zweier machos und hoffentlich kein kampf der giganten. ich denke mal, die beiden müssen das untereinander klären und wir werden sehen, wer der stärkere ist. morgen nehme ich joschi mit.

was gibt es sonst noch? nicht viel. heute morgen war ich mit joschi spazieren und in unserer straße war gerade handwerker-eintreffen im gange. alle waren mächtig gut aufgelegt und wünschten mir einen schönen, guten morgen. einer rief mir sogar von hinten lautstark hinter: “ einen schönen, guten morgen, junge frau!“ ich liebe sowas, es geht doch nichts über nette menschen.

im büro habe ich heute morgen mal den versuchsballon „zeitlich begrenzte reduzierung meiner stelle auf 3/4“ steigen lassen. ich glaube, das klappt. ich möchte ab januar 2 jahre lang reduzieren, einfach mal, um es etwas langsamer angehen zu lassen. ich finde, das habe ich mir jetzt mal verdient.

und ich habe gestern meine erste mistel-injektion bekommen, tut gar nicht weh *erleichtert seufz*. ich denke aber mal, ich überlasse das gepieke 3x wöchentlich meinem mann. mir selbst die nadel in den bauch zu schieben, brrr, nö, das muss nicht sein.

2. Brustkrebsnachsorge

heute war meine 2. brustkrebsnachsorge. die 2. nachsorge, die in der regel 6 monate nach der operation stattfindet, umfasst: mammographie und ultraschall der brust, ultraschall und abtasten der leber, abtasten der brust, blutentnahme, urin, wiegen und messen, gynäkologische untersuchung und ein ausführliches gespräch. in meinem fall zumindest. in anderen fällen werden, falls erfoderlich, noch weitere untersuchungen, wie etwa MRT, gemacht. ein MRT sowie das röntgen der lunge wird bei mir 1x jährlich, also erst ende januar nächsten jahres, durchgeführt. mammographie, sowie blutentnahme habe ich ja schon vor etwa 2 wochen hinter mich gebracht, heute kam demnach nur noch der angenehme teil der untersuchung.

zunächst mal: ich bin 1 cm geschrumpft. außerdem habe ich 3 kilo abgenommen und das, obwohl ich esse wie ein scheunendrescher.

jetzt aber das wichtige: der arzt ist sehr zufrieden mit allen ergebnissen, es ist alles in ordnung 😆

wegen der nebenwirkungen, die mir das zoladex verursacht, schlägt er eine misteltherapie vor. davon habe ich bislang in punkto „nebenwirkungen lindern“ viel gutes gehört. ich werde es also ausprobieren. falls das nicht hilft, kann man auch sibirischen rhabarber ausprobieren. ist jetzt kein witz, das gibt es wirklich. mein gynäkologe hat damit gute erfahrungen gemacht. jetzt aber erstmal misteln. ferner muss ich meine augen untersuchen lassen. das tamoxifen kann veränderungen auf der netzhaut verursachen und meine augen sind seit anfang des jahres deutlich schlechter geworden.

ansonsten ermutigte er mich, weiterhin viel sport zu machen und meinte, ich würde insgesamt alles richtig machen und das mit der reiterei sei jetzt genau das richtige. ich bin sehr froh, dass ich nach meiner operation zu diesem arzt gewechselt bin, er ist einfach klasse. ich hatte mich damit anfangs schwer getan, weil ich meiner jahrelangen gynäkologen gegenüber zunächst ein schlechtes gewissen hatte. „so ein quatsch“ denke ich jetzt, es ist wichtig, dass man in so einer situation auf sein gefühl hört, man ist da niemandem etwas schuldig – mit ausnahme der eigenen gesundheit.

1. brustkrebs-nachsorge

ich hatte heute meine erste brustkrebs-nachsorge. wollte euch davon berichten, da ich denke, dass es für betroffene informativ ist. und vielleicht auch für nichtbetroffene, die sich darüber informieren wollen, was eine nachsorge so beinhaltet. vorsorge kennt ja jede von euch. sollte zumindest 😉

grundsätzlich wird bei einer nachsorge kontrolliert, ob der heilungsprozess nach einer brustkrebserkrankung und meistens auch damit verbundenen operation gut verläuft. d.h. vor allem, ob kein neuer tumor oder metastasen entstanden sind. denn das ist ja die größte sorge: dass etwas nachkommt. die nachsorge wird zum ersten mal 3 monate nach der op durchgeführt und dann zunächst alle 3 monate. später wird sie auf 6 monate gestreckt. insgesamt dauert diese intensive zeit der kontrolle 5 jahre. diese zeitspanne von 5 jahren wird als die kritische zeit angesehen, d.h die zeit mit dem größten rückfallrisiko.

was wird untersucht? 1. das blut. hier werden vor allem die leberwerte, tumormarker und ein paar dinge mehr untersucht. 2. die brust. sie wird gründlich mit dem ultraschall untersucht und abgetastet. die operierte brust darf erst 6 monate nach der op geschallt werden. 3. die leber. wird auch mit dem ultraschall auf metastasen untersucht. 4. die gebärmutter und die eierstöcke. per ultraschall und tastbefund. die einnahme des antihormons tamoxifen kann sich auf die gebärmutter auswirken. es kann u.a. zu einer verdickung der schleimhaut kommen. alle 6 monate gibt es eine mammographie der brust. einmal im jahr wird die lunge geröntgt. zumindest in meinem fall ist das so. ich werde als brustkrebs-patientin mit einer guten prognose (98 % überlebensrate auf 10 jahre) und einem mittleren rückfallrisiko eingestuft. es gibt aber schwerere fälle mit einer niedrigeren prognose und hohem rückfallrisiko. hier wird die nachsorge engmaschiger (z. bsp. kernspin, knochenszintigramm) durchgeführt. entsprechend verhält es sich bei leichteren fällen mit einem niedrigen rückfallrisiko.

über das leben mit einer prognose werde ich in den nächsten tagen auch mal was schreiben. wie lebt es sich eigentlich mit einer prozentualen überlebensrate?

zurück zu meinem termin heute. ich war mächtig aufgeregt. habe es daran gemerkt, dass ich auf dem weg zur praxis das gefühl hatte, dass alle autos vor mir mit maximal 10 km/h unterwegs waren. es war auch mein 1. richtiger termin bei meinem neuen gynäkologen. er ist derjenige, der im januar die stanzbiopsie bei mir durchgeführt hat und mir als sehr sympatisch und kompetent im kopf geblieben ist. als gynäkologe mit dem schwerpunkt onkologie, also ein gynäkologischer onkologe, ist er auch genau der richtige arzt für die nachsorge. ich sehe es als glück. denn die nachsorge wird nun in einer (kompetenten) hand bleiben. ich muss nicht zusätzlich noch zum onkologen und hausarzt gehen. deswegen habe ich mich entschlossen zu dr. guterarzt zu wechseln.

dr. guterarzt war genauso nett wie ich ihn in erinnerung hatte. und er hatte zeit für mich und meine fragen, die ich auf einer langen liste dabei hatte 😉 viele meiner fragen blieben nach meinem arztgespräch in der klinik unbeantwortet. ich wollte natürlich vor allem wissen, ob ich therapiemäßig optimal abgedeckt bin oder ob ich noch was draufpacken kann. in der klinik wurde mir folgende therapie vorgeschlagen: 36 bestrahlungseinheiten und die 5-jährige einnahme von tamoxifen. dr. guterarzt hatte mir noch dringend empfohlen, eine therapie mit bisphosphonaten dazuzunehmen. d.h. 3 jahre lang im abstand von 6 monaten eine infusion mit dem wirkstoff (zometa). eine studie hatte sehr gute ergebnisse für die gruppe „brustkrebs-patientinnen vor den wechseljahren“ erzielt. wer sich näher über diese studie informieren möchte, hier ist der link zur studie: http://www.abcsg.at/abcsg/studie12/

die klinik war damit einverstanden und ich habe bereits 4 wochen nach der op die erste infusion bekommen.

heute schlug der gynäkologe mir vor, die therapie um die einnahme von zoladex zu erweitern. das hatte ich auch im sinn und war damit einverstanden. eine therapie von zoladex in kombination mit tamoxifen macht vor allem bei frauen vor den wechseljahren sinn. auch hierzu gibt es eine studie und hier ist ein link dazu: http://www.prnewswire.co.uk/cgi/news/release?id=108442

außerdem werde ich einen bluttest machen um zu prüfen, ob das tamoxifen bei mir dir richtige wirkung entfaltet. der bluttest heißt CYP2D6.

mich hat auch interessiert, ob die misteltherapie für mich in frage kommt. grundsätzlich stuft mein gynäkologe die misteltherapie als wirksame methode zur besserung des allgemeinbefindens von brustkrebs-patientinnen ein. in erster linie jedoch zur linderung von nebenwirkungen und begleiterscheinungen der therapie und erkrankung und weniger zur prävention eines rückfalls. wir haben beschlossen, dass ich erstmal abwarte, wie es mir nach der bestrahlung und einer  erholungsphase sowie der für juni geplanten reha geht.

die untersuchung selbst hat nichts auffälliges ergeben. puhh. habe ich aber auch nicht mit gerechnet, so kurz nach der op. jetzt rufe ich nächste woche noch wegen der ergebnisse der blutwerte an und ansonsten bin ich dann in 3 monaten wieder fällig.

ach ja, dr. guterarzt und ich haben uns darauf geeinigt, dass der krebs bei mir nicht zurückkommt. damit das mal klar ist, du krebs.