Bericht aus der Reha: Ich bin eine große Künstlerin, Teil 3

für alle, die schon sehnsüchtig auf das ergebnis meines töpferkurses gewartet haben: das warten hat ein ende. soeben habe ich meine nunmehr glasierte und gebrannte hunde-oliven-schale aus dem werkraum abgeholt.

isch könnt platzen vor stolz. was IST die schön.

wollt ihr sehen?????????????

hier ist sie, the one and only, original joschi-oliven-schale:


Werbeanzeigen

Bericht aus der Reha: Ich bin eine große Künstlerin, Teil 2

warum teil 2, wenn es gar keinen teil 1 gibt? es gibt einen teil 1, oder besser gab. ich habe eben schon meine töpfergeschichte fertig geschrieben, da setzte sich unversehens ein kurschatten-anwärter neben mich und textete mich aus dem stegreif zu. von kopf bis fuß. er informierte mich darüber, dass er eine frau hat (ach was, hätte ich nicht gedacht), dass er gestern mit einer netten dame von hier einen netten abend verbracht hat (na sowas), dass er reich ist, da er jedes jahr 2 wochen urlaub auf sylt macht, mit seiner frau (jo mei) UND dass er echt toll ist, von natur aus. mr. boombastic der reha sozusagen. da ich nicht wollte, dass er mir auf den bildschirm glotzt, habe ich den laptop zugeklappt und weg war der text. grrrrrr. gerade stolziert mr. boombastic, eier aus plastik, mit rayban-brille auf der nase mit seiner vorabend-bekanntschaft an mir vorbei ins freie. gut, muss ich mich also nicht mehr hinter der topfpflanze verstecken 😆

zurück zum thema: ich bin eine große künstlerin. das weiß ich seit 4 stunden. seit ich töpfern war oder besser: modelieren mit ton. wir waren zu fünft, alles töpfer-jungfrauen. und eine feministisch angehauchte kursleiterin oder vielleicht auch frisch verlassene kursleiterin, jedenfalls war sie gar nicht gut auf die herren der schöpfung zu sprechen. vielleicht hatte sie zuvor auch einen töpferkurs für männer geleitet und war noch traumatisiert 😉

wir bekamen lange, blaue bastelkittel, wie früher im kindergarten, herrlich und: einen klumpen ton. den mussten wir zunächst etwa 10 minuten lang schlagen, d.h. mit schmackes auf die tischplatte knallen, plitsch, platsch, gibs ihm! das allein macht schon großen spaß. man macht das, damit die luftblasen aus dem ton rausgehen. das wollen wir jetzt mal nicht hinterfragen.

danach kam die motiv-findungsphase. wir blätterten uns durch bücher mit vorlagen, aber so richtig fand ich nichts, weder igel noch aschenbecher noch bauchige frauenfiguren inspirierten mich. also ging ich ein bisschen in mich und wartete, bis meine innere stimme zu mir sprach.

nach einigen minuten sprach sie:

„modeliere einen tibet terrier als olivenschale. modeliere joschi.“

ehrfürchtig nahm ich ein blatt papier und fertigte eine skizze an. sie sah aus wie snoopy mit wassersucht. egal. meine kursleiterin begriff, dass ich es ernst meinte mit meiner idee und motivierte mich anzufangen. also saß ich versunken da, knetete, glättete, zwirbelte und siehe da, nach 45 minuten hatte ich eine recht robuste schale vor mir stehen. sie war deutlich größer als geplant. deutlich. sie eignet sich sicher auch als chipsschale oder obstschale 😆

dann kam der hund in teilen. 4 füße mit pfoten, die auch einem elefanten passen würden. ergebnis: schale auf 4 füßen mit pfoten. als nächstes kam ein imposanter geringelter hundeschwanz. den musste ich nach dem ranbappen an die schale mit folie stützen, damit er nicht abbricht. ergebnis: schale mit 4 füßen, pfoten und ringelschwanz. dann kam die königsdisziplin: der kopf. okay, hierzu brauchte ich einige anläufe, denn er sah zunächst aus wie ein pferd, dann wie ein schaf, dann wie ein idiot und dann *tataaa* wie ein hundekopf. es folgten 2 große schlappohren, eine dicke hundenase und fertig war die tibet-terrier-schale.

und wie toll die aussieht, ich fass es nicht. die kursleiterin war völlig begeistert, so etwas hatte sie noch nie gesehen. ich auch nicht, haha 😆

in mir steckt also eine große künstlerin. ich schmeiße meinen job hin und werde professionelle hundeschalen-ton-modeliererin. dann zieh ich nach ibiza und verkaufe meine kunstwerke am strand. es gibt im leben immer eine alternative, wenn man sein wahres potential entdeckt 😉

am mittwoch wird das große werk glasiert und gebrannt. dann gibt es hier ein foto, versprochen!