Bericht aus der Reha: Mojn Mojn!

mein koffer ist da 😆

gestern war vermutlich der letze tag meines müßiggangs, denn in meinem aufnahmegespräch um 14 uhr wurde mir klar, dass ich NICHT in urlaub, sondern in der reha bin 😉

das gespräch fand mit einem jungen, dynamischen, durchsetzungsfähigen arzt und seinem assistenten (genannt: der nicker. jedenlass nickte er zu allem) statt. ich wurde genaustens befragt, wie es mir so ergangen ist, wie es mir jetzt geht, wie meine berufliche situation ist und was ich für erwartungen an die reha habe. ich versuchte den beiden charmant zu verklickern, dass ich mich gerne erholen und die gute seeluft auskosten möchte.

„prima, das können sie auch sehr gerne und wunderbar genießen hier. in der pause zwischen den anwendungen.“

*hhhmmmmpppffff*

der arzt stellte fest, dass ich mich auch sehr gut alleine entspannen könnte und der sportliche aspekt mit schwerpunkt ausdauertraining im mittelpunkt meiner reha stehen sollte. aha. was das im einzelnen heißt:

  • frühsport am strand um 7 uhr morgens
  • walken
  • laufen
  • aquajogging
  • training an geräten
  • quigong

aber auch

  • marnitz-massagen
  • hydrojet (was ist das, hilfe!)
  • lymphdrainagen
  • psychologische gespräche

okay, ich habe verstanden: die wollen mich hier echt auf vordermann bringen. gut so. insgesamt hatte ich in dem arztgespräch das gefühl, dass das ziel die rückführung in die normalität ist. also weg aus dem kranksein-kokon. wird auch zeit. ist aber dennoch ein großer schritt. als ich heute morgen aufwachte, wurde mir einmal mehr bewusst, was ich die letzten monate hinter mich gebracht habe. was für ein weg das war! was für eine immense kraftanstrengung! hier zu sein, bedeutet: zeit nur für mich und meinen wiederaufbau zu haben. was für ein glück!

der junge arzt, dr. superdynamo, machte mir auch unmissverständlich klar, das schwänzen der anwendungen nicht drin ist. punkt. die anwendungen müssen vom trainer abgezeichnet werden. na gut. bin ich also brav.

so habe ich den gestrigen, noch therapiefreien, wunderbar sonnigen tag genutzt, mich einfach treiben zu lassen, im strandkorb zu lümmeln und mit dem fahrrad nach keitum zu fahren, um meine reitstunde verbindlich zu buchen. meine info war, dass der weg etwa 15 minuten dauert. das mag stimmen, wenn man sich nicht verfährt. ich war 45 minuten unterwegs und ich kenne die insel jetzt ganz gut 😉

wenn man hier mit dem fahrrad unterwegs ist, sagen die menschen, an denen man vorbeiradelt, gerne:

„mojn, mojn!“

sehr nett.

ich radelte gestern an einer schulklasse vorbei, und etwa 33 schulkinder sagten alle nacheinander superfreundlich:

„mojn, mojn!“

ich stellte mir kurz vor, wie das wäre auf sylt zu leben, sich des lebens zu freuen und den lieben, langen tag lang zu sagen:

„mojn, mojn!“

keitum ist ein wunderschönes örtchen. ich habe in nielsens kaffegarten etwas getrunken und auf das meer geschaut, das in der sonne glitzerte und dann den reiterhof aufgesucht und mit einem etwas knorrigen, älteren herrn über meinen reitausflug gesprochen. bisschen muffe habe ich schon nach meinem erlebnis in der normandie, aber er meinte, das wird schon werden *hoff*

die rückfahrt hat bei strammen gegenwind und konstanter steigung 1 stunde gedauert und hatte zur folge, dass ich gestern bereits um 9 uhr eingeschlafen und heute morgen erst um halb 8 aufgewacht bin. dann musste ich unbedingt das halbe frühstücksbuffet aufessen. nachdem ich gestern bereits mittags und abend gegegessen habe, als wäre ich mehrere wochen schiffbrüchig gewesen. hm, das muss die gute seeluft sein hier.

übrigens, ich habe mich für nächste woche zum töpfern angemeldet, das mache ich nur, weil ich mich auf den anschließenden blogbeitrag darüber freue 😉