Aufgeplatztes Sofakissen

kennt ihr diese tage, an denen man sich fühlt wie ein aufgeplatztes sofakissen?

genauso fühl ich mich heute. ging mir schon lange nicht mehr so, aber heute ist es soweit. heute ist ein aufgeplatzer-sofakisen-tag. ich hatte ein sehr anstrengendes wochenende voller anspannung und sorgen, da meine mutter überraschend ins krankenhaus musste und zunächst alles danach aussah, dass es schlimm ist. heute gibt es eine teilentwarnung und nächste woche eine weitere untersuchung, die hoffentlich eine vollständige entwarnung ergeben wird. so war ich das ganze wochenende in sorge.

und der runde schlafstör-terrorist am himmel tat sein übriges. ich habe kaum ein auge zugetan, mich hin und her gewälzt, mir die blödesten gedanken gemacht, ab und an den runden bengel am himmel beschimpft und morgens bin ich gerädert aufgestanden und im badezimmerspiegel schaute mich ein krumpeliges gesicht aus dicken augen an. der einzige lichtblick war mein gestriger flucht-ausritt mit lola. nach einem verregneten vormittag schien hier nachmittags die sonne und ich habe schnell lola gesattelt und bin mit ihr raus in die natur. lola wollte laufen, eindeutig. da sie mitunter schwer zu halten ist und ich völlig unausgeschlafen und neben der kappe war, hatte ich bisschen bedenken. dann aber griff ich von oben nach ihrem ohr, knuddelte es kurz und sprach:

„du willst also laufen, du wilde hilde. dann lasse ich dich laufen. aber wehe, du gehst mir durch, ich hau dich aus dem fell!““

dann gab ich die zügel nach und schnalzte mit der zunge. danach kam ich mir geraume zeit vor wie in einem western, in dem pferde im zeitraffer über die prärie rasen. ganz schön schnell. aber sie ging nicht durch. und als sie sich ausgerannt hatte, ging es uns beiden ganz schön gut.

heute morgen, nach einer weiteren miesen nacht komme ich mir allerdings immer noch vor wie ein aufgeplatzes sofakissen. aber so ist das eben. das leben ist aus mir unerfindlichen gründen immer nur ein kurzes weilchen ruhig, dann kommt schon der nächste sturm und weht alles ein bisschen in der gegend herum. wär ja sonst langweilig 🙄

Aus dem Nest geflogen

mich könnt ihr heute in der pfeife rauchen. mein sohn ist gestern ausgezogen. nicht nur das, er ist für etwa 2 jahre zum studieren ins ausland, nach ungarn. ich werde ihn schätzungsweise 4-5 x im jahr sehen. mein kleiner großer, mein augenstern, einfach weg. seit 1 jahr wusste ich, dass es früher oder später soweit sein wird und angst davor gehabt. und jetzt ist es soweit. echt hart. ich freue mich natürlich für ihn wie wutz, dass er diese chance hat, das steht außer zweifel. aber ich fühle mich, als hätte mir jemand was abgeschnitten, was richtig GROSSES abgeschnitten. das leere zimmer ist nicht schön. gestern abend und heute morgen saß ich mit joschi trübselig darin herum und mich überkam so eine große traurigkeit *seufz*

das ist eine ganz blöde erfindung, dass kinder aus dem haus müssen 😦

wir hatten immer und haben bis jetzt eine tolle beziehung und ich weiß, dass wir immer in gutem kontakt bleiben werden, aber ich werde ihn schrecklich vermissen. diesen liebenswerten, fröhlichen, humorvollen, langen kerl. wo ist die zeit bloß hin? ich erinnere mich noch daran, wie er als 1 1/2 jähriger nur mit windel bekleidet und mit einem weidenkörbchen in der hand, in das er alle seine schnuller gelegt hatte, ausgebüchst war. in berlin, aus einem hinterhaus, durch 3 große, schwere holztüren hindurch, bis auf die straße. mir ist bis heute ein rätsel, wie er das geschafft hat. und jetzt ist er 19 und weg. herr hilf!

ich werde mich daran gewöhnen und es wird auch gehen und es wird dann auch nicht mehr so schlimm. ich weiß das. aber ich weiß im moment gar nicht, wie ich damit umgehen soll. SOVIEL reiten und joggen und arbeiten kann ich gar nicht 😉

wenn einem von euch was gutes dazu einfällt, her damit, vielleicht hilft es mir ja weiter 😦

Gedanken zur Reaktion auf meine Brustkrebserkrankung

mir ist so danach heute.

ich bekomme viele positive rückmeldungen dafür, dass ich so offen mit meiner erkrankung umgehe und meine umgebung daran teilhaben lasse. mir ist das ein bedürfnis. sowohl meine schreiberei als auch euer feedback helfen mir sehr, meine neue situation zu verarbeiten. gleichzeitig ist es mir auch wichtig, das thema „öffentlich“ zu machen. und zwar seitens einer ganz normalen betroffenen. einer von nebenan, so wie ihr es seit. ich habe seit meiner diagnose sehr viele reaktionen erfahren. reaktionen, die mir weitergeholfen haben aber auch reaktionen, die mich enttäuscht und verletzt haben. das ist normal. es ist auch so, dass einige aus meinem engeren und weiteren umfeld mit der situation überfordert sind. ich nehme es niemandem übel, wenn er nicht weiß, wie er damit umgehen soll. was mich allerdings verletzt und auch ärgert sind reaktionen, durch die ich und mein umgang mit der erkrankung gewertet werden. das haut immer rein.

erst gestern habe ich etwas erlebt, was mich traurig gemacht hat. eine langjährige, gute freundin von mir, die mich in den wochen zwischen meiner diagnose und der operation sehr lieb betreut hat, meldete sich plötzlich von einem tag auf den anderen nicht mehr. das ist jetzt etwa 2 monate her. ich habe mich darüber gewundert, andererseits aber selbst auch nicht angerufen, da ich mit so vielen dingen beschäftigt war. nun habe ich gestern erfahren, sie hätte ein schlechtes gewissen, dass sie sich so lange nicht gemeldet hat und traue sich nun nicht mehr anzurufen. außerdem fände sie es aber auch nicht gut, dass ich mich so gehen lasse. in meiner situation könne man ruhig schon weder arbeiten gehen, das würde mir nur gut tun. meine freundin hat mir das erzählt, weil sie sich so darüber geärgert hat.

tja, das sind so die reaktionen, die echt wehtun. wo, bitte schön, lasse ich mich gehen?

und dann gibt es da all die glücklicherweise überwiegenderen reaktionen, die mein herz höher schlagen lassen. manchmal von vermeintlich fremden. so z. bsp. eine frau aus dem brustselbstuntersuchungskurs, die ich nie zuvor gesehen hatte und die mich nach dem kurs mit einer herzlichen umarmung und affirmation verabschiedete. oder der taxifahrer, der mich zur klinik fuhr und dem ich auf der fahrt mein herz ausschüttete. immer, wenn ich ihm nun vor der klinik begegne, steigt er aus, kommt zu mir und sagt dinge wie:

wie gehts dir denn? gut? hauptsache der krebs ist jetzt weg!“

ich kann nicht genug betonen, wie wichtig ein solches feedback ist, gleich ob es von familie, freunden oder fremden kommt. wenn ihr das hier lest: spart nicht damit, wenn ihr jemanden im umfeld habt, der eine schlimme erkrankung hat. bloß keine falsche scheu! es ist ein teil unserer genesung!

gestern habe ich ein feedback bekommen, das mich so berührt hat, dass ich es hier kurz wiedergeben möchte. es stammt von einem (ich denke mal jungem) mann, dessen mutter an brustkrebs erkrankt ist. er schreibt mir, wie froh er ist, auf meinen blog gestoßen zu sein, da ihm (als angehörigem) meine offenen schilderungen helfen, die erkrankung zu verstehen und vor allem zu verstehen, wie es in seiner mutter aussieht. er schreibt:

Ich finde, du hast es gut auf der einen Seite, dass es so ist wie es momentan ist, aber natürlich auch schlecht da diese Krankheit (auch Scheiße genannt) das Leben anders macht! Ich denke aber es wird bei jedem gleich sein – meine Mutter wird sich fühlen wie du, mein Vater wie dein Mann und ich wie dein Sohn! Mir macht es aber Mut es zu lesen, obwohl es schlechte Zeiten gibt aber auch gute Zeiten!

ich finde diese reaktion bemerkenswert, denn es zeigt, was für eine offenheit, herzlichkeit und stärke dahinter steckt. hut ab. und danke! und falls du das hier liest: deine idee, einen blog aus der sicht eines angehörigen zu schreiben, ist gut! mach das! schau mal in meiner blogroll im blog von uniqueachaos vorbei, sie schreibt aus der sicht einer enkelin.

ich hoffe, ihr seht diesen blogeintrag nicht als moralischen fingerzeig und verhaltenskodex im umgang mit brustkrebskranken, denn das ist nicht meine intention. vielmehr ist es ein danke für eure unterstützung und ein bisschen was zum nachdenken. mein wort zum sonntag sozusagen 😀

einen wunderschönen, sonnigen und glücklichen sonntag wünsche ich euch allen!

PS: so schnell kanns gehen. gerade hat patrick mir eine nachricht geschickt, dass er mit seinem blog online ist. schaut doch mal bei ihm vorbei, ich finde den blog gut und wichtig! in meiner blogroll unter patrick´s blog.