Klatschtante

in meinem viertel lebt eine klatschtante. sie ist den ganzen tag mit ihrem hund unterwegs und sammelt klatsch. ganz egal wann ich das haus verlasse, und ich verlasse das haus recht häufig, sehe ich sie irgendwo stehen und mit jemandem plauschen. hochkonzentriert. manchmal sehe ich sie beim wegfahren mit jemandem an einer ecke stehen, und wenn ich stunden später wieder zurückkomme, steht sie ein paar meter weiter und tratscht mit jemand anderem. wie ein vampiropfer werden sie ausgesaugt.

es würde mich nicht wundern, wenn sie auch wahllos passanten aus anderen vierteln ins gespräch zieht, die zufällig und ahnungslos unser viertel kreuzen.

sie macht das übrigens über die hundenummer. ihr hund ist sehr knuffig. ein paar worte über den hund und schwupps hängt man an der angel. unsere hunde können sich nicht leiden, so dass ich ihr immer sicher entkomme. vermutlich riecht mein hund instinktiv die gefahr. ihr hund sieht im übrigen mittlerweile ganz elend aus. mit resigniert-elendem blick steht er neben ihr auf dem trottoir und kämpft dagegen an, dass ihm von dem ganzen müll, den er hört, nicht die schlappohren abfallen. ein klarer fall für hunde-in-not.

wenn ich mir vorstelle, was sie so alles über jeden weiß und dafür sorgt, dass es das ganze viertel erfährt, schüttelt es mich. gruseliger gedanke.

Nervensäge feiert Geburtstag

ihr erinnert euch noch an mein lieblings-nachbarskind maja? oder besser gesagt: maaaajjjaaahhhhh!!!!!! ?

reichlich verwirrt von meiner 3-stündigen wiedereingliederung fiel ich gestern zu hause ein und pflanzte mich erstmal in den garten, zum runterkommen und chillen. nach kürzester zeit ertönte aus dem durch eine grüne, dichte hecke getrenntem nachbarsgarten das gewohnte:

maaaajjjaaahhhh????

und die ebenso gewohnte antwort:

waaaaaaahhhhhhhh!!! wahaaaahhhhhh!!!! plärrrrrrrrr!!!!!!!

zudem drangen diesmal aber verschiedene, gänzlich ungewohnte laute durch den zaun. viele, viele stimmen. neugierig pirschte ich mich an den zaun heran und linste vorsichtig hindurch.

oha.

eine ganze ansammlung von menschen, überwiegend erwachsene und ein paar 2-3jährige kinder. alle verband ein grausiges schicksal. sie trugen lustige, bunte papphüte. das konnte ja dann nur ein kindergeburtstag sein. die erwachsenen trugen die pappkappen mit entschlossen fröhlichem gesichtsausdruck, die kinder hingegen muffig. also das wundert mich nicht. ich würde auch muffig kucken, wenn man mir so ein ding auf den kopf schnallen würde. ich schlich zurück zur hollywoodschaukel und dachte mir: „na toll. das wars vermutlich mit der chillerei. ausgechillt.“

ich musste nicht lange warten und die party ging los:

maaajaaahhhhh!!!!

waaaahhhhhhhhhhhh!!!!!!!

maajaahhh, würdest du mama bitte mal erklären, warum du jetzt weinst?

waaahhhhhh!!!!!!

maaajjaaahhh, würdest du es dann papa erklären wollen?

wahhhhh!!!!

und tante gerda?

waaahhhhh!!!!

und onkel herbert?

waaahhhhh!!!!!

und manon?

wahhhhhhhh!!!!!

und anne, egon, friedel, fritz und der gesamten weltbevölkerung?

waaahhhh!!!!

*und der nachbarin?*

maaajaahh, das findet mama nicht gut, dass du es ihr nicht sagst. das musst du ihr schon erklären. sonst versteht sie es ja gar nicht.

bei dem kind würde ich von mir als mama auch nur in der 3. person sprechen (anmerkung der verfasserin dieses posts)

waaahhhhhh!!!!!!

so ging das eine weile munter weiter. das wahre grauen kam aber noch! nach etwa einer halben stunde beschloss die erwachsenen-fraktion der party gemeinsam mit den kindern zu singen.

lieber gott, womit habe ich das verdient?

„wem gott will rechte gunst erweisen, den schickt er in die weite welt…“ *träller*

warum schickt er sie stattdessen nicht einfach nach hause? oder in einen schalldichten keller?

„die vögeln wollten hochzeit halten, in dem tiefen wahalde, fiiieeederrralllallla…“

herr, hilf! wenn die jetzt old mcdonalds hat ne farm anstimmen und mit papphüten auf dem schädel tierstimmen imitieren, passiert da drüben ein ganz ganz übles massaker. texas chainsaw massaker ist dagegen augsburger puppenkiste, ich schwörs! ich schlich nochmal zur hecke und wagte einen 2. blick.

pruuuuust!

was für ein anblick! hoch motivierte erwachsene mit papphüten auf dem kopf, die munter vor sich hin trällern und miesmuffige, kleine, singverweigerer mit papphüten auf dem kopf, die feindselig auf ihre muffins starren.

die erwachsenen-fraktion indes gab sich nicht so schnell geschlagen und kramte beharrlich das nahezu gesamte, alte, deutsche liedergut aus dem beutel. wenigstens plärrte maja nicht mehr. ich überlegte kurz, ob ich die lautsprecher auf die terrasse stellen und die geburtstagsgesellschaft mit dem gesamtwerk der sex pistols beschallen sollte. ich sag euch was, ich habe auch viele, viele kindergeburtstage gefeiert, mindestens 14. ich habe topfschlagen, später schnitzeljagden und noch später rutschpartien im spaßbad organisiert. aber vollgesungen haben wir die armen kinder nie, nie, nie. ist doch gemein sowas.

 

Erste Eindrücke vom neuen Haus am See

wie viel schöner ist es doch, wenn man morgens aufwacht und die sonne scheint und es ist warm. so wie seit samstag und hoffentlich noch viele, viele tage in diesem jahr.

ich war das erste mal für 2 tage auf unserem neu erstandenen see-grundstück. das grundstück ist wirklich wunderschön. es ist eher klein und pflegeleicht, und das besondere daran ist, dass es nur durch eine sichtschutz-hecke und einen schmalen fußpfad vom see getrennt ist. es gibt einen steg und eine badeleiter, die zum baden einlädt. ich glaube, das wird sehr schön werden dort. dieses wochenende war es allerdings noch ziemlich chaotisch. auf dem grundstück steht ein uralter, schrottreifer wohnwagen mit teils durchgefaulter terrasse. man kann darin zwar notbehelfsmäßig schlafen und es gibt einen kleinen kocher, in meiner momentanen körperlichen verfassung war ich damit aber eher überfordert. die schlafmöglichkeit ist extrem unbequem und die toilette ist kaputt. außerdem bin ich gleich am ersten tag in der terrasse durch die latten durchgebrochen. da hilft nur eins: ärmel hochkrempeln und dafür sorgen, dass der wohnwagen samt terrasse so schnell wie möglich entsorgt wird und ein kleines gemütliches holzhaus drauf steht. bin jetzt am schauen, was es da so für möglichkeiten gibt.

joschi war fassungslos. ich kann es nicht anders beschreiben. ich glaube, er dachte, wir seien umgezogen. absolut ohne sein einverständnis. hartnäckig weigerte er sich, den wohnwagen zu betreten. saß mit todesbeleidigtem gesicht auf der wiese. dann ging er doch rein und weigerte sich hartnäckig, den wohnwagen wieder zu verlassen. uff. als ich ihn zu einem erkundungsgang mitnahm, hat er mehr oder weniger vor jedem grundstück einen haufen abgelegt, den ich in einer kleinen plastiktüte  verschwinden lassen musste. so latschte ich mit einem beleidigten hund und etwa 6 mit hundekacke gefüllten platsiktüten über den platz, auf der suche nach einem mülleimer. uff. es gab diverse rangeleien mit bereits camping-erprobten vierbeinigen platzhirschen, unter anderem einen wer-hat-den-längeren-atem-sturkopfkampf im wasser. das sah dann so aus, dass sich 2 doofe hunde (1 davon meiner) erst 10 minuten mit hochgezogenen lefzen knurrend umkreisten und anschließend bis zum bauch im wasser standen und dort weiterknurrten, bis schließlich einer nachgab und das wasser verließ. und das war nicht joschi. daraufhin war es sein see und er blieb etwa 1/2 stunde drin, damit bloß kein anderer hund reinkommt. er hat dann irgendwas dort im wasser gejagt, jedenfalls buddelte er mit der pfote im schlamm und biss dann ins wasser, jagte noch paar frösche und legte sich zu guter letzt mit einem schwan an. schlechte idee. der schwan hat joschi dann unmissverständlich klar gemacht, wer der eigentliche chef des sees ist. daraufhin verschanzte sich joschi längere zeit im wohnwagen und weigerte sich, herauszukommen. uff.

er wird sich schon noch dran gewöhnen. es ist jetzt 9 uhr und er schläft immer noch erschöpft 😆

gewöhnungsbedürftig für mich wird die rege nachbarschaft dort sein. es ist dort eher gesellig. und ich glaube, man entkommt dem nicht. es kamen schon diverse nachbarn vorbei und einladungen zum grillen. ist an sich schön. ich glaube aber auch, dass die alle ganz schön neugierig sind. und ich glaube, ich werde hier künftig das eine oder andere zu berichten haben 😉

ich bin gestern abend wieder zurückgefahren, ich brauche im moment einfach mein bett und mein klo;-)

mein mann ist noch dort geblieben, er ist da eher schmerzfrei, außerdem hat er ein neues, kleines segelboot und ist im segelrausch. ich zieh jetzt brav meine joggingschuhe an und schwing mich in die natur. ich wünsch euch einen schönen pfingstmontag!

Nervensäge

neben uns wohnt eine junge familie mit 2 kleinen töchtern. die eltern sind immer freundlich aber zurückhaltend, die beiden mädchen sind etwa 4 und 2. wir halten ab und an ein schwätzchen über den gartenzaun, zumal die beiden mädels sehr an unseren haustieren interessiert sind:

„papa, schau mal, die haben 2 schildkröten UND 1 hund. und wir haben nix. keine maus. nix.“

ich mag kinder, egal wie alt sie sind. ich mag sie wirklich. es gibt aber auch nervensägen. so wie die jüngere der beiden nachbarsmädchen. sie heißt maja. nein, eigentlich heißt sie nicht maja, denn von ihrer familie wird sie nur gerufen:

„maaaaaaaahhhhhhjaaaaahhhhh!“

schätzungsweise 5 millionen mal am tag. wenn maja nicht gerufen wird, schreit sie wegen irgendetwas. meist passiert beides zeitgleich.

gestern saß sie vor unserem fenster auf dem gartenmäuerchen und rief, sagen wir mal 5.000 mal, mit nölender stimme:

„maaaaaaamaaaaaaa!“

immer schön hintereinander weg.

diese antwortete aus dem geöffneten küchenfenster:

„jaaa, maaaahhhjaaahhh, was ist denn?“

antwort:

„maaaamaaaa!“

mama:

„ich kann jetzt nicht maaaahhhhjaaaahhh. ich backe kuchen. willst du mir heeeeeelfen? sonst musst du noch ein bisschen waaaaaarten.“

antwort:

„maaaaamaaaa!“

uff.

als das nicht fruchtete (nach etwa 1 stunde) beschloss maja stattdessen ihre größere schwester zu terrorisieren. nele. ein name, der sich hervorragend eignet, ihn nölend und vorwurfsvoll zu rufen:

„neeeeeeeeeelääääääähhhhh!“

auch hier entspann sich ein länger anhaltetendes frage und antwort-wechselspiel zwischen „neeeeeeeeeelääääääähhhhh!“ und „jaaahaaa?“

klappte auch nicht. also schnappte sich maja ihr bobby-car und schrammelte ein wenig den bürgersteig rauf und runter. nur den abschnitt vor unserem fenster:

„quiiiieeeetsch schrammelschrammel. quiiiieeeetsch schrammelschrammel“

danach kam das fahrrad mit den stützrädern an die reihe, das auch dringend mal geölt werden müsste.

und all das, während ich versuchte meinen etwa 5m hohen berg an antragsformularen und sonstigen bescheinigungen für den arbeitgeber, krankenversicherung, reha-einrichtung, klinik, hausarzt, andere ärzte, besoldungsstelle, bfa, nasa, nato, eu und was weiß ich noch alles, abzuarbeiten. was ich echt hasse.

ich wurde daraufhin etwas unwirsch in unseren 4 wänden und murmelte etwas von: „nervensägen, namensänderungen, ungeölten fahrrädern und kinderfreizeit in sibirien.“

mein mann fand mich intolerant. also, ich weiß nicht, ich mag kinder wirklich gern, aber es gibt auch nervensägen. eine davon wohnt neben uns.