Rehageflüster: Dildo Walking

cooler titel, oder? bin ich selbst stolz drauf. aber die besten geschichten schreibt nun mal das leben.

heute morgen vor dem nordic walking: wie üblich stand eine noch etwas verschlafene patientenschlange vor dem therapieraum und wartete auf das austeilen der nordic walking stöcke. plötzlich…

schüchterne stimme irgendwo von vorne: „ist das hier eine einführung?“

launischer kommentar von meiner vorderfrau: „wie jetzt? ich dachte mit den stöcken soll man gehen.“

sie rechnete nicht mit dem therapeuten, der wie aus dem nichts hinter ihr auftauchte, ihr eine hand auf die schulter legte und verschmitzt anmerkte: „möchte die dame vielleicht etwas anderes als die stöcke einführen?“

*pruuuuuuusssssst*

so kann´s gehen 😉

Innere Antreiber oder: Warum es gut ist, nicht perfekt sein zu wollen.

knapp 1 woche nach meiner reha, geht mir das eine oder andere durch den kopf.

habt ihr schon mal von den sogenannten „inneren antreibern“ gehört? die psychologisch geschulten unter euch vielleicht schon. es handelt sich um individuelle verhaltensmuster, die unser handeln beeinflussen, uns „antreiben“ und oftmals mit der frage konfrontieren: „warum mache ich das bloß?“ es gibt deren viele, als beispiele lassen sich anführen: sei perfekt! oder: sei stark! oder: ich will von allen geliebt werden!

in der reha habe ich einiges darüber gehört und ich weiß nun, wie mein persönlicher, innerer antreiber heißt: sei perfekt! das passt tatsächlich gut, muss ich sagen. ich verstehe nun ein bisschen mehr, warum ich bei allem den drang habe, es darin zur perfektion zu bringen. auf dem siegertreppchen unter den ersten 3 sein zu wollen. annerkennung zu bekommen. und ich verstehe nun ein bisschen mehr, warum ich bei nahezu allem, das ich tue, unter druck stehe. gestresst bin. da sitzt in mir also gut versteckt ein galeerentreiber, der mich bei allem zu höchstleistungen antreibt und, wenn ich das nicht schaffe, tadelnd und enttäuscht den kopf schüttelt.

in der reha hat man uns aufgefordert, diesem inneren antreiber einen persönlichen leitsatz entgegenzustellen. meiner heißt: hakuna matata! und: ich gehe gelassen und heiter durch den tag! für so einen stressbeutel wie mich nicht gerade einfach. aber durchaus hilfreich. ich habe bereits in der reha ein paar dinge umgestellt. zum beispiel: sport. sport ist eine der besten kräfte im kampf gegen krebs. bei mir sah das in den letzten 1 1/2 jahren jedoch so aus, dass ich anfing, für die olympiade zu trainieren. ganz nach dem motto: je ausgepowerter ich von der joggingrunde nach hause komme, desto besser. nun habe ich gelernt, dass das falsch für mich ist. ich soll weiterhin 4 x die woche ausdauertraining machen. aber. nur in dem maße, dass ich nach jeder ausdauereinheit noch so fit bin, dass ich die gleiche trainingseinheit glatt noch einmal machen könnte. so habe ich mein laufen gegen nordic walking stöcke eingetauscht und laufe nun 3-4 x wöchentlich dynamisch klackernd durch den wald. nach 1 stunde bin ich ausreichend müde aber eben nicht erschöpft.

einen wichtigen, fest verankerten platz in meinem tagesablauf hat jetzt die regeneration. das war für mich ein schlüsselerlebnis in der reha. wenn man wie daniel düsentrieb durch den tag rauscht, hat man für regeneration keine zeit. sie findet meist dann statt, wenn man sich irgendwann völlig erledigt auf dem sofa wiederfindet und abends schon um 8 vor der glotze einschläft. ist gar nicht gut. nun beginne ich meinen tag jeden morgen mit den 5 tibetern oder dem yoga-sonnengruß. das ganze nimmt 10 bis 15 minuten in anspruch und danach starte ich ausgeruht und mit kraft in den tag. und wenn ich müde bin, bin ich müde. dann heißt das: ausruhen, liebe katerwolf. und nicht: oh gott, du bist schlapp, hilfe, schnell die laufschuhe an und ab in den wald, damit da wieder pepp reinkommt!

tja, man hat nur dieses 1 leben zeit, zu lernen, was gut für einen ist. in der regel wird man immer und immer wieder damit konfrontiert, bis man es lernt. oder eben nicht. besser, man kapiert es einfach mal. okay, okay, eventuell lebt man viele male und hat demzufolge viele leben lang zeit dafür. aber das ist mir zu kompliziert, ich konzentriere mich lieber auf das hier und jetzt. und bin voller guter vorsätze und bislang fleißig. und dabei heiter und gelassen 😆

der reha-psychologe hat uns das prinzip des persönlichen energie-haushaltens übrigens sehr plausibel erklärt:

„stellen sie sich vor, sie fahren auto. plötzlich leuchtet die kontrolllampe auf und signalisiert: sie fahren auf reserve. was passiert mit ihnen dann? sie erschrecken und denken: ohjeh, hoffentlich reicht der tank noch bis zur nächsten tankstelle. und sind fortan gestresst. nun stellen sie sich vor, sie selbst sind auf reserve. was passiert? sie ruhen sich ein bisschen aus und tanken die reserve nach. dann sind sie aber immer noch auf reserve. und sind demzufolge in einem dauer-sress-zustand. lernen sie einfach, nicht so lange zu fahren, bis sie auf reserve sind. tanken sie rechtzeitig und regelmäßig nach. am besten täglich. so dass sie morgens mit vollem tank starten und abends mit vollem tank einschlafen. dann schlafen sie auch besser.“

1. Nordic Walking-Stunde: Lange nicht mehr so gelacht

Ich hatte heute meine 1. nordic walking – stunde. und ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte mal so gelacht habe!! wir hätten eigentlich zu fünft sein sollen, aber 2 haben geschwänzt (darunter mein mann). so waren wir zu dritt: birgit, rebecca und ich UND natürlich unsere trainerin, die nach dieser unterichtseinheit einen orden verdient hätte. wir waren alle davon ausgegangen, dass nordic walking einfach ist, ist es nicht. es ist ganz schön schwierig. vor allem die koordinierung verschiedenster bewegungsabläufe 😉

wir haben uns auf einem parkplatz getroffen und uns dort erstmal aufgewärmt. nach ein paar vorübungen sollten wir locker auf dem parkplatz im kreis laufen, um unseren schritt zu finden. zunächst schön langsam. wir 3 liefen also unserer trainerin anke hinterher und sahen dabei aus wie wahnsinnige roboter-enten. immer schön im kreis herum. mit völlig stracken gliedmaßen, sehr zur erheiterung diverser waldbesucher, die den parklatz ansteuerten.

danach ging es ab in den wald. wir sollten nun versuchen, die schrittfolge mit den armbewegungen zu koordinieren, immer wechselseitig, zunächst mit locker hinter uns herschleifenden stöcken: wahnsinnige roboter-enten mit stöcken in der hand. es hatte eindeutig was von einem expressionistischem film, so im stil von das kabinett des doktor caligari, wie wir 3 völlig strack mit weit aufgerissenen augen den weg auf und ab stacksten. ein bild für die götter. sobald man einen anderen anschaute, ging das gegröle los. es ist unvorstellbar, was man hier alles falsch machen kann: in unserem fall alles. in diesem stadium liefen 2 jogger an uns vorbei, die sichtlich um contenace kämpften, um keinen lachkrampf zu bekommen und ein hund, der todesfurcht vor uns hatte. man kann es dem armen kerl nicht verübeln.

also das mit der koordinierung geht bei mir irgendwie nicht“ ließ birgit, die gerade mit durchgedrücktem rücken im parallelschritt an mir vorbeistampfte, verlautbaren. die stöcke hielt sie  weit von sich gestreckt mit krampfigen händen fest.

prruuuuussssst

unsere trainerin schlug daraufhin partner-übungen vor. das war ein späßchen! hierzu mussten wir uns paarweise hintereinander stellen. der vordermann hielt die stöcke seitlich des körpers parallel zum boden, der hintermann hielt sie an der spitze fest. nun sollte der hintermann die stöcke leicht nach vorne schieben, der vordermann sollte die griffe fest umklammern und im rückschwung loslassen.

prrruuuuuuuuuuuuusssssst

ich hatte glück und hatte die trainerin als partnerin, bei uns klappte das super. „AAAAUUUUTSCH „ertönte es von nebenan. rebecca hatte birgit mit dem stock in den bauch gestochen. ich und trainerin schön streberhaft langsam vor und zurück, ein blick nach nebenan: „halt, nicht so schnell, das muss langsam gehen!“ ich erhaschte gerade noch einen blick auf 2 speedy gonzales auf speed, die in einem affenzahn die stöcke vor und zurück schoben, als gebe es kein morgen mehr. gröööööööl

nächste partner-übung: gegenüberstehen, beide stöcke vor dem körper halten und dann, auf hepp dem gegenüber zuwerfen und selbst die stöcke des gegenüber auffangen. 2 stöcke außen, 2 innen werfen. immer abwechselnd.

„und hepp

schepper, klirr, AUAAHHHHH“ birgit und rebecca hatten sich die stöcke gegenseitig an den kopf geworfen. oh mein gott, wir mussten uns erstmal alle 4 auf den boden setzen und eine runde grölend auf die schenkel klopfen. hier kamen übrigens 3 irritierte jogger an uns vorbei. weiter gehts. beim nächsten versuch warf rebecca ihren stock seitlich weit in den wald hinein, er musste nun gesucht werden. ach ihr lieben leute, könnt ihr euch unser gegröle vorstellen? nach ein paar weiteren übungen ging es zurück. hierbei sollten wir versuchen, das erlernte miteinander zu verbinden. nach etwa 5 sekunden stellte ich fest, dass ich mich haargenau bewegte wie frankenstein. ich sah ihn förmlich vor mir. ein blick nebenan zu birgit: frankensteins braut. ein blick von uns beiden über die schulter, zu rebecca: wieder auf den boden setzen und grölen. rebecca lief ohne stöcke. sie durfte nicht mehr mit, sondern sollte trockenübungen machen. „ich muss jetzt das für die voll-blödis machen

waaaaaahhhhhhh

auf unsere frage, ob sie schon mal solche talente im kurs hatte, antwortete sie diplomatisch: „naja, ist halt nicht einfach am anfang. bislang hatte ich allerdings nur 2, die GAR nicht mit den stöcken klarkamen. auf dauer nicht.

wir haben beschlossen, 2 weitere trainungseinheiten zu buchen und es wurde uns angeraten, in der zwischenzeit ab und an im wald zu üben, ohne stöcke 😆

mit muskelkater im zwerchfell verabschiedeten wir uns. ich freue mich schon aufs nächste mal 😉