Überzwerg

eins steht fest: mein liebes pferdchen ist offensichtlich wieder gesund. habe eben eine sonnenrunde mit ihr gedreht, quer über die felder. reinstes rodeo. buckeln, sich aufrollen, ausbruchversuche seitwärts, das volle programm. purer übermut. und freude, dass die sonne scheint. und die bronchien wieder frei sind. ich bin eine gute, erfahrene geländereiterin, es gab aber einen kleinen moment, wo ich dachte: „holy shit. wenn jetzt irgendwo ein vogel hochflattert, rennt sie bis nach ohio.“

und das mit bald 20 jahren. wilde hilde. aber spaß gemacht hat es. allemal 😉

Schnelle Woche

na, das war mal echt ne schnelle woche. und eine anstrengende. auf der arbeit hab ich mich gedreht wie ein kreisel, und als ich am freitagnachmittag das büro verließ, dachte ich nur: puh, was für eine arbeitswoche!

die verbleibende zeit war ich pferdekrankenschwester. ein krankes pferd zu versorgen ist mühsam, denn so ein pferd ist ganz schön groß. und wenn es fieber hat und hustet auch sehr wehleidig und gefühlt fuchs-groß, und es denkt, es passt einem in die jackentasche. so bin ich die letzten tage im wechsel mit meiner lieben mama 2x täglich zu lola gefahren, um sie zu versorgen: in die sonne stellen, mit ihr spazieren gehen, medizin geben, tee geben, hätscheln, mitleiden, was im schnitt immer etwa 2 stunden dauert. aber heute war sie wieder munterer, und ich glaube, sie ist auf dem aufsteigenden ast. hoffentlich!!!

joschi scheint diese prozedur irgendwie heimlich zu genießen. fragt mich nicht warum!

jetzt ist sonntagnachmittag, ich habe endlich meinen papierkram der letzten wochen, inklusive einiger böser mahnungen, abgearbeitet und nun werde ich mich wohlverdient aufs sofa werfen und mich in meinen neuen krimi vertiefen. und hoffen, dass ich doch noch einen einstieg finde. im finsteren tal verspricht einen genremix aus heimatdrama und krimi und ist gerade schwer angesagt. im moment kann ich noch nicht so recht nachvollziehen, warum. die sprache ist düster und schwer und die protagonisten allesamt wunderliche finsterlinge. schau mer mal, ich geb der sache noch eine ernsthafte chance.

habt noch nen schönen sonntag 😆

Lebe glücklich, lebe froh…

…wie der mops im haferstroh.

diesen spruch hatte mir mal eine mitschülerin in mein poesiealbum geschrieben. weiß auch nicht, warum er mir heute dauernd in den sinn kommt. vielleicht, weil es mir derzeit einfach gut geht, ich mich zufrieden, entspannt und ausgeruht fühle. ich habe die letzten 4 (!) nächte für meine verhältnisse richtig gut geschlafen, das ist ein fest, leute, ein echtes fest! gestern hatte ich auch wieder meinen monatlichen termin beim psychoonkologen. ich habe etwa 6 monate nach meiner diagnose, als mir bewusst wurde, dass die mit der diagnose entstandene angst vor einem rückfall und dem sterben nicht von alleine weggehen würde, seine hilfe in anspruch genommen. das war das beste, was ich damals tun konnte, denn er hat mir schnell und effektiv geholfen. ich schätze ihn sehr. seitdem sehen wir uns etwa alle 4 wochen. und auch jetzt, nach 1 1/2 jahren, gehe ich zu ihm. obwohl die angst nur noch eine sehr untergeordnete rolle in meinem leben spielt, sehe ich die termine bei ihm auch weiterhin als wichtigen baustein im prozess meiner vollständigen genesung.

als ich gestern bei ihm war, ließ ich die letzten 2 jahre revue passieren, erinnerte mich an meinen ersten termin bei ihm und daran, wie es mir damals ging. es wurde mir einmal mehr bewusst, wie gut es mir jetzt geht. welchen weg ich seitdem gegangen bin. damals hatte ich das gefühl, das jahr nicht zu überleben, war nicht in der lage, über einen zeitraum von ein paar wochen voraus zu denken. so stark hatte die diagnose mein vertrauen in mein weiteres überleben erschüttert. wie wunderschön ist es hingegen, zu spüren, wo ich jetzt bin. ich lebe. und ich erlebe mein kostbares, wunderschönes leben. und habe nicht vor, dass so schnell zu ändern. denke selbstbewusst, dass ich vielleicht doch 100 werden könnte. wäre auch mit ende 80 zufrieden. und wenn ich so denke, beschleicht mich nicht mehr dieser dumpfe zweifel darüber. ich traue mich wieder, daran zu glauben. und noch eins wurde mir gestern bewusst: dass ich sehr viel angst losgelassen habe. das merke ich daran, dass ich anfange, mich zu entspannen. nicht mehr das gefühl habe, ständig in bewegung bleiben zu müssen, damit ich keine sekunde versäume, ums überleben zu kämpfen. ich kann jetzt entspannen und durchatmen und habe das gefühl, dass alles gut werden könnte, alles gut wird, alles gut ist.

daher lasse ich heute quietschvergnügt den gedanken in mir wohnen: lebe glücklich, lebe froh, wie der mops im haferstroh 😆

ich bin übrigens nicht die einzige, die heute so denkt. auch meine lieben tiere joschi und lola sind zufrieden. heute vormittag war der tierarzt bestellt, lola musste geimpft werden. mein mann kam mit und joschi witterte deshalb das große abenteuer. lola stand überaus munter und glücklich in ihrer box und ließ geduldig die 2 spritzen über sich ergehen. die tierärztin, die lola schon seit 14 jahren kennt, untersuchte sie einmal rundum und attestierte  ihr eine stabile gesundheit.  joschi war, wie immer, eifersüchtig, stierte auf die spritze und sprang eifrig um uns herum und vorneweg und hin und her.

„wie alt ist dieses muntere kerlchen denn?“ fragte die tierärztin. „10!“ antworteten wir. „großartig, der macht aber einen sehr gesunden und guten eindruck!“ nachdem die ärztin wieder weg war, führten wir zunächst lola ein bisschen auf dem hof herum, sie muss heute und morgen ruhen und darf wegen der spritzen nicht geritten werden, und im anschluss drehten wir mit joschi eine lange, sonnige (und matschige) runde über die felder. alles prima. alle gesund. alles gut. habt einen schönen freitag!

Schönes, faules Wochenende

ich habe es doch tatsächlich mal geschafft, mich am wochenende zu erholen 😉

als staatlich patentierte daniela düsentrieb ist das bei mir nicht selbstverständlich, da ich mich am wochenende nur zu gerne mit aktivitäten zukleistere. ich bin da echt schrecklich, hab dauernd das gefühl, etwas gaaanz wichtiges zu verpassen, wenn ich mal faul in der ecke liege.

dieses wochenende war ich einfach mal faul. wie gut das tut! gestern war ich ne kleine runde reiten und habe auf lola, mit einem etwas widerspenstigen joschi an der leine, eine kleine regenrunde gedreht. pferd und hund waren danach gleichnass. den rest des tages habe ich auf dem sofa gelegen, tee getrunken, gelesen, meinen mann im strategiespiel 4x geschlagen (YES!), brot gebacken, kekse gefuttert und abends einen film geschaut, den ich bis zum schluss nicht richtig kapiert habe.

heute morgen waren wir zu viert, meine mama, mein mann und joschi, im reitstall und haben lolas box grundsaniert, unmengen altes stroh raus, frisches stroh und heu rein. das hat ziemlich lange gedauert, da wir mit jedem, der an unserer box vorbeikam, ein schwätzchen gehalten haben. und es kamen ziemlich viele vorbei. menschen und hunde. zeitweilig waren 6 hunde auf einmal in der box. junge hunde. joschi war einigermaßen gestresst. als dann noch ludwig kam, ein kleiner, rabiater pudelrüde, kippte die stimmung und joschi und ludwig probten den aufstand der giganten. steifbeiniges sich umkreisen, bedrohliches knurren, etwas verschüchtertes welpenpublikum, noch mehr umkreisen und knurren. und dann machte joschi etwas, für das ich mich zutiefst schäme. zumal es dafür zeugen gibt: 2 welpen, 3 menschen. joschi hob sein bein und pinkelte ludwig an. er hat das tatsächlich gemacht. ich bin völlig fassungslos. joschi ist ein solcher vollassi, ich schäme mich zu tode. danach haben wir ludwig nicht mehr gesehen, er hatte sich irgendwo verkrochen. und vermutlich angefangen, an einer atombombe zu basteln. auf den schreck mussten wir dann alle einen schluck sekt rinken und fanden uns bald in einer geselligen sektrunde wieder. lola stand derweil mit ihrer freundin ella im winter-paddock und wälzte sich vergnügt im schlamm.

den nachmittag habe ich wieder gemütlich mit meinem krimi auf dem sofa verlümmelt. herrlich. mir gehts grad richtig gut. es gibt leute, die müssen faulsein lernen 😉

zu guter letzt möchte ich euch gerne auf einen neuen blog hinweisen. patentsocke heißt ein brandneuer blog, in dem flämmchen ihre kürzlich festgestellte diagnose brustkrebs verarbeitet. sie freut sich sicher über unterstützung und erfahrungsaustausch!

habt noch einen schönen restsonntag und viel spaß beim tatort 😆

 

Auf ein Neues

na, seid ihr alle gut rüberkommen, ins neue jahr? und wie sieht es mit den guten vorsätzen aus?

ich muss sagen, ich bin gut angekommen, in 2012. ich war an silvester entspannt, zuversichtlich und (ziemlich betrunken, ok). es war ein deutlicher unterschied zu silvester im jahr davor, meinem ersten silvester nach meiner diagnose. irgendwie wollte ich da nicht so richtig rüber, ins neue jahr, hatte angst vor allem, was da kommen mag. dieses jahr an silvester konnte ich deutlich spüren, welche wegstrecke ich seitdem hinter mich gebracht habe, wie viel mehr an selbstvertrauen ich gewonnen habe. und vertrauen in das leben. schon verrückt, denke ich gerade, dass man krank wird und denkt, die nächsten monate nicht zu überleben und dann, 2 jahre später, ist man wieder mitten drin, im leben. schmiedet pläne, nimmt teil und sprudelt über vor lebensfreude und lebensmut.

das leben und der mensch sind bemerkenswert. absolut bemerkenswert. und so unendlich kostbar.

mit meinen vorsätzen ist es einfacher als früher. sie lauten simpel: gesund bleiben. alles tun, was dem förderlich ist. gesund essen, viel trinken (wasser), viel entspannung und ausreichend bewegung, alles, was gut tut! das habe ich 2010 und 2011 ziemlich gut hinbekommen. dieses jahr will ich das auch. denn gerade, wenn einem die gefahr nicht mehr so allgegenwärtig vor augen steht, schleicht sich gerne wieder der innere schweinehund ein. aber den pack ich am pelz und schüttel ihn auch in 2012.

ich habe gleich am 1.1. einen alten wunsch in die tat umgesetzt und eine patenschaft für ein indisches mädchen übernommen. die unterlagen müssten in den nächsten tagen kommen, bin schon sehr gespannt. so schnell wird man patentante 😉

ich habe mir vorgenommen, linker mops (das brustkrebstagebuch) 2012 in buchform zu bringen. den schweinehund muss ich besonders kräftig schütteln.

alles in allem bin ich guter dinge, was 2012 angeht, kann nur gut werden. ich habe dieses jahre viele schöne dinge vor: viel zeit mit meiner familie und freunden zu verbringen, viele schöne ausritte mit lola und joschi, viele schöne tage im haus am see, viele schöne kleine reisen und vielleicht auch wieder eine große, freude im beruf und natürlich viele schöne blogbeiträge. hört sich doch gut an, oder?

ich wünsche euch, dass dieses jahr viel gutes für euch bereithält und genug kraft für all das weniger gute 😆

3 Wochen Indien: Leopardentatze und Sichelohren

dreht katerwolf jetzt durch? wieder vomex geschluckt? och nö, keine angst. vielmehr geht es hier um unsere 2. trekkingtour und die erfüllung eines lang gehegten katerwolf-traumes.

erstaunlicherweise hatten wir am tag nach der 1. mammutwanderung keinen muskelkater. wenn man einige tage sehr viel im bus sitzt, tut einem so eine wanderung richtig gut. insofern freuten wir uns alle auf die zweite. diesmal ging sohan mit. unsere hähme vom vortag wollte er nicht auf sich sitzen lassen. unser weg führte uns durch leopardengebiet. alle äugten verstohlen in die hecken. als wir dann an einem bachlauf tatsächlich einen frischen tatzenabdruck sahen, wurde es mir etwas mulmig. es blieb aber bei der einen tatze. stattdessen sahen wir eine grandiose landschaft und gegen ende der wanderung indisches dorfleben. wie immer ein quell der freude.

zufrieden mit dem vormittag saßen wir nach unserer mittagsstärkung im bus richtung ranakpur, unserer nächsten station. eine im bus war aufgeregter als alle anderen. ich. schon zu beginn der reise hatte ich sohan gesagt, dass ich gerne mal ein marwari-pferd reiten würde und ob er da eine möglichkeit sieht. sohan wäre nicht sohan, wenn er nicht sofort eine heiße reit-connection gehabt hätte. in ranakpur, direkt an dem hotel, in dem wir übernachten sollten. 3 tage lang gab es harte preisverhandlungen via handy. reiten in indien ist erstaunlich teuer. denn marwari-pferde sind rar und luxusgüter, schließlich handelt es sich um die legendären kriegspferde der ehemaligen herrscher indiens. man sagt den marwari-pferden einzigartigen mut, stolz und schnelligkeit nach. mythen und legenden ranken sich um diese pferde. entsprechend groß war meine aufregung. kurz bevor wir das hotel erreichten, waren wir uns preislich einig geworden. mein ausritt sollte am gleichen tag um halb vier stattfinden. das hieß für mich, dass ich die besichtigung des wohl berühmtesten jaintempels verpassen würde. aber manchmal muss man im leben prioritäten setzen. so fuhr unsere gruppe mit dem bus zum tempel und ich stakste etwas schüchtern zum reitstall. was für prachtvolle pferde dort standen! größer, als ich erwartet habe, schlank, edel, glänzend, weiß, gescheckt, oder schwarz bzw. braun mit weißen blessen auf dem kopf. mit den typisch langen köpfen und *tadaa* sichelohren. ich hatte das, ehrlich gesagt, bislang für ein märchen gehalten. aber sie haben tatsächlich sichelohren. fasziniert starrte ich auf die ohren meines reitpferdes tara.

und hier kommen die ohren von ganga, dem begleitpferd

der ausritt selbst war einfach großartig. für einen reiter ist es eine große ehre, ein marwari-pferd zu reiten. es sind in der tat sehr stolze, mutige, nervöse aber brave tiere, die schnell wie der wind durch schwierigstes gelände stürmen, dass einem der wind um die ohren pfeift. als wir nach 2 stunden wieder zurückkamen schien mein breites grinsen im gesicht wie festgetackert und ich verfütterte all die stücke würfelzucker, die ich seit anfang der reise gehortet hatte.

etwa zeitgleich kam auch unsere gruppe zurück. seltsam entrückt wandelten alle im garten umher. ich erfuhr, dass sie ein unvergleichliches erlebnis im tempel gehabt hatten. nicht nur, dass das bauwerk ungemein beeindruckend war, nein, sohan hatte einen priester bestellt, der eine eigene zeremonie für die gruppe durchführte. mit segnung und allem drum und dran. ich brauchte sie mir nur anzuschauen um zu spüren, dass das sehr, sehr besonders und berührend gewesen sein muss. indien. indien. indien. was für ein unglaubliches, einzigartiges land.

Glücksmomente

nach meiner gruseligen nicht-schlaf-nacht hatte ich heute ganz schön in der arbeit zu kämpfen. konzentrationsprobleme, hohe fehlerquote und das gefühl, einer rapiden verblödung zum opfer gefallen zu sein. joschi war heute mit im büro. er kriegt zum frühstück nie mehr schwarzwälder schinken als leckerli. hat mir nämlich ins büro gekotzt, der schnuckel. nachdem ich meinen arbeitstag trotz aller widrigkeiten zu ende gebracht hatte, fuhr ich mit joschi zum pferdchen.

lola stand auf der koppel und sah aus wie ein dreckschwein. ich denke jedesmal, sie kann es nicht mehr toppen. sie kann. eigentlich ist lola dunkelbbraun. heute war sie durchgehend lehmbraun. mit dem unterscheid, dass es tatsächlich auch lehm war, der sie vollständig bedeckte. pferd in lehmkruste. sie hatte sogar in den ohren lehm und in den wimpern. eigentlich war das einzige, das nicht von einer lehmschicht bedeckt war, ihre augäpfel, aus denen sie mich verliebt anschaute. klimper klimper. eigentlich müsste lola im schweine- und nicht im reitstall stehen.

ich brauchte etwa 30 minuten, bis ich die lehmkruste von ihr abgekratzt hatte. als sie sauber war, war ich von kopf bis fuß mit feinem lehmstaub bedeckt. joschi auch. heute war der erste tag nach dem hunde-pferd-drama von letzter woche, an dem ich joschi wieder ins gelände mitnahm. ich nahm ihn zunächst an eine lange longe und führte ihn so vom pferd aus. joschi trabte wie ein zirkushund neben uns her. nach einer weile beschloss ich, ihn abzuleinen. ich stieg ab und joschi warf sich theatralisch in den graben. der hund hat echtes schauspieltalent. als ob ich vom pferd steigen würde, nur um ihn zu vermöbeln. ich leinte ihn ab und stieg wieder auf. ich war echt neugierig, ob joschi irgendwelche konsequenzen aus seinem erlebnis letzte woche gezogen hatte. er hat. mit einem maximalabstand von 2 metern lief er vor. neben oder hinter uns. sobald der abstand größer wurde, kam er angerast wie ein geschoss. zum kreischen. er hatte definitiv keine lust auf eine weitere folge von hund-verläuft-sich-beim-ausritt-im-wald-und-ist-eine-stunde-verloren.

wir ritten über felder. die sonne schien. mehr goldener oktober geht nicht. ich schaute weit über die felder. lola schritt bester laune munter daher. joschi trabte wie auf sprungfedern mit. auf einmal war mir alles egal. die miese nacht. die probleme auf der arbeit. mein brustkrebs. einfach alles. alles war gut. wenn ich meine tiere nicht hätte.

Feuchtfröhlicher Herbstritt

es gibt tage, die man gerne in sein schatzkästchen der schönen dinge packt. gestern war so ein tag. seit wochen liefen in unserem stall emsige vorbereitungen für den alljährlichen herbstritt. für mich, die neu auf dem hof ist, sollte es der erste mit lola sein. nicht nur für mich. auch für meine mama, die die zweite hälfte reiten sollte. und für lola der erste im neuen zuhause. und genau da lag ein wenig der hase im pfeffer. unsere gute lola ist mit ihren 18 jahren zwar schon ein etwas betagtes mädel, sie ist aber durchaus noch eine wilde hilde. vor allem in der gruppe. von der vorbesitzerin weiß ich, dass sie in der gruppe gerne mal den schalter umlegt und ab durch die mitte bis zum horizont. so stand sie dem herbstritt etwas skeptisch gegenüber: „bist du dir sicher, dass du das machen willst?“. wenn man so etwas weiß, hat man tief in seinem innern eine gewisse verunsicherung. ich habe lola bislang als sehr sicheres geländepferd erlebt, habe jedoch auch schon einmal eine lola erlebt, die in der gruppe nur äußerst mühsam zu halten ist und beim galopp als tiefergelegtes turbotier erst am nächsten zaun haltmachte. ein königreich für zäune.

wie auch immer. katerwolf und mama katerwolf waren etwas schisserig und grübelten bis zuletzt darüber nach, ob sie mit der ersten, großen gruppe oder mit der kleinen nachhut, der schisshasen-truppe, mitreiten sollten. wir entschieden uns für die große truppe und ein schärferes gebiss.

kurz vor 12 saß ich gestern auf einer sichtlich beleidigten, da mit einem scharfen und auch noch eng geschnalltem pelham-gebiss im maul, lola, die sich mit großen augen und gespitzen ohren ihre pferdetruppe anschaute. 2-3 mutschnäpse später ritten wir alle los. hab ich euch schon gesagt, dass wir das schönste herbstwetter bestellt hatten, das man sich wünschen kann? es war der perfekte herbstritttag: strahlend blauer himmel, keine wolke weit und breit, sonne und rings um uns goldenes herbstlicht. die pferdchen marschierten munter drauflos. lola peilte sofort sehr motiviert die pole position an, schaffte es fast, und so setzten wir unseren weg als nummer drei fort.

„die ist doch ganz ruhig und brav,“ ließ bernd, der neben mir ritt, verlauten. ein wenig neidisch, da sein pferd die erste hälfte des herbstritts auf hufspitzen absolvierte und dazu führte, dass die beiden nach der halbzeit, gemeinsam mit diabolo, der die erste halbzeit auf der schweifspitze hinter sich brachte, separat zurückritten. der erste trab wurde angesagt. lola machte einen mächtigen satz nach vorne und landete mit ihrem gewicht im scharfen pelham-gebiss. sichtlich angefressen fing sie an zu buckeln. „ookaaay,“ ließ bernd hören, „die ist ja wirklich nicht ohne, die gute, uiuiui.“ das hätten wir dann geklärt. nach weiteren 2 trabs und 1 galopp teilte ich der gruppe zur allgemeinen belustigung mit: „ich danke dem erfinder des pelham-gebisses aus tiefstem herzen.“ mein lolachen hatte sich bis zum zwischenstopp beharrlich und erfolgreich an die spitze vorgearbeitet und betrat munter und sichtlich zufrieden als erste die halbzeit-bühne, einen sonnigen waldparkplatz, auf dem unser fanclub schon die versorgungsstation aufgebaut hatte. vermutlich war genau das lolas ziel. erste sein.

als meine mama sah, in welchem zustand lola ankam, nass, leicht schaumig und extrem munter, rutschte ihr ein wenig das herz in die hose. beteuerungen seitens meiner mitreiter, wie munter lola die ganze zeit gewesen war, machten es nicht unbedingt besser. mama bekam einen zwangsschnaps und weiter ging es zur zweiten etappe. ein wenig unbehaglich sah ich der im wald entschwindenden truppe und meiner heldenhaften mama auf der tänzelnden dampflok-lola hinterher. ich bin echt saustolz auf meine mam. das soll ihr mal eine nachmachen, oder?

aber am ende war alles gut. fazit: 4 von 14 pferden waren nicht brav, lola war eine davon. 1 pferd versuchte sich dem ritt durch hinfallen-lassen zu entziehen. der verdacht auf akute kolik mitten im wald entpuppte sich als fliege am bauch. alle pferde standen nach dem ritt zufrieden bei hafer und heu in ihren boxen. alle reiter saßen bis zum sonnenuntergang ebenso zufrieden bei beachtlichen mengen crémant und schnaps zuerst in der sonne und später im reiterkeller beisammen und erzählten sich in allen einzelheiten, wie es denn nun gewesen war. und wie es all die jahre zuvor gewesen war. welches pferd besonders kernig und welcher reiter besonders betrunken war. es scheint eine dame auf dem hof zu geben, die in den jahren zuvor beim zwischenstopp einfach wie ein nasser sack vom pferd kippte. hihi. es war lustig gestern. es war schön. wir hatten großen spaß. mein mann und mein vater kamen zur after-reit-sause hinzu. ich habe alle schnäpse der dorfbrennerei probiert. ich habe heute kopfschmerzen. aber: es geht mir gut. mächtig gut sogar. 😆

Kleiner Wanderritt

WAR das schön. wunderschön. wie schon angekündigt, habe ich am wochenende mit 2 freundinnen einen „kleinen“ wanderritt unternommen. „klein“ deshalb, weil wir auf „kleinen“ pferden, sprich, isländern, unterwegs waren und weil es eigentlich 3 sternritte waren. das heißt, wir sind immer wieder an den gleichen ausgangspunkt zurückgekommen und von dort wieder gestartet. der ausgangspunkt lag ganz in unserer nähe, angrenzend an ein wunderschönes biosphärenreservat. es gibt dort lichte wälder, fast schon urwaldartig anmutende wälder, kleine bachläufe, offene felder mit weitblick, weit, weit über das land, bis zu den bergen in der ferne, grüne hügel mit kleinen, sonnenbeschienenen dörfern obenauf und in den tälern, romantische ausblicke und kleine, verwunschene marienschreine, einfach prachtvoll. und wenn dann noch dieses besonders schöne septemberwetter alles in sein goldenes licht taucht, geht einem das herz auf, ach was, es fließt über.

meine erfahrungen mit isländern beschränkten sich bislang auf ein bis zwei ausritte in meiner frühen jugend, ansonsten bin ich immer auf „großen“ unterwegs gewesen und meine lola ist eine oldenburger stute. fragt mich nicht warum, aber großpferdereiter schauen immer ein wenig auf kleinpferdereiter runter, weil kleinere pferde nun mal, nun ja, „klein“ sind.

ich gelobe: nach diesem wochenende werde ich nie, niemals mehr von oben herab über isländer sprechen. es sind wunderbare geschöpfe. ich kann es ganz und gar verstehen, dass man ihnen verfällt und ganz vernarrt in sie ist. wunderbare, robuste, charakterstarke, eigenwillige, gesellige tiere. und schnell wie der wind.

„unsere“ isländer stehen in einer art pferdeparadies: koppeln so weit das auge reicht, viel platz und ruhe. wenn man eins der pferde aus der herde führt, um es zu reiten, tappt einem die ganze herde hinterher und schaut genau zu, wie man putzt und sattelt. als ich zwischendurch mal kurz auf die toilette musste, erwarteten mich 10 sehr interessiert dreinschauende pferdchen, als ich die klotür wieder öffnete.

„sie ist ein bisschen flott, deine süße. und auch ehrgeizig. lass dich nicht ins bockshorn jagen.“ gab mir meine freundin und besitzerin der pferde als einweisung mit. da hatte sie recht. meine süße war flott. sie trabte in einem affenzahn bergauf, bergab und als wir den ersten galopp wagten, raste sie los wie speedy gonzales. unglaublich. ich hätte nie gedacht, dass isländer so schnell sind. und dass es so einen spaß macht, mit diesen flotten fegern in diesem tempo über stock und stein zu düsen, als wäre man der galoppierende expressdienst. herrliches gefühl.

am 1. tag machten wir eine 3-stunden-tour und am nächsten tag zwei 3-stunden-touren, eine morgens, eine nachmittags. das geht schon in die knochen. nach dem ersten tag verdrückten wir, ziemlich erledigt, abends in unserer pension godzilla-große schnitzel, tranken ein paar gläschen rotwein und waren innerhalb von einer stunde kurz davor, mit dem kopf auf der tischplatte einzuschlafen. der einzige wermutstropfen war, dass die kleine pension ausgerechnet an dem abend an eine geschlossene gesellschaft vermietet war, die einen 50sten geburtstag feierte. wir bekamen die letzten 2 freien zimmer (von 5). so tobte unter uns, während wir um schlaf rangen, eine sehr lebhafte feier. mit dem schlechtesten alleinunterhalter der welt. ehrlich. ich habe noch nie eine schlechtere version von hol das lasso raus und rosamunde gehört, wie an diesem abend. aber egal. es war einfach ein tolles, ganz und gar erfüllendes wochenende.