Februar-Depris

puhh, ist offenbar echt nicht mein monat. bin richtig down. als überzeugtes froh-kind finde ich das schrecklich. in meinem kopf bewegen sich folgende gedanken:

ich habe bauchweh: vermutlich habe ich darmkrebs.

joschis schnauze ist plötzlich so grau geworden: vermutlich stirbt er auch bald.

lola ist auch immer noch krank: sie wird auch nicht mehr lange leben.

ich werde also gemeinsam mit meinen tieren bald das zeitliche segnen. mein mann wird uns überleben und nach einer kurzen trauerzeit eine neue finden und ich stehe mit den tieren eingerahmt auf dem kaminofen. echt konstruktiver gedanke, muss ich sagen.

ich werde dieses jahr 50: ich werde hässlich und alt. auch sehr konstruktiv.

undsoweiterundsofort.

heute ist mein 4-wöchiger termin beim psychoonkologen. der kauft sich vermutlich nen strick, wenn ich wieder weg bin.

 

 

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Lebe glücklich, lebe froh…

…wie der mops im haferstroh.

diesen spruch hatte mir mal eine mitschülerin in mein poesiealbum geschrieben. weiß auch nicht, warum er mir heute dauernd in den sinn kommt. vielleicht, weil es mir derzeit einfach gut geht, ich mich zufrieden, entspannt und ausgeruht fühle. ich habe die letzten 4 (!) nächte für meine verhältnisse richtig gut geschlafen, das ist ein fest, leute, ein echtes fest! gestern hatte ich auch wieder meinen monatlichen termin beim psychoonkologen. ich habe etwa 6 monate nach meiner diagnose, als mir bewusst wurde, dass die mit der diagnose entstandene angst vor einem rückfall und dem sterben nicht von alleine weggehen würde, seine hilfe in anspruch genommen. das war das beste, was ich damals tun konnte, denn er hat mir schnell und effektiv geholfen. ich schätze ihn sehr. seitdem sehen wir uns etwa alle 4 wochen. und auch jetzt, nach 1 1/2 jahren, gehe ich zu ihm. obwohl die angst nur noch eine sehr untergeordnete rolle in meinem leben spielt, sehe ich die termine bei ihm auch weiterhin als wichtigen baustein im prozess meiner vollständigen genesung.

als ich gestern bei ihm war, ließ ich die letzten 2 jahre revue passieren, erinnerte mich an meinen ersten termin bei ihm und daran, wie es mir damals ging. es wurde mir einmal mehr bewusst, wie gut es mir jetzt geht. welchen weg ich seitdem gegangen bin. damals hatte ich das gefühl, das jahr nicht zu überleben, war nicht in der lage, über einen zeitraum von ein paar wochen voraus zu denken. so stark hatte die diagnose mein vertrauen in mein weiteres überleben erschüttert. wie wunderschön ist es hingegen, zu spüren, wo ich jetzt bin. ich lebe. und ich erlebe mein kostbares, wunderschönes leben. und habe nicht vor, dass so schnell zu ändern. denke selbstbewusst, dass ich vielleicht doch 100 werden könnte. wäre auch mit ende 80 zufrieden. und wenn ich so denke, beschleicht mich nicht mehr dieser dumpfe zweifel darüber. ich traue mich wieder, daran zu glauben. und noch eins wurde mir gestern bewusst: dass ich sehr viel angst losgelassen habe. das merke ich daran, dass ich anfange, mich zu entspannen. nicht mehr das gefühl habe, ständig in bewegung bleiben zu müssen, damit ich keine sekunde versäume, ums überleben zu kämpfen. ich kann jetzt entspannen und durchatmen und habe das gefühl, dass alles gut werden könnte, alles gut wird, alles gut ist.

daher lasse ich heute quietschvergnügt den gedanken in mir wohnen: lebe glücklich, lebe froh, wie der mops im haferstroh 😆

ich bin übrigens nicht die einzige, die heute so denkt. auch meine lieben tiere joschi und lola sind zufrieden. heute vormittag war der tierarzt bestellt, lola musste geimpft werden. mein mann kam mit und joschi witterte deshalb das große abenteuer. lola stand überaus munter und glücklich in ihrer box und ließ geduldig die 2 spritzen über sich ergehen. die tierärztin, die lola schon seit 14 jahren kennt, untersuchte sie einmal rundum und attestierte  ihr eine stabile gesundheit.  joschi war, wie immer, eifersüchtig, stierte auf die spritze und sprang eifrig um uns herum und vorneweg und hin und her.

„wie alt ist dieses muntere kerlchen denn?“ fragte die tierärztin. „10!“ antworteten wir. „großartig, der macht aber einen sehr gesunden und guten eindruck!“ nachdem die ärztin wieder weg war, führten wir zunächst lola ein bisschen auf dem hof herum, sie muss heute und morgen ruhen und darf wegen der spritzen nicht geritten werden, und im anschluss drehten wir mit joschi eine lange, sonnige (und matschige) runde über die felder. alles prima. alle gesund. alles gut. habt einen schönen freitag!

4. Brustkrebsnachsorge – 1 Jahr geschafft!

dieser post wird für viele meiner leser nicht so spannend sein, umso mehr aber für die leserinnen unter euch, die selbst betroffen sind, und ich weiß, dass das viele sind. wer sich dennoch einfach „nur so“ informieren will, nur zu 😆

ich habe heute meine 4. brustkrebsnachsorge gehabt. genau genommen vergangene woche donnerstag und eben heute. vorneweg: alle ergebnisse sind in ordnung. ich bin gesund. 😆

dennoch wäre es gelogen zu sagen, dass ich jetzt vor freude jauchzend in der gegend rumspringe. die untersuchungen waren anstrengend, physisch und psychisch. das muss sich jetzt erstmal setzen. die freude und erleichterung kommt, wie ich denke und wie es bislang auch immer war, zeitverzögert hinterher.

der punkt ist der: man weiß einfach zu genau, dass es sich nur um eine zwischenentwarnung handelt. und auch wenn man sich noch so oft verinnerlicht, dass man eine gute prognose hat, so ganz traut man dem braten nie. hinzu kommt, dass die nachsorgeuntersuchungen einen daran erinnern, was die tatsächliche ursache für diese untersuchungen ist. eine tatsache, die man zwischendurch gerne mal „vergisst“. zum beispiel dann, wenn man, so wie ich vergangene woche, einen so immensen energieschub hat und denkt: „pfft, mir geht es ja super. was soll da noch kommen???“

zum beispiel eine nachsorgeuntersuchung. dann wird man ein bisschen kleinlaut und denkt sich: „hm, ja, also, wie ätzend.“ und temporär kommt dann die ganze soße hoch. aber das geht auch wieder vorbei und ich bin an solchen tagen wie diesem sehr froh, dass ich nach wie vor zu meinem psychoonkologen gehe. heute etwa. dem ich dann von kopf bis fuß meine ängste offenlege. und der dann etwas kluges sagt, das die ängste wieder relativiert. ich nehme mal an, dass ich nach der heutigen sitzung realisiere, dass auch diese nachsorgeuntersuchung mit gutem ergebnis abgelaufen ist und ich grund zur freude habe.

was genau wird in einer 4. nachsorgeuntersuchung gemacht? ich kann hier nur von meinem befund ausgehen, der da wäre: G2, größe des tumors, der entfernt wurde: 1,4 cm, kein lymphknotenbefall, positive hormonrezeptoren, therapie: brusterhaltende operation, bestrahlung, antihormontherapie mit tamoxifen (5 jahre), zoladex (3 jahre) und zusätzlich zometa (2 jahre). keine chemo.

nach der operation finden bei mir die ersten 2 jahre im abstand von 3 monaten nachsorgeuntersuchungen statt, später dann nur noch alle 6 monate. nach ablauf der therapie, in meinem fall nach 5 jahren, reduziert sich dieser abstand erneut. in der regel geht man davon aus, dass das rückfallrisiko innerhalb der ersten 2 jahre nach auftreten der ersterkrankung am höchsten ist. danach reduziert es sich. nach 5 jahren gilt man in vielen fällen als geheilt. das hängt vom befund, von der therapie und prognose ab. meine prognose und therapie sieht das so vor. ich werde nach 5 jahren als geheilt eingestuft. ich lasse zusätzlich alle 3 monate meine augen untersuchen, da das tamoxifen zu veränderungen der netzhaut führen kann.

in den nachsorgeuntersuchungen wird alle 3 monate untersucht: tastbefund brust, sonographie brust, gynäkologische untersuchung, blut- und urinentnahme, ausführliches gespräch. alle 6 monate wird eine umfassendere untersuchung gemacht. nach den ersten 6 monaten nach der operation kam bei mir zusätzlich eine mammographie beider brüste hinzu. nach weiteren 6 monaten, also diesmal, umfasste die nachsorge folgende untersuchungen:

mein behandelnder gynäkologe, der die zusatzqualifikation onkologischer gynäkologe (das ist ein gynäkologe, der auf krebserkrankungen spezialisiert ist, vornehmlich krebserkrankungen der brust und des unterleibs) hat, deckt folgendes ab: ausführliches gespräch. blutwerte (leber, tumormarker, etc.), urinwerte. gynäkologische untersuchung inklusive abstrich und sonographie (das macht man hauptsächlich wegen der etwaigen nebenwirkungen von tamoxifen). tastbefund der brust. sonographie beider brüste. sonographie der leber.

darüber hinaus wurde ich zu einem radiologen überwiesen, der ergänzend folgende untersuchungen durchgeführt hat: röntgen thorax, lunge. mammographie der operierten brust. und nur der. eine sehr genaue sonographie der operierten brust, genannt mammasonographie.

auf ein knochenszintigramm und kernspin wird in meinem fall verzichtet, da die strahlenbelastung im verhältnis zu meinem rückfallrisiko als zu hoch eingestuft wird. das wird nur in dem fall gemacht, wenn die anderen untersuchungen grund zur sorge geben.

und wie sind diese untersuchungen so? ich mag sie nicht. das heißt, die untersuchungen bei meinem gynäkologen finde ich ok. er ist menschlich total ok und sagt mir jedesmal, dass ich gesund bleiben werde und ich glaube ihm das. die radiologische untersuchung ist grässlich. zum einen, weil es weh tut wie sau, wenn die operierte brust auf diese röntgenplatte gepresst wird. vor allem, wenn man so kleine brüste hat wie ich. mir ist heute vor schmerz der kreislauf in den keller gesackt. die praxis, in der ich das machen lasse, ist äußerst kompetent und in unserer region die beste. allerdings fordert einem die nüchtern-sachliche atmosphäre dort einiges an innerer stärke ab. vor allem, wenn auf persönliche statements wie etwa: „ich glaube, bei mir kommt das nicht wieder zurück!“ so gar kein feedback kommt. nur stille. aber das was zählt, ist letztendlich das ergebnis. meine erste mammographie-untersuchung, nachdem ich den knoten entdeckt hatte, wurde in einer anderen radiologischen praxis vorgenommen. die waren sehr nett – den knoten haben sie in der mammographie allerdings übersehen. erst als ich auf anraten meiner damaligen gynäkologin in besagte 2., und nun für mich aktuelle, praxis ging, um eine 2. meinung einzuholen, wurde der tumor als solcher entdeckt.

jetzt ist erstmal wieder ruhe. die nächste zoladexspritze ist erst in 4 wochen, die nächste zometa-infusion anfang märz und die nächste nachsorge ende april. ich gehe jetzt mal zu meinem psychoonkel, wie ich ihn nenne ,und dann werde ich mich mal entspannen.

Brustkrebs und die Angst vor demTod

ich weiß, ein extrem düsteres kapitel. wem das zu düster ist, nicht lesen, einfach noch ne halbe stunde warten, dann gibt es eine lustige hundegeschichte obendrauf. leider gehört dieses thema aber zum brustkrebs wie der deckel auf den topf. und die letzten paar tage war es bei mir ziemlich aktuell. daher ein paar worte dazu:

ich bin so froh, dass es menschen gibt, die sich dazu ausbilden lassen, anderen zu helfen und das dann auch noch gut können! zum beispiel psychoonkologen. meiner ist für mich heute held des tages.

die diagnose brustkrebs wirft einen in den ring und konfrontiert einen dort mit etwas, das man im normalfall GANZ WEIT von sich schiebt: dem tod. die angst vor dem tod wird plötzlich zum treuen begleiter. es gibt zeiten, da steht er nur still in der ecke und man kann ihn fast oder zum teil sogar ganz vergessen. es gibt aber auch zeiten, da tritt er vor dich und sagt laut und deutlich: „hallo. ich bin hier und hole dich. ich sage dir nicht genau wann, aber ich bin hier und warte.“ in meiner vorstellung ist der tod eine lange, hagere, schwarze, gesichtlose erscheinung. er ist nicht böse sondern vielmehr so real wie der stuhl, auf dem du sitzt. und er ist unumgänglich. mir  jagt er zuweilen einen riesigen schrecken ein. ich habe früher nie richtig an den tod gedacht. manchmal kurz, wenn jemand, den man kennt, stirbt oder wenn einen die angst streift, man könnte einen geliebten menschen verlieren. der gedanke an den tod war bei mir dann aber nur kurz und „schnell weg damit„. und dann sagt einem der arzt, dass man brustkrebs hat und von jetzt auf sofort steht er im zimmer, der tod. er geistert nachts durch deine träume und schaut dich tagsüber aus der zimmerecke an. das ist echt hart.

mir wurde ziemlich schnell, etwa 1 monat nach meiner op, klar, dass das ein thema ist, mit dem ich allein überfordert bin. und, dass es vermutlich für lange zeit thema bleiben wird. also habe ich das getan, was viele mit meiner diagnose auch tun: ich habe mir einen psychoonkologen gesucht. das war eine gute entscheidung, die ich nur weiterempfehlen kann. ich hatte glück, dass der mann, dem ich kurze zeit später gegenüber saß, dinge zu mir sagte, die ich verstand. das ist für mich wichtig, diese angst zu verstehen. alleine ist das schwer. aber dafür gibt es profis. ich gehe alle 2 wochen zu ihm und war bislang 4 mal da, heute das 4. mal. es stehen noch 2 termine an, dann müsste es erstmal alleine klappen.

die letzten wochen ging es mir eigentlich recht gut und die angst schlummerte eher unter der oberfläche. mein 1. nachsorgetermin vergangene woche hat mich knallhart wieder mit meiner erkrankung konfrontiert. ich saß im behandlungszimmer und mir wurde einmal mehr klar, warum ich in behandlung bin. weil ich an brustkrebs erkrankt bin und eben keinen gebrochenen knochen auskuriere. mit der konfrontation kam auch wieder verstärkt die angst.

gestern haben mein mann und ich einen kleinen ausflug gemacht. wir haben nämlich kurzentschlossen ein kleines, wunderschänes grundstück an einem benachbarten, größeren weiher gekauft. es ist wunderbar, idyllisch, ruhig, ein perfekter ort für auszeit. gestern waren wir dort um den kauf abzuschließen. während ich so auf den ruhigen see schaute, merkte ich, wie deprimiert ich war. als wir gegen 9 zurückfuhren, schaute ich aus dem autofenster in die schnell dunkel werdende landschaft und wurde mir mit einem mal meiner gedanken bewusst: „ich werde eh nicht viel davon haben. ich sterbe ja sowieso.“

da war er wieder, der treue gefährte tod, der hinter mir im wagen saß und mir seine hand reichte.

was war ich daher froh, dsss ich heute sowohl einen termin zur akupunktur als auch beim psychoonkologen hatte. mein akupunkturarzt ist ja, wie schon erwähnt, ein richtiger schatz. wenn er einen fragt, wie es einem geht, spürt man, dass er es wirklich wissen will und mitgefühl hat. als ich ihm heute erzählte, wie es mir geht, meinte er: „da müssen wir heute verstärkt etwas machen„. 5 minuten später lag ich gespickt wie ein stachelschwein auf der liege. das brachte mich dann doch zum schmunzeln und ich muss sagen, dass es mir, wie immer, sehr gut getan hat. ich fühlte mich nur noch halb so elend, wie zuvor.

da ich nach der behandlung bis zum termin bei meinem psychoonkologen noch 1 stunde zum überbrücken hatte beschloss ich, einen kurzen abstecher in den mediamarkt paar meter weiter zu machen. es waren noch 10 minuten zeit bis das geschäft öffnete. ich wartete in der sonne. neben mir wartete ein älterer, weißhaariger mann mit einem lustigen schnauzbart, der offensichtlich das gespräch mit mir suchte. ich ließ mich darauf ein, da er sehr nett wirkte. so erzählte er mir freudestrahlend, dass er ein kabel braucht, um seinen fernseher neu anzuschließen und dass er jetzt zu hause alles selbst macht, man müsse sich schließlich ständig neuen herausforderungen stellen. er sei 45 jahre lang LKW-fahrer gewesen und hätte dann, nach 2 herzinfarkten, aufgehört. in der reha habe er seine leidenschaft für die malerei entdeckt und jetzt sei er künstler, er hätte sogar schon ausgestellt. „isch hann vor jahre mol de daaahllii (salvator dali) gesiehn. und da hann isch mir gedenkt, dass do kann isch besser. und soll isch ihnen mol was sahn, isch KANN es besser.“

ich liebe solche menschen. schade, dass man meist unbemerkt an ihnen vorbeigeht.

dann fuhr ich in die klinik und freute mich regelrecht auf das gespräch. was soll ich sagen. er hat es wieder geschafft, dass mir klar wurde, was da eigentlich in mir und mit mir passiert. und dass es möglich ist, damit umzugehen. und dass es mit jedem weiteren jahr, dass ich überlebe, besser werden wird.  er hat mir viel erzählt, das hier wiederzugeben, sprengt den rahmen. aber einen satz möchte ich doch mit euch teilen, denn ich finde ihn stark:

diese angst ist der preis dafür, dass sie überleben

als ich ihn verließ, hatte ich das gefühl, wieder richtig luft zu bekommen. und jetzt, paar stunden später, geht es mir wieder richtig gut und ich freue mich auf unser neues seegrundstück.