Eine Seefahrt, die ist lustig *sing*

sagen wir es mal so: unsere segelwoche war durchwachsen. das wetter war nicht nur schlecht. ich habe sogar erfahren, hier sei es noch schlechter gewesen. ich bin bislang nur im mittelmeer gesegelt und von daher verbinde ich mit segeln: sonne, blauer himmel, blaues meer, schwimmen im meer, kurze hose, top, flip-flops. segeln in holland ist anders.

der beweis:

segeln im mittelmeer

 

segeln in holland

 

die ersten 3 tage schüttete es wie aus eimern. wenn man dann mit 4 kindern, davon 1 spätpubertär und 1 hochpubertär, auf engem raum, sprich, auf einem boot, eingesperrt ist, ist das nicht nur gemütlich. oh nein. und wenn mir vorher jemand gesagt hätte, ich würde bei eisigen temperaturen, im strömenden regen, am steuer eines segelschiffes sitzen, während mir der regen waagerecht in die augen prasselt, ich hätte ihm mindestens einen vogel gezeigt. aber so war es. ich schwöre. und es hatte sogar was wildes an sich, bei diesem irren wetter das schiff in den händen zu haben, gegen den wind zu kämpfen und schnell wie der wind über das rauhe wasser zu zischen.

die aussicht, vermutlich 8 tage im strömenden regen herumsegeln zu müssen, ließ in mir schon vor der reise überlegungen kreisen, wie man aus dieser situation das beste machen könnte. und schließlich hatte ich einen kühnen plan: auf dem wasserweg nach rotterdam zu segeln. ich war vor einigen jahren in rotterdam gewesen und völlig begeistert von dieser großartigen stadt. damals stand ich am ouden haven (alten hafen) und dort setzte ich den keim in mir. und wir haben es tatsächlich gemacht. wir sind nach rotterdam gesegelt. das war eine tolle idee und ein einzigartiges abenteuer. das uns alle das wetter (und manche an bord vorübergehend die pubertät) vergessen ließ und in uns das gefühl erweckte, große, mutige abenteurer zu sein. solche dinge macht man und vergisst sie nie mehr. während wir auf die beeidnruckende skyline von rotterdam zufuhren, dachte ich: „wie wunderbar. so wird ein traum von mir wahr.“ dieser fahrtabschnitt und der aufenthalt in rotterdam waren so großartig, dass ich einen eigenen post darüber schreiben werde.

aber ein, zwei bilder will ich euch doch schon zeigen. dieser blick bietet sich einem bei der anfahrt:

 

und dieser blick faszinierte uns abends, mit einem glas wein in der hand, vom deck unseres schiffes aus.

und als hätte uns jemand im himmel besonders lieb, hörte es am abend unserer ankunft auf zu regnen und wir hatten sage und schreibe 3 volle tage keinen regen und jawohl, die sonne blitzte zwischen den wolken hervor, ließ den himmel leuchten und das wasser glitzern. ich hatte sogar einmal eine kurze hose an. wenn auch kurz. und dann ist segeln in holland doch nicht so schlecht.

 

 

 

einige von euch wollten wissen, ob ich wirklich 4 große kinder habe. ich habe nur 1 kind, meinen 20 jährigen sohn. er studiert seit fast 1 jahr im ausland. mein mann hat zwei kinder, einen 20 jährigen sohn und eine 16 jährige tochter. die kinder meines mannes leben bei der mutter und sind an manchen wochenenden bei uns. gemeinsame ferien haben wir schon immer gemacht. das vierte mitsegelnde kind ist die freundin meines sohnes und sie ist im grunde genauso wenig kind mehr wie mein sohn 😉

patchwork ist so ne sache. gut, wenn es klappt. manchmal klappt es auch. aber es ist auch schwierig. und wenn die kinder älter werden, wird es nicht unbedingt einfacher. und wenn sie in der pubertät sind, ist es mitunter richtig schwierig. dieser urlaub hat mich mitunter ganz schön an meine grenzen gebracht. und es gab momente, in denen war ich mir nicht sicher, ob es mir lieber war, dass meine pubertierende stieftochter den ganzen tag schlechtgelaunt in der kajüte lag und jegliche aufforderung zur mitarbeit ignorierte oder dass sie ihre kalüte verließ um uns mit kettensägemiene ihren geballten hass auf gott und die welt (und auf mich) zu offenbaren. dann kann so ein boot ganz schön eng werden. *seufz*

wie ich schon sagte, der urlaub war durchwachsen. nichtsdestotrotz habe ich es genossen wie eine blöde, meinen sohn, den ich nur selten sehe, 1 ganze woche um mich zu haben, er ist einfach klasse. und zu sehen, wie glücklich er in seinem „eigenständigen leben“ ist, hach, das war einfach schön 😆

 

Schlampe

auf dem weg zur arbeit habe ich heute einen zwischenstopp im zeitschriftenladen eingelegt, ich wollte ganz schnell einfach nur geschenkpapier kaufen. so war mein plan. aber dann kam alles anders.

warum?

ganz einfach: sie kam herein.

es gibt menschen, die vergisst man nie. weil sie einem irgendwann mal etwas angetan haben, das einen sehr, sehr verletzt hat. und wenn man diese menschen dann irgendwann wiedersieht, und sei es auch 100 jahre später, erwacht sofort das mörderherz in einem. sie gehört zweifelsohne in diese kategorie. wie lange ist es her? 30 jahre? so in etwa. wir waren damals unbescholtene teenager. wild und doch unschuldig. schüchtern und doch neugierig. und sehr, sehr jungfräulich. mit erwachenden hormonen und der damit verbundenen komplikationen. es war die zeit der ersten, vorsichtigen körperkontakte, mit heißen küssen, und bisschen gefummel, aber nicht mehr. wir standen sozusagen am anfang. wollten mehr aber trauten uns nicht.

wir.

nicht sie.

es gibt solche mädchen in jeder alterklasse. und später frauen. ich hatte im leben schon mehrfach die ehre. damals waren wir eine clique und es gab etwa gleich viele mädchen und jungs und jeder hatte sich jemanden ausgeguckt, den er zum objekt seiner begierde machte. in meinem fall war es arthur. natürlich hieß er nicht arthur, aber ich nenne ihn jetzt mal arthur. arthur sah aus wie ein orientalischer märchenprinz und ich war unsterblich in ihn verliebt. wir küssten und fummelten, arthur wollte mehr aber drängte mich nicht und ich wollte mir noch bisschen zeit lassen. es war sommer. es war ein heißer sommer. und wir verbrachten mit der clique viel zeit am see, an dem einer der eltern ein wochenendhaus hatte. irgendwann machten wir eine party und irgendjemand brachte sie mit. sie war ein bisschen älter als wir. und sie sah irgendwie anders aus. sie bewegte sich anders, schaute die jungs anders an und alle jungs schauten nur noch sie an. bei uns mädchen schrillten sofort alle alarmglocken. sie ließ das völlig kalt. stattdessen lief sie in einem flatterrock und bikinioberteil auf dem grundstück herum und fing damit an, auf einen baum zu klettern. ein junge nach dem andern wollte dann auch auf den baum klettern. wir mädchen beobachteten das missmutig vom haus aus. bis wir herausfanden, warum alle jungs klettern wollten.

sie hatte kein höschen an. und sie kletterte oben. und die jungs unter ihr.

so war das damals. nicht nur arthur verlor bei ihr seine unschuld. und nicht nur ich verlor arthur an sie.

und jetzt stand sie neben mir im zeitungsladen. 30 jahre später. kurz überlegte ich, ob sie die berühmte duisburger leggins-hure war. sorry, aber das musste jetzt sein 😉 . sie schaute mich an und schien mich nicht zu erkennen. sah gut aus, leicht schlampig zwar, aber gut, teuer sah sie aus. und sie hatte es offensichtlich eilig. ich erwog in gedanken, ob ich die gelegenheit nutzen sollte, mit ihr abzurechnen. in dem zeitungsladen. morgens um 8. aber dann kam mir eine andere idee. ich war nämlich vor ihr dran. und anstatt zu bezahlen und mit meiner geschenkpapierrolle abzudüsen, überlegte ich es mir anders.

„ach, ich weiß nicht, ob ich dieses papier nehmen soll. hm, finden sie es passt zu jemandem, der gerade 50 wird?“

begann ich in seelenruhe ein beratungsgespräch mit der verkäuferin. 15 minuten später verließ ich seltsam schadenfroh mit etwa 15x umgetauschten geschenkpapier, mehrfach durchdiskutierten passenden farbbändern und tesafilm, den ich mit der verkäuferin auch ausführlich auf die klebekapazität hin geprüft hatte, den laden. ich kam 15 minuten später zur arbeit. aber das war es mir wert. schlampe.

All inclusive Urlaub – inklusive Renate und Willie

der wunderbare artikel von anna-lena weckt in mir erinnerungen: sommer 2006. eine bekannte, spanische insel. ein bekannter ferienclub. all inclusive. mein mann, ich und unsere 3 patchwork-kinder.  alle drei in der pubertät. wir hatten nur gutes gehört und waren voller vorfreude.

wenn ich ehrlich bin, hatte ich schon auf dem weg vom flughafen zum club düstere vorahnungen und fluchttendenzen. eine endlose, graue geröllwüste erstreckte sich nach allen seiten. ab und an ziegen. fressen die ziegen dort steine? die geröllwüste wurde durch künstlich bewässerte grüne parks unterbrochen, die fast ausschließlich zu ferienanlagen gehörten.

so auch zu unserer. von außen sah es eigentlich nett aus. ein großes, helles hauptgebäude, ein großer pool und kleine, schöne bungalows überall. „na„, dachte ich mir, „hab dich nicht so. ist doch schön, wird sicher super hier.“ wir bezogen unseren bungalow, packten schnell aus und machten uns auf den weg zum strand, es war ja noch früh! der strand, tja. er war menschenleer. seltsam, wieso nur? wir bahnten uns zwischen gefühlten 1000 liegen auf der sonnenterrasse, die einem flüchtlingsboot glich, den weg zum strand. kaum waren wir unten, wussten wir warum: der wind blies uns fast von den füßen und wir waren binnen sekunden gesandstrahlt. oha. schwimmen durfte man nicht. also wieder zurück auf die sonnenterrasse.

hier versammelte sich auf einem haufen all das, was man nie, nie im leben auf einem haufen sehen will. nicht mal einzeln will man das sehen. und schon gar nicht im badeanzug. geschweige denn oben ohne. im stringtanga. nach einigem suchen fanden wir 2 liegen und ließen uns darauf nieder. zu den nachbarliegen war etwa 5 cm abstand. wir legten uns hin und wagten einen vorsichtigen blick in die runde. 1000 augenpaare starrten zurück. schließlich löste sich eine frau aus der menge und kam auf uns zu. die erde bebte. voll das alphatier, im stringtanga, blonde dauerwelle, dick mit ordentlich holz vor der hütte. d.h. auf der fußmatte vor der hütte (ich weiß, ist gemein, aber ihr habt die walküre nicht erlebt!). zielstrebig bahnte sie sich ihren weg durch die menge und ließ sich mit baumelnden melonen auf der liege meines mannes nieder.

„tach, ich bin die renate. ich komme aus bochum und bin schon zum fünfzehnten mal hier. mit dem willie. WILLIE, komma her.“

willie kam. klein, schütteres haupthaar, ausgemergelt aber mit bierbauch, sportbadehose und adiletten an den füßen.

„tach, ich bin der willie. die bessere hälfte von renate.“

sprachs und ließ sich auf meiner liege nieder. ungefragt. hey, mein mann und ich sind sehr kommunikativ und gesellig, aber bei einer halbnackten renate samt willie auf der liege ist auch mal gut.

„und iiiiiihr? wie oft seid ihr schon hiergewesen? na los, erzählt mal!“

„gar nicht. und ich bin etwas müde und möchte mich jetzt gerne etwas ausruhen.“

das kam irgendwie nicht gut an. nachdem wir als außenseiter entlarvt wurden, erstarb das gespräch schnell und renate zog samt willie ab und tratschte mit allen über uns. ich hatte in den nächsten 14 tagen den einen oder anderen kampf um die liegen mit renate, da ich zu den menschen gehöre, die badetücher, die morgens schon um 6 auf liegen verteilt werden, herunterzunehmen und die liege zu okkupieren, wenn um 10 immer noch keiner erscheint. ich habe dort dinge gesehen, das glaubt ihr nicht. zum beispiel das: einen mann, der gegen mittag zu seiner mit handtuch belegten liege kam und einen fremden darauf vorfand. es entspann sich ein disput, der darin gipfelte, dass der erstbesitzer die liege mit muskulösen, behaarten armen packte und versuchte, den feindlichen eroberer, wie ein primat schreiend, herunterzuschütteln. isch schwör!

der wind blieb, ist ja auch die insel der starken winde, frau schlau ;-). es regnete auch. das erste mal im august seit 5000 jahren. es war kühl. ich trug 14 tage abends meine 2 pullis übereinander, die ich dabei hatte. ich versuchte mich im all inclusive-sportprogramm. pilates, yoga und tiefenentspannung sowie bauch beine po machen bei starkwind in einem zugigen, offenen pavillon mit meerblick nur begrenzt spaß. merkt euch das. also, was kann man in einem all inclusive club sonst noch so machen? richtig, essen. also aß ich. und aß und aß und aß. mein magen dehnte sich täglich. ich fing an renate zu ähneln.

mein mann segelte den ganzen tag (das durfte man, zumindest ab und an) und war abends so müde, dass er gegen halb 9 dringend schlafen musste. echt ne party, leute. also bin ich abends alleine in die open air disco mit riesiger, ovaler bartheke gegangen. zunächst schaute ich mir die animateur-show an, der man nirgends entkam und erfreute mich allabendlich an animateuren in tierkostümen, die irgendwelche fürchterlichen sachen sangen. und dann ging die party richtig los. YES. jeden abend zur gleichen musik: YMCA, diana ross und falco. echt geil. zu YMCA stürmten alle auf die tanzfläche und machten unter anleitung der animateure diesen YMCA-tanz. kennt ihr den? und dann wurde getrunken, was reingeht. mit steigendem alkoholpegel sank die schamgrenze. was da so auf der tanzfläche und der bar abging ist bar jeder beschreibung. hab meinen lebtach nicht so viele vokuhilas und blonde dauerwellen beim balzen gesehen, wie dort. ich dachte eigentlich, die seien ausgestorben. aber nein, es gibt da diese enklave auf einer spanischen geröllinsel, da ist das noch voll hip.

unfassbar. warum tun menschen so etwas? ich versteh das nicht. ich bin ein lebensfroher, unternehmungslustiger mensch, aber in dieses urlaubsfeeling kam ich nicht rein. sorry, leute. balzende renates und willies beim YMCA-hütchentanz, ne, geh fort!

unsere kinder hatten einen eigenen bungalow und machten die nacht zum tag. ich glaube, wenigstens sie hatten spaß. es war nicht unser letzter cluburlaub. wir waren später in der türkei in einem anderen club und hatten sehr viel spaß, alle. da waren aber auch sehr viele einheimische und die mischung machts. aber auf die vokuhilainsel fahr ich im leben nicht mehr.

Schwarzer Regenmantel

meine gestrige geschichte und vor allem auch die kommentare dazu haben in mir erinnerungen wachgerufen und die frage, warum man sich damals eigentlich immer so komisch gefühlt hat. so, als wäre man immer und überall fehl am platz, hässlich, unbeholfen und genervt von allem, vor allem von eltern. ich meine mich zu erinnern, dass ich jahrelang liebeskummer hatte. klar, pubertät. 13 jahre alt. schreckliches alter. ich nenne es: schwarzes regenmantel-alter.

ich hatte also diesen fürchterlichen rundschnitt auf dem kopf. ich weiß nicht mehr, ob das hormonell bedingt ist, dass man mit 13 immer leicht bis stark fettige haare hat. ich weiß aber, dass ein fettiger rundschnitt echt scheiße aussieht, er klebt am kopf fest und das gesicht scheint dann nur noch aus nase zu bestehen. die vor mitessern nur so strotzt. ich habe damals immer einen kamm mit mir rumgeschleppt um mir bei jeder gelegenheit den fettschopf zu kämmen, damit der rundschnitt etwas fluffiger wird. was trug ich, als ich 13 war? röhrenjeans von wrangler. ich meine, echte röhrenjeans, in die man mit dem schuhlöffel rein kam und den reißverschluss auf dem rücken liegend mit der zange zumachte. es ist ein großes wunder, dass unsere generation nicht komplett unfruchtbar wurde durch die ständig massiv eingeklemmten gebärutensilien untenrum. standard war zudem der obligatorische grüne armee-parker. möglichst paar nummern zu groß. an den füßen camel-boots. das waren so unförmige dinger mit gerippter, beiger gummisohle. sahen erst ab schuhgröße 41 so richtig gut aus 😉

so schlappte ich durch die gegend: rundschnitt, grüner armee-parker, riesige flatsch-schuhe an den füßen und überwiegend muffiger gesichtsausdruck. und genervt von meinen eltern, die eigentlich immer schrecklich lieb waren.

eines tages war ich mit meiner mutter shoppen. ich weiß nicht mehr, ob sie darauf bestand oder ich es unbedingt so wollte (unsere erinnerung stimmt hier nicht überein), jedenfalls kauften wir einen mantel. einen schwarzen, trenchcoatartigen, glänzenden regenmantel. sehr auffälliges teil. vor allem für einen teenager, der eigentlich nichts lieber wäre als unsichtbar. fortan schlappte ich also in diesem schwarzen regenmantel durch die gegend. und ich erinnere mich vor allem daran: meine schöne mutter, die gut gelaunt durch die stadt läuft und hinter ihr: eine bohnenstange mit rundschnitt in einem schwarzen regenmantel. mit finsterem gesichtsausdruck. und ich hasste es, wenn meine mutter mich dann in der öffentlichkeit ansprach. entsprechend war meine reaktion 😉

zum glück für alle beteiligten, inklusive mir, bin ich dieser phase entwachsen.

es muss aber ein bild gewesen sein, dass sich auch meiner mutter tief einprägte. noch heute fragt sie mich, wenn ich depri und schlecht gelaunt bin:

„na, hast du heute deinen schwarzen regenmantel-tag?“

Beobachtungen im Freibad

ich war vorgestern das erste mal nach etwa 30 jahren in unserem freibad. irgendwie hat es mich nie dahin gezogen, da ich lieber rausfahre, an irgendeinen see oder weiher in der umgebung. meine neu errungene reha-power allerdings treibt mich an, auch zum schwimmen, und so bin ich gestern mittag mit dem vorsatz, 1000 m im 50 m becken zu bezwingen, hoffnungsfroh ins freibad aufgebrochen. ich hatte einfach nur ein langes, blaues, überwiegend leeres 50 m becken im kopf. ich hatte nicht im kopf: dass schulferien sind 😆

früher, als teenager, bin ich im sommer täglich ins freibad gegangen. gleich nach der schule, während der ferien, während der schule 😉 und traf mich dort mit meiner clique. wir verbrachten ganze sommer giggelnd und kreischend am beckenrand und ließen uns von den jungs um die taille packen und ins wasser zerren oder standen zitternd auf dem 10 m sprungturm und kletterten mit schlotternden knien wieder runter, weil wir uns dann doch nicht trauten, herunterzuspringen. es war die zeit der ersten richtigen verliebtheiten und schwärmereien. ich ging ins schwimmbad, weil ich gerade irgendjemanden anschmachtete und hoffte, endlich seine aufmerksamkeit zu ergattern und ihn in mich verliebt zu machen. ich erinnere mich an einen sommer, ich war 14, als ich für einen großen, schlaksigen, schwarzhaarigen draufgänger marke freibad-django schwärmte, der mich mit den worten beeindruckte:

„mein vater ist DJ. er legt platten auf.“

wie aufregend!!!!! später stellte sich heraus, dass sein vater fliesenleger war. der witz des jahres, das mit den platten, haha, ehrlich, ich lach mich tot. von django bekam ich meinen 1. richtigen zungenkuss (der allererste beim flaschendrehen mit edwin zählt nicht, weil eklig), in den umkleidekabinen, unter einem handtuch. stefan, ein mitschüler von mir, der im geheimen in mich verliebt war, haute ihm daraufhin auf der schwimmbadtreppe 2!!!! blaue augen. mann, war ich stolz! django wechselte noch in dieser freibadsaison zu meiner freundin ulrike, die nicht nur küssen, sondern auch schon fummeln wollte. was für ein liebeskummer! ich habe django etwa 30 jahre später mal wiedergesehen, so auf der straße. gleich wiedererkannt. hat sich nämlich null weiterentwickelt 😉

so war das früher im freibad, als ich noch teenager war, es war aufregend und schön! gestern war es anders. stopp! oder war es noch genauso und ich bin einfach nur 30 jahre älter? vermutlich das letztere. horden kreischender teenager überall. ein geräuschpegel kurz vor trommelfellplatzen. ich suchte mir ein einigermaßen ruhiges wiesenplätzchen, breitete mein handtuch aus, setzte mich drauf und schaute mich erstmal um. boah. warum versammeln sich im freibad menschen, denen man im normalfall nie und nirgends begegnen möchte? vor allem nicht in horden? weiß das jemand? um mich herum saßen 1000 jahre knast. volltätowierte, glatzköpfige bodybuilder mit bösen, dunklen sonnenbrillen nebst weilblichem pendant mit arschgeweih. muskelbepackte, fremdenlegion-geeignete mitbürger mit migrationshintergrund und interessantem gesprächsstoff:

„guggst du hier, alter, krass.“

spindeldürre, solariumverbruzelte, tätowierte muttis mit heerscharen von spindeldürren kindern, die alle dschessica, wainona, schantall, bruhhhs und määändy heißen. familien, die ihren ganzen hausstand dabei hatten: klappstühle, riesige kühlboxen, sonnenschirme, tische, alles.

ich ging erstmal schwimmen. mit schätzungsweise 1000 anderen menschen, die alles daran setzten mich zu ertränken, indem sie wahlweise versuchten von den springböcken auf meinen kopf zu springen, mich beim rumtoben mit dem fuß auszuknocken oder mir beim ego-kraulen ihre arme ins gesicht zu flatschen. ookaaay, 200 m schwimmen ist auch viel. ich ging also wieder zu meinem badetuch um ein wenig die sonne zu genießen. kaum saß ich, war es vorbei mit der ruhe. eine clique von etwa 15 jugendlichen schlug ihr lager neben mir auf. ich schätze mal, so 15, 16 jahre alt. alle in der brunft. jöih, das war ein späßchen. 13 jungs, 2 mädels. alle waren auf die 2 mädels spitz und gaben röhrende geräusche von sich. und was passierte dann? es gab natürlich auch hier einen gruppen-django, einen jugendlichen platzhirsch mit verspiegelter pilotenbrille, der beide mädels für sich beanspruchte. der einen cremte er den rücken ein, der anderen die beine und dann ging er mit beiden gemeinsam zum schwimmbecken, während er sie beide um die taille fasste. die anderen 12 jungs starrten ihnen hinterher und schauten dumm aus der wäsche.

ach herrjeh, wie herrlich eigentlich. manche dinge ändern sich nie, nie, nie.

gestern war ich wieder da, zum frühschwimmen. keine horden, leeres schwimmbecken. nur so leute wie ich, mittelalt und ruhe suchend. hm, würde mich nicht wundern, wenn es die gleichen sind, die früher kreischend mit mir am beckenrand standen und in umkleidekabinen knutschten 😉