Rehageflüster: Das Gemächt

moin, moin, da bin ich wieder. mein schatz ist heute mittag abgereist und meine gute freundin micha-maus, die mich hier besucht hat, auch. war richtig schön, ihr beiden, ich weiß, dass ihr das hier lest 😆

wir waren rund um die uhr essen und haben die insel beradelt. ich habe von meinem schatzi einen lenkdrachen geschenkt bekommen, den wir gleich am strand ausprobiert haben. etwa 5 minuten lang, dann kam mister baywatch, der uns freundlich aber bestimmt bat, den drachen wieder einzupacken, weil a) der strand zu voll war und b) er uns beide drachen-dilettanten beobachtet hatte und ob wir nicht wüssten, dass die drachenschnur fremde ohren abschneiden könnte, oder nasen 😯 danach hatte ich bei allen weiteren versuchen panische angst um meine ohren und werde sie bis an mein lebensende haben.

die liebe micha-maus, die fleißig meinen blog liest, hat mir als überraschung einen wunderschönen taschenkalender mitgebracht, in dem ich meine neues vorhaben umsetzen kann. wie süß 😆

jetzt beginnt meine letzte rehawoche, die ich noch in vollen zügen genießen möchte, streik hin, streik her. es sieht auch so aus, als würde der sommer auf die insel zurückkehren. heute nachmittag saß ich mit micha-maus noch ein letztes stündchen im strandkorb und wir plauschten über dies und das. am strand sieht man hier so manches. auch sehr merkwürdiges. zum beispiel einen familienvater mittleren alters, mit 3 kindern und schwangerer ehefrau. obenrum ganz modisch mit hoody in trendfarben gekleidet, untenrum einfach nur ne unnerbux. so eine mit eingriff. in grau. enganliegend. mit leicht aufgeschubbertem hintern. und vorne das ganze klimbimbam. wir wussten gar nicht wo wir hinschauen sollten. und starrten irgendwie die ganze zeit hin, weil er dauernd so umherlief. mit seinem schaukelnden klimbimbam. irgendwie alles überdimensioniert und nicht zusammenpassend. schief und schepp. sehr seltsam. also, so, als ob er noch ganz andere dinge da drin gehabt hätte, in seiner unnerbox. zum beispiel einen stoffhasen. oder einen bund möhren. oder einen sack voller wasser. oder einen kompletten satz billiardkugeln. es gibt schon seltsame zeitgenossen.

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Bericht aus der Reha: Katerwolf im Glück

hier ist es toll. absolut klasse 😆 nennt mich katerwolf im glück.

nach einer sehr langen aber reibungslosen zugfahrt bin ich gestern um 16 uhr in westerland angekommen – bei strahlendem sonnenschein und blauem himmel. die rehaklinik ist richtig schön: hell, freundlich, weitläufig in verschiedene gebäude aufgeteilt, direkt am kilometerlangen strand. ich habe ein schönes, kleines zimmer mit 3 großen fenstern nach vorne raus und *tadaa* blick aufs meer. gestern habe ich von meinem zimmer aus beobachten können, wie die sonne rubinrot im meer unterging. natürlich war ich gestern gleich am strand, der hier so verlockend vor der tür liegt und bin einfach mal ne stunde gelaufen und habe mich gefreut, dass ich jetzt hier bin. ich habe schon 2 freundinnen :lol:, 2 nette junge frauen, die bei mir am tisch sitzen. dann habe ich noch ein bisschen das brasilianisch-koreanische gemetzel geglotzt und anschließend geschlafen wie eine tote.

heute erster tag. ausgeruht aufgewacht, fenster aufgerissen und mit meeresrauschen im ohr tief eingeatmet. immer noch strahlend blauer himmel. läuft heute alles ganz easy an, mein aufnahmegespräch ist erste heute nachmittag, dann bekomme ich auch meinen therapieplan, vorher passiert gar nichts. so habe ich den tag also erstmal damit genutzt, mir ein fahrrad für 3 wochen auszuleihen, in einem benachbarten reitstall anzurufen und eine reitstunde zu buchen (meine zerrung vom reiten in der normandie ist ausgeheilt, haha) und den vormittag faul im strandkorb gelümmelt und abwechselnd in die sonne und in die brandung geblinzelt. ich war übrigens am hundestrand. ich vermisse joschi. also war ich am hundestrand und habe fremdgekrault. alle hunde liefen frei herum und waren friedlich, nur einer hat terror geschoben. guess who? ein tibet terrier. scheint an der rasse zu liegen 😉

die atmosphäre hier ist so ne mischung zwischen geschäftig und entspannt. viele laufen zielstrebig in sportsachen herum, andere liegen faul im strandkorb. die atmospäre ist nicht, wie ich erwartet habe, bedrückend und krankheitsschwanger. ziemlich viele junge leute hier, auch einige junge, sehr junge, brustkrebs-patientinnen. ich habe gleich mein aufnahmegespräch bei dr. drapalowitsch oder so und ich vermute, dass es danach schluss ist mit meinem müßiggang. meine tischfreundin bandscheiben-sanne hatte ihr gespräch heute morgen und ist schon im therapiestress und düst zwischen hydrojet, massage, aquajogging und physiotherapie hin und her. ich schätze mal, ab morgen bin ich auch am düsen. muss versuchen, den arzt gleich davon zu überzeugen, dass ich mich entspannen will….

so, und jetzt drückt mir mal die daumen, dass mein koffer heute noch kommt, ich sehe doch ein bisschen bappig aus mittlerweile 😉

Brustkrebs-Tagebuch, Zwischenstand: das Leben ruft wieder!

„ich lasse sie jetzt vom lasso,“ sagte mir dr. w. vergangene woche bei der abschlussuntersuchung der radioonkologie. „sie müssen nun nicht mehr wiederkommen und ich wünsche ihnen, dass wir uns hier nie mehr wiedersehen!“ es ist die gleiche ärztin, die mich bei der 1. nachuntersuchung nach der bestrahlung aufforderte, jetzt einfach zu leben.

„leben sie!“

diesen satz werde ich so schnell nicht vergessen, denn er steht für so viel und drückt so genau aus, was diese erkrankung ausmacht: diesen brutalen einschnitt ins leben bei der diagnose; den daraus resultierenden verlust des vertrauens ins weiterleben; den verlust der zukunft; den wechsel zwischen resignation und kampf; die hoffnung und todesangst und dann, irgendwann, wieder der blick nach vorne und die langsam aus dem nebel auftauchende lebensperspektive. bei mir waren es ziemlich genau 5 monate nach der diagnose, als mir auffiel, dass ich wieder anfing, an mein überleben zu glauben. bis zu diesem zeitpunkt sagte ich mir wie ein mantra immer wieder: „du schaffst das. du wirst überleben. der krebs wird nicht zurückkommen.“ gleichzeitig merkte ich aber, dass mir der glaube daran fehlte. und dann, vor etwa 3 wochen, wurde mir mit einem mal bewusst, dass ich aus meinem tiefsten herzen wieder daran glaube, dass ich weiterleben werde. die gedanken in meinem kopf haben sich verändert und zu meinem eigenen erstaunen denke ich nun:

„ich kann das wirklich schaffen“

„ach was, ich werde das schaffen!“

„ich werde überleben“

„der krebs wird nicht zurückkommen“

„ich will unbedingt leben, denn das leben ist schön und ich habe noch so viel vor.“

wer sowas noch nicht erlebt hat, dem kann ich nur sagen: das ist ein echtes wunder. man bekommt eine diagnose, die dem tod tür und tor öffnet, der boden bricht unter einem auf und schickt einen ungespitzt lange zeit in die hölle und dann, nach und nach, siegt der glaube an und der wille zum leben. wie stark der lebenswille doch ist! mir ist dadurch bewusst geworden, wie wunderschön und einzigartig das leben ist. in diesem maße war mir das früher nicht bewusst. früher nahm ich das leben als selbstverständlich hin und haderte immer wieder ganz schön damit rum.

jetzt bin ich einfach nur zufrieden damit, dass ich es habe, das leben.

im augenblick passiert viel. ich gehe wieder öfters unter leute und damit meine ich nicht nur meine engsten freunde und familie, sondern auch bekannte. ich nehme wieder einladungen an und traue mich auch hinzugehen. und wenn ich dort bin, so wie gestern, habe ich tatsächlich spaß, unterhalte mich, lache viel. ich stelle fest, dass ich mich wieder  über ganz normale dinge unterhalten kann und nicht ständig an meinen brustkrebs denke. ihr glaubt gar nicht, wie glücklich ich darüber bin.

hey, ich fange wieder richtig an zu leben!!!!!!!

das war vor 2 monaten irgendwie noch völlig unvorstellbar für mich. wenn mich heute jemand fragt, wie es mir geht, antworte ich: „mir geht es gut. sehr gut sogar.“ und ich meine das dann auch. das macht mich immer wieder aufs neue glücklich. tatsächlich geht es mir jetzt besser als die letzten, sagen wir mal 10 jahre. verrückt, oder? aber so ist das. ich habe das gefühl, dass mir jemand etwas weggenommen hat, was mir das ganz, ganz wichtig war und jetzt hat er es mir wieder zurückgegeben. für wie lange, das weiß ich nicht. aber wer weiß das schon? niemand.

so ändern sich die dinge. so ist für mich im moment der stand der dinge. am dienstag gehe ich 3 wochen in die reha. knapp 5 1/2 monate nach der diagnose, knapp 5 monate nach der operation. die diagnose war am 5. januar, die operation am 22, januar, 1 woche nach der operation habe ich mit der einnahme von tamoxifen begonnen, mitte märz bekam ich meine 1. zometainfusion und habe kurz danach, etwa 7 wochen nach der operation, mit der bestrahlung begonnen. parralel zur bestrahlung habe ich mit der akupunktur begonnen. am 30. april war die bestrahlung zu ende und ich habe meine erste zoladex-spritze bekommen. heute war mein vorläufig letzter akupunktur-termin. ich sage bewusst, vorläufig, denn ich will in etwa 6 monaten einen neuen antrag bei meiner krankenkasse stellen, da mich die akupunktur als methode sehr überzeugt hat.  sie hilft mir, die immer wieder auftretenden nebenwirkungen der medikamente abzuschwächen und stabilisiert mich insgesamt sehr gut. das tamoxifen werde ich 5 jahre, das zoladex 2 und das zometa 3 jahre nehmen.

ich denke, dass die reha für mich eine art wendepunkt sein wird, denn nach der reha geht es langsam aber sicher wieder zurück ins berufsleben, nach 6 monaten. ein weiterer schritt zurück ins leben. der ruf des lebens, auf das er noch lange nicht verstummt.

aus diesem anlass, meine persönliche hymne der woche :