Rehageflüster: Bilanz

heute ist mein letzter tag. und als hätte ich sie bestellt, scheint die sonne (endlich. zitat eines einheimischen: der mieseste sommer seit 11 jahren). ich habe meinen letzten tag ausgiebig ausgekostet. noch ein paar anwendungen gehabt, am strand gewesen und eine schöne, lange fahrradrunde entlang des deiches gemacht. während mir dabei der immer noch stürmische nordseewind um die ohren blies, dachte ich, wie gut es mir doch geht. wie außerordentlich gut mir die reha getan hat.

nach 4 wochen intensivster katerwolf-pflege fühle ich mich stark, kraftvoll, voller energie. in mir ist heiterkeit und friede. ich fühle mich ausgeglichen an körper, geist und seele. wann kann man sowas schon von sich behaupten! ein kostbares gefühl. vor einigen tagen schrieb ich, dass sich in mir etwas gelöst hat, dass ich eine grenze überschritten habe. dieses gefühl ist immer noch in mir. es kribbelt. es fühlt sich an, als würde ich nun auf der anderen seite stehen. den blick nach vorne gewandt. dem leben zugewandt. ich fühle mich deutlich angstfreier und sorgloser. deutlich zuversichtlicher und stärker als vorher. ich habe nicht mehr nur das gefühl, überleben zu müssen, weil nichts anderes in frage kommt, sondern dass es tatsächlich auch so sein kann. es ist schwierig, dieses gefühl in worte zu fassen. aber wenn ich meine einstellung zum brustkrebs jetzt und vor 4 wochen vergleiche, fällt es mir nun deutlich leichter, an mein überleben zu glauben. es geschieht mühelos. so, als hätte ich einer schwierigen phase den rücken zugekehrt.

allein das war die reha wert.

auf wiedersehen, föhr, machs gut und danke für alles 😆

Rehageflüster: Tarnung aufgeflogen

gestern nachmittag in der sauna. ein männlicher rehapatient schaut mich verschmitzt an, als ich verschwitzt in den außenbereich tappe:

sie sind doch rehawolf, oder?

*schluck* 😯

„ähm, öhm, ääähhhm, öhm *um fassung ring* also, ja.“

puh, sowas ist mir auch noch nicht passiert. hatte so gar nicht damit gerechnet, dass jemand hier in der klinik mitliest. sherlock holmes war aber nett und erzählte kurz, dass er sich immer auf den nächsten beitrag freut und sich insbesondere über die tratschstunde amüsiert hat. er hat also nicht so reagiert:

„sie sind also der maulwurf, hä? und ICH hab also ne vokuhila und bin mit dem sonderbus angereist, hä? und halbe brötchen soll ich zurücklassen, ich assi, hä? komm du mal her, du, isch zeig dir jetzte mal, wasn echter assi ist.“

puh, hat er nicht. hat auch keine vokuhila und isst beide brötchenhälften. glück gehabt *schwitz*

Rehageflüster: Glückliche Katerwolf

hier, als kleiner nachtrag, das jungbrunnen-foto. aufgenommen, bevor ich wie eine nixe darin eingetaucht und rumgeplantscht bin. im hintergrund zu sehen: linkerhand amrum, rechterhand sylt.

 

Rehageflüster: Blas-Workshop

hey ihr lieben, habt ihr mich vermisst? ich bin in der reha angekommen und schon ganz schön fleißig seit heute morgen: mein tag begann mit dem weckerschrillen um 6.30 und einer einweisung ins bogenschießen. yepp. auf nüchternen magen. nach einer bescheidenen nacht. ich habe den arzt gestern und den bogen-therapeuten heute darauf hingewiesen, dass ich als bogenschießerin eine gefahr für die allgemeinheit darstelle. ich hatte das vor einigen jahren mal in einer ferienanlage probiert und wurde vom kursleiter gebeten, mir eine andere aktivität zu suchen, bevor jemand zu schaden komme. weder arzt noch therapeut wollten auf mich hören. so stand ich also in der früh mit einem damenbogen in der hand und einer lederschiene um den linken oberarm in der gymnastikhalle 1 und versuchte, den pfeil im bogen zu spannen und dabei den rechten ellenbogen nach unten und nicht senkrecht nach oben zu ziehen. ich hasse bogenschießen. sauanstrengend. gefährlich *nick*. wenn arzt und therapeut meinen, das sei gut für mich, werde ich aber ab montag im freien schießen und mal schauen, welche opferbilanz ich nach 3 wochen reha aufweisen kann. habe gesehen, dass es im park der reha zahlreiche, bunt-schimmernde fasane gibt. und nicht alle menschen, denen ich hier so begegne, sind nett.

gestern abend war ich singen. ich.war.singen. mehrstimmig und laut. und habe damit ein altes kindheitstrauma aufgearbeitet. ich habe in der schule so gerne gesungen. und durfte nicht. da mein musiklehrer meinen hochgereckten finger auf die frage „wer will das lied nun alleine singen?“ stets mit der feststellung beantwortete: „aha. ich sehe, offensichtlich keiner.“ und gestern war ich singen. und wie. ich habe sämtliche shalom-lieder gesungen, ein pippi-langstrumpf-lied, ein paar afrikanische lieder und ein sehr schönes irisches- segen-abschiedslied. dabei habe ich mir vorgestellt, wie mein mann, mein sohn + freundin und meine eltern mich am zug verabschieden und mit weißen tüchern winkend, aus voller brust, eben dieses liedchen singen 😆

heute mittag habe eine traumreise gemacht, bei der meine direkte nachbarin sofort einschlief wie ein baumstamm und wie ein seebär schnarchte. während ich mir also versuchte vorzustellen, wie bunte schmetterlinge aus den ästen des zauberbaums auf mich herabflogen, hatte ich, dank meiner nachbarin, die vision eines großen, alten, haarigen, seebärs, der unter dem zauberbaum lag. nach der traumreise fragte die kursleiterin: „na, ehrlich, wer hat die traumreise wach erlebt, von anfang bis ende?“ und was machte die schnarch-else neben mir? streckt den finger hoch und sagt laut und deutlich: „ich!“

„stimmt nicht, “ sagte ich, „man kann nicht gleichzeitig schnarchen und zauberbäume sehen.“ 

ich habe jetzt eine feindin hier.

was habe ich heute noch gemacht? ganz was feines. da ich heute früh beim lungenfunktionstest abkackte, musste ich im anschluss zu einem peak-flow-seminar, um in den nächsten 3 wochen meinen atemfluß zu messen. das ist so kompliziert, dass man hierfür ein einweisungsseminar besuchen muss. da saßen wir nun also, hörten gebannt der seminarleiterin zu und starrten angespannt auf das gerät in unseren händen. und was erzählte die junge dame uns voller überzeugung?

„in diesem seminar will ich ihnen zeigen, wie sie ihre blastechnik stabilisieren können und wie sie ihr qualitäten als bläserin optimieren können.“

wortwörtlich. und mehrfach wiederholt und ausreichend vertieft.

ich war die einzige, die lachen musste. mir lag so auf der zunge, zu fragen, ob mein mann nach meiner rückkehr ein ergebnisprotokoll meiner neuen fähigkeiten an die reha schicken darf. verzeiht mir, aber die situation war so komisch. ha ha ha, ich liebe sowas :mrgreen:

die klinik ist auf den ersten eindruck ganz nett. sylt war schöner. aber föhr hat auch seinen reiz. ist alles ruhiger hier und nicht so cool wie auf sylt. alles etwas kleiner, familiärer hier. aber auch das angebot in der reha ist kleiner. in sylt hatte ich etwa 4-7 anwendungen pro tag. hier sind es heute, an meinem ersten tag, nur 2. aber ich warte jetzt mal bis montag ab, und wenn es dann nicht mehr wird, kann ich ja immer noch mit dem arzt reden. die klinik hat jedoch eine kaum zu toppende lage: du gehst aus der tür ein paar schritte zu einem der schönsten strände, die ich je gesehen habe. watt. muschelstrand. amrum in spuckweite. abends geht die sonne unter und man sagt über diesen sonnenuntergang zu recht, er sei der schönste deutschlands. abends sieht man reiter über das watt preschen. und genau das werde ich nächste woche auch tun. jipiieeh.

leider ist der internetzugang hier kostenpflichtig und nicht gerade billig, daher werde ich nicht so häufig bloggen, wie ich ursprünglich dachte, aber schaut ruhig so alle 2-3 tage mal rein, gibt so einiges zu flüstern hier. hey, machts gut ihr alle, eure rehawolf

Noch 2 x schlafen

der koffer ist abgeholt, alles was wichtig war, erledigt. am mittwoch früh um 6 sitz ich im zug nach föhr und ab gehts in die reha. 3 wochen. man, freu ich mich. laptop kommt mit. dann bin ich da oben nicht so abgeschnitten und kann ab und an mal besinnliches und lustiges aus der reha bloggen. hey, machts gut und bis bald 😆

eure rehawolf