Rehageflüster: Der Zauberarzt

habe ich euch schon von doc methusalem erzählt? das ist der arzt, bei dem ich hier mein aufnahmegespräch hatte. er kann zaubern. heute hat er sich nämlich weggezaubert. doc methusalem ist gefühlte 300 jahre alt. wenn ich ihn richtig verstanden habe, ist er bereits in rente und arbeitet nun ein bisschen hier weiter. wie auch immer. er ist ein wirklich netter, alter herr. allerdings hatte ich in dem aufnahmegespräch ständig das gefühl, ihn daran erinnern zu müssen, wer ich bin und vor allem, warum ich bei ihm bin. hm.

heute stand in meinem terminplan: 9.00 entlassungsgespräch, doktor methusalem, arztzimmer. punkt 9 saß ich vor seiner tür. 9.15 immer noch. keine mensch weit und breit. ich horchte an der tür, totenstille. ich klopfte, drückte die klinke herunter. abgesperrt. hm. ich also ins pflegezimmer runter, pfleger in der pause, nach 30 minuten pfleger wieder da. er macht sich schlau, ich soll wiederkommen. halbe stunde später. tja, doc methusalem sei im haus, das wisse man, man wisse nur nicht, wo. und anpiepen und anrufen kann man ihn nicht, da sowohl handy als auch pieper im pflegezimmer lagen.

tiefgründiger blick seitens des pflegers. tiefer blick von mir: „vielleicht hat er sich verlaufen?“ tiefgründiger blick seitens des pflegers. 

ich war zwischenzeitlich bei einer anderen ärztin zum entlassungsgespräch. in meinem entlassungsbericht steht nun, dass die reha, bedingt durch den streik, nicht sehr zielführend war und die therapeutischen ziele nicht erreicht wurden. wie auch? ausfallende anwendungen, mieses essen, ungeputzte zimmer, schlechte stimmung. tja, leute, nicht gut gelaufen, hier.

am ende des gesprächs fragte ich vorsichtig: „ist doc methusalem schon wieder aufgetaucht?“ kopfschütteln. „ich versteh es auch nicht.“

methusalem, wo bist du? sitzt du in deinem büro und machst ein nickerchen? bist du am strand surfen? pilgerst nach santiago de compostela? ich könnt´s verstehen.

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Rehageflüster: Beobachtungen am Rande

ich habe gestern einen der schönsten sonnenuntergänge meines lebens gesehen. in sylt kann man, wenn man glück hat, sonnenuntergänge sehen, die einem die sinne rauben. lange und dramatisch versinkt die sonne glutrot in der see und taucht meer, himmel und sand in eine pastell-farbpalette, wie man sie nur von nolde-gemälden kennt. einfach nur schön.

so saß ich gestern abend vor meiner sylt-lieblingskneipe wonnemeyer, den hintern im warmen sand, in der hand einen caipi, coole loungemusik in den ohren, augen und sinne beim sonnenuntergang. das leben kann schon ganz schön toll sein. nun kann man nicht 2 stunden ununterbrochen die sonne anstarren. also lasse ich gerne meine augen über die zahlreich versammelten sonnenuntergangsanbeter schweifen. interessant, interessant. es gibt ihn, den klassischen sylt-urlauber. er sieht nach viel geld aus. aber gar nicht mal von der unangenehmen sorte, also marke neureich. vielmehr seit jahrhunderten reich und entspannt. keine schlechte kombi. man sieht viele entspannte, gutaussehende paare um die dreißig mit kindern. die männer tragen ausnahmslos hollister, abercrombie oder la martina. die haare sind entweder kurz und an den schädel gegelt, oder etwas länger, lockig und ebenfalls an den schädel gegelt.  die entsprechenden frauen gehören zur kategorie klon-blondie: schlank, stupsnase, pilotenbrille, blonder pferdeschwanz (zu hause sicher einen bmw x3 in der garage, der serienmäßig mit golden retriever geliefert wird). die kinder tragen hollister und abercrombie und sehen aus wie eine miniaturausgabe ihrer eltern.

man sieht auch viele alte, nicht so schöne männer, immer noch sehr lässig, mit deutlich jüngeren, bildschönen gattinnen und tragischerweise hässlichen kindern, die genetisch bedingt nach dem alphavater geraten sind. pech.

in der regel haben sie viele hunde, was sie mir sympathisch macht. es ist doch zu schön, eine tobende hunderasselbande vor einem sonnenuntergang zu beobachten. ich gehe heute abend nochmal los. gestern war die rede von einem perfekten sonnenuntergang heute. ich nehme die kamera mit, dann habt ihr morgen auch was davon 😆

macht es gut, ihr lieben, eure sylt-wolf

Rehageflüster: Musikantenstadl

ich schreibe diesen post verdeckt. investigativ. habe angst, dass ich ertappt, verschleppt und im watt versenkt werde. aber wat mut, dat mut.

sonntag abend: ein heiterer musikabend im veranstaltungsraum. ich weiß. wie verzweifelt muss man sein, um sich so etwas anzutun. ich hatte einfach lust zu singen und die hoffnung, es auch tun zu können. in der not frisst der teufel fliegen. oder geht zum musikabend in der rehaklinik.

im verdunkelten vortragssaal waren schon fast alle stühle besetzt. überwiegend menschen jenseits der 100. auf den parkplätzen: rollatoren. ein wenig unbehaglich setzte ich mich neben meinen tischnachbar peter in die reihe. der star des abends, alleinunterhalter michel, ein großer, stämmiger mann, stimmte seine gitarre und blickte fröhlich in die runde. und schon gings los. eins muss man michel lassen, er ist ein ungemein sympathischer, mit solchen veranstaltungen erfahrener mann, der schon in kürze alle herzen eingefangen hat. so auch am sonntag. er schmetterte humoresk ein paar schlager und bekannte nordsee-lieder und verkündete dann: wunschkonzert!

man konnte einfach einen interpret oder ein lied nennen und michel gab es zum besten. „john denver!“ kam es von links vorne. 😯 2 sekunden später grölte der ganze raum: „country ro-ho-oo-d, take me ho-o-ome!“ ich mit. dann jagte ein hit den andern: tom jones, michael jackson, randfichten, queen, udo jürgens. das volle programm. ein wenig peinlich war es, ich gebs zu, aber ich ertappte mich dabei, wie ich wild zu „auf der reeperbahn, nacht um halb 3“ schunkelte und fast mit tränen in den augen „hey jude“ jammerte. erinnerungen an jugendliche lagerfeuer tauchten vor meinem inneren auge auf.

„marianne rosenberg!“ rief ich. „buhhhh!“ kam es von den anderen. „matthias reim!“ kam es schüchtern irgendwo von hinten. „davon muss ich strahlbrechen!“ war meine rachsüchtige antwort. highnoon im vortragssaal. der sekundenzeiger tickte. michel rettete die situation mit einer willy fritsch einlage und frieden kehrte ein. mittlerweile waren 2 rothaarige feger mittleren alters zu uns gestoßen und rollten das feld mit glockengleichem gesang von hinten auf. sehr, sehr laute glocken. große glocken. uff. streckenweise waren sie deutlich lauter als michel.

„queen! metallica!“ spornten sie michel an. sehr gewagt. „we are the champions!“ schallte es kurz darauf aus allen ecken. vorne flammten die ersten feuerzeuge auf. „der rauchmelder! der rauchmelder!“ brüllte jemand. egal. der vortragssal stand eh in flammen. die ersten standen auf und wippten klatschend im takt. rollatoren drehten sich wild im kreis. krücken tockten im takt auf den boden.

„highway to hell!!!!“ stimmte michel mit wilder stirntolle an. „highway to hell!!“ riefen alle zurück. arme flogen in die luft, im raum braderup brodelte der kessel. gegen 23 uhr, nach 10 zugaben, war die stimmung auf dem höhepunkt, michel verließ samt klampfe den saal und lief singend im hausflur auf und ab. es war kurz vor polonaise durch die rehaklinik.

tja, ihr lieben, auch solche dinge erlebt man in der reha. die nacht der lebenden toten, sag ich nur. aber spaß hat es gemacht und allein der anblick der ü-100, die mit in die luft geballter faust „highway to hell!“ brüllten, war es wert. so macht altwerden mut 😉

Rehageflüster: Im Frühtau zu Berge *sing*

„im frühtau zu berge, wir ziehn, vallerahhhhh…“ träller ich immer, wenn ich morgens um 7 mit dem rest der gruppe zum frühsport am strand watschel. ja, watschel. um 7 uhr morgens, vor dem frühstück, kann man nur watscheln. heute allerdings bei knallblauem himmel und sonne. wow, bitte bleib hier, liebe sonne. am strand wehte zwar ein kräftiger wind, aber es war warm und schön.

übrigens bin ich beim frühsport der gruppenspast. warum auch immer. ich kippe gerne um, etwa, wenn wir auf einem bein stehen sollen. ich mache die bewegungen asynchron. warum auch immer. am freitag wollte uns der therapeut ein wenig belustigen und rief in die runde: „ein delfin! ein delfin!“ wer dreht sich um und brüllt „wooooo???“ die kleine katerwolf, klar.

heute morgen drehte sich alles um gleichgewichtsübungen. ich habe nun in allen körperöffnungen sand. eine übung erläuterte der therapeut so: „stellen sie die füße voreinander. in einer linie. hacke rechter fuß an zehen linker fuß. so! (er zeigte es dann mit hilfe der hände, die er vor dem körper hintereinander aufstellte)

wer stand als einzige da, die hände weit von sich gestreckt? richtig, die kleine katerwolf, klar. „nur die füße. nur die füße!“ grinste der therapeut in meine richtung. gemeinsam mit 40 weiteren augenpaaren 😳

ich bin halt ein naturtalent.

habt alle einen schönen, hoffentlich sonnigen tag. ich melde mich später nochmal, mit einer kleinen tratschstunde 😉

Rehageflüster: Bollyworose

moin, moin, ihr lieben. sonntag. ich werde heute ganz faul sein. keine pläne, keine verabredungen, kein muss, nur ein kann, falls ich will. was für ein luxus. für mich kleinen daniel düsentrieb ist das luxus. habe mir die letzten 2 tage ein bisschen die kugel gegeben. neben meinem reha-sportprogramm bin ich an beiden tagen zum reiterhof geradelt und bin 2 stunden durch heide und watt galoppiert. bin heute glücklich aber kurz vor ganzkörperlähmung. uiuiuiuiuiui, wusste gar nicht, dass ich da hinten am rücken so weit unten überhaupt muskel habe. ächz. dennoch: ich bin zutiefst zufrieden. was geht es mir gut.

vorgestern abend lag mein anwendungsplan für die kommende woche in meinem fach. okay, ich werde mich nicht mehr bei der therapieleitung über mangelnde auslastung beschweren müssen, das steht schon mal fest. beim durchlesen des plans breitete sich ein ungläubiges grinsen auf meinem gesicht aus: am montag gleich 4 ausdauereinheiten? na, denn mal los.

heute aber dümpel ich zufrieden vor mich hin. sitze grad im sonnendurchfluteten foyer und blogge zufrieden vor mich hin. ihr habt richtig gehört: sonnendurchflutet. hier scheint nämlich die sonne. nicht ständig und ausschließlich vom blauen himmel, aber sie scheint. und die flecken blauen himmels zwischen dicken, weißen wolken sind größer und häufiger als die wetterprognose vorhersagt. psssst, lieber nichts heraufbeschwören.

ich sitze nicht alleine im foyer. neben mir sitzen 2 zufallsbekanntschaften, die sich über ihre 5 millionen krankheiten austauschen. sie mimt den typus geduldige zuhörerin, er quatscht sie gnadenlos zu. und wie. offensichtlich handelt es sich bei ihm um einen hypochonder. das harmloseste, was er hat, ist eine zeckenvergiftung. dieser mann ist der volle zeckenphobiker. er schwafelt schon seit 30 geschlagenen minuten über zecken. wo er sie schon überall hatte und wie er sie wo wieder weggedröselt hat. er braucht nur das haus zu verlassen und wird offenbar sofort von zecken angesprungen, die er dann abends unter der dusche wiederfindet und vernichten muss. was für ein anstrengender zeitgenosse. die arme frau. gerade höre ich, wie er sagt:

„die ärztin hatte da gar keine ahnung von. hab ich doch gleich gewusst. ich hatte ihr doch gleich gesagt, dass das ein klarer fall von bollyworose ist.“ 

bollyworose. jou, mein lieber, da gibts kein mittel gegen.

ich wünsche euch einen wunderschönen sonntag, euer relax-wolf

Glückspilz

ich bin ein glückspilz. nicht nur, dass meine dritte reha in meiner wunschklinik genehmigt wurde. ich darf, wie ich heute erfahren habe, auch noch mitten im sommer nach sylt. den ganzen juli *juhhuuuuuuuuu*

und wenn ich zurückkomme, fliege ich 4 tage später nach irland, wo ich mit meiner freundin einen wunderbaren wanderritt gebucht habe *juhuuuuuuuuu*

ich bin ein glückspilz. ich habs mir verdient 😆

Beweisfoto

so, hier meine neue haarfarbe, ganz anonym 😉 in echt sieht sie etwas dunkler aus.

 

ansonsten habe ich wunderbare neuigkeiten: meine dritte reha ist genehmigt. ich hatte vor finnland noch schnell den antrag eingereicht – wegen der ablehnung und dem langen widerspruchsprozedere vom vorjahr gleich mit den erforderlichen attesten. irgendwie hatte ich im gefühl, dass es nicht klappt, zumal die dritte reha-genehmigung immer recht schwer ist. und dann, nach nur 2 wochen, lag am samstag völlig unerwartet die bewilligung im briefkasten. und das beste ist: ich darf wieder nach sylt *freu freu freu freu* ist das nicht großartig????????? ich erinnere mich so gut an diese wunderbaren 3 wochen in der rehaklinik sylt im sommer 2010 und jetzt kann ich wieder hin, das ist einfach zu schön. und ihr könnt euch wieder auf meine kurzweiligen klatsch- und tratschgeschichten aus der klinik freuen. den genauen termin erfahre ich zwar noch, ich denke aber mal, es wird juni oder juli werden.

mir geht es mittlerweile zwar schon sehr, sehr gut, und wenn ich so nach hinten schaue, auf meine verfassung in 2010 und anfang 2011, dann kann ich es kaum fassen wie gut, belastungs- und konditionsmäßig hinke ich aber noch ganz schön hinterher. insbesondere beruflichen stresssituationen begegne ich nicht mehr mit dem gleichen widerstand wie vor meiner erkrankung. ich bin schnell überfordert und erschöpft. es wird zwar immer besser, vor allem, weil ich immer mehr gelassenheit entwickle, aber ich habe ganz schön zu kämpfen. umso mehr freut und erleichtert mich die perspektive, schon bald 3 wochen „aussteigen“ zu können und die zeit dann ausschließlich dem weiteren aufbau meiner kräfte und meinem wohlsein zu widmen.

das leben ist schön 😆