Rehageflüster: Glückliche Katerwolf

hier, als kleiner nachtrag, das jungbrunnen-foto. aufgenommen, bevor ich wie eine nixe darin eingetaucht und rumgeplantscht bin. im hintergrund zu sehen: linkerhand amrum, rechterhand sylt.

 

Rehageflüster: Jungbrunnen

ich war endlich drin. in der nordsee. das habe ich in den letzten fast 4 wochen nicht geschafft, da es entweder geregnet hat oder super-ebbe war. aber gestern hat es endlich geklappt. als ich morgens zum strand runterging, in der absicht einen langen, morgendlichen spaziergang zu tätigen, blieb ich wie angewurzelt stehen. so etwas hatte ich noch nicht gesehen. spiegelglatt lag sie da, die nordsee, fast unwirklich. amrum und sylt schienen zum greifen nah und es sah aus, als würden die inseln im wasser schweben. wie eine fata morgana. das wasser schimmerte magisch, der himmel und ein paar weiße wölkchen spiegelten sich darin und über allem lag eine perfekte stille. ich glaube, mir fiel der unterkiefer runter. so viel schönheit am frühen morgen. überirdisch schön.

allein am strand, zog ich mich schnell aus und ging ins wasser. das kühle nass umspülte mich kalt und frisch. ohne über die temperatur weiter nachzudenken, ließ ich mich in das wasser gleiten, dass mich sogleich schützend umschloss. ich schwamm eine weile, ließ mich treiben, schaute in den himmel, auf amrum und sylt und die glatte wasseroberfläche und plötzlich fiel alles von mir ab: das gefühl, alt zu sein, das mich vor der reha immer wieder beschlich. die erinnerung an die erschöpfung und überforderung der letzten monate. ich fühlte mich einfach nur jung, kraftvoll, strahlend und schön.

das muss ein jungbrunnen gewesen sein. bin heute gleich nochmal rein. morgen gehe ich in die kinderbetreuung 😉

Rehageflüster: Wilhelmine Tell

hab grad nüscht zu tun und blog hier noch ein büschen rum. war grad in der wassergymnastik und hab mir hinterher einen teller salat im speisesaal erkämpft. da herrscht heute nämlich kriegsstimmung. ehrlich. heute sind unmengen von neulingen angereist. ganz offensichtlich haben sie vor der reha mehrere wochen nichts gegessen und holen das jetzt heute abend hier nach. neben mir terrorisieren die rommée-kampfbrummen einen rommée-neuling. als ich an ihnen vorbeiging, schauten sie weg. die anführerin, eine bayerin, bringt der neuen (einer ganz schüchternen) gerade das zählen bei: „NEIN. der bube zählt 10 und NICHT 5. hör mir zu.“ hi hi.

ich habe heute einen durchbruch im bogenschießen erzielt. ich habe 9 x die zielscheibe getroffen. 1x sogar den roten kreis, FAST die mitte also. ich bin ein genie. ich kaufe mir einen bogen und einen köcher mit pfeilen und dann werde ich mich zur olympiade anmelden.

so, und jetzt gehe ich mal ne runde badminton spielen. hab ich, wie rommée auch schon gefühlte 100 jahre nicht mehr gemacht. mal sehen, was ich heute abend in mein glücksbuch schreiben kann 😉

Rehageflüster: Kleine Tratschstunde

nennt mich adlerwolf. muskelgestählten, drahtigen adlerwolf. nach 3 wochen habe ich heute morgen das gefühl gehabt, im wahrsten sinne des wortes muskelgestählt zu sein. in einem guten sinn. könnte jetzt den kilimandscharo besteigen. na ja, seine kleine schwester zumindest.

mir ist heute so ein bisschen nach tratschen. wenn man 3 wochen lang mit vielen menschen auf überschaubarem raum ist, fängt man unweigerlich an, zu beobachten. und es fällt einem so das eine oder andere auf. ich habe hier viele, sehr liebe und auch interessante menschen getroffen. es gibt hier aber ebenso viele, sagen wir mal, seltsame gestalten. je länger man sie um sich hat, desto skurriler werden sie. da wäre zum beispiel der club der wuchtbrummen. die haben sich hier fast magnetisch zusammengeschlossen und sitzen in großen gruppen zusammen und klagen und jammern und meckern in allen deutschen dialekten. zimmer zu klein, zu laut, essen schlecht, therapien nicht ausreichend etc pp. was mir auffällt, ist jedoch, dass sie ihren hintern nicht hochbekommen, in den therapien durch abwesenheit glänzen und statt dessen kuchenmampfend im café sitzen.

dann gibt es den club der canasta- und rommée-diktatoren. 2 x hatte ich schon das vergnügen. da die abende hier nicht soooo unterhaltsam sind, habe ich mich 2 x aus purer verzweiflung in eine kartenrunde eingeklinkt. oha. das mit den regeln ist so eine sache. und kartenspielen ist krieg. gestern habe ich das 1. mal seit 100 jahren wieder rommée gespielt und wurde dabei gemaßregelt ohne ende. habe sie aus rache abgezockt. hi hi. wurde heute morgen nur knapp gegrüßt.

kleine anmerkung: als teilnehmerin einer kreativen reha-schreibgruppe haben wir die aufgabe bekommen, jeden abend unsere glücksmomente in ein buch zu schreiben. schöne aufgabe übrigens. 3 x dürft ihr raten, was gestern abend drin stand: kampfbrummen im rommée abgezockt :mrgreen:

es gibt hier auch die eine oder andere nervbeule, die nichts davon weiß, dass sie eine nervbeule ist. alle lieb und wohlwollend. aber eben nervbeulig. sie machen zum beispiel solche dinge:

sie fragen dich um 1 uhr morgens im bus, wenn man fröhlich und angeschickert vom hafenfest zurück fährt: „u-h-und? warum bist du hier? auch wegen asthma?“ „nein, wegen brustkrebs.“ „o-hooo, da-h-as ist aber schlimm. erzääähhhl mal“ *jammernd elend guck“

wahlweise quasseln sie dich morgens am frühstückstisch schon vor dem ersten schluck kaffe mit buddha-gedöns voll. ich mag buddha, ehrlich. aber damit wäre er sicher nicht einverstanden. nicht vor dem ersten kaffee. oder aber sie fragen dich mitten beim genießen deines mittäglichen schnitzels: „saaag mal, hast du eigentlich schon deine knochendichte messen lassen?

wen hätten wir noch? *grübel* ohja, den club der egopanzen. sie leben im speisesaal und bewachen das essen. morgens schon fallen sie dadurch auf, dass sie völlig schmerzfrei mehrere brötchen aus dem brotkorb nehmen, in der mitte durchschneiden und *fassungslos guck* die untere hälfte wieder zurücklegen und die gute, obere mitnehmen. mittags nehmen sie mehrere nachtische. abends, wenn es ein paar leckere melonenscheiben gibt, türmen sie 10 scheiben auf 2 teller und schauen dich dabei böse an.

vor ein paar tagen ist übrigens was lustiges passiert. da hat ein ehepaar, das hier in der reha ist, ein handy im strandkorb gefunden. kurz darauf kam die besitzerin und fragte sie, ob sie vielleicht ein handy in dem strandkorb gefunden hätten. als sie das bejahten, war sie überglücklich und wollte ihr handy zurück.

fehlanzeige. das ehepaar weigerte sich kategorisch, das handy rauszurücken. nur gegen finderlohn. sie brachten das handy in die klinik, nicht ohne auf dem weg neugierig darin rumzustöbern und aus versehen alle rufnummern zu löschen. die besitzerin tauchte am abend hier auf und es gab einen heftigen schlagabtausch in dessen verlauf sie dann kostenlos ihr handy wieder mitnehmen konnte. leer wie ein unbeschriebenes blatt. schöne geschichte, oder?

Rehageflüster: Mein rechter Arm ströööömt warm

hallöchen. heute ist ein schöner tag. heute ist ein schöner tag. heute ist ein schöner tag. mein sohn + freundin sind gestern abend angekommen und bleiben 1 woche. das ist einfach zu schön. ich habe eine kleine, günstige pension in unmittelbarer nähe zur rehaklinik gefunden und nun hab ich die beiden süßen 1 woche um mich herum. mein sohn studiert seit letztem september im ausland und dummerweise hat es sich so ergeben, dass mein rehatermin just in dem monat stattfindet, in dem mein sohn zuhause ist. im august. hmpf. also habe ich die beiden für 1 woche hierher eingeladen.

gerade waren wir zusammen in nieblum und haben im alten teehaus heiße waffeln mit blaubeerkompott, vanilleeis und sahne gefuttert und sind unter einem beindruckend bedrohlichen nordseehimmel nach utersum zurückgeradelt. gegen den wind. man man man, hier lernt man die wahre bedeutung des begriffes gegenwind kennen. der hat auch zur folge, dass ich meine abendverabredung mit den beiden abgesagt habe, da ich völlig groggy bin. die beiden übrigens auch. ich vermute mal, dass sie, so wie ich, um 9 uhr tief und fest schlafen werden.

ansonsten bin ich fleißig. seit gestern findet die frühgymnastik am strand statt. weil es seit gestern morgens NICHT regnet. so sind wir heute um 7 in der früh mit kleinen, elastischen gymnastikbällen durch das watt gehüpft und haben versucht, die bälle hin- und herzuschwingen, sie uns gegenseitig zuzuwerfen, sie hochzuwerfen und zu kicken. was alles nicht klappte. weil sich offensichtlich 20 grobmotoriker im watt versammelt hatten. wenigstens kam keiner zu tode und am ende waren alle bälle noch da und heil. während wir höchst unelegant durch das watt pflügten, kreiste über unseren köpfen eine schar kreischender möwen. „schaut mal, die schimpfen, weil wir ihnen die wattwürmer verjagen“, sagte unsere therapeutin lachend. die wahrheit ist, dass sie uns auslachten. laut und deutlich und ausgiebig. ich vermute, sie kommen jeden morgen extra wegen uns und bringen freunde mit um sich ne frührunde lachmuskeltraining abzuholen.

ich habe einen neuen seidenschalversuch gestartet. und tatsächlich ist es mir gelungen, dass die umrisse des elefanten auch aussehen wie ein elefant. übermorgen kommt farbe drauf. ich werde ihn fotografieren und online stellen. wehe ihr sagt, der sieht  nicht schön aus.

außerdem habe ich meine kenntnisse im autogenen training vertieft. ab heute vormittag ist nicht nur mein rechter arm schwer, nein, er ströööömt warm. ich komme mir beim autogenen training zwar immer ein bisschen vor wie bei loriot, aber ich muss sagen, ich bin hinterher tatsächlich entspannt.

heute morgen sind ganz viele rehapatienten abgereist und entsprechend viele frischlinge angekommen. sie irren nun leicht konfus hier durch die gänge und wir alten rehahasen, die schon über 1 woche hier sind, lächeln ihnen entspannt zu. gutes gefühl, dass ich noch volle 2 wochen vor mir habe 😆

Rehageflüster: Es geht mir gut

soll ich euch was sagen? mir geht es gut. saugut. habe die letzten 2 tage meinen kreislauf in schwung gebracht und fühle mich heute gestärkt und ausgeglichen. ich profitiere sehr von der reha, und die aussicht, dass nun noch 3 ganze wochen vor mir legen, stimmt mich heiter und zuversichtlich. nach genau 1 woche hier, in der rehaklinik föhr, zeigt sich eine angenehm ausgewogene mischung aus körperlicher anforderung, entspannungsphasen, psychologischer arbeit und kreativen möglichkeiten.

gestern war mein persönliches reha-boot-camp angesagt und heute hatte ich vormittags muskelarbeit und nachmittags nur noch entspannung. bin im autogenen training irgendwo ganz tief in mich abgetaucht und fühlte mich, wie zurück aus der steinzeit, als ich die augen wieder aufschlug. ganz ungewohnt war das. ich war wohl einfach nur richtig und tief entspannt. ein gefühl, dass ich in den letzten langen, langen monaten nur selten hatte.

gleich im anschluss war ich in der kreativen ergotherapie. ja ja, ich weiß, was ihr denkt. ich kam mir auch ein wenig gestreift vor, als ich den raum betrat, zumal ich nicht sooooo der kreative bastel- und maltyp bin. erinnert ihr euch noch an meine tibet-terrier-oliven-schale, die ich letztes jahr in der reha auf sylt getöpfert habe?

ich saß grübelnd im werkraum rum, um mich herum kreatives gekruschtel, und schließlich kam mir die idee, einen schal zu bemalen, eine art glücksschal, den ich später immer dann anziehen könnte, wenn es mir mal nicht so gut geht. einen kraftschal. und während ich in diversen seidenmal-motiv-büchern herumblätterte, kam mit einemmal ein goldener elefant irgendwo hinten aus meinem kopf angaloppiert und stand mit hoch erhobenem rüssel, aufgestellten ohren, kriegerisch trötend, mitten in meinem gehirn. verrückt. ich war völlig perplex. ich schloss kurz die augen und sah ihn in einem wunderschönen, roten mandala. sachen gibts. vielleicht kam das durch das tiefe abtauchen im autogenen training unmittelbar davor.

das problem ist, dass ich noch nie in meinem leben einen elefanten gemalt habe und meine ersten malversuche heute mit dem stolzen krafttier aus meinem unterbewusstsein nur wenig zu tun hatten. er sah vielmehr ein bisschen so aus wie der elefant aus der „sendung mit der maus“. aber das wird. freue mich jetzt richtig drauf.

in diesem sinne schicke ich euch ein kräftiges, fröhliches *töröööhh*, eure kreativwolf

Rehageflüster: Ich habe fertig

ein kurzes lebenszeichen von einer völlig erledigten katerwolf:

7 uhr: ergometertraining, 30 minuten. das ist dieses indoor-fahrrad. der trainer hat es für meine altergruppe und dann für mich individuell eingestellt und ich hatte nach 10 minuten das gefühl, den mount everest hochzuradeln. meinen einwand, die einstellungen auf die altersgruppe 85+ einzustellen, hat er abgewiesen. nutzte auch kein reh-augenaufschlag.

7.30 uhr: gymnastik speziell nur für arme. 45 minuten. nach 15 minuten fühlten sich meine arme an wie nasse, schwere teppichrollen.

8.15 uhr: frühstück

10 uhr: muskelaufbau im fitnessraum. 60 minuten. mit einem sehr gut aussehenden therapeuten. nach 45 minuten und jeweils 3x 20 wiederholungen an jedem gerät war mir wurscht, wie der typ aussah. 3×20 ist schikane.

11 uhr: bauch beine po. 60 minuten. meine vorab-einschätzung, das sei in der reha sicher ne schlappe nummer, erwies sich als falsche einschätzung und das training ging sehr in richtung marine-elite-training. mit dem unterschied, dass sich die elite nach kürzester zeit schwitzend und röchelnd auf den matten rumwälzte.

12 uhr: mittagessen. ich hätte auch meerschweinchen gegessen, so einen riesenhunger hatte ich.

danach 1 stunde wie tot auf dem bibliothekssofa herumgelegen, weil der weg ins zimmer zu weit war.

14 uhr: onkologische gesprächsrunde. 90 minuten. das ist eine harte nummer, diese gesprächsrunde.

16 uhr: versucht, eine schulung zu schwäntzen. beim davonschleichen dem chefarzt und referenten in die arme gelaufen. dumm gelaufen. 2 stunden.

18 uhr: abendessen. unmengen verdrückt.

19.30 uhr: singen *jippieeh*

ich habe fertig.

 

Rehageflüster: An der Nordseeküste *sing*

also, ihr lieben, ich glaube, nach einer woche werde ich hier langsam heimisch. komme grad vom „wattenläufer“ zurück, wo ich mit ein paar reha-gefährtinnen ein weinchen gepichelt, eine bratwurst gemampft und zu den seemansklängen einer einheimischen combo geschwoft habe. wir waren die attraktion in der dorfkneipe und hoben den altersdurchschnitt um gefühlte 50 jahre an. die haben nicht allzuoft einen mädelstisch, an dem die hälfte der bräute heiße perücken trägt. unsere stimmungslage war am ende so gut, dass einige der mädels überlegten, im takt von „an der nooo-h-ooordseeküste“ *sing* ihre perücken an die deckenleuchte zu schmeißen. insiderwitz.

ich bin eben mit dem fahrrad zurückgefahren, und ich glaube, ich bin noch nie bei so starkem wind geradelt. irre. streckenweise bin ich einfach auf der stelle stehen geblieben. ich dachte, mich weht die steife brise vom deich.

ansonsten geht es mir heute gut. mein halsweh ist fast weg. und ich war heute fleißig. zum beispiel bei der rückengymnastik heute mittag. seitdem habe ich einen neuen freund. einen großen, grünen gymnastikball. er heißt winnetou. ist der gemütlich. ich will ihn heiraten. in der regel gibt es in jeder gruppe eine grobmotorikerin. beim salsa bin das definitiv ich. bei der ballgymnastik ist es elena. sie schaffte es bei jeder übung vom ball zu krachen. mit großem getöse. dem therapeuten war es ein rätsel, wie sie das machte. jedenfalls machte es die ganze stunde links außen nur *rrruuums* und anschließend *uups*.

außerdem stand wieder „traumreise“ auf dem programm. diesmal hat eine teilnehmerin so laut geschnarcht, ich meine in echt SO laut, dass an entspannung nicht zu denken war. ich vermute mal ganz stark, dass die übrigen teilnehmer im raum, statt mental auf der magischen insel mit delfinen zu schwimmen, mental an einem schießstand standen und auf schnarchbären zielten. sogar die therapeutin war genervt und meinte nach der stunde mit leicht scharfen unterton: „diejenigen unter euch, die wissen, dass sie schnell mal einschlafen bei sowas, die mögen das nächste mal doch bitte aus rücksicht auf die anderen, im sitzen üben.“ sehr gute idee, danke.

mein rechter arm ist schwer.“ „ich bin gaaaaanz ruhig.“ und, kommt euch das bekannt vor? sicher. ich hatte heute meinen ersten kontakt mit autogenem training. alles, was man darüber erzählt, ist wahr. man kommt sich vor wie bei loriot.

so, und jetzt legt sich der katerwolf noch mit einem schönen krimi ins bett, morgen gehts um 7 los hier. chaka.

Rehageflüster: Gruppentherapie und Salsa

der heutige tag war, sagen wir mal, ereignisreich. mit lustigem, nachdenklichen, aber auch traurigem. es gab heute einen moment, in dem ich mit einem dicken halstuch (wegen halsschmerzen), mit einer dicken kühlkompresse am unterarm (wegen bogenschießen, dazu später) und einem kloß im hals auf dem bett saß und mir selber leid tat. nachdem ich meinem mann mein leid am telefon geklagt hatte, musste ich darüber gott-sei-dank lachen.

ich war heute morgen das erste mal richtig bogenschießen. unsere gruppenleiterin war regelrecht panisch, die gruppe alleine zum übungsplatz vorgehen zu lassen und ließ uns keinen augenblick aus den augen. nachdem ich die sofort einsetzenden, wilden aktivitäten der gruppenteilnehmer sah, wusste ich warum. nach der stunde lebten wir alle noch, wie durch ein wunder. ich habe insgesamt 9 pfeile geschossen. 1 pfeil traf ins rote *stolz guck*. der rest verschwand im wald und musste mühsam gesucht werden. ein pfeil schoß wie ein verirrter feuerwerkskörper von dannen und ist schuld an meinem beachtlichen hämatom am linken unterarm. immerhin habe ich es nicht, wie meine schieß-nachbarin, geschafft, einen der robusten aluminiumpfeile kaputt zu schießen.

insgesamt bin ich für das bogenschießen deutlich begabter als für salsa. das habe ich nämlich gestern abend probiert, als ich dachte, dann doch etwas tun zu müssen. ich habe vor jahren mal einen salsa-workshop in einer ferienanlage gemacht und den club-animateur zur verzweiflung getrieben. ich sag nur: null taktgefühl, zu große füße, zu kleine schritte, blöder club-animateur. der war sowieso nur scharf auf ein dickbusiges blondie aus schweden und hatte keinen nerv für die restlichen spasten aus der gruppe.

gestern also salsa-workshop in der reha. das ist ein ähnliches phänomen wie singen in der reha. ich war guten willens. ich schwör. aber mit schuhgröße 41 kann man diese kleinen schritte nicht machen. das geht nicht. und als es dann darum ging, verschiedene schrittkombinationen zu vereinen, dachte ich düsteren herzens an meine zeit als völlig unbegabte, 10-jährige ballett-elfe. ich musste bei meiner ersten und letzten ballettaufführung im theater einen der sieben zwerge tanzen und mit einem mit-zwerg schneewitchen im spagat auf der schulter auf der bühne herumtragen. ich war ein sehr, sehr langer und sehr, sehr dünner zwerg. schneewittchen hingegen war ein doppelwhopper. ratzfatz rutschte sie mir von der schulter und krachte auf die bühne. meine dürre, biestige ballettlehrerin brüllte mich hinter der bühne an wie eine irre und danach hatte ich mit ballett abgeschlossen. manche traumata überwindet man nie. jedenfalls mussten wir gestern paarweise im kreis herumtanzen und ich war der mann und musste heidi durch die gegend schieben und dabei glücklich aussehen. das hat so gar nicht geklappt. hab mich mit heidi sogar in die wolle gekriegt. ich.hasse.salsa. und habe mit dem thema jetzt auch abgeschlossen.

heute war meine erste visite. die ärztin meinte, sie würde mich gerne 1 woche länger hier behalten und nachdem ich vor lauter schreck zunächst nein sagte, entschied ich mich kurze zeit später doch dafür. ich glaube, das wird mir gut tun.

heute war aber nicht nur mein erstes mal bogenschießen, sondern auch meine erste onkologische gesprächsrunde. ich wollte mich drumherum drücken, der arzt hier hat mich dazu aber „verdonnert“. die runde war überraschend gut, was sicher auch an dem sympathischen psychologen lag. die runde war aber hart. nicht nur, weil ich dann wider erwarten doch heulen musste wie ein wasserfall, als ich meine geschichte erzählen sollte. sondern vor allem deswegen, weil es so schmerzhaft war, die geschichte der anderen frauen zu hören. einigen geht es so beschissen, dass es einem den hals zuschnürt. krebs ist schrecklich. er reißt einen mitten aus dem leben, unerwartet und brutal. und dann findet man sich plötzlich in einer situation wieder, in der man ums überleben kämpft und darum ringt, irgendwie wieder ins leben zurückzufinden. seinen platz wieder einzunehmen. wieder froh zu werden. weiterzuleben. zu überleben.

am ende der sitzung fragte uns der psychologe, wie wir unsere stimmung auf einer skala von 0-100 einschätzen würden. diejenige aus der gruppe, die es am schlimmsten von allen getroffen hat, sagte lächelnd: „100 %“. das sind sie momente, die einen aus den schuhen hauen. hut ab vor allen, die diese und andere schwere erkrankungen durchstehen und ihre positive lebenseinstellung nicht verlieren. so bewusst wie heute war mir das noch nie.

Rehageflüster: Faul sein ist wunderschön

ich habe heute nacht geschlafen 😆

heute morgen bin ich mit einem breiten grinsen aufgewacht und hatte die anfangszeilen eines liedes im kopf, das ich am mittwoch hier in der singstunde im kreis geträllert habe. die tatsache, mit 20 erwachsenen frauen im kreis zu sitzen und im kanon pippi langstrumpf-lieder zu singen sind so die unerklärlichen geschehnisse in einer reha. wie auch immer, nach dem lied sahen alle glücklich aus.

hier für euch, the one and only pippi:

heute ist sonntag und folglich reha-frei. es gab zur auswahl, gemeinsam nach wyk zum fischmarkt zu fahren. fragt mich nicht warum, aber ich hatte gar keine lust, mit dem ganzen, schnatternden pulk in den bus zu steigen. hier wird den ganzen tag geschnattert und sich ausgetauscht, was sehr schön ist. aber ich habe nur wenig lust darauf. brauche einfach erstmal ruhe und wenn ich wieder geselliger bin, kann ich das ändern, wann immer ich will. so habe ich heute hier einfach die ruhe genossen und hab meine seele baumeln lassen. die sonne schien vom blauen himmel und trieb ganz schön schnell große, weiße wolkenberge vor sich her. ich war lange am strand spazieren, traf eine nette reha-gefährtin und wir schütteten uns ein bisschen gegenseitig das herz aus. ich lief mit nackten füßen durch das watt, sah einen lebendigen knutt (fressend 😉 ) und viele, tote quallen (find ich besser als lebende), streichelte fremde hunde und ließ mich einfach mal treiben, ohne ziel, ohne plan. das tut mir, die sonst immer so voll durchgeplant und organisiert ist, sehr, sehr gut. ich habe mir mittags den bauch vollgeschlagen und den nachmittag lesend, ganz faul im strandkorb verbracht *seufz*.

eben schlug hier das wetter um. blitzschnell kam eine dunkle wand und trieb regen und kalten wind vor sich her. unser netter reha-café-wirt musste mit mir auf die terrasse und den föhrer kachelmann für mich machen. seine heutige prognose: „das beibt heute nass.“

und da es mich seit gestern abend ganz schön im hals kratzt und ich mich schlapp fühle, habe ich meinen ausritt heute abgesagt und auf nächste woche verschoben. hab ja noch zeit!

ich habe heute auf gar nichts so recht lust und finde das wunderbar. und mir ist dabei null langweilig. stelle gerade fest, dass auf nichts lust zu haben, keine pläne zu haben und einfach nur rumzuhängen, ein kostbarer luxus für mich ist. hört sich vielleicht seltsam an. aber das ist so. ich häng ja nicht dumpf herum, nein, ich denke über dies und das nach, was mich in den letzten monaten zu hause innerlich bedrückt hat. und das ist gut so. nur wenn man sich die zeit nimmt, in ruhe und gründlich über das eine oder andere nachzudenken, kommt man auch zu einer lösung.

einen plan habe ich heute noch: abendessen 😆

ansonsten lasse ich den tag genauso ruhig ausklingen, wie ich ihn verbracht habe und morgen früh geht es um 7 uhr mit frühgymnastik los, gefolgt von bogenschießen und einer gesprächsrunde, schwimmen und fahrradfahren. macht es gut, ihr lieben, bis morgen 😆