Husky-Safari in Finnland: Tiefschneepflug

erster morgen in der wildnis. auch der start in den tag folgt bei dieser tour einem festen ritual. um 7 uhr steht der wildnisführer auf und lässt uns noch ein bisschen im schlafsack schnorcheln (danke, lieber peter), um halb acht kommt der weckruf. dann aber raus aus dem schlafsack und hinaus in den tag. erstmal öfen anheizen und wieder wasser für die morgendliche hundesuppe erhitzen. dann, nach bedarf, eine kurze waschung mit der waschschüssel. und dann sind die lieben hundis dran, die sich draußen aus ihren schlafmulden erheben, sich strecken, bisschen jaulen und auf ihr frühstück warten. ein allmorgendliches phänomen für die gruppe: schlafen die hunde tatsächlich bei diesen temperaturen draußen im schnee? ja, sie tun es. ganz zufrieden. in den schneemulden liegt etwas stroh und am morgen sind die mulden durch die körpertemperatur der hunde immer etwas tiefer. an manchen morgen waren die hunde mit einer dünnen schneeschicht bedeckt.

guten morgen, sonnenschein! (im vordergrund meine 3 hunde pekkah, yucca und macarena)

ich war ab dem 2. tag bei der morgendlichen hundefütterung nicht dabei, da ich zur eier-speckbraterin der gruppe avancierte. so konnte ich noch bisschen länger in der warmen stube bleiben. nach der hundefütterung kam die hungrige menschengruppe zurück und wir aßen alle beachtliche mengen zum frühstück. peter achtete penibel darauf, dass wir alle ausreichend und regelmäßig aßen. er hatte erfahrung mit gruppenteilnehmern, die auf ihre linie zu achten meinten und erlebte stattliche männer, die ihm entkräftet vom schlitten kippten. die kälte und körperliche anstrengung fordert ihren tribut, ausreichend essen und trinken hilft! nach dem frühstück wurde gepackt, was bei den wenigen dingen recht schnell ging, die hütte wurde für die nächste gruppe sauber gemacht, die schlitten beladen und dann die hunde angeschirrt und eingespannt. das einspannen war eine spaßige angelegenheit. denn es gab hunde in der gruppe, die sich problemlos anschirren ließen und freiwillig kopf und vorderläufe durch das geschirr steckten. ich hatte 2 davon in meiner gruppe, hessu und yucca. andere hunde widerum waren da etwas widerspenstiger und machten sich steif, warfen sich hin und flutschten einem immer wieder durch die hände wie ein stück schmierseife. sehr lustig, das ganze. auch davon hatte ich 2 in der gruppe. meine macarena stand zwar brav da wie ein lamm, machte aber die vorderläufe so strack, das ich sie manuell umknicken musste, um sie durch das geschirr zu schieben. wenn ich die spannung kurz nachließ, machte es zurr und der lauf war wieder strack. pekkah hingegen schmiss sich mit seinem ganzen gewicht auf die pfote, die ich gerade durch das geschirr stecken wollte. völlig entspannt lag er da, schwer wie ein betonklotz und ließ sich von mir hoch- und umschichten *ächz*

freiwilliges anschirren

anschirren mit widerstand

aber wir schafften es jedesmal, die hunde alle vor den schlitten zu bekommen und gegen 10 uhr standen alle bereit zur abfahrt. die hunde voller kraft und ungeduld, wir voller vorfreude und aufregung. tatsächlich ist dieser „start“ eine der schönsten dinge an der safari. es herrscht solch eine aufbruchstimmung und gebelle und gejaule, dass es ansteckend ist. das gespann hinter mir gehörte unserem youngster der gruppe. er hatte das glück, 4 rabauken im gespann zu haben. es war das gespann, dass es schaffte, sich vor dem start, in der pause und während des laufens immer wieder im geschirr zu verheddern, sich rauszuziehen und die leithunde hatten eine beeindruckende dominanznummer am laufen. hierbei schmiss sich die leithündin auf den rücken, stemmte ihre vorderpfoten gegen den hals des leitrüden neben ihr und machte todesgeräusche. „hallo???? sieht hier jemand, dass ich gleich totgebissen werde? kann hier jemand mal eingreifen?“ peter klärte uns jedoch darüber auf, dass das nur show sei, die hunde wären da ganz gut drin. na, entzückend. ihr glaubt nicht, dass sich hunde durch das geschirr ziehen können?

sie können!

und hier die rabaukenbande meines hintermanns

der leitrüde auf dem bild (links) beherrschte ein perfektes „aa-waaa-waa-waaa“, das sich anhörte wie das klagen an der klagemauer. herrlich, ich musste mich jedesmal kaputtlachen. der hund hinten rechts, rambla, war eine kleine pest auf 4 pfoten. ein echter gauner, der es schaffte, sich sogar während des laufens vom karabinerhaken zu lösen und ein heilloses durcheinander zu veranstalten. hört sich schrecklich an, aber alle liebten rambla. man konnte ihm einfach nicht ernsthaft böse sein. aber jetzt zurück zum morgendlichen start. sobald man den fuß von der bremse nahm und die hunde losstürmten, spannte die seele ihre flügel aus und alles war gut. ich dachte immer mal: „gibt es was schöneres?“ sicher tut es das, ich weiß, aber es gab momente während der tour, in denen man dachte, es gibt nichts, das schöner ist.

hier ein etwas verwackelter versuch, einen start zu dokumentieren:

wir hatten an diesem zweiten tag großes glück mit dem wetter. unter strahlend blauem himmel brausten wir über ebenso strahlend weißen schnee und freuten uns des lebens.

kurz vor mittag durften wir bei sahnewetter einen blick auf die hügel des nationalparks „ich -bin-ein-nationalpark-mit-einem-unaussprechlichen-finnischen-namen“ werfen und kamen aus dem staunen nicht mehr heraus. lappland ist wirklich ein wunderschönes stückchen erde.

was für ein prachtvoller tag! nach einer esstechnisch äußerst befriedigenden mittagsrast fuhren wir zeitweilig durch anspruchsvolles gelände, dass unsere beinmuskulatur auf eine harte probe stellte. es gab etliche knifflige kurven mit steigungen und gefälle zu meistern und ich meine mich zu erinnern, dass ein jeder in der gruppe seinen schlitten an diesem nachmittag in den tiefschnee manövrierte. ich dummerweise in einer steigung. als ich abstieg, um den festgefahrenen schlitten anzustoßen, löste er sich mit einem unerwarteten ruck, die hunde rasten natürlich gleich los, und ich hatte keine chance mehr aufzuspringen. wie war das noch, „niemals den schlitten loslassen?“ , ja, genau, also krallte ich mich am griff fest und fuhr ein wenig auf den knien hinterher. als die hunde an fahrt gewannen, glitt ich auf den bauch und schleifte hinterher. das muss sehr, sehr lustig ausgesehen haben. für meinen hintermann. für mich war es nur mittellustig, da ich richtig schiss hatte, dass mir der schlitten durchgeht, und zwar ohne mich. meine hundis drehten sich mehrfach um, schielten um den schlitten herum und bedachten mich mit einem amüsierten blick. ich schwöre, ich habe in ihren augen schadenfreude gesehen. „halt doch aaaaaan!“ brüllte ich meiner vorderfrau zu. erst als sie anhielt, bremsten glücklicherweise auch meine hunde und meine vorderfrau bekam sie am halsband zu fassen, so dass ich wieder aufsteigen und weiterfahren konnte. ich konnte nicht anders, als den rest der fahrt vor mich hinzugrinsen. in meine sturmhaube hinein 😉

der nachmittag barg noch mehr überraschungen und ich verbuchte ihn am ende als unseren persönlichen idiotentag. „wir sind gleich an der hütte,“ verkündete peter, „seid vorsichtig, die einfahrt ist diesmal kompliziert!“ und schon kam eine eindrucksvolle rechtskurve. das nächste, woran ich mich erinnere, ist die schmale birke, gegen die mein schlitten krachte und sich komplett festfuhr *räusper*. ich drehte mich rasch um, um meinen hintermann zu warnen, was ich allerdings zu sehen bekam, war ein unbemannter schlitten mit 4 froh aussehenden huskys, der um die kurve schoss 😉 😉 😉

das war der nachmittag, der uns abends bei kerzenschein viel gesprächsstoff bot. wir verbrachten die nacht in einer geräumigen hütte, in der peter uns ein so vorzügliches abendessen auftischte, dass wir es kaum fassen konnten. wenn peter nicht mehr wildnisführer sein will, kann er ein restaurant aufmachen! die nacht war ein wenig durchwachsen, da wir diesmal alle in einem raum schliefen. für mich war das schnarchtechnisch etwas schwierig. ich lag direkt neben dem göttergatten, der friedlich vor sich hinschnarchte (wie der rest der männer auch) und nervte ihn die halbe nacht mit aufforderungen, sich umzudrehen, mit dem scnarchen aufzuhören usw. am nächsten morgen sah ich mich mit dem unmut der männlichen grupenteilnehmer konfrontiert, die sich darüber beschwerten, ich hätte sie die ganze nacht mit meinem gebrabbel genervt und außerdem hätte absolut niemand geschnarcht. ungerecht, jawoll. die haben geschnarcht. aber solche begebenheiten machen nicht wirklich was, gehört dazu! wenn der morgen erwacht, ist alles wieder gut.

und hier noch, auf wunsch einer leserin, ein paar bilder von pekkah. sanni, für dich!

3 Wochen Indien: Im Vomex-Rausch

am nächsten morgen ging es gleich in der früh weiter nach udaipur. mir war immer noch schlecht. schien ein dauerzustand zu werden. allen anderen ging es wieder gut. so kam es, dass ich dankbar den vorschlag eines mitreisenden annahm, vomex zu schlucken. 2 stück. und so kam es auch, dass ich nun weiß, dass ich entweder kein vomex vertrage oder 2 zu viel waren. keine ahnung. jedenfalls merkte ich nach ca. 1/2 stunde, dass es mir seltsam wurde. sehr seltsam. mir war schwindlig und ich fühlte mich merkwürdig körperlos. regelrecht unsichtbar. als wäre die verbindung zwischen körper und kopf getrennt. ich fiel in eine art bewegungsstarre. während um mich herum alle dachten, dass ich friedlich schlafe, kämpfte ich tapfer ums überleben. jawoll. ich weiß noch, dass ich eine schier endlose zeit einfach dasaß und mich darauf konzentrierte, weiterzuatmen. und mich reinzusteigern, an einer atemlähmung zu versterben. irgendwann machte ich die augen auf und tat kund, wie es mir ging. super, keiner glaubte mir. mittlerweile war ich wieder soweit, dass ich glaubte, doch zu überleben und fühlte mich einfach nur noch bedröhnt.

den rest des tages verbrachte ich leicht debil und glücklich. und als wir bei einem zwischenstopp diverse festungen und tempel besichtigten, schwebte ich heiter umher und band mir einen bunten turban um den kopf. mit der konsequenz, dass mich überall ein tross mächtig zufriedener inder begleitete. derart tiefenentspannt traute ich mich, die 3 sätze, die mir sohan, unsere reiseleiter während diverser busstunden beigebracht hatte, zum besten zu geben: „ap kesi hai?“ fragte ich eine gruppe giggelnder teenie-mädels. „wie geht es ihnen?“ fassungsloses staunen. dann große freude. ich erzählte noch, dass es mir gut geht und dass ich aus deutschland komme. fragte nach den namen, der rapide wachsenden gruppe und stellte mich selbst vor. damit hatte es eine besondere bewandnis. es gibt nämlich aktuell eine super berühmte bollywoodschauspielerin, die den gleichen vornamen hat wie ich. was in indien eine seltenheit ist. fortan hieß ich also wie sie. was zur ungemeinen begeisterung allerorts führte. in indien ist es so, dass menschen in der lage sind, problemlos ihre begeisterung und freude zu zeigen. das ist wunderbar. so wurde mein hindi-bemühen entsprechend belohnt. mit johlen, pfeifen, händeschütteln, standing ovations. hach, was war das schön. ich möchte das hier auch: standing ovations und begeisterungsstürme, wenn ich etwas gut gemacht habe.

mein fanclub:

ich habe euch noch gar nicht erzählt, dass ich sehr sprachbegabt bin. bin ich nämlich. ich lerne sehr schnell fremde sprachen. so bat ich unseren reiseleiter sohan von anfang an, mir etwas hindi beizubringen. für sohan war ich fortan das sprachwunder auf 2 beinen. ich machte rasch fortschritte und sohan präsentieret mich allerorts wie einen zirkuselefanten. wenn wir zum beispiel ein geschäft betraten, bat er mich, meine gelernten sätze zum besten zu geben. in kürze war ich in der lage, einen souveränen basic-smalltalk durchzuführen. eine besondere überraschung war der satz: „apki muchhe bahut pyari hai“. was soviel heißt, wie: „sie haben einen sehr schönen schnurrbart“. viele rajasthani sind stolz auf ihre beachtlichen schnurrbärte. mit diesem satz stahl ich mich in so manches rajasthani-herz.  in der hindi-sprache reicht es aber auch, nur einen einzelnen buchstaben falsch zu betonen, und schon hat der satz eine neue bedeutung. zur unermesslichen freude zweier herren und sohan blamierte ich mich einmal mit: „ich habe einen sehr schönen schnurrbart.“ und einmal mit „sie haben aber einen besonders schweren schnurrbart.“ am ende der 3 wochen plapperte ich munter drauflos und wäre ich noch ein paar wochen geblieben, hätte ich wohl wirklich recht gut hindi gelernt. diese ganze sprachgeschichte knüpfte ein band der sympathie zwischen sohan und mir und wir wurden richtig gute freunde.

so sieht übrigens ein besonders schöner rajasthani-schnurrbart aus:

und mit diesem herren hat es eine finstere geschichte auf sich. sein vater hatte einen noch längeren. den längsten. 😉 und mit dem war er im guiness buch der rekorde. stolz zeigte er seinen schnurrbart herum, rollte ihn gegen eine spende ganz auf und hatte so ein ganz gutes auskommen. eines tages fand man ihn. das heißt: seinen rumpf. jemand hatte seinen kopf samt schnurrbart abgesäbelt und mitgenommen. gruselig, oder?

mein vomex-rausch hatte überdies den vorteil, dass ich die restlichen stunden der busfahrt zufrieden vor mich hingrinsend das straßengeschehen um uns herum betrachtete und fotografierte. indiens straßen sind nämlich eine geschichte für sich. ihr glaubt nicht, mit wem oder was man sich so die straße teilt. folgende schnappschüsse habe ich durch die frontscheibe des busfensters geknipst:

am späten nachmittag erreichten wir udaipur, die weiße stadt. oder besser noch: der traum in weiß. aber dazu morgen mehr.

Indien: Triffst du den Falschen

unser reise-countdown läuft, in 6 tagen sitzen wir im flieger, der uns nach delhi bringt. danach tauchen wir 3 wochen in die welt rajasthans ein. wir werden in einem kleinen reisebus sitzen, mit rikshas unterwegs sein, 3 tage auf dem kamelrücken die wüste thar durchschreiten und uns das eine oder andere ziel erwandern. wir haben uns den reiseveranstalter sehr gezielt ausgesucht, denn zum einen wollen wir möglichst viel über indien erfahren, zum andern aber soll auch ein bisschen abenteuer dabei sein. eine klassische studienreise erschien uns zu öd, da man überwiegend im bus sitzt, und auf eigene faust ist indien, wenn man eine rundreise macht, doch ziemlich anstrengend. in südafrika geht das prima. aber in indien ist das eher anstrengend. wenn man nicht mehr in den 20ern ist und einen rucksack auf dem rücken mit sich herumschleppt, so wie ich in meinen früheren zeiten 😉 . unser reiseveranstalter, mit dem wir schon seit jahren liebäugeln, verspricht eine gute mischung aus beidem. man reist in einer geführten gruppe, sieht natürlich die wichtigen sehenswürdigkeiten, verlässt aber auch die eingelaufenen touristenpfade und wandert in die dörfer im hinterland und übernachtet mit kamelen auch mal 3 tage im zelt. die kamele bleiben hoffentlich draußen 😉

wir haben alles wesentliche vobereitet und sind gerüstet. reisepässe mit visa sind da, reiseunterlagen auch. wir haben uns durchimpfen lassen, die reiseapotheke, die überwiegend aus durchfallhemmern besteht, ist auch eingepackt, und ein paar zweckmäßige kleidungsstücke haben wir auch erstanden. sogar die neuen wanderschuhe sind eingelaufen. ich schreibe heute noch eine packliste. das hat sich, seit ich dank tamoxifen so schusselig geworden bin, bewährt.

bleibt nun die vorfreude und das steigende reisefieber. und ein leichtes unbehagen, das meinen lieben mann seit gestern beschlichen hat. dank wolfgang. wolfgang und uschi, ein ehepaar, das wir gestern zufällig getroffen haben, ist vorgestern frisch aus rajasthan zurückgekehrt. als wir das hörten, haben wir uns gleich hochmotiviert auf sie gestürzt um sie auszufragen. uff, das hätten wir lieber gelassen. während uschi nur vor sich hinkicherte, ließ wolfgang eine geballte ladung vom stapel. und wolfgang fand indien scheiße. so richtig, richtig scheiße. was er uns wie ein wasserfall erzählte. indien ist dreckig, überall elend, an jeder ecke irgendwelche paläste und tempel, er hat in 3 wochen mehr moscheen gesehen als in seinem ganzen bisherigen, langen leben kirchen. und dann dieses grässliche essen. morgens linsen, mittags linsen, abend linsen. sie saßen nur im bus, stundenlang. und hatten von dem grässlichen essen gigantische blähungen. man stelle sich mal vor, ein ganzer reisebus voller menschen mit blähungen. alle hatten durchfall, gegen den wasser noch dünnflüssig sei. er war gar nicht mehr zu bremsen, der wolfgang. das musste wohl alles aus ihm raus.

während er vor sich hinschimpfte und uschi vor sich hinkicherte, sah ich, wie mein mann zusehends unsicherer wurde. na toll, danke wolfgang. kaum waren wir zuhause angekommen, eröffnete mir mein mann, er habe angst, in indien zu verhungern. als nicht fleischesser befürchte er, er müsse nun 3 wochen von linsen leben. außerdem gebe ihm die liste der reiseteilnehmer, die kürzlich hier eintraf, zu denken. laut liste sind von den 18 teilnehmern 10 singles, davon 9 frauen. nun hat er angst, dass das alles ältere, alleinstehende grundschullehrerinnen seien, die ihn ununterbrochen zuquatschen. süß.

seine nicht ausgesprochene vision: 9 ältere, single-grundschullehrerinnen, die ihn den ganzen tag lang belehren. von den 4 reisenden männern 4 wolfgangs. den ganzen tag lang linsen. ein bus voller pupsender grundschullehrerinnen. und überall moscheen.

nachdem wir heute morgen ausgiebig die küche rajasthans gegoogelt haben, ist er etwas ruhiger geworden und freut sich nun doch wieder. von anderen reisen her weiß ich ja, dass in ihm ein abenteurerherz steckt. ich bin schon soooo gespannt auf die reise und freue mich sehr, sehr, sehr. noch 6 x schlafen 😆

Morgens muffelig, abends geil

sorry, dass ich mit meinen reiseberichten im moment hinterherhinke, ich ertrinke grad in arbeit.

aber eins möchte ich euch nicht vorenthalten. 2 suchbegriffe, die ich heute morgen bei mir entdeckt habe und die mich köstlich amüsieren:

morgens muffelig, abends geil – dazu fällt mir der spruch ein: wer bu**** will, muss freundlich sein.

joschi ist scheiße – WER hat das gesagt, los, WER? Komm her, du!

Reisebericht Südafrika: Knysna – atemberaubend schön und mächtig entspannt ;-)

knysna (ausgesprochen: naisna, oder, wie ein griesgrämiger landsmann in einem cafe seiner frau zuraunte: morgen fahren wir nach knieeesnaaahhh) ist, ihr werdet es nicht glauben, ebenfalls einer der schönsten landstriche der welt. ihr glaubt mir nicht?

seht selbst:


knysna liegt an einer 21 hektar großen lagune, die nur durch eine schmale felsige einfahrt – die knysna heads– mit dem indischen ozena verbunden ist. im hinterland der stadt steigen die outeniqua-berge auf, die wie die gesamte umgebung dank eines ausgeglichenen klimas und über das ganze jahr verteilter niederschläge eine dauerhaft grüne vegetation zeigen.

das klima knysnas ist ganzjährig mild. am wenigsten regen gibt es im winter. der jährliche durchschnitt liegt bei 770 mm. die durchschnittliche temperatur im januar ist 26 °C; im winter (von juni bis august) sinkt sie bis auf ungefähr 18 °C. der indische ozean ist bei knysna so warm, dass man auch im winter baden kann.“ (wikipedia)

hört sich doch nicht schlecht an, oder?

knysna ist irgendwie ein sehr entspannter und cooler ort. von der größe her sehr überschaubar aber dennoch quirlig, vereint knysna die typisch lässige, südafrikanische lebensart mit einem hauch weltmännischen flairs. man spürt dies besonders, wenn man sich entlang der waterfront oder auf dem sehr stylischen thesen island treiben lässt.

thesen island

wir haben auf einer der berühmten lagunen gewohnt, der name sagt schon alles: leisure lagoon. hier ein blick auf die leisure lagoon, von den  knysna heads aus gesehen:

ich habe dort folgendes in meinem reisetagebuch festgehalten: „ich glaube, ich ziehe nach knsyna auf die leisure lagoon. hier sind alle menschen glücklich. ich war heute morgen schon um 6 uhr am ufer entlang der lagune joggen. so wie etwa 50 andere, gut gelaunte, lagunenbewohner mit ihren ebenso gut gelaunten hunden, auch. hier wird man von joggern und hundespaziergängern nicht nur regulär gegrüßt, wie bei uns, nein, hier wird gewunken was das zeug hält und aus allen ecken schallt einem entgegen: „heloooouuuu, good moooorning“. ein ort, an dem alle menschen, die man trifft, so gut gelaunt und fröhlich sind, kann nur ein guter ort sein.“

die südafrikaner sind generell ein eher lässiges und gut gelauntes völkchen. was WIRD man dort angelacht, es ist eine wonne. ein besonderes vergnügen ist das tanken. man kann schon sagen tank-event. sobald man auch nur den blinker rauslässt um eine tankstelle anzufahren, stürmen winkende, lachende, mitunter singende und tanzende (jeder, der in südafrika war, wird dies bestätigen) tankwärter auf einen zu und winken einem zu. einer siegt. und ist dann der persönliche tank-master. mit breitem grinsen wird man zur richtigen zapfsäule gelotst. gerne mit break-dance-einlage. und dann wird in prächtigster laune vollgetankt und die scheiben gewischt, dass es eine wonne ist. ziel ist natürlich trinkgeld, klar, aber man gibt es gerne, reichlich und von herzen. dass tanken so viel spaß machen kann, hätte ich im leben nicht gedacht.

das kann man sich so vorstellen


und die zwei haben einen schnapp gemacht, als wir ihnen selbstgefundene golfbälle abgekauft haben


 

golf gespielt haben wir dort natürlich auch, sonst hätten wir ja keine bälle gekauft. wir haben dann pro mann die gesamte tüte in den diversen büschen gelassen. auf 1 runde. in jeder tüte waren 20 bälle. wer von euch golf spielt, weiß, wovon ich rede 😉

in knysna kann man sensationell gut essen. was wir reichlich getan haben. und hier haben wir es einmal auch krachen lassen und waren im pezula bei zachary´s essen, einem der orte in südafrika. das war ein echtes erlebnis, wow. auf meinem teller fand ich unter anderem krosse entenbrust in honig und anis mit in ingwer eingelegter babyananas. göttlich. kann man das eigentlich heiraten?

und hier einfach noch ein paar impressionen

Reisebericht Südafrika: Die Reiseroute

wo fange ich an? vielleicht einfach am anfang. 3 wochen südafrika liegen hinter uns, 3 wunderbare wochen in einem wunderbaren land. es war unsere zweite reise dorthin. bereits im vergangenen jahr haben wir 2 reiselustige menschen einen lange gehegten traum umgesetzt und sind 2 wochen nach südafrika gefahren. freunde hatten uns eine reiseagentur empfohlen, die reisen für selbstfahrer organisiert. das funktioniert so: man sagt, wie viel zeit man hat, wie viel geld man ausgeben will und was man ungefähr sehen will. auf dieser basis erarbeitet die agentur eine reiseroute, bucht die unterkünfte vor, reserviert einen mietwagen und bucht den flug. in südafrika gibt es eine enorme bandbreite an übernachtungsmöglichkeiten, von einfachen bed & breakfast-unterkünften bis hin zu luxuriösen lodges. das hat den vorteil, dass man dieses land auch mit überschaubarem buget bereisen kann. wenn man will, kann man es aber auch so richtig krachen lassen. oder ein gesundes mittelmaß finden. so haben wir es gemacht. vor der abreise bekommt man reiseunterlagen mit flugtickets, vouchers für die unterkünfte und den mietwagen und ein großartiges „reisebuch“. das ist ganz was tolles: ein umfangreiches buch im din A 4 format mit einer detaillierten beschreibung der reiseroute, fotos, tipps für restaurants und aktivitäten, wichtigen telefonnummern, sicherheitshinweisen etc, anhand dessen man sich optimal orientieren kann.

unsere letztjährige reiseroute war: flug nach kapstadt – stellenbosch (das weingebiet östlich von kapstadt) – durch die kleine karoo ostwärts nach oudtshoorn – weiter ostwärts durch die große karoo nach graaff reinet – noch ein stückchen nach osten nach addo ins elefantenreservat – und dann runter zur küste und über port elisabeth westwärts, entlang der küste nach plettenberg baai – weiter über das de hoop nature reserve nach swellendamm – und zum abschluss über hermanus zurück nach kapstadt. man nennt diese strecke auch garden route und es ist die bekannteste reiseroute in südafrika. wir hatten uns für 2 wochen ganz schön viel vorgenommen, fast schon zu viel und saßen für unseren geschmack auch zu viel im auto. als wir völlig überwältigt von all den fantastischen eindrücken wieder zurückflogen, stand für uns fest: wir müssen wiederkommen, mit mehr zeit und einer etwas kompakteren route, die uns mehr verweildauer an besonders schönen orten bescheren sollte. irgendwann.

dass das irgendwann schon ein jahr später sein sollte, ahnten wir damals noch nicht. der entschluss, gleich dieses jahr wieder zu fahren, fiel, als ich anfang des jahres so schwer erkrankte. und wir ein bewusstsein dafür entwickelten, dass man dinge, die man wirklich gerne machen möchte, nicht in die warteschleife stellen sollte. man weiß nie, wie es kommt.

so buchten wir kurzentschlossen über die gleiche agentur, die uns letztes jahr schon überzeugte, diesmal 3 wochen. kurze zeit und einige e-mails später lagen die reiseunterlagen im briefkasten. die reiseroute war diesmal streckenmäßig abgespeckt, ein paar orte wollten wir wiedersehen, ein paar neue kamen hinzu. wir flogen diesmal mit einer anderen fluggesellschaft über johannisburg nach kapstadt. dort nahmen wir am flughafen unseren mietwagen in empfang und fuhren direkt weiter ins etwa 1-stündig entfernte franschhoek im berühmtesten weingebiet südafrikas. da der zeitunterschied zu südafrika nur 1 stunde beträgt, hat man keinen jetlag und ist eigentlich ganz frisch, wenn man ankommt. wir blieben 3 tage in franschhoek, einfach um anzukommen und auszuspannen. danach fuhren wir diesmal nicht ostwärts durchs landesinnere, sondern gleich runter zur küste in ein naturreservat, welches dafür berühmt ist, dass wale dort ihre kälber zur welt bringen, auch hier verweilten wir 2 tage. danach ging es ein stückchen entlang der gardenroute ostwärts nach knsyna, wo wir ebenfalls 2 tage genossen. und wieder zurück westwärts nach hermanus, 1 tag, und dann ein großes stück nach westen, an kapstadt vorbei bis zur westküste, wo wir ebenfalls 2 tage die seele baumeln ließen. zurück nach kapstadt, wo wir diesmal 3 tage blieben. und als krönender abschluss eine 3-tägige safari im krüger national park, den wir über einen transferflug von kapstadt erreichten.

ich habe mir überlegt, dass ich euch für eine weile entlang der einzelnen stationen mit auf die reise nehmen will und freue mich, wenn ihr ein bisschen mit mir herumreist 😆 so soll der heutige bericht lediglich eine kleine einführung sein und ab morgen geht es dann zusammen nach franschhoek. damit ihr eine vorstellung davon bekommt, hier ein paar fotos, zur einstimmung!

franschhoek

de hoop nature reserve

knysna

hermanus

paternoster, west coastal parc

kapstadt

balule game reserve (naturrervat)


Indien: andere Länder, andere Sitten

wie gesagt, es gibt da noch mehr erinnerungen an meine zeit in indien 😆

ich hatte mich mehr oder weniger auf meine 6-monatige reise nach indien vorbereitet. mehr oder weniger deshalb, weil in meinem kopf überwiegend erleuchtete wesen und blumengärten und maharadschatempel herumspukten. das war aber nicht schlimm, denn tatsächlich kann man sich nur schwer auf die konfrontation mit dieser drastisch anderen lebensweise, mit der bunten überfülltheit allerorts, mit dem geräuschpegel, den farben, dem geruch und der uns völlig fremden mentalität vorbereiten. indien überrollt einen wie ein psychedelischer tsunami. als ich nach gefühlten 100 stunden flugzeit um 3 uhr morgens völlig übernächtigt, gejetlagt und gemartert aus der holzklasse meines fliegers stieg und das flughafengebäude in delhi verließ, prallte ich gegen eine glutheiße wand aus hitze, krach und gestank. ich glaube, es waren etwa 5 millionen taxis und zwar autos, rikschas und mopeds, die uns flugreisende erwarteten. von den geschätzten 10 millionen verwandten, die ebenfalls warteten, abgesehen.

ich stieg zombieartig in eine motorisierte rikscha und fragte nach einem günstigen hotel. der rikschafahrer hatte natürlich einen cousin, der ein hotel hatte, sowas klappt immer. trotz meines völlig lädierten geisteszustands nahm ich wahr, dass auf der straße unzählige kühe herumlagen und geier herumsaßen. das hotelzimmer entpuppte sich als bretterverschlag mit pritsche und deckenventilator und kostete etwa 5 euro. für damalige verhältnisse perfekt. in den nächsten tagen ließ ich mich einfach treiben und erkundete delhi, was eine echte herausforderung ist 😉 . es war unglaublich heiß, voll, laut und über alle maßen faszinierend, was sich mir so an eindrücken bot. vor allem die menschen zogen mich in ihren bann: frauen in bunten saris und punjabi dress, männer in gewandartigen kleidern und turbanen auf dem kopf, jede menge rauschebärte aber auch genauso viele akurat gekleidete business menschen mit aktenkoffern, anzug und krawatte. und ein permanentes verkehrschaos. hupe ersetzt ampel, sage ich nur. ich bin gerne rikscha gefahren, man kommt relativ schnell voran und stärkt seinen mut unendlich, denn eine rikscha hat immer vorfahrt. ich vermute aber auch, dass grundsätzlich immer jeder vorfahrt hat. ich erinnere mich an eine fahrt, an der ich dringend einen bus erreichen musste. es war rushhour. der fahrer fuhr so halsbrecherisch, dass ich völlig steif in der rikscha saß und echte bedenken hatte, den busbahnhof lebend zu erreichen. es beruhigte mich auch keineswegs, dass der fahrer seine rikscha innen mit heiligenbildern tapeziert hatte und unentwegt vor sich hinsang:

„hare rama, hare krischna, rama rama, hare hare.“

als ich ihn fragte, warum er das tat, bekam ich in dem typischen indisch-englischem singsang zur antwort:

„madame, you neverrr know dirrrectly where you go. madame, maybe you live, maybe it happens you die. god only knows this. yes, madame. so it is always good, to prepare for you die, madame. you then dirrrectly go to god.“

wirklich sehr beruhigend. ich kam aber immer lebend am ziel an. war wohl gottes wille 😉

es ist auch erstaunlich, wie viele menschen in eine kleine rikscha passen und um eine rikscha herum und auf eine rikscha drauf 😉

eine erfahrung hat mich in den ersten tagen meines indienaufenthaltes besonders fasziniert. etwa am 3. tag nahm ich wahr, dass die straßen mit bettlern und obdachlosen, halbnackten menschen bevölkert war. es waren hunderte, tausende. waren sie vorher nicht da? sind sie über nacht plötzlich aufgetaucht? wohl kaum. wieso war mir das in den ersten tagen nicht aufgefallen? ich habe lange darüber nachgedacht. ich glaube, dass unsere wahrnehmung so etwas einfach überhaupt nicht kennt und daher erstmal ausblendet. nach einiger zeit passt sich die wahrnehmung an das fremde, neue an und der vorhang öffnet sich. vielleicht ist das eine art schutzmaßnahme des geistes. so sah ich auch erst nach einigen tagen überall prozeduren mit singenden menschen, die mit blumen geschmückte leichen auf bahren umhertrugen.

wer trägt bei uns schon seine verstorbenen verwandten mit blumen geschmückt singend durch die straßen? und halbnackte, unterernährte menschen, die abends zu tausenden die bürgersteige beziehen und dort essen, schlafen und leben, sieht man hier auch eher weniger.

auch das ist indien.

trotz all der widersprüche, die ich dort erlebt habe, verband mich binnen kürzester zeit eine große liebe mit dem land, die mich bis heute nicht losgelassen hat. ich bin damals sehr low buget gereist, mit rucksack und wenig geld. heute würde ich das land anders bereisen, das ist klar. aber gewisse dinge erlebt man vielleicht nur, wenn man einfach unterwegs ist. zum beispiel, dass man morgens die tür seines kleinen, ebenerdigen zimmerchens öffnet und auf der mauer gegenüber eine muntere affenschar hockt, die einen fröhlich anschaut. um dann wie eine wilde bande ins zimmer zu stürmen und mit bananen bewaffnet und diversen anderen dingen in den händen wieder an einem vorbei rauszustürmen und völlig schmerzfrei auf der mauer deine bananen zu futtern. und dich frech anzukucken.

oder riesige, schwarze skorpione unterm bett zu entdecken.

oder morgens mit einem wassereimer in richtung plumpsklo zu wandern und dabei von unzähligen augenpaaren verfolgt zu werden, die dir, wenn du wieder zurückkommst, forschend und intensiv ins gesicht schauen. ich vermute, sie wissen ganz genau wie groß der haufen war, den ich morgens gemacht habe. und vermutlich haben sie darüber diskutiert.

oder auf der straße mit den worten angesprochen zu werden:

„excuse me madame, I have a little question. are you happy, madame?“

und, am I happy? fragt man sich dann den rest des tages. ich glaube, ich habe mich seitdem nie mehr mit völlig fremden menschen darüber unterhalten, ob ich glücklich bin oder nicht und soviel private dinge irgendwo in einem großen, kantinenartigen restaurant mit zufälligen tischnachbarn ausgetauscht. ich erfuhr familienschicksale, ehedramen und wer mit wem verwandt ist in den weiten indiens, während ich kokosbällchen in rosensyrup in mich reinfutterte. ich glaube, ich habe auch nie mehr im leben so viele fotos mit wildfremden menschen mein eigen genannt, da es in indien offenbar völlig selbstverständlich ist, seine ganze familie dazuzustellen, wenn man von einem touristen gebeten wird, ein foto von einem zu machen 🙂

sowiet indien für heute 😉 es gibt 1000 gründe nach indien zu fahren. mir fallen zumindest so viele ein!