Überleben im Cluburlaub: Der Individualist und der Einsame

Sehr schöne Kategorie, das. In jedem Cluburlaub trifft man den einen oder anderen Individualisten. Er ist, hm, einfach anders. Man erkennt ihn sofort, sei es an seiner leicht exzentrischen Kleidung oder daran, dass er sich abseits hält. Er hält sich von größeren Gruppierungen fern, ist kultiviert, liest Platon und macht sein Ding. Der Indivudalist verfügt in der Regel über Bildung und Humor und ist eine Bereicherung, da man mit ihm, wenn man abends zufällig mit ihm am Achtertisch landet, über viel mehr als den Golfabschlag an Loch 3 reden kann.

Auf den ersten Blick kann man ihn leicht mit der Kategorie Der Einsame verwechseln. Mit dem Unterschied, dass sich der Individualist freiwillig absondert, Der Einsame hingegen einsam kommt und meist einsam bleibt. Weil er das braucht oder weil man ihn nicht ertragen kann. Der Einsame tut einem manchmal leid, so dass man abends am Achtertisch besonders nett zu ihm ist. Und damit belohnt wird, dass er sich im Alleingang 2 Flaschen Wein reinpfeift, 2 Päckchen Zigaretten schlotet und einem detailliert seine gesamte Lebensgeschichte mit allen Höhen und Tiefen offenbart. Über Stunden.

Es gibt hier zuweil Überschneidungen mit Dem Club-Irren. Den muss man sich so vorstellen wie den Dorfidioten. Hier gibt es momentan 2. Der Club-Irre sieht meist sehr exzentrisch aus, man hält ihn zunächst für einen Individualisten, stellt jedoch zeitnah fest, dass er nicht alle Tassen im Schrank hat. Er trägt gerne bunte Hosen und individuelle Kopfbedeckungen. Mit ihm will man nicht wirklich am Tisch sitzen, weil er einem ganz, ganz merkwürdige Dinge erzählt, bei denen man nicht weiß ob man drüber lachen soll oder nicht. Zum Beispiel über seine Theorie, dass man bei einem Hammam-Besuch fremdgewaschen wird, vor allem, an welchen Körperstellen.

Wie schon Der Urlaubs-Familienvater, können sowohl Der Einsame als auch Der Clubirre zur Kategorie Der Aufreißer mutieren. Mitunter mit einer beachtlichen Trefferquote. Besonders amüsant ist dann die Beobachtung, wie der Clubirre an den Kategorien Highheel-Tante und Aerobic- Schnepfe herumgräbt, da ihn diese irrtümlicherweise für einen reichen, alleinstehenden, leicht exzentrischen Herren halten.

Der Aufreißer ist übrigens zu einer hohen Prozentzahl weiblich. Es ist erstaunlich, wie viele Allein- und in kleinen Gruppenreisende Schlampen es im Club gibt. Die bevölkern jeden Abend aufgebrezelt bis unter die Augenbrauen die Poolbar und gehen an alles, was auch nur ansatzweise männlich und allein ist. Letzteres ist kein Hindernis, denn begehrte Objekte sind auch Gatten, die nur mal eben kurz alleine sind. Es gibt Gerüchte, dass vor 2 Monaten ein seriöser Familienvater mittleren Alters kurz zur Toilette wollte und nie mehr zurückkehrte. Man munkelt, er sei das Sexspielzeug einer Gruppe Golferinnen aus Zürich geworden.

Überleben im Cluburlaub: erziehungsfreie Pestbeulen

Aus gegebenem Anlass folgt nun eine Zusatzkategorie, die erziehungsfreie Pestbeule: „Oooohhhhnee, ooo-hoooo-ne, ooooohneee hab ich gesagt!“ schallt es vom Mittagsbuffet zu uns herüber. Kurzer Blick über die Schulter: ein etwa 9-jähriger Rotzlöffel lehnt am Hamburgergrill und erteilt dem netten Türken hinter dem Grill feldwebelmäßig Anweisungen, dass es ohne Zwiebel, Tomaten, Soße und alles sein soll. Ohne Bitte ohne Danke, einfach nur unfreundlich. Der nette Türke entschuldigt sich und legt einen neuen Hamburger auf den Grill. Der Gatte, sichtlich not amused über den Ton des jungen Mannes, schlendert zu ihm, beugt sich zu ihm herab und flüstert ihm ins Ohr: „Freundlich, bitte!“ Verständnisloser Blick seitens des Jungen.

Kurze Zeit später am Pool: ein Mädchen will nicht aus dem Wasser. Mutter versucht freundlich lange Zeit alles Mögliche. „Marie-Clare-Emma-Luise, würdest du bitte jetzt aus dem Wasser kommen, Mami ist sonst gaaanz, gaaanz traurig!“ Kind ignoriert das geflissentlich. Als es schließlich nicht drumherum kommt, gehts los: Wutanfall, Zornesausbruch, wildes Beschimpfen der Mama, Sachen herumschmeiß. Deutschland, deine Kinder.

Eine Weiterentwicklung der kleinen, verzogenen Pestbeule ist der Jung-Teenager mit IPhone. Dieser ist im Club in Gruppen anzutreffen, meist trohnt eine Bienenkönigin in der Mitte, umgeben vom Fußvolk, und keiner spricht. Warum? Das ist out. Stattdessen schicken sich alle untereinander Nachrichten aufs IPhone.

Und weil es hier so schön reinpasst, die Kategorie der Urlaubs-Familienvater. Dieser trägt tagsüber seine Brut auf dem Arm, wahlweise führt er sie an der Hand, gerne begleitet von der Kindsmutter, einem jungen Klon- Blondie in Ralph Lauren Sport Outfit. Irgendwie spürt man, dass er das zuhause eher selten tut. Dort ist Blondie nebst Brut mehrheitlich alleine zu Hause, während Paps von Meeting zu Meeting und ab und an von Zweitblondie zu Drittblondie düst. Nicht so im Urlaub, das wird alles nachgeholt! Paps watschelt hier im jugendlichen Outfit mit Baseballkappe verkehrtherum auf der Omme durch die Clubanlage und erklärt den Kids lautstark die Welt. „Siehst du, Ole, das dort drüben ist die Brottheke. Wollen Paps und Ole mal ein Brot holen gehen? Komm, Ole, jetzt gehen Paps und Ole mal pullern. Sollen wir den Pullermann mal rausholen?“

Abends, wenn Blondie und Nachkömmlinge schon schlafen, mutiert der Urlaubs-Familienvater zur Kategorie der Aufreißer und macht an der Clubbar einen los. Baggert, trinkt und tanzt Hiphop auf der Tanzfläche. Bevorzugte Sexpartner dieser Kategorie ist alles, was willig ist. Zu später Stunde entdeckt man ihn beim obligatorischen Cluburlaub-Resteficken.

Überleben im Cluburlaub: Die verhungerte Aerobic-Schnepfe

Diese Kategorie kommt im Club besonders häufig vor. Im engen Sportdress dominiert sie die Sporträume und erinnert stark an diese präparierten Dingens von dem Hagen. Die verhungerte Aerobic-Schnepfe cyclet, arobict, stept, joggt, fatburnt bis die Schwarte kracht. Ihr rigides Sportprogramm unterbricht sie nur, um mittags und abends ein paar Salatblätter und trockene Hähnchenbrust zu vertilgen und gleich darauf diese Kalorien wieder zu verbrennen. chaka! Es gibt sie in allen Haarfarben und Größen, sie ist abends meist teuer und schick gekleidet und schleppt überdimensionale Louis Vitton Handtaschen mit sich herum.

Die verhungerte Aerobic-Schnepfe mag tagsüber asketisch erscheinen, mit Einfall der Dämmerung verwandelt sie sich sehr gerne in die Kategorie Highheel-Tante, wahlweise Highheel- Schabracke. Auf 12 Zentimetern schleppt sie ihr minimalistisches Körpergewicht  nebst Riesen-Handtasche in den Speisesaal, lässt die Puppen fliegen, indem sie einen Mini-Nachtisch isst und verwandelt sich anschließend in die Kategorie Aufreißerin, vor der keiner sicher ist. Hier gibt es einige davon. Sobald man den Gatten zwecks Pipigang ein paar Minuten alleine am Tisch zurücklässt, schwupps wird er besetzt und man selbst nach der Rückkehr an den Tisch mit bösen Blicken traktiert.

Die verhungerte Aerobic-Schnepfe ist die natürliche Feindin der lustigen Wuchtbrumme und passt sexuell sehr gut zum Aufreißer, zum Urlaubs-Familienvater (nachdem Frau und Brut im Hotelzimmer entsorgt sind und Paps noch ein Bierchen trinken geht) und je später der Abend fortgeschritten ist, zu jedem männlichen Wesen, dass nicht bei 3 auf dem Baum ist.

Überleben im Cluburlaub: Die lustige Wuchtbrumme

Die lustige Wuchtbrumme hört man, bevor man sie sieht. Sie kündigt sich durch ihr unüberhörbares Lachen an-ihrem markantesten Kennzeichen. Die lustige Wuchtbrumme tritt meist in Gruppen auf. Gerne blond, aber auch brünett. Sie ist mollig, trägt tagsüber an Pool und Wasser lustige Palmenfrisuren und bunte Bikinis. Immer fröhlich und gut aufgelegt macht sie jede Begegnung zu einer lustigen Sache. Beim Aquajogging fällt ihr und ihren Gefährtinnen allerlei Unanständiges zur Schwimmnudel ein, beim Aerobic trampelt sie sich laut gackernd durch die Choreografi, als Liegennachbarin am Strand erfährt man von ihr nützliche Dinge wie etwa: “ Wenn da vorne die Tante aus dem Ruhrpott ins Wasser springt, ist das Becken leer.“

Die lustige Wuchtbrumme trinkt gerne über den Tag verteilt kleine Sektchen und alkoholische Getränke mit lustigen Namen. Daher ist sie, wenn man sie abends beim Essen sieht, angeschickert und noch lustiger. Sie erzählt dann Witze und lacht selbst am Lautesten darüber. Sport macht sie nur, damit sie mittags und abends am Buffet ne Extraportion Nachtisch essen kann. Ich liebe lustige Wuchtbrummen und suche beim Sport und am Strand gerne ihre Nähe. Diese Clubgattung ist die natürliche Feindin der verhungerten Aerobic-Schnepfe und des Sportfanatikers. Als Sexpartner eignet sich am besten der ebenfalls angereiste Gatte, der meist schlanker und schweigsamer ist und verschmitzt vor sich hinlächelt, wenn Sie mal wieder vom Leder zieht.

Grüße vom Vielfraß

Hey ho, meine lieben 🙂

Ich habe mir grad das IPad des Gatten geschnappt und lass euch mal ein paar Grüße aus der Türkei zukommen. Richtig schön hier, bin mich prima am erholen. Nach vielen Jahren wieder einen Cluburlaub zu machen, hat was von einer Feldforschung, man kann wunderbare Studien betreiben, und ihr könnt euch schon mal auf meinen Bericht: Überleben im Cluburlaub freuen 😉

Bis dahin werde ich noch 5 Tage von morgens bis abends futtern, Aquafit im Meer und Yoga auf dem Chill-Out Hügel am Meer machen, literweise Rotwein trinken, Bücher verschlingen, aufs Meer hinausschauen und die Seele baumeln lassen. Macht es juut und bis denne, eure Clubwolf

Husky-Safari in Finnland: Hundeliebe

ja, hundeliebe. nachdem es mir am vorabend gelungen war, meinen scheuen hessu dazu zu bringen, sich an mich drücken und durchkuscheln zu lassen, erwartete mich an diesem morgen eine überraschung. hessu begrüßte mich. zaghaft wippte seine buschige rute hin und her und er schaute mich lieb an, als ich auf der bildfläche erschien. er kam sogar auf mich zu und ließ sich vertrauensvoll streicheln. wow. mein herz machte ploff und hessu nahm einen großen platz darin ein. ich baute in den paar tagen eine starke bindung zu diesem wolfsgleichen hund auf und vermisse ihn immer noch.

 

 

 

stolz wie oskar schirrte ich mein hundegespann an und schippte schnell noch einen hundehaufen in die mülltüte. halt, habe ich euch schon davon erzählt? ne, hab ich glatt vergessen, oder besser: verdrängt. zum morgendlichen ritual gehörte nämlich auch, den hundeplatz vollständig von hundekot zu säubern. und 30 hunde machen von nachmittags um halb 4 bis morgens um 10 jede menge davon. also schnappt sich einer einen großen müllsack und 2 andere schippen die hundehaufen hinein. *brrrrrr würg* für menschen wie mich, die von natur aus mit einem schwachen magen gesegnet sind, ist das ein horror. aber, auch das gehört dazu und auch hier gilt: einer für alle, alle für einen. drum schippte ich und lernte einen weiteren, sehr nützlichen aspekt von sturmhauben kennen. fest über mund und nase gedrückt bekommt man zwar nicht so gut luft, dafür kübelt man aber auch nicht in den schnee. einige pragmatiker aus der gruppe fanden gegen ende sogar eine gewisse befriedigung in dieser tätigkeit: „das hat doch was befriedigendes, wenn ein haufen gefroren ist und man ihn mit einer schipp-ladung in den sack befördert!“ froh zu sein, bedarf es wenig. für mich war das allerdings der unangenehmste teil der huskytour.

an diesem tag erwartete uns schneetreiben und wind. die hunde kämpften auf den ungeschützten seeflächen dagegen an und ich staunte fasziniert einmal mehr über ihre unbändige kraft und willensstärke. unglaubliche tiere sind das!

 

 

als wir am nachmittag in unserer letzten hütte ankamen, waren wir allesamt ganz schön müde. die hunde rollten sich gleich in ihre schlafmulden. ich scheuchte meine vier noch einmal kurz auf und legte extrastroh in ihre mulden, worauf sie mich lieb anschauten.

ich freute mich an diesem abend ganz besonders auf die sauna und heizte gleich nach dem abschirren die 2 saunaöfen an. ich wollte die sauna an diesem abend so richtig heiß bekommen. eine der vielen dinge, die peter uns während der tour beigebracht hat, war, dass man einen saunaofen am effektivsten heiß bekommt, wenn man ihn mit vielen schmalen holzscheiten anheizt. und nicht, wie am ersten abend, mit dicken holzknüppeln, die nur mäßige hitze erzeugen, dafür nachhaltig sauna und alles drumherum zuqualmen. 1 stunde später saßen wir zufrieden schwitzend in der sauna und unsere müden knochen dankten es uns. annika und ich kühlten uns nach dem ersten saunagang, nur mit einem handtuch um die körpermitte, den dicken stiefeln an den füßen und einer wollmütze auf dem kopf, vor der sauna aus und beschlossen, ein paar schritte zu gehen. magisch zog es uns, wie immer, zu den hunden. die allerdings reagierten anders als erwartet auf unseren überraschungsbesuch. mit gesträubtem fell, bösem bellen, knurren und fletschen gaben sie uns unmissverständlich zu verstehen: „noch 1 schritt näher und es rappelt.“ annika und ich waren etwas geschockt und brachen unsere spontan-expedition unvermittelter dinge wieder ab. ob es an unserer bizarren bekleidung und der dunkelheit lag, oder ob sie einfach ihre ruhe haben wollten? ich vermute, von allem ein bisschen. na gut, dann eben wieder zurück in die sauna.

unsere letzte hütte war für mich die schönste von allen. sie wirkte älter als die anderen, bestand aus dicken, dunklen holzbalken und schien für die ewigkeit gebaut. und soooo gemütlich war sie. am abend waren wir alle ein wenig wehmütig, da wir wussten, dass es unser letzter abend in der wildnis war. am nächsten tag sollte es schon zurück zum basislager gehen. tja, da musste dann der rest der von mir mitgebrachten schnapsflasche dran glauben. der mir dann auch kurze zeit später eine tiefe nachtruhe bescherte.

Husky-Safari in Finnland: Tiefschneepflug

erster morgen in der wildnis. auch der start in den tag folgt bei dieser tour einem festen ritual. um 7 uhr steht der wildnisführer auf und lässt uns noch ein bisschen im schlafsack schnorcheln (danke, lieber peter), um halb acht kommt der weckruf. dann aber raus aus dem schlafsack und hinaus in den tag. erstmal öfen anheizen und wieder wasser für die morgendliche hundesuppe erhitzen. dann, nach bedarf, eine kurze waschung mit der waschschüssel. und dann sind die lieben hundis dran, die sich draußen aus ihren schlafmulden erheben, sich strecken, bisschen jaulen und auf ihr frühstück warten. ein allmorgendliches phänomen für die gruppe: schlafen die hunde tatsächlich bei diesen temperaturen draußen im schnee? ja, sie tun es. ganz zufrieden. in den schneemulden liegt etwas stroh und am morgen sind die mulden durch die körpertemperatur der hunde immer etwas tiefer. an manchen morgen waren die hunde mit einer dünnen schneeschicht bedeckt.

guten morgen, sonnenschein! (im vordergrund meine 3 hunde pekkah, yucca und macarena)

ich war ab dem 2. tag bei der morgendlichen hundefütterung nicht dabei, da ich zur eier-speckbraterin der gruppe avancierte. so konnte ich noch bisschen länger in der warmen stube bleiben. nach der hundefütterung kam die hungrige menschengruppe zurück und wir aßen alle beachtliche mengen zum frühstück. peter achtete penibel darauf, dass wir alle ausreichend und regelmäßig aßen. er hatte erfahrung mit gruppenteilnehmern, die auf ihre linie zu achten meinten und erlebte stattliche männer, die ihm entkräftet vom schlitten kippten. die kälte und körperliche anstrengung fordert ihren tribut, ausreichend essen und trinken hilft! nach dem frühstück wurde gepackt, was bei den wenigen dingen recht schnell ging, die hütte wurde für die nächste gruppe sauber gemacht, die schlitten beladen und dann die hunde angeschirrt und eingespannt. das einspannen war eine spaßige angelegenheit. denn es gab hunde in der gruppe, die sich problemlos anschirren ließen und freiwillig kopf und vorderläufe durch das geschirr steckten. ich hatte 2 davon in meiner gruppe, hessu und yucca. andere hunde widerum waren da etwas widerspenstiger und machten sich steif, warfen sich hin und flutschten einem immer wieder durch die hände wie ein stück schmierseife. sehr lustig, das ganze. auch davon hatte ich 2 in der gruppe. meine macarena stand zwar brav da wie ein lamm, machte aber die vorderläufe so strack, das ich sie manuell umknicken musste, um sie durch das geschirr zu schieben. wenn ich die spannung kurz nachließ, machte es zurr und der lauf war wieder strack. pekkah hingegen schmiss sich mit seinem ganzen gewicht auf die pfote, die ich gerade durch das geschirr stecken wollte. völlig entspannt lag er da, schwer wie ein betonklotz und ließ sich von mir hoch- und umschichten *ächz*

freiwilliges anschirren

anschirren mit widerstand

aber wir schafften es jedesmal, die hunde alle vor den schlitten zu bekommen und gegen 10 uhr standen alle bereit zur abfahrt. die hunde voller kraft und ungeduld, wir voller vorfreude und aufregung. tatsächlich ist dieser „start“ eine der schönsten dinge an der safari. es herrscht solch eine aufbruchstimmung und gebelle und gejaule, dass es ansteckend ist. das gespann hinter mir gehörte unserem youngster der gruppe. er hatte das glück, 4 rabauken im gespann zu haben. es war das gespann, dass es schaffte, sich vor dem start, in der pause und während des laufens immer wieder im geschirr zu verheddern, sich rauszuziehen und die leithunde hatten eine beeindruckende dominanznummer am laufen. hierbei schmiss sich die leithündin auf den rücken, stemmte ihre vorderpfoten gegen den hals des leitrüden neben ihr und machte todesgeräusche. „hallo???? sieht hier jemand, dass ich gleich totgebissen werde? kann hier jemand mal eingreifen?“ peter klärte uns jedoch darüber auf, dass das nur show sei, die hunde wären da ganz gut drin. na, entzückend. ihr glaubt nicht, dass sich hunde durch das geschirr ziehen können?

sie können!

und hier die rabaukenbande meines hintermanns

der leitrüde auf dem bild (links) beherrschte ein perfektes „aa-waaa-waa-waaa“, das sich anhörte wie das klagen an der klagemauer. herrlich, ich musste mich jedesmal kaputtlachen. der hund hinten rechts, rambla, war eine kleine pest auf 4 pfoten. ein echter gauner, der es schaffte, sich sogar während des laufens vom karabinerhaken zu lösen und ein heilloses durcheinander zu veranstalten. hört sich schrecklich an, aber alle liebten rambla. man konnte ihm einfach nicht ernsthaft böse sein. aber jetzt zurück zum morgendlichen start. sobald man den fuß von der bremse nahm und die hunde losstürmten, spannte die seele ihre flügel aus und alles war gut. ich dachte immer mal: „gibt es was schöneres?“ sicher tut es das, ich weiß, aber es gab momente während der tour, in denen man dachte, es gibt nichts, das schöner ist.

hier ein etwas verwackelter versuch, einen start zu dokumentieren:

wir hatten an diesem zweiten tag großes glück mit dem wetter. unter strahlend blauem himmel brausten wir über ebenso strahlend weißen schnee und freuten uns des lebens.

kurz vor mittag durften wir bei sahnewetter einen blick auf die hügel des nationalparks „ich -bin-ein-nationalpark-mit-einem-unaussprechlichen-finnischen-namen“ werfen und kamen aus dem staunen nicht mehr heraus. lappland ist wirklich ein wunderschönes stückchen erde.

was für ein prachtvoller tag! nach einer esstechnisch äußerst befriedigenden mittagsrast fuhren wir zeitweilig durch anspruchsvolles gelände, dass unsere beinmuskulatur auf eine harte probe stellte. es gab etliche knifflige kurven mit steigungen und gefälle zu meistern und ich meine mich zu erinnern, dass ein jeder in der gruppe seinen schlitten an diesem nachmittag in den tiefschnee manövrierte. ich dummerweise in einer steigung. als ich abstieg, um den festgefahrenen schlitten anzustoßen, löste er sich mit einem unerwarteten ruck, die hunde rasten natürlich gleich los, und ich hatte keine chance mehr aufzuspringen. wie war das noch, „niemals den schlitten loslassen?“ , ja, genau, also krallte ich mich am griff fest und fuhr ein wenig auf den knien hinterher. als die hunde an fahrt gewannen, glitt ich auf den bauch und schleifte hinterher. das muss sehr, sehr lustig ausgesehen haben. für meinen hintermann. für mich war es nur mittellustig, da ich richtig schiss hatte, dass mir der schlitten durchgeht, und zwar ohne mich. meine hundis drehten sich mehrfach um, schielten um den schlitten herum und bedachten mich mit einem amüsierten blick. ich schwöre, ich habe in ihren augen schadenfreude gesehen. „halt doch aaaaaan!“ brüllte ich meiner vorderfrau zu. erst als sie anhielt, bremsten glücklicherweise auch meine hunde und meine vorderfrau bekam sie am halsband zu fassen, so dass ich wieder aufsteigen und weiterfahren konnte. ich konnte nicht anders, als den rest der fahrt vor mich hinzugrinsen. in meine sturmhaube hinein 😉

der nachmittag barg noch mehr überraschungen und ich verbuchte ihn am ende als unseren persönlichen idiotentag. „wir sind gleich an der hütte,“ verkündete peter, „seid vorsichtig, die einfahrt ist diesmal kompliziert!“ und schon kam eine eindrucksvolle rechtskurve. das nächste, woran ich mich erinnere, ist die schmale birke, gegen die mein schlitten krachte und sich komplett festfuhr *räusper*. ich drehte mich rasch um, um meinen hintermann zu warnen, was ich allerdings zu sehen bekam, war ein unbemannter schlitten mit 4 froh aussehenden huskys, der um die kurve schoss 😉 😉 😉

das war der nachmittag, der uns abends bei kerzenschein viel gesprächsstoff bot. wir verbrachten die nacht in einer geräumigen hütte, in der peter uns ein so vorzügliches abendessen auftischte, dass wir es kaum fassen konnten. wenn peter nicht mehr wildnisführer sein will, kann er ein restaurant aufmachen! die nacht war ein wenig durchwachsen, da wir diesmal alle in einem raum schliefen. für mich war das schnarchtechnisch etwas schwierig. ich lag direkt neben dem göttergatten, der friedlich vor sich hinschnarchte (wie der rest der männer auch) und nervte ihn die halbe nacht mit aufforderungen, sich umzudrehen, mit dem scnarchen aufzuhören usw. am nächsten morgen sah ich mich mit dem unmut der männlichen grupenteilnehmer konfrontiert, die sich darüber beschwerten, ich hätte sie die ganze nacht mit meinem gebrabbel genervt und außerdem hätte absolut niemand geschnarcht. ungerecht, jawoll. die haben geschnarcht. aber solche begebenheiten machen nicht wirklich was, gehört dazu! wenn der morgen erwacht, ist alles wieder gut.

und hier noch, auf wunsch einer leserin, ein paar bilder von pekkah. sanni, für dich!

Huskytour in Finnland: Back to the roots

„uiuiuiuiuiui, iiiiist das schnell!!!“ flitzte es mir durch den kopf, als mein schlitten an dritter position losschoss. genau in dem moment, als ich von der bremse trat und mich beidseitig auf die schlittenkufen stellte. „zzzzzzzzzzzt!“ und weg war ich. ein absolut irres gefühl! meine vier huskies schmissen sich ins geschirr, die zugseile spannten sich und die hundis galoppierten los und zogen an wie 4 bullen. verrückt, so etwas hatte ich noch nie erlebt. federleicht sauste mein schlitten über eine schneeweiße decke hinterher. und weiter ging es, um ein paar kurven, raus aus dem camp und gleich hinauf auf den ersten see. finnland besteht überwiegend aus seen, die im winter gefroren sind und per schlitten, snowmobil und langlaufskier überquert werden. eine endlos anmutende, weiße fläche erstreckt sich um einen, am schier grenzenlosen horizont schneebedeckte bäume, alles umspannt von einem tiefblauen, strahlenden himmel. so hatte ich mir das vorgestellt. was für eine pracht! man kommt aus dem staunen nicht mehr heraus!

mein schlitten sauste dem munter dahingaloppierenden hundegespann hinterher, mein blick schweifte über die landschaft und innerhalb von 5 minuten hatte sich ein glücksgefühl in mir ausgebreitet, dass mich die ganze tour hinweg nicht mehr verließ. ich habe in meinem leben bisher nicht viel schöneres getan!

erstaunt und erfreut gleichermaßen stellte ich fest, dass es deutlich einfacher war, auf dem schlitten zu stehen, als ich angenommen hatte. so konnte ich mich ganz auf meine hunde konzentrieren, an denen ich mich gar nicht sattsehen konnte. meine hunde waren hochmotiviert und sehr schnell. bis zum letzten tag, an dem sie gegen ende dann doch müde wurden, waren sie das schnellste gespann. sie legten eine enorme lauffreude an den tag und drehten sich vorwurfsvoll nach mir um, wenn ich sie wieder mal ausbremsen musste. alle vier. vier vorwurfsvolle hundegesichter, die mich dann über die schulter hinweg anschauten: „WAS soll das???“ schienen sie zu fragen. ich dachte immer wieder, wenn ich sie laufen lassen würde, wie sie wollten, würden sie vermutlich bis nach texas laufen. macarena, meine leithündin, galoppierte konstant und motiviert neben yucca, dem zweiten leithund. macarena war die motivationstrainerin meiner viererbande. immer motiviert, immer gut gelaunt, liebes wesen, plan im kopf. sie lief und lief und lief und wenn wir mittags pause machten und abends ausspannten. rollte sie sich sofort in ihre schlafmulde zusammen und schlief. macarena bestand nur aus muskeln, faszinierend! sie war die schmusebacke in meiner truppe und gab pfötchen, beide nacheinander.

macarena

neben macarena lief yucca, der zweite leithund. yucca war noch jung, etwa 1 1/2 jahre und war ein hübscher kerl. auch er lief mit hochdruck vorneweg. yucca war noch ein bisschen verspielt und nach getaner arbeit machte er ab und an anstalten, mit mir spielen zu wollen. was ihm dann doch nicht ganz geheuer war, so dass er lieber mit pekkah spielte.

yucca

yucca und macarena waren ein herz und eine seele. sie waren so herzig miteinander, dass es einem ans herz ging.

hinter den beiden liefen nebeneinander hessu und pekkha, 2 kräftige rüden. die beiden waren eine echte bank. pekkha war ein bulle von hund. er war derjenige im gespann, der niemals galoppierte, sondern nur trabte. wie eine dampfmaschine trabte und zog er, was ging. vom charakter her war pekkha der kumpeltyp. man kann ihn sich gut mit paar kumpels im irish pub vorstellen, ein guiness vor sich, ein mädel auf dem schoß, bester laune. anfassen ließ sich pekkha nicht so gerne. er wich mir aus und ließ sich nur im duld-modus streicheln. ein bildschöner kerl ist er, der pekkha.

pekkha

der vierte im bund war hessu. der wolf. hessu war derjenige, an den ich komplett mein herz verlor. er war der wölfischste von allen, bildschön und vom wesen her eine herausforderung. die ersten 2 tage ließ er sich außer beim an- und ausschirren nicht anfassen, wich vor mir zurück. am dritten tag wurde er langsam zutraulich und ließ sich streicheln. am vierten tag begrüßte er mich in der früh zaghaft wedelnd und freundlich guckend. von da an ließ er sich knuddeln, zurückhaltend zwar, aber gerne. am letzten tag bekam ich zur belohnung dann seine pfote. gleich mehrfach. hessu hätte ich am liebsten in meinen koffer gepackt. ich vermisse ihn heftig.

hessu

und hier nochmal alle vier

hatte ich eben geschrieben, schlittenfahren sei einfach? das gilt nur für die geraden, flachen teilabschnitte auf den seen. sobald man in den wald hineinfährt, ändert sich das schlagartig. das gelände ist nämlich ganz schön anspruchsvoll. es geht bergauf, bergab, alles voller kurven, hubbeln, und überall lauert beidseitig des schmalen weges tiefschnee und bäume. und das ganze bei hohem tempo. ganz schön kniffelig! es erfordert eine gute balance, konstante konzentration und auch kraft. man fährt lange abschnitte nur mit einem bein auf der kufe, das andere bremst. auch muss man den körper abwechselnd nach links und rechts lehnen, je nachdem, welche richtung die nächste kurve nimmt. die kombination abwärts-hubbelig-kurve verlangt einem ganz schön was ab, mein lieber mann! der schlitten fängt immer wieder an, gefährlich in seitwärtslage zu gehen, man droht das gleichgewicht zu verlieren und sieht sich schon vom schlitten fliegen. schnell hat man den schlitten im tiefschnee geparkt oder macht einen unfreiwilligen abgang.

„idealerweise nie den schlitten loslassen!“ hatte uns peter bei der einweisung eingeschärft. „wenn ihr fallt, bei hintermann aufspringen und mitfahren. wenn euer hintermann fällt, versucht den schlitten hinter euch einzufangen, indem ihr mit einem fuß auf die bremse des fliehenden schlittens geht oder greift ins hundegeschirr! und nie mit eurem schlitten den vordermann überholen. das mögen die hunde nicht. das gibt krach.“ aha. in den fünf tagen passierte von allem etwas. wir lernten: ein moment der unachtsamkeit, des konzentrationsverlustes und schon hatte man den salat. aber dazu später. zunächst meisterten wir unsere erste tagesetappe bis zur mittagspause bravourös. keiner fiel vom schlitten, keiner überholte den anderen, kein hundegespann brannte durch. wir lernten, bergab zu bremsen und machten die wunderbare erfahrung, dass sich die hunde bei jeder steigung nach dir umdrehen, eindeutig vorwurfsvoll und dir signalisieren: „los, schieb!“ dann bleibt man mit einem fuß auf der kufe und der andere schiebt mit, wie beim rollerfahren. wenn es zu steil wird, muss man auch mal absteigen und kräftig nachschieben.

unsere erste mittagspause in der wildnis. nun weiß ich, warum es wildnisführer und nicht reiseleiter heißt. die guides machen tatsächlich eine ausbildung zum wildnisführer. dort lernst du alles, was du dazu brauchst. zum beispiel, mit nichts als feuerholz im freien eine leckere mahlzeit zuzubereiten. wir lernten, dass alle mithelfen. bei allem. beim feuermachen, beim sachen schleppen, beim hundefüttern in der pause. das am baumfestmachen übernahm peter, sicher ist sicher, und auch das kochen war seine sache. und davon verstand er was. am ersten mittag gab es dünne rentiersteaks, mit käse und rentierschinken überbacken, im fladenbrot und heißen tee. leckerschmecker.

derart gestärkt ging es weiter des weges. ich muss schon sagen: das ist eine großartige sache, mit einem hundegespann durch diese grandiose landschaft zu sausen, um dich die stille, über dir der blaue himmel, fantastisch ist das. am nachmittag gegen 3 trafen wir an unserer ersten hütte ein. wie wunderschön! ich kam mir vor, wie in einem märchen. so hatte ich mir das vorgestellt, eine urige holzhütte am see.

peter machte uns mit dem ablauf bekannt, den wir in den nächsten tagen beibehalten sollten und der, trotz der ungewohnten, körperlichen anstrengung, zufriedenheit und ruhe gibt: hunde abschirren und am schlafplatz anketten. schlitten sichern. entladen, alles ins haus und den schuppen schleppen. in der hütte den kamin, den ofen und in der sauna den saunaofen und den wasserofen anheizen. vorher holz hacken. wasser aus dem see holen, wasserofen füllen, damit man wasser für die hundesuppe und zum waschen und abspülen hat. tiefgefrorenes hundefutterfleisch in stücke hacken. jaaaaa, ihr lieben, so geht das. nix fließend wasser und strom. selbermachen. und gekackt und gepipit wird im plumpsklo um die ecke. auch nachts bei minus 20 grad. back to the roots!

schlafplatz der hunde

hundefleisch hacken 

hundesuppe

wasser holen

nachdem alle öfen brannten, das holz, auch für den die mittagspause am nächsten tag und das fleisch für die hundesuppe und hundehauptmahlzeit gehackt war und das wasser im wasserofen vor sich hin erhitzte, gab es tee und kuchen für die fleißigen schlittenfahrer. direkt im anschluss bekommen die hunde ihre hundesuppe. das hundefüttern macht riesigen spaß, da standen immer alle gewehr bei fuß, das ließ sich keiner nehmen. nach der ersten hundefütterung machte sich peter ans abendessen, während wir uns n der sauna die müden knochen wärmten und uns wuschen und danach bekamen die hunde ihre zweite mahlzeit, die hauptmahlzeit. erst dann gab es für uns abendessen. peter war ein sehr guter koch. majmmo, was der uns so alles auf den tisch zauberte. und wir aßen wie die scheunendrescher. ich habe es tatsächlich geschafft, 2 kilo zuzunehmen, trotz der ackerei.

so war er, der erste tag. wunderbar, wunderbar. als wir alle mit gut gefülltem bauch bei kerzenschein in der mollig warmen hütte vor knisterndem kaminfeuer saßen, draußen stille, unterbrochen vom jaulen der hunde, breitete sich wohlige zufriedenheit in uns aus. und große müdigkeit. die hütten waren in der regel mit gemeinschafts-schlafplätzen ausgestattet. alle mann im gleichen raum. bei 4 schnarchenden männern in der gruppe war das die wahre herausforderung der tour. bis auf einmal schafften wir frauen es aber, auszuweichen, in irgendwelche kammern, saunen usw. in dieser, ersten nacht kam ich in den luxus einer separaten, wenn auch ungeheizten schlafkammer, in die ich mich schon früh mit meinem antarktis-schlafsack verdrückte. was soll ich sagen! ich kuschelte mich wie eine mumie hinein, lauschte noch kurz dem geheul der hunde und glitt in einen tiefen schlaf. den tiefsten seit 2 jahren. ist das zu glauben?

Husky-Safari in Finnland: Es geht lo-o-s!

am nächsten morgen klingelte um 7 unser wecker. in der hütte herrschte schon rege betriebsamkeit und die ami-gruppe wuselte schnatternd umher und packte um und packte um und packte um…

wir nutzten die gunst der stunde, nahmen die gemeinschaftsdusche in beschlag und machten uns dann zum frühstück auf. am vorabend erfuhren wir beim einchecken, dass um 8 uhr frühstück mit der gruppe und um 8.15 uhr treffen mit dem guide angesagt war.

vor der hütte erwartete uns eine unerwartete überraschung. ich sag nur: typisch lappland. sieht man unterwegs öfters mal!

unsere gruppe, die wir beim frühstück antrafen, war mindestens so aufgeregt wie wir. vor allem ich war superaufgeregt, kenne ich an mir in dem maße gar nicht so. am reichgedeckten, ultraleckeren frühstücksbuffet herrschte ein wenig schlacht-stimmung. ich bekam zwar keinen ellbogen in die rippen, aber es war kurz davor. ich war wohl nicht die einzige, die aufgeregt war. nach und nach stießen die guides zu den truppen. ein lustiges völkchen. fast alle mit originellen zipfelmützen, was in lappland generell ein markenzeichen ist. kurz vor halb neun kam peter, unser guide, an unseren tisch – ohne zipfelmütze. auch er machte auf anhieb einen sympathischen eindruck, ein eher ruhiger, kompetent wirkender zeitgenosse anfang 40. wir schauten ihn erwartungsvoll mit großen augen an, als wäre er gekommen, uns die botschaft zu überbringen. nun, seine botschaft bestand darin, uns zu sagen, dass wir nur so viel gepäck auf die 5-tägige safari mitnehmen könnten, wie in den schwarzen sack passt, der uns am vorabend mit dem equipment ausgehändigt wurde. in den sack, in dem wohlgemerkt schon ein riesiger schlafsack steckte und der mit diesem inhalt vollständig ausgefüllt zu sein schien.

wie jetzt ?????

wir schauten alle etwas geschockt aus der wäsche und fragten uns, warum wir solche unmengen an scheinbar unnützem zeug mitgeschleppt hatten und wie, in gottes namen, wir 5 tage lang mit 1 paar socken, der einen oder anderen unterhose, ein bisschen waschzeug, 1 handtuch und ein klein wenig mehr auskommen sollten 😯

wir handelten ein wenig mit peter herum und einigten uns schließlich auf einen kleinen tagesrucksack pro person, den wir als zusatzgepäck mitnehmen durften. wir machten halb 10 als treffpunkt am huskytor aus und eilten mit entschlossenen mienen in unsere hütte. in der die amis immer noch am umpacken waren. nun verstand ich auch, warum. es war in der tat eine herausforderung, sein packhäufchen auf das nötigste zu reduzieren und den rest zurückzulassen. in meinem fall bestand das häufchen aus: 5 unterhosen, 1 satz funktionsunterwäche zum wechseln, 1 handtuch, 1 skiunterwäschegarnitur zum schlafen, 1 paar extra-wollsocken, 1 sweatshirt, 1 extra-fleece, 1 paar dünne extra-fingerhandschuhe, feuchttücher, 2 t-shirts, 1 buch, 1 kartenspiel, eine kopflampe, brille, schneebrille, müsliriegel, ein bisschen waschzeug in kleinen tuben, das wars. tatsächlich stellte ich während der safari fest, dass ich die t-shirts und das sweat-shirt nicht gebraucht hätte, das buch und kartenspiel auch nicht (abends zu müde dafür), dass man nach eintreffen in der hütte und getaner arbeit durchaus 5 tage in nur 1 garnitur skiunterwäsche (die mit der zeit eine stolze zahl an flecken bekam) über die runden kommen kann und dass man tagsüber ohnehin den rest der klamotten am körper hat. ob wir gestunken haben? keine ahnung. ich vermute aber mal: ja!

ich muss gestehen, dass ich so aufgeregt war, wie seit ewigkeiten nicht mehr. ich war kurz davor, an der gardinenstange hochzuklettern und musste gefühlte 100 mal pipi, bevor wir die hütte verließen. pünktlich halb 10 standen wir am huskytor.

und betraten durch dieses ein bislang unbekanntes reich: das reich der schlittenhunde. für mich eine wunderwelt. das terrain, auf dem die schlittenhunde untergebracht sind, ist sehr groß und besteht aus zahlreichen gehegen, zwingern und freihstehenden hütten. überall sind huskys. überall. sie springen in den zwingern herum, stehen, liegen und sitzen auf ihren hütten, toben herum, springen ans gitter und alle machen eins:

a-huuuu-uuuuu! a-huuu-huuu-uuuu! 

dieses typische heulen geht einem durch mark und bein und wird einem so vertraut, dass ich es immer noch vermisse. daher habe ich es vor ort aufgezeichnet. hört selbst:

wie im delirium stiefelten wir an den gehegen vorbei, starrten die hunde an und waren erstmal völlig baff. bis peter uns aufforderte, ihm beim rausholen unserer hunde zu helfen und sie schon mal zum anschirrplatz zu bringen. eine gute gelegenheit, die eigene unsicherheit zu überwinden und sich schon mal an den kontakt mit den hunden zu gewöhnen. das war ein spaß! wenn man einen der zwinger öffnete, wollten in der regel alle raus. viele schafften es auch, wie ein stück seife an einem vorbeizuwitschen und dann munter durch das camp zu rasen, verfolgt von einer meute husky-jäger. sie ließen sich aber nach einer weile problemlos wieder einfangen. manche hunde konnte man problemlos im zwinger fassen, und mit der linken am halsband auf den hinterbeinen zum anschirrplatz bringen. ein echter hundetanz ist das. andere hunde reagierten sehr zurückhaltend und versteckten sich in der hütte oder wichen in eine zwingerecke zurück. wir lernten bei diesem ersten huskykontakt unsere zweitwichtigste lektion: jeder husky ist anders und jeder ist für sich ein ganz eigener charakter und eine ganz eigene persönlichkeit. und zwar eine ganz und gar wunderbare persönlichkeit.

nach etwa 1 stunde waren wir soweit. 4 hunde pro schlitten waren am anschirrplatz an der kette und harrten der dinge. jeder auf seine art. ein gespann fiel durch entspanntes, freundliches warten auf, eins durch chaos (jaulen, bellen, kämpfen), einige waren nervös, andere eher unbeteiligt – ganz schön spannend! ich stellte mit großer erleichterung und freude fest, dass mir das ruhige, freundliche gespann zugeteilt wurde. was für ein glück! ich nahm sogleich kontakt auf und stellte fest, dass meine zwei leithunde schmusig waren, die anderen 2, 2 stattliche rüde, eher scheu und erstmal nicht auf körperkontakt aus. peter erklärte uns, wie man den schlitten fährt. und hier lernten wir die wichtigste lektion der tour kennen: jeder schlitten hat eine bremse. die bremse ist dein bester freund. wenn du sie nicht sachgemäß benutzt, fällst du vom schlitten und dein gespann rennt bis nach texas. ohne dich. man bremst mit einem fuß vor jeder kurve, bei jedem gefälle und überhaupt sehr oft, und wenn man den schlitten anhält, müssen beide füße auf der bremse stehen. und zwar fest. sonst macht der fahrer plumps.

wir bekamen eine einweisung ins anschirren der hunde, was nicht so schwierig war, wie ich dachte, eine einweisung in die wichtigen handzeichen für stopp! langsam! go! hilfe! und kurze zeit später war es soweit: die ganze gruppe stand auf dem schlitten, die hunde stemmten sich ins geschirr, peter gab das handzeichen go! und los gings.

 

Husky-Safari in Finnland: Welcome to Finnland!

Welcome to finnland“ begrüßte uns eine ziemlich verpeilte, junge, finnische reiseleiterin, nachdem wir mit etwa 30 weiteren reisenden aus aller welt den reisebus am terminal 1 des flughafens kittilä bestiegen hatten. kittilä, so hieß unser zielflughafen in lappland, nord-finnland, etwa 200 km nördlich des polarkreises. der bisher nördlichste flughafen meines lebens. sehr, sehr, nördlich:

der bus sollte uns alle nach harriniva bringen. harriniva ist ein bekanntes wintersportzentrum in lappland und das basislager für unternehmungen rund um husky-safaris, rentier-safaris, snowmobil-safaris, schneewanderungen, skilanglauf, eisfischen, eisbaden, lauter abenteuer, die man im tiefen schnee machen kann! in unserem fall war es eine fünftägige husky-safari. im bus waren alle aufgeregt und schnatterten in kunterbuntem sprachengewirr durcheinander. aufgeregt ob des großen abenteures und der ungewissheit, was einen erwartete. unsere, wie schon gesagt, verpeilte, junge reiseleiterin, deren einzige aufgabe darin bestand, den bus samt insassen nach harriniva zu begleiten und mit basisinformationen zu versorgen, war mit dieser aufgabe völlig überfordert. in gruseligem englisch nuschelte sie etwas ins mikrofon, das keiner verstand. wir mutmaßten, dass sie uns eincheck-formulare fürs hotel samt schlüssel austeilen wollte. so hörte es sich zumindest an. so genau wusste das keiner, am ende hatten ein paar leute einen schlüssel, andere nicht. man erfuhr auch nicht, wie lange die busfahrt dauern und was uns am anderen ende erwarten würde. ihre spärlichen kommentare, wie etwa: „some of you will be in harriniva, some of you some other place.“ ergänzte sie konsequent mit anhängen, wie: „I guess“, oder „maybe.“ so schaffte sie es, uns alle während der fahrt vollständig zu verwirren, womit manche besser klar kamen als andere. aber, wie so oft, am ende ging alles gut. wir kamen dann tatsächlich nach 1 stunde in harriniva an, stiegen in die mittlerweile dunkle, tief verschneite, klirrend kalte, zauberhaft anmutende umgebung aus und wurden sofort mit unseren ersten polarlichtern belohnt. neongrün leuchtete es vom himmel, als hätte jemand grüne laser angeschaltet. völlig toll. fasziniert starrten wir nach oben. unsere reiseleiterin war klug, denn sie löste sich direkt nach der ankunft in luft auf. kluges mädchen 😉

vorher hatte sie uns aber noch verraten, dass wir gleich nach der ankunft unser „equipment“ abholen müssten. so stapften wir mit sack und pack in den equipment-store und bekamen unsere ausrüstung. unsere bestand in: jacke, hose, stiefel, strümpfe, handschuhe, sturmhaube, pelzmütze, schlafsack in schwarzem beutel. tief beeindruckt bestaunten wir uns gegenseitig bei der anprobe. wenn man das alles anhat, und man braucht es wirklich alles, sieht man aus wie ein monster aus der schneewüste. und man hat reelle etwa 10 und gefühlte 30 kilo an sich. allein die stiefel sind so schwer, dass man meint, die beine ohne fremdhilfe nicht bewegen zu können.

dann schleppten wir sack und pack und unsere beute in die uns zugewiesenen gemeinschaftshütten. in unserer waren noch einige amerikaner und 1 deutsche und noch paar engländer untergebracht. wir schmissen einfach alles in unsere schlafkammer und machten uns auf die suche nach unserem abendessen, da wir ganz schön ausgehungert waren. wow! ganz schön was los! dachte ich, als wir das haupthaus betraten. eine wunderbar rustikale, große holzhütte, in der menschen aus aller welt herumwuselten, teller mit leckerem essen in der hand, auf der suche nach ihrem tisch. unser tisch hieß nach dem uns zugeteilten gruppenleiter peter. und von ihm erfuhren wir auch am nächsten tag, dass es nicht gruppenleiter, sondern wildnisführer heißt. zu recht! peter war durch und durch wildnisführer. und das war auch gut so, denn schon am nächsten tag brachen wir in die wildnis auf und waren in den folgenden tag glücklich, einen so guten wildnisführer dabei zu haben! wir wären ohne ihn verhungert, verdurstet und hätten uns in der weiten, nordfinnischen wildnis auf ewig verloren 😉

ralph sollten wir jedoch erst am nächsten morgen zum frühstück kennenlernen, zunächst lernten wir unsere gruppe kennen. annika aus norddeutschland und helmut und tom aus österreich. helmut und tom waren vater und sohn, tom war 20. eine deutschsprachige gruppe mit deutschem wildnisführer, das war doch gar nicht schlecht! und wir waren uns auf anhieb alle sympathisch, das war noch besser, denn man ist auf solch einer safari ganz schön aufeinander angewiesen. umso besser, dass zwischen uns die chemie stimmte. wir teilten ein bisschen unsere aufregung und übergroße vorfreude miteinander, spähten die anderen tische und gruppen aus und als wir schließlich in unsere hütten gingen, war es schon ganz schön spät. ich dachte zuerst, ich würde vor lauter aufregung nicht einschlafen können, aber kaum lag ich im bett, fiel ich in tiefen schlaf. meine erste nacht in lappland. meine letzte nacht vor dem großen abenteuer!