Reitworkshop

hey, das war richtig gut gestern. ich war ja mächtig aufgeregt vor meiner 1. reitstunde seit gefühlten 100 jahren. aber ein bisschen aufregung schadet bekanntlich nie, dann konzentriert man sich auch besser!

lola stand auf der weide, als ich ankam und sah aus wie eine pottsau. wie schafft ein pferd es bloß, sich so einzusauen. sie hatte sich samt pferdedekce von kopf bis fuß im tau-matsch paniert. zufrieden dreckig schaute sie mich aus der mitte der koppel an. grrr. da half nur eins: abspritzen von kopf bis fuß, um mit einem auch nur halbwegs sauberen pferd zum unterricht zu erscheinen.

der reitlehrer, der den workshop anbot, war ein sehr netter mensch. ich erklärte ihm kurz meine anforderungen an die stunde sowie meine persönliche situation und bat ihn, mich nicht zu hart ranzunehmen. und dann gings los.

1 stramme stunde, die mir konditionsmäßig einiges abverlangte aber großen spaß machte. es ist schon ein unterschied ob man so gemütlich alleine vor sich hinjuckelt oder richtig mit dem pferd arbeitet. das merkte auch lola. sie wirkte ein wenig überrascht, als ich sie konstant antrieb und ebenso konstant am zügel arbeitete. aber – es klappte alles viel besser als ich vorab erwartet hatte. nach und nach kam die erinnerung aus meinem hinterstübchen und ich war froh zu merken, dass doch noch alles da war, was ich mal gelernt hatte. lola arbeitete fleißig mit, sie ist ein echtes schätzchen. munter trabte sie durch die halle und machte nach einer weile tatsächlich auch einen runden hals – was bei ihr sehr schwierig ist. reitlehrer und ich waren zufrieden. ich glaube, lola war es auch. ein paarmal gab ich von oben falsche oder nicht eindeutige befehle mit dem zügel und was machte mein pferd? dreht den kopf zu mir um und ihrem gesichtsausdruck nach sagte sie mir unmissverständlich:

„hey, was willst du?“

ein echtes schätzchen.

nach der stunde war ich platt wie ein turnschuh aber glücklich. lola ließ sich mit unmengen von möhrchen belohnen und es gab jede menge abschiedsküsschen auf die weiche, warme pferdenase.

bei uns scheint heute mächtig die sonne und so soll es die nächsten tage auch bleiben. so werde ich am dienstag nach langer zeit wieder in den wald reiten können – in begleitung des treuen hütehundes joschi 😉 , freu mich schon.

habt einen wunderschönen sonntag und geht bei dem prachtwetter mal vor die tür, eure katerwolf

Lampenfieber

ich werde gleich an einem reitworkshop teilnehmen und bin schon DODAAAL aufgeregt 🙄

wie ihr wisst, bin ich eine reit-wiedereinsteigerin. als langjährige, sehr aktive und sogar erfolgreiche reiterin habe ich diesen sport anfang 20 aus zeitmangel und interessenverlagerung (studieren und die kuh fliegen lassen in berlin) aufgegeben und seitdem, von ein paar wenigen urlaubsreiterlebnissen abgesehen, ruhen lassen. wie es mit alten leidenschaften aber so ist, besinnt man sich später ganz gerne auf diese. vor allem in situationen, in denen das leben wegen krankheit oder sonstigen schweren lebenskrisen plötzlich und unerwartet völlig aus den fugen gerät. dann sitzt man schweren herzens da und fragt sich händeringend:

„gibt es irgendetwas, das meinem leben wieder regenbogenfarben verleiht statt des tristen graus?“

und in ermangelung einer idee blickt man mental über die schulter in die vergangenheit und schickt eine frage dorthin:

gab es da mal etwas, vielleicht früher?“

in meinem fall passierte dies im januar vergangenen jahres, als ich mit der diagnose brustkrebs konfrontiert wurde und mein leben an diesem punkt plötzlich und unerwartet aus den fugen geriet. ich kramte mit bangem herzen in meiner fest verschlossenen erinnerungskiste, nachdem ich nach längerem suchen den schlüssel fand, den ich offensichtlich und längere zeit verlegt hatte und fand dort tatsächlich ein paar dinge, die mich anlachten und sagten:

„hey, schön, dass du mal wieder nach uns siehst. wir sind immer noch da und warten auf dich. lass uns spaß haben!“

eine davon war das reiten. im juni des gleichen jahres bot sich mir während meiner reha auf sylt die gelegenheit auszuprobieren, ob dieser wunsch wunschdenken bleiben oder realität werden sollte. nach 5 minuten auf dem pferderücken stand fest: das.ist.es. das glücksgefühl, das mich damals durchströmte, ist mir immer noch lieb im bewusstsein. unmittelbar nach meiner reha, im juli, machte ich mich in der umgebung auf die suche nach einer reitbeteiligung. das schicksal war der meinung, dass es genau der richtige zeitpunkt dafür war und schickte mir bereits nach ein paar tagen lola, eine erfahrene, charakterstarke, lustige und gut gelaunte, temperamentvolle stute. seitdem reite ich lola 2-3x die woche mit großer freude im gelände und neuerdings, wetterbedingt, überwiegend in der halle.

mit dem reiten ist es wie mit dem fahrradfahren, so richtig verlernen tut man es nicht. versucht man sich aber nach über 20 jahren pause wieder als dressurreiterin, merkt man doch, dass man vieles vergessen hat. aus diesem grund habe ich mich heute zu einem reitworkshop angemeldet und bin DODAAL aufgeregt. meine 1. reitstunde seit 20 jahren. ich fühle mich wie 12. habe muffe, dass ich mich a. blamiere, b. alles falsch mache und c. konditionsmäßig schlapp mache. ich glaube, das nennt man lampenfieber. jesses neee, bin ich aufgeregt. so, und jetzt ist es 12 und ich muss los, halali!