Lampenfieber

ich werde gleich an einem reitworkshop teilnehmen und bin schon DODAAAL aufgeregt 🙄

wie ihr wisst, bin ich eine reit-wiedereinsteigerin. als langjährige, sehr aktive und sogar erfolgreiche reiterin habe ich diesen sport anfang 20 aus zeitmangel und interessenverlagerung (studieren und die kuh fliegen lassen in berlin) aufgegeben und seitdem, von ein paar wenigen urlaubsreiterlebnissen abgesehen, ruhen lassen. wie es mit alten leidenschaften aber so ist, besinnt man sich später ganz gerne auf diese. vor allem in situationen, in denen das leben wegen krankheit oder sonstigen schweren lebenskrisen plötzlich und unerwartet völlig aus den fugen gerät. dann sitzt man schweren herzens da und fragt sich händeringend:

„gibt es irgendetwas, das meinem leben wieder regenbogenfarben verleiht statt des tristen graus?“

und in ermangelung einer idee blickt man mental über die schulter in die vergangenheit und schickt eine frage dorthin:

gab es da mal etwas, vielleicht früher?“

in meinem fall passierte dies im januar vergangenen jahres, als ich mit der diagnose brustkrebs konfrontiert wurde und mein leben an diesem punkt plötzlich und unerwartet aus den fugen geriet. ich kramte mit bangem herzen in meiner fest verschlossenen erinnerungskiste, nachdem ich nach längerem suchen den schlüssel fand, den ich offensichtlich und längere zeit verlegt hatte und fand dort tatsächlich ein paar dinge, die mich anlachten und sagten:

„hey, schön, dass du mal wieder nach uns siehst. wir sind immer noch da und warten auf dich. lass uns spaß haben!“

eine davon war das reiten. im juni des gleichen jahres bot sich mir während meiner reha auf sylt die gelegenheit auszuprobieren, ob dieser wunsch wunschdenken bleiben oder realität werden sollte. nach 5 minuten auf dem pferderücken stand fest: das.ist.es. das glücksgefühl, das mich damals durchströmte, ist mir immer noch lieb im bewusstsein. unmittelbar nach meiner reha, im juli, machte ich mich in der umgebung auf die suche nach einer reitbeteiligung. das schicksal war der meinung, dass es genau der richtige zeitpunkt dafür war und schickte mir bereits nach ein paar tagen lola, eine erfahrene, charakterstarke, lustige und gut gelaunte, temperamentvolle stute. seitdem reite ich lola 2-3x die woche mit großer freude im gelände und neuerdings, wetterbedingt, überwiegend in der halle.

mit dem reiten ist es wie mit dem fahrradfahren, so richtig verlernen tut man es nicht. versucht man sich aber nach über 20 jahren pause wieder als dressurreiterin, merkt man doch, dass man vieles vergessen hat. aus diesem grund habe ich mich heute zu einem reitworkshop angemeldet und bin DODAAL aufgeregt. meine 1. reitstunde seit 20 jahren. ich fühle mich wie 12. habe muffe, dass ich mich a. blamiere, b. alles falsch mache und c. konditionsmäßig schlapp mache. ich glaube, das nennt man lampenfieber. jesses neee, bin ich aufgeregt. so, und jetzt ist es 12 und ich muss los, halali!