Spinnenalarm

unser erster sommer im neuen haus am see liegt hinter uns. ein wunderschöner sommer. wir haben gestrichen, gewerkelt, blühende büsche gepflanzt, sind mit dem segelboot über das sonnige wasser gebraust und haben abends bei einer flasche wein und knusprigem grillgut zufrieden den sonnenuntergang bewundert. fernab von städten, inmitten einer wunderbar ursprünglichen natur haben wir auch die bekanntschaft mit so ziemlich allem, was fliegt und viele beine hat, gemacht. bienen, wespen, hornissen, hubschraubergroße libellen und eine fülle von unbekannten flugobjekten. gerüchte über tellergroße spinnen, die ihr unwesen treiben, habe ich als staatlich geprüfte spinnenphobikerin ausgeblendet. ganz nach dem prinzip: „was ich nicht sehe, gibt es auch nicht.“ punkt. das hat auch hervorragend geklappt. nicht eine müde spinne ist mir diesen sommer über den weg gelaufen. nur das eine oder andere verlassene spinnennetz.

bis gestern.

gestern wollten mein mann und ich eine spätsommerliche segel-abschiedstour auf dem see unternehmen. bevor das boot aus dem wasser kommt.

„mach schon mal den festmacher los!“ rief mir mein schatz gut gelaunt nach backbord rüber. ich schnappte mir den festmacher, hob ihn hoch und dort, wo er eben noch lag, entfaltete sich eine monsterspinne *flapp* . der große bruder von king kong. mit fettem körper und haarigen beinen. *KREEEEEIIIISCH* 

hysterisch schreiend hechtete ich nach steuerbord in richtung meines mannes, der gerade das großsegel enfaltete und mich verwundert anschaute. bevor ich ihm erklären konnte, warum ich so schrie, sah ich, wie sich aus dem segel heraus eine godzilla-große spinne abseilte. seelenruhig. *KREEEEEIIIISCH*  hyperventilierte ich und raste wie eine besessene nach hinten. so ging es ein weilchen hin und her. mein mann wagte es nicht, auch nur eine blöde bemerkung zu machen und verfrachtete beide spinnen heldenhaft über bord.

erst dann beruhigte ich mich so weit, dass ich nicht mehr von bord wollte und einwilligte, doch mitzusegeln. was soll ich sagen. kaum waren wir so weit vom steg weg, dass ich hätte draufspringen können, nahm das schicksal seinen lauf: so ziemlich aus allen ecken und enden kamen gefühlte heerscharen von spinnen herausgegekrochen und herabgeseilt. der wahr gewordene albtraum jedes spinnenphobikers. die viecher hatten sich nun, wo die tage und nächte kühler werden, gemütlich und warm auf dem schiff eingerichtet und waren nun aus ihrer müden ruhe gebracht. ich rastete fimreif aus. wie von satan besessen raste ich kreischend auf dem boot hin und her, fuchtelte mit den armen und schrie wie eine irre. zur großen belustigung zahlreicher, männlicher segler, die ihre boote zum segeln herrichteten und amüsiert dieses schauspiel beobachteten. arschgeigen. wie durch ein wunder ging ich nicht über bord. das hätte noch gefehlt!

dafür lösten sich meine ansonsten tierliebenden, tierschützenden instinkte von jetzt auf sofort in luft auf.

„töte sie. mach sie alle!“ schrie ich meinem mann zu, der innerhalb weniger sekunden eine ganze spinnenpopulation auslöschte. sorry, liebe spinnenfreunde unter euch, es gab defintiv keine möglichkeit, auf diesem engen raum, mit wind in den segeln, mit einem glas und einem blatt papier bewaffnet auf tiergerechte spinnenjagd zu gehen. außerdem hätte man bei der größe dieser monsterviecher einen eimer gebraucht.

mein puls und herzschlag beruhigten sich nach etwa 30 minuten so weit, dass ich, auf eine briefmarkengroße fläche, ganz vorne auf dem rumpf, gekauert, langsam wieder durchatmen konnte. der rest des segelausflugs ging spinnenfrei über die bühne. ich weiß nicht, ob alle ausgerottet oder aber zu eingeschüchtert waren, um auch nur ein spinnenbein aus der ritze zu strecken. jedenfalls bin ich froh, dass die segelsaison zu ende ist. und das haus am see nun in die winterpause geht. denn einer tatsache muss ich ins auge sehen: auch im holzhäuschen ist es nun spinnengercht warm und gemütlich. *brrrr*.