Die Wahrheit über Golfspielen

ich schreibe nicht oft darüber. aber ich spiele golf. schon seit 10 jahren. ich habe mal einen schnupperkurs gemacht und sofort feuer gefangen und seitdem spiele ich golf. golf ist wunderbar. golf ist grauenhaft. einer der beliebtesten sätze, die golfer so von sich geben, lautet: „ich.hasse.golf. scheißsport.“ gerne wird auch öffentlich und laut kundgetan: „ich schmeiße das scheißbag in den nächsten weiher.“ oder „warum tue ich mir das an? warum mache ich nicht etwas anderes, das mir spaß macht. zum beispiel synchronschwimmen.“ „ich höre auf.“

meistens spielt man schlecht, grübelt darüber nach, woran es liegen könnte, diskutiert darüber, findet immer einen grund, warum man schlecht spielt: „heute ist es sooo schwül.“ „wer soll bei dem wind denn was treffen.“ „mir tut mein arm (bein, fuß, kopf, hand) weh.“ „ich hatte heute stress auf der arbeit.“ „ich bin heute nicht in form, weil (die mutter krank ist, die oma krank ist, der vater krank ist, der hund krank ist)“. auf den vorderen plätzen auch: „mein golf-pro stellt gerade meine technik um und deshalb treffe ich derzeit keinen ball.“

so ist das. hört sich schrecklich an? ist es auch. aber dann. dann kommt immer wieder der tag, ach was, tag, die phase, wo es läuft wie geschnittenes brot. die abschläge surren schnurgerade bis zum horizont. man schlägt den zweiten ball butterweich aufs grün und puttet mit einem saftigen „plopp“ zum birdie oder par ein. und das grauen der vergangenheit ist sofort ausgelöscht. man ich glücklich. zutiefst glücklich. wie nur ein golfer, bei dem es gerade läuft, sein kann. man glaubt an sich. glaubt an sein talent und daran, dass es möglich ist, einstellig zu werden. beschwingt zieht man den schläger aus dem bag, stellt sich zum ball und „paff“ fliegt der kleine, weiße ball, es ist eine wonne. man geht mit einem breiten grinsen über den platz, hat man einen (schlechter spielenden) mitspieler oder trifft jemanden auf dem platz, lässt man ihn wohlwollend wissen: „mach dir nichts draus. du weißt doch, wie golf ist. mal läufts nicht, und dann geht es wieder. bloß nicht aufregen.“

derselbe golfspieler, der seinem mitspieler gerade noch oben stehende sätze zuteil werden ließ, verwandelt sich binnen nur weniger missglückter schläge in ein zunächst still-verbissenes, dann wütendes und schließlich frustriert-depressives wesen, das laut und deutlich kundtut: „ich.hasse.golf. warum tu ich mir diese scheiße bloß an. ich hör auf.“ während der nächsten schläge wird der ball in der regel verhalten bis laut (je nach impulskontrolle) beschimpft als: „flieg jetzt, du kleine, weiße sau.“ „geh jetzt ins loch, du arschloch.“ und bedroht: „wenn du jetzt nicht rein gehst, schmeiß ich dich in den weiher (busch, gestrüpp, schick dich nach uganda, schlag dich entzwei).“

einen höhepunkt bilden wettkämpfe. bei diesen wettkämpfen dreht sich alles darum, sein handicap zu verbessern (man sagt: sich runter- oder unterspielen). das gegenteil, was meistens der fall ist, heißt: sich raufspielen oder raufgehen. kurze erklärung: man muss auf 18 loch 36 punkte spielen, um sein handicap zu spielen. alles was besser ist, bedeutet eine unterspielung und eine verbesserung des handicaps. es gibt noch einen kleinen schonbereich, aber so ab 30 abwärts verschlechtert man sein handicap.

bei jedem wettkampf gibt es gewinner (helden) und verlierer (totale loser). so wie beim gestrigen 9-loch-feierabend-turnier. ich persönlich habe die schlechteste runde dieses jahres gespielt. weil mein golf-pro mich umstellt. mein hund durchfall hat. es zu windig war. zu heiß. ich habe meinen ball nach einer längeren, still-verbissenen phase als „arschloch“ beschimpft. damit gedroht, aufzuhören. kundgetan, mein bag nach dem turnier an ein land zu spenden, wo man golfbags und schläger quält (das golfbag-quälland). ja ja, nicht sehr sportlich, ich weiß. im vergleich zu einer meiner mitspielerinnen aber gar nichts. sie, über deren lippen nie auch nur das wort „scheiße“ kommt und die ihren ball immer mal als „esel“ beschimpft, ließ nach etwa 100 miserablen schlägen in folge klar und deutlich verlauten: „wichser. riesenwichser.“ aber das ist golf. das schönste am golfen ist sowieso die gesellige runde auf der clubterrasse, wenn man beherzt bei wein und noch mehr wein die golfrunde revue passieren lässt und herzhaft darüber lacht. wer das nicht kann, sollte vielleicht wirklich über synchronschwimmen nachdenken.

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Joggen mit Hund: Fortschritte von Katerwolf und Joschi

ich habe schon eine weile nichts mehr über mein lauftraining geschrieben, was aber nicht heißen soll, dass ich nicht mehr laufe. vielmehr mache ich richtig gute fortschritte. seit mir meine ärzte geraten haben, mindestens 3x die woche mindestens 40 minuten zu laufen, mache ich das auch, ohne wenn und aber. ich habe nun schon mehrfach von der positiven wirkung von ausdauersport auf den verlauf von brustkrebserkrankungen gehört. man weiß zwar noch nicht genau warum das so ist aber man weiß, dass es so ist. diese aussage habe ich bereits mehrfach gelesen, in der reha und von meinem gynäkologischen onkologen gehört. so soll es sogar eine postive auswirkung auf rezidive (rückfallerkrankung) geben. na, dann wollen wir doch mal, oder?

in den letzten 2 wochen bin ich dazu übergegangen, mich alle 2x etwas mehr zu fordern um die lauferei abwechselnd zu gestalten. so nehme ich immer mal ne längere steigung hinzu, lege gegen ende einen sprint ein oder laufe einfach mal länger. gestern habe ich meine bisherige bestleistung abelegt. nicht nur ich. joschi auch. joschi und ich mussten uns ja bekanntlich erst lauftechnisch zusammenraufen. mittlerweile haben wir aber einen guten kompromiss gefunden und es klappt immer besser. ich habe eine spezielle, elastische hundeleine, die an einem bauchgurt befestigt ist und am ende der leine befindet sich joschi. der das ganze als eine art abenteuer betrachtet. unser kompromiss besteht darin, dass ich zunächst gehe, bis er seine diversen geschäfte erledigt hat (was ziemlich schnell geht) und dann erst loslaufe. wenn es ihn unterwegs allzusehr drückt, bleibe ich stehen und lasse ihn machen, was auch immer er muss. er passt sich jedoch immer besser an und trabt munter mit nur sehr wenigen unterbrechungen mit. in der regel: im 1. drittel vorneweg, im 2. drittel seitlich und im letzten drittel hinterher, mit leichter spannung in der leine 😉

gestern sind wir eine echte mammutrunde gelaufen. ich war selbst völlig beeindruckt von uns. die strecke war ordentlich und die zeit von 50 minuten sagte mir, dass wir wohl ganz schön flott unterwegs waren. immer wenn ich mich im letzten drittel nach joschi umdrehte, musste ich grinsen, da joschi ein wenig mitgenommen aussah. er lief aber brav mit. am ende der strecke angekommen, ließ ich ihn von der leine, damit er noch ein bisschen in ruhe schnuppern konnte. er wollte aber nicht schnuppern, war zu müde. während ich mich an einem mächtigen baumstumpf dehnte, kam er angetrottet und schielte auf den baumstamm hoch. da krabbelte eine fette nackschnecke herum. und eh ich mich versah, sprang er mit einem satz hoch, schnappte sich die nacktschnecke, vertilgte sie hastig und legte sich gemütlich zu einem schläfchen hin. auf dem baumstumpf. aber wir haben es geschafft und heute nacht haben wir beide sehr gut und tief geschlafen.

Happy Birthday, schöne Iris

60 wird sie heute, die schöne iris berben und sieht aus wie ein jungbrunnen. sie sagt, es seien die gene. und wisst ihr was? ich glaube es ihr. und wenn sie lügt, ist es auch egal. sie ist und bleibt für mich ein hammerweib. wunderschön, klug, sexy und unkonventionell.

ich habe sie mal durch zufall getroffen. weihnachten 2009 auf einer skihütte in lech. ich betrat die völlig überfüllte skihütte (weil es dort eine geniale hühnersuppe gab) und mehr oder weniger sofort fiel mir eine frau ins auge, die seitlich im raum auf der umrandung eines kachelofens saß. da wusste ich noch nicht dass es die berben war. ich schaute die frau an wie von einem magneten angezogen und dachte mir nur: „wow, was für eine schönheit!“ sie hatte eine sehr kraftvolle und sinnliche ausstrahlung. ich hatte das gefühl, dass jeder sie anstarrte. während ich so neben ihr stand und auf einen sitzplatz wartete, sprach sie mich plötzlich von unten mit ihrer rauchigen stimme an: „entschuldigen sie, ich glaube, sie haben da etwas verloren“ und hielt mir meinen handschuh hin, der mir auf den boden gefallen war. und da erst erkannte ich sie. und starrte sie an wie eine lila kuh. aber das ist sie ja gewohnt. ich schaute mich nach meinem mann um und machte ihm unauffällig mit mund und augen signale: “ schau mal, die beeerbeeen sitzt hier.“

irgendwann hatten wir alle einen sitzplatz und hühnersuppe. sehr aufrecht und anmutig saß frau berben vor der ihren und aß sie unter hypnotischen gefühlten 100 augenpaaren. ich glaube, alle anwesenden männer waren völlig hin und weg und wenn sie gekonnt hätten, hätten sie mit röntgengeräten in ihren magen geschaut, wie die suppe dort landet.

„was für ein mordshammerweib“, meinte der meine. und ich glaube, da waren wir uns alle einig.

happy birthday, schöne iris und ob es nun die gene allein sind oder nicht, du bist ein mordshammerweib!

Meine ersten 2 Arbeitstage der Wiedereingliederung oder: Fred vom Jupiter

seit gestern arbeite ich wieder. nach fast 7 monaten pause. das ist echt VOLL SELTSAM. ich fühle mich wie fred vom jupiter. als ich gestern mit dem fahrrad zur arbeit fuhr, war ich völlig nervös und musste aufpassen, dass ich unterwegs nicht von irgendeinem auto plattgewalzt werde. auf halber strecke meldete sich meine neue innere stimme und sagte:

„hey baby, nach dem, was du die letzten monate hinter dich gebracht hast, ist DAS hier ein klacks.“

danach war ich ruhiger. das sind so diese momente, die ich seit einigen wochen immer wieder habe. diese innere stimme, die zu mir spricht und mir mut macht und mich daran erinnert, was ich in den letzten monaten bewältigt habe. dann überkommt mich immer ein gefühl der ruhe, fast schon abgeklärtheit. wird man so, wenn man dem tod ins auge geblickt hat? ich vermute es. denn das ist neu.

als ich gestern also wieder am arbeitsplatz auftauchte, war bei den meisten die freude groß und es fielen mir doch einige schwungvoll um den hals. in meinem büro prangte ein mit blumen bemaltes poster an der wand, auf dem stand:

WIR FREUEN UNS RIESIG, DASS DU WIEDER DA BIST UND WÜNSCHEN DIR EINEN GUTEN START.

zahlreiche kolleginnen hatten darauf unterschrieben. es gab auch gleich eine erste, wöchentliche mitarbeiterbesprechung. ich kam mir vor wie ein überraschungsei. dass mich einige kollegen gar nicht wahrzunehmen schienen und auch keine anstalten machten, mich zu begrüßen, ließ mich merkwürdig kalt. ich sah sie mir an und dachte einfach nur daran, dass sie früher schon ignorant waren. so passierte mir auch gleich ein erster faux pas, der mich im nachhinein schmunzeln lässt.

nachdem mich mein chef willkommen hieß fühlte ich mich berufen, auch ein paar worte zu sagen. so nach dem motto, hallo, ich bin wieder da! statt dessen sagte ich:

„ich bin wieder da und freue mich sehr, sie alle wiederzusehen. die meisten jedenfalls.“

der letzte satz war mir einfach so ausgerutscht, haha 😆 da hatte mir mein unterbewusstsein einen schönen streich gespielt.

nach der arbeit bin ich mit meinem schatz noch für paar stunden an den see gefahren und wir waren ne runde segeln, mit joschi, was sehr schön war. ich bin echt froh, dass wir dieses grundstück gekauft haben, es ist ein verdammt guter fluchtpunkt.

heute morgen bin ich schon um viertel nach 6 durch den forst gejoggt und anschließend in die arbeit geradelt. der heutige, zweite tag, war schon besser. ich habe immerhin den computer angemacht, nachdem ich mir in der EDV mein passwort besorgt hatte, das mir völlig entfallen war. nach 3 stunden war ich verwirrt und müde und war froh, dass die wiedereingliederung zunächst nur 3 stunden täglich geht. reicht auch völlig erstmal. danach bin ich wieder wie speedy gonzales durch den wald geradelt, bergauf und bergab und habe mich mit einer alten, guten freundin von mir getroffen, die ich seit vielen jahren nicht mehr gesehen habe. es war eine schöne begegnung und ich bin froh, dass wir wieder kontakt haben. dann wieder zurückgeradelt und jetzt auf dem sofa, halbseitig gelähmt :mrgreen:

nützt alles nichts, ich werde mich gleich nochmal aufraffen müssen und einkaufen gehen, da wir nichts mehr zu futtern im haus haben. diesmal allerdings mit dem auto. mein sportsoll für heute ist erfüllt :o:

Brustkrebstagebuch: das Wunder namens Leben

mir ist eben beim hundespaziergang noch eine lustige episode aus der reha eingefallen: wir waren mit unserer reha-clique (ihr wisst schon, bandscheiben-sanne, leuko-robbie & co) zum fussballgucken in der benachbarten reha-strandkneipe. als wir so am tisch saßen und rumalberten, wurde auch die eine oder andere erkrankung thematisiert. mit an dem langen tisch saß eine frau mit ihrem sohn. offenbar hörte sie uns zu, denn plötzlich sah sie uns an und fragte:

„seid ihr aus dem heim?“

🙂 🙂 🙂

die kandidatin hat 100 punkte. wir hatten tränen vor lachen in den augen.

die zeit geht so schnell vorbei, wahnsinn. ich bin jetzt genau 1 woche aus der reha zurück und schwelge nach wie vor in meinem neugewonnenem energiereichtum. die energiequelle sprudelt munter vor sich hin. ich mache jeden tag jede menge sport, weil es mich regelrecht in den muskeln juckt und ansonsten bin ich guter dinge. heute vormittag bin ich ein wenig übers land gefahren um mir den einen oder anderen reitstall anzuschauen. mir ist vor allem wichtig, was für pferde es dort gibt und wie das ausreitgelände ist. so verschlug es mich zunächst auf einen kleinen, abgelegenen, idyllischen hof, auf dem keine menschenseele zu sehen war. kein auto, kein mensch, menschenleer. dafür gab es jede menge tiere. 2 bunte, wohlgenährte katzen kamen angeschossen und miauten mich an wie verrückt, schnurrten um meine beine und verfolgten mich auf schritt und tritt. ein paar gänse schlossen sich schnatternd an. 1 einsames pony stand im stall, streckte den kopf aus der box und wieherte mir entgegen. grillen zirpten und die stallgebäude, wildrosenbüsche und pferdekoppeln drumherum flirrten in der hitze. eine herrliche atmosphäre. ich machte einen kurzen erkundungsgang zu den koppeln und entdeckte nur ponys. hm. kein großes pferd weit und breit. ich verbschiedete mich von katzen und pferd und fuhr weiter. auf dem rückweg zurück zur hauptstraße kam ich zufällig an einem kleinen reitstall vorbei, der araberpferde auf der kleinen koppel davor stehen hatte. araber: mein traum! ich fuhr auf den hof und stieg aus. sofort erschien wie aus dem nichts ein stämmiges, sehr selbstbewusstes männliches wesen in gummistiefeln, arbeitshose, nacktem oberkörper und einer pompösen goldkette mit massivem goldanhänger um den hals. sehr wunderlich. war wohl der besitzer, ein dubioser geselle, ehrlich gesagt, sah so aus, als wollte er, dass ich sofort wieder gehe. reiten konnte man bei ihm auch nicht. weiß der geier, was er gerade in der scheune tat, als ich auf den hof fuhr. oookaaayy, bin schon weg.

im nachbarort gibt es einen etwas größeren reitstall, das wusste ich. ich fragte mich durch und fand den stall schließlich inmitten einer bilderbuchlandschaft, von blühenden wiesen und feldern umgeben, auf den koppeln grasten gesund aussehende, GROSSE pferde. das sah schon mal gut aus. das empfangkommittee, bestehend aus 3 hunden unterschiedlicher größe, die alle geschirre mit namen trugen, begrüßte mich stürmisch. allen voran der größte, paul. ja, man kann dort reiten. ja, man kann reitbeteiligung machen. ja, es gibt ein großes, wunderschönes gelände zum ausreiten. ich verließ den stall mit der telefonnummer der besitzerin in der tasche.

*herzhüpf*

morgen ruf ich sie mal an.

*herzhüpf*

ich fühle mich seit der reha wie ein kind, das mit großen augen durch das schlaraffenland läuft. hier leben, dort leben, überall leben, wahnsinn! ich muss mich nur bedienen. als hätte ich das leben neu entdeckt. oder nach langer zeit wiederentdeckt.  und ich laufe mit riesigen tüten durch die gegend und packe alles rein.

6 monate ist es nun her seit meiner diagnose, ein halbes jahr. UND WAS FÜR EIN HALBES JAHR! wo ist es hin? schnell ist es verflogen, dennoch fühlt es sich so an, als wären es jahre gewesen. jahre in der eiswüste, die sich nach und nach gewandelt hat in eine blühende wiese. ich erinnere mich sehr genau an die einzelnen wandlungsabschnitte. vom anfänglichen schock über todesangst, verzweiflung, resignation hin zu hoffnung, zuversicht und dem immer stärker an die oberfläche brechenden lebenswillen. bis jetzt. wie es wohl weitergeht? ich bemerke auch, wie sich das verhalten meiner mitmenschen mir gegenüber wandelt. am anfang war es durch angst, entsetzen, trauer, unsicherheit aber auch mitgefühl und herzlichkeit geprägt. heute tritt die sorge mehr und mehr in den hintergrund, stattdessen begegnet man mir immer öfter mit freude. freude darüber, dass es mir besser geht. einige menschen sind aus meinem umfeld verschwunden, andere sind neu dazugekommen. auf meine antwort auf die frage, wie es mir geht: „gut. sehr gut im moment. besser denn je!“ reagieren manche mit ungläubigem schweigen. ob ich keine angst habe, dass der krebs zurückkommt? na klar hab ich die, und wie. aber die angst hat sich im moment in irgendwelche tieferen schichten meines seins zurückgezogen. und ich hoffe, hoffe ganz doll, dass ich sie nie mehr daraus hervorholen muss. nie mehr.

außerdem erlebe ich gerade ein wunder. mein heuschnupfen ist weg. normalerweise ist jetzt die hoch-zeit meines heuschnupfens. von mitte mai bis ende august stopfe ich mich mit pillen und sprays voll und muss dennoch dauernd niesen, schniefen und röcheln und bin schlapp. in den letzten jahren wurde es immer schlimmer. und dieses jahr? bis auf 3 tage auf sylt, nichts. nichts. ich kann über blühende felder laufen, gräserpollen um mich herum, nichts. ohne medikamente. das ist mir seit meiner kindheit nicht mehr passiert. woran liegt das nur? an der akupunkturbehandlung von märz bis mai? oder daran, dass mein immunsystem stärker geworden ist? keine ahnung. eine medizinische erklärung gibt es vermutlich nicht dafür.

also freue ich mich mal drüber 😆

Bilanz meiner Reha auf Sylt

so, da bin ich also wieder zurück zu hause. back home. gestern morgen noch ein tränenreicher abschied auf sylt: alle haben geweint, nur leuko-robbie bewahrte die fassung (sichtlich schwierig allerdings). wir kamen uns vor wie in der topmodel-WG bei der wöchentlichen entscheidung 😉

gestern saß ich dann 10 stunden im zug und hatte viel zeit, die 3 wochen gemächlich revue passieren zu lassen. im propevollen zug, in dem viele im gang auf ihren koffern saßen. ich hatte reserviert und plagte mich zunächst 4 stunden mit einem glatzköpfigen, dicken, leicht miefenden sitznachbar herum, der unentwegt irgendwelche mitarbeiter via blackberry niedermachte oder aber selbst von vorgesetzten niedergemacht wurde. UFF. er wurde dann auf halber strecke durch einen neuen sitznachbar ersetzt, der pomadierte haare hatte, einen dunkelblauen blazer mit goldenen knöpfen trug und mit wichtiger miene eine biografie von mussolini las. UNHEIMLICH.

aber zurück zur reha: sie war einfach nur toll. und ich hatte großes glück, dass sie mir so gut getan hat. eins möchte ich vorneweg sagen: die nordseeklinik auf sylt ist einfach nur klasse. tolle räumlichkeiten, alles hell und gepflegt; die nähe zum strand und die einbezugnahme des strandes in das therapie-programm unvergleichlich; kompetente ärzte, die immer ein offenes ohr für einen haben und sich zeit nehmen; therapeuten, die sehr kompetent und immer freundlich sind; ein breit gefächertes therapieangebot; gutes essen UND: sylt, sylt, sylt. ich kann die klinik nur empfehlen und würde selbst jederzeit wieder hinfahren.

was habe ich aus den 3 wochen mitgenommen? kraft. körperliche fitness. geistige stärke. seelische ausgeglichenheit. einen klaren blick auf meine situation und das, was mich jetzt erwartet. abstand. glück. ein paar bombensichere übungen von meinem unschlagbaren psychologen dr. mittland (hey, dich werde ich nie vergessen). syltbräune 😉

ich glaube, so fit wie jetzt, war ich im leben noch nicht. ich sehe aus wie ein kraftpaket. musste heute erstmal meine energie loswerden und war joggen, schwimmen und fahrradfahren 😆

ich habe in der reha sehr, sehr nette menschen kennengelernt. mir ist bewusst geworden, dass auch krankheit, mag sie noch so schwer sein, nicht gleichzeitig auch bedeutet, dass das leben nicht mehr lebenswert ist. vielleicht kann ich sogar sagen, dass ich noch nie im leben auf einem fleck so viele positive, zuversichtliche, lebensfreudige menschen getroffen habe, wie in den letzten 3 wochen. sicher gab es auch die meckerer und deprimierten, aber mit denen habe ich mich nicht abgegeben. statt dessen mit all den vielen menschen, die gut drauf waren. sei es mit krebs, bandscheibe oder sonstigen schlimmen dingen. im mittelpunkt stand bei allen das leben und der unbändige willen es zu genießen, egal was kommt. mich hat das zutiefst beeindruckt.

hut ab! chapeau!

ich habe in den letzten 3 wochen sehr viel glück erfahren – mehr als in den letzten jahren. das mein ich wirklich. ich sehe mein leben wieder vor mir und ich habe das gefühl, es intensiv zu spüren und zu lieben und es anzunehmen mit allem, was es im moment für mich bereit hält. kein platz für unzufriedenheit und selbstmitleid. keine zeit. viel zu viel vor. viel zu viel schönes.

ich erlebe, was viele in meiner situation erleben: erst wenn etwas scheinbar unendliches endlich wird, lernt man es richtig zu schätzen. in diesem fall: das leben.

nun gilt es also weiterzugehen, meine vorsätze weiterzuverfolgen, die da wären: jeden tag sport zu treiben, in jedem fall wieder zu reiten und ansonsten mein leben zu genießen.

die nächste hürde kommt am 20. juli, da fange ich wieder an zu arbeiten, 6 wochen wiedereingliederung und dann wieder voll. holdrio!

Bericht aus der Reha: Spieltag ;-)

auch in sylt ist es heiß und man merkt heute bei patienten und therapeuten gleichermaßen eine ganz leichte grundgereiztheit 😉 und mir persönlich ist heute sehr nach lästern zumute 😉

hier, in der WLan-Ecke sitzen neben mir noch weitere 3 leute an ihrem laptop. jegliche laptop-aktivität wird durch die tatsache erschwert, dass mitten in diesem raum eine hardcore-labertasche inform eines „alten knackers“ sitzt, der ohne jegliche zurückhaltung alle vollquatscht. zunächst hat er seine krankengeschichte ausführlich erzählt *iihhh*, sich dann ebenso ausführlich über die einrichtung hier beschwert, und jetzt will er von meiner nebenfrau genau wissen, was sie schreibt. sie antwortet sehr einsilbig, was ihn nicht weiter zu stören scheint.

außerdem ist hier heute spieltag 😉

ich hatte heute vormittag einen echten therapie-marathon: um 7 uhr frühsport am strand. unsere therapeutin überraschte uns mit frisbees. spiel nr. 1. zur aufwärmung sollten wir uns in gruppen aufgeteilt im kreis aufstellen und uns gegenseitig mit dem frisbee beschmeißen 😆 von etwa 30 geworfenen frisbees wurde sagenhaft 1 gefangen. stolze leistung. weiter ging es mit meinem 2. lungenfunktionstest, der zuerst wieder nicht soooo doll ausfiel und nach verabreichung eines sprays dann doch gut ausfiel. werde also künftig ab und an sprayen um meine lungenfunktion unterstützen. kann nichts schaden.

dann folgte aquajogging und spiel nr. 2: zum aufwärmen sollten wir versuchen einen großen wasserball durch geschicktes werfen immer in der luft zu halten. mit uwe und biggi in der gruppe geht sowas aber nicht. biggi ist fast ertrunken und uwe  hat den ball ratzfatz unerreichbar in das an der decke gespannte trapez befördert. soviel zum aufwärmspiel. die eigentliche aquajogging-einheit war wieder mal sehr lustig. man sollte das mal aufnehmen und irgendwo veröffentlichen. heute lief das so ab: teilnehmer waren: uwe, ein beleibter vollproll, der nackte weiber auf oberarm und brust tätowiert hat; barbie, geliftet, kennt ihr ja schon, ist eine aus dem denver-clan; biggi,  das weibliche pendant zu uwe; ich; eine hessische wuchtbrumme namens elke und frau etepetete, die alles, was sie macht, mit uuiii kommentiert. uwe war neu und der therapeut gab sich große mühe, ihm die grundkenntnisse des aquajogging näherzubringen: beinbewegungen ohne bodenkontakt, kleine armbewegungen wie beim walken und dann ab durchs becken. uwe war extrem lernresistent. unbeirrbar pflügte er mit bodenkontakt und weit von sich gestreckten armen durch das becken wie godzilla, eine beachtliche bugwelle hinter sich herziehend. nachdem der therapeut scheiterte, nahm sich biggi seiner an, pflügte neben ihm her und gab ihm von der seite generalstabsmäßig instruktionen. das ganze in berliner dialekt. sehr spaßig das ganze 😆

da ich heute den ganzen tag anwendungen habe, ist mein schatziputzi mit brust-ute unterwegs, shoppen. wir sind hier ja mittlerweile eine richtige clique, die sich aus den mädels von meinem esstisch und ein paar anderen zusammensetzt. zur clique gehören: brust-ute, brust-regine, morbus-hodgekin-manuela, leuko-robbie, bandscheiben-sanne und bandscheiben-uta. eine leidensgemischte truppe also 😉  . es ist hier sowieso alles eher gemischt, nur die derma-leute scheinen unter sich zu bleiben, let´s schupp together 😉

massai-krieger ist wieder aufgetaucht. ich weiß jetzt, wo er steckt. in hannelore. *lach* . zumindest habe ich die beiden gestern innig im strandkorb gesehen und heute morgen wieder innig im flur.

so, ihr lieben, jetzt habe ich vermutlich erstmal genug gelästert und bin schon wieder mit 1 bein in der hölle deswegen. ich spring jetzt mal in die nordsee und dann habe ich noch einen termin mit dr. psycho, meinem lieblingspsychologen. bis morgen. moin. moin.