Voll öko

hab jetzt doch bisschen zeit 😆

nicht, dass ich was gegen ökos hätte, nicht doch. bin im herzen ja selbst ein öko. ich seh nur nicht so aus. nicht, dass ich was gegen ökos hätte, die auch aussehen wie ökos, nicht doch. nur wenn sie am gemüsestand vor mir stehen oder mit dem fahrrad vor mir herfahren :mrgreen:

gestern mittag am gemüsestand in der altstadt. ich schnell mal in die mittagspause was zum futtern besorgen. auf dem rückweg gehe ich am gemüsestand vorbei, es ist markttag.  hm, eigentlich könnte ich rasch noch einen salat für abends besorgen. und nur 1 kundin am stand. wie günstig. ich also angestellt, hoffnungsfroh den salat musternd, da ertönt es vor mir:

„was ko-hooo-sten denn die radie-hieee-schen?“ „hmmmmm, ahaaaaa.“ „und die guuu-huuu-rkäähh?“ „und der kleine reee-häää-tich“ „und der mittlere re-häää-tich?“

bohrende blicke meinerseits in den rücken der nölenden gemüseflüsterin. langes naturergrautes haar mit käferspängchen drin (hallo? is nicht für so alte trullas wie dich), ein langes batikgewand, pumphosen der übelsten art, latschen an den öko-quanten.

und weiter gings:

„ist der salaaat gespriii-hiiitzt?“ „hmmmmm, und die tomaa-haa-ten?“

aaarrrgh. keinen nerv für sowas. mit einem lauten, gemervten „oaahhaauwwääh!“ verdrehe ich die augen und mach mich vom acker. kurzer blick über die schulter. 4 verächtliche öko-augen auf mir ruhend. ich laufe grad noch in einen bekannten rein, dem ich ohne einleitung etwas von radieschen und alten öko-schrullen vorjammere und ihn etwas verdutzt stehenlasse.

jaja, vielleicht war ich gestern ein ganz klein wenig assi, kann ja sein. aber heute morgen, als ich zu spät zur arbeit unterwegs war, wer radelt plötzlich vor mir, mitten auf der fahrbahn? häh? na? richtig, die öko-schrulle vom gemüsestand. radelt eiernd mitten auf der straße, schön im schneckentempo auf die grüne ampel zu, null chance, sie zu überholen. macht den arm rechts raus, fährt rechts an den rand. ich will überholen, schnellt sie mitten auf die fahrbahn zurück. ich gebremst, sie meckert:

„typisch BMW-fahrer, rücksichtlos ohne ende!“ es wird orange, rot, sie radelt eiernd weiter, ich bleibe an der roten ampel stehen. ich fenster auf:

„na-haaa? mit der ökogurke vom markt auf deine kosten gekommen?“

okay, vielleicht war ich heute morgen auch ein wenig assi, kann ja sein, aber immer noch besser als voll öko.

Hässlicher Schlumpf

liegt es an den vielen Medikamenten, die ich nehme? daran, dass mich der auszug meines sohnes so beutelt? weiß der GEIER. ICH weiß, dass ich seit ein paar tagen etwas aus dem gleichgewicht bin. so war ich gestern beim augenarzt und habe diese pupillen erweiternde tropfen bekommen, nach denen man ein paar stunden im nebel rumtappt und 3-4 stunden nicht autofahren kann. die ärztin gab mir das eindringlich zu verstehen. so weit so gut. schließlich hatte ich meinen wagen vorsorglich ordnungsgemäß geparkt und nicht im halteverbot. ich verlasse also die augenarztpraxis und was mache ich? steige in mein auto und fahre los. und wundere mich, dass ich meine umgebung wie im nebel wahrnehme. bis mir nach etwa 10 minuten einfällt, dass ich ja diese tropfen im auge habe und deshalb gar nichts sehen kann und aus diesem grund gar nicht autofahren darf. ist das die möglichkeit? da hatte ich das doch tatsächlich schon im aufzug des arzthauses wieder vergessen. ich habe gott-sei-dank niemanden überfahren und mein auto ist auch noch heil.

vor ein paar tagen wurde mir auch bewusst, dass unter meiner oberfläche derzeit ein vulkan brodelt. war mir die letzte zeit gar nicht so bewusst, da ich ja mehrheitlich damit beschäftigt bin, mein leben positiv und zuversichtlich auszurichten und mich den guten dingen im leben hinzuwenden. tja. ich wollte bei meinem lieblingstürken einkaufen und stellte mein auto gerade mangels freier, legaler parkplätze ins absolute halteverbot, als ich sah, wie direkt vor dem geschäft eine frau ihren BMW öffnete und im begriff war wegzufahren. ich hingewuselt wie ein blitz und sie gefragt, ob sie so nett wäre, mir die parklücke freizuhalten, bis ich mit dem wagen komme. kein problem, hat sie selbst schon mal gemacht. just in dem augenblick, in dem ich aus meiner parklücke losfuhr sah ich, wie ein verbeulter passat combi den blinker rausstellte und sich hinter dem BMW in warteposition begab. entschlossen fuhr ich mit der spitze meines wagens vor seinen passat und machte ihm zeichen mit der hand und formte mit meinen lippen deutlich sichtbar:

„mein parkplatz.“

er, ein freundlich dreinblickender türke mittleren alters mit buschigen augenbrauen und wogendem schnurrbart kurbelte seine scheibe runter und sagte mit charmantem augenaufschlag:

„wie schaaaade. wenn ich nicht so viel laden müsste, würde ich einer so jungen, schönen frau natüüüürlich den parkplatz überlassen. aber leider MUSS ich ganz viel laden. also ist es MEIN parkplatz.“

sprachs und kurbelte die scheibe wieder hoch.

ich spürte, wie ich rot anlief und hörte gleichzeitig ein beidseitiges hupkonzert, da ich mit meinem wagen beide fahrstreifen blockierte. egal, ich wollte auf diesen parkplatz. ich fuhr ein stück zurück um mich ganz vor den passat schieben zu können, da schoß er schon vor und blockierte mich vollständig. und da merkte ich den vulkan in mir.

wie john wayne stieg ich aus, ging um meinen wagen herum, stellte mich direkt neben seine fahrerseite, klopfte an seine scheibe und sagte laut und deutlich:

„das ist MEIN parkplatz, zieh leine, du HÄSSLICHER SCHLUMPF.“

hab ich echt gesagt. wie oberpeinlich. er indes blieb im wagen sitzen und schaute mich entspannt an. lag es daran, dass es in der türkei keine schlümpfe gibt? oder daran, dass er einfach nur klug war? wie auch immer. ich bin froh, dass er nicht ausgestiegen ist. möglicherweise hätten wir am nächsten tag in der lokalzeitung für schlagzeilen gesorgt:

AGGRESSIVE DEUTSCHE KUNDIN UND TÜRKISCHER SCHLUMPF LIEFERN SICH VOR DEM GEMÜSEGROSSMARKT EIN BLUTIGES GEFECHT

ich sollte die nächsten tage einfach mal ein bisschen mehr zeit in der natur verbringen. bäume umarmen, eichhörnchen anfüttern und gaaaanz tief durchatmen. das wird wieder.

Gestern im Theater…

ich war gestern abend mit meiner besten freundin und ihrer 15jährigen teenager-tochter im theater. auf dem spielplan stand zeitgenössischer afrikanischer tanz. im vorfeld hoch gelobt und assoziationen von farbe, tollen bewegungen und klangvoller musik erweckend. als wir vor dem theater ankamen, hatte sich dort schon eine illustre gesellschaft von theaterfreunden versammelt, die meisten bunt gekleidet, die gesichter voller glühender vorfreude. es gab freie platzwahl, so gingen wir gleich hinein um uns gute plätze zu sichern. im theatersaal herrschte schon dichtes gedränge und ein kultivierter kampf um plätze. wir entdeckten 4 schöne freie plätze und just in dem moment, als ich mich in die sitzreihe schlängeln wollte, wurde ich abgedrängt. von einem grottenolm-artigen mann mit dickem hintern. er drängte mich ab, indem er seinen stattlichen hängehintern vor mich schob und den zugang zur sitzreihe versperrte. es ließ sich nicht vermeiden, dass ich auf ihn auflief und ihn ohne absicht kurz anfassen musste. iiihhhh.

er quetschte sich in die sitzreihe und ließ sich auf einen der freien plätze sacken. wir reihten uns daneben auf.

frag ihn doch mal, ob wir kurz in sein programmheft schauen können, wie lange das stück dauert„, sagte meine freundin.

entschuldigung, darf ich mal kurz in ihr programmheft schauen? wir möchten gerne wissen, wie lange das stück dauert.“ fragte ich höflich.

nein!“ pampte er mich an, ohne mich anzuschauen. das kann ich ihnen auch so sagen. exakt 65 minuten.

ooookkaaaaay. immer schön locker bleiben.

vor mir in der reihe nahm eine frau mit hoch aufgetürmter lockenpracht platz. na super. das passiert mir immer. sie roch extrem nach flieder. meine nase begann sofort zu jucken. glücklicherweise begann die aufführung, so dass ich mich nicht weiter auf meinen aufkeimenden niesanfall konzentrieren musste.

das bühnenbild bestand aus einer großen, senkrecht in der ecke stehenden spanplatte. sehr puristisch. sehr zeitgenössisch. 7 musiker mit rasta-frisuren betraten die bühne und setzen sich hinter ihre instrumente. als nächstes erschien eine rotgewandete afrikanerin, die mit klagender stimme eine litanei in afrikanischer sprache anstimmte und offenbar vorhatte, damit in diesem leben nicht mehr aufzuhören. was sie wohl so erzählte? hm. der choreograph wollte es uns nicht verraten. vermutlich würde sich der inhalt gleich aus dem tanz erschließen. aha, wer sagts denn! schon erschienen 2 stattliche, wohlgebaute tänzer und brachten sich in pose. der eine stemmte dem anderen den kopf in den bauch und schob ihn so auf der bühne hin und her. hm. was das wohl zu bedeuten hatte? es hatte sicher was mit dem klagelied zu tun, das keiner verstand. sehr zeitgenössisch.

es erschienen 7 weitere tänzer auf der bühne. sahen alle echt heiß aus, ich sags euch. und was taten sie? sie warfen sich auf den boden und blieben dort. durch die locken meiner vorderfrau hindurch sah ich ab und an, wie sie sich über den boden der bühne wälzten und robbten.

„geht das jetzt die ganze zeit so?“ ließ anika, die tochter meiner freundin verlauten.

„nein, sicher nicht. warts ab. gleich geht es richtig los.“

und so schien es auch. das gejammere auf der bühne war beendet und die musiker stimmten ein wildes, ekstatisches getrommel und getröte an, zu dessen takt sich die tänzer nunmehr wie die irren auf dem boden wälzten und zusätzlich zappelten.

„ich will nach hause.“ quengelte anika.

„mann, ist das grässlich. so was einfallsloses habe ich noch nie gesehen.“ ergänzte meine freundin.

„mir ist heiß und die vor mir hat ne scheißfrisur.“ hängte ich noch an.

weitere 30 minuten voller getrommel und ekstatischem gewälze folgten. 2 der tänzer waren zwischenzeitlich aufgestanden und schlugen sich aus uns unerklärlichen gründen selbst aggressiv gegen bauch und kahlrasierten schädel.

„wow, hat der einen geilen body. da würde ich nicht nein sagen“, raunte mir meine freundin genüsslich zu.

„ok. ich nehm den in der roten und du den in der weißen hose, ok?“ schlug ich vor.

„ich finde die hässlich, die schwitzen eklig.“ ließ uns anika wissen.

wir kicherten ein bisschen leise hinter vorgehaltener hand vor uns hin.

„HABEN SIE ES JETZT? HABEN SIE JETZT ENDLICH DEM GANZEN THEATER MITGETEILT, WAS SIE VON DEM STÜCK HALTEN?“

blökte mich völlig unerwartet der grottenolm neben mir an. ich schaute ihn erstaunt an.

„warum sind sie denn so unfreundlich“ fragte ich vorsichtig nach.

„SIE HABEN DAMIT ANGEFANGEN

*räusper*

„ähm, womit denn?“

„SIE HABEN MICH EBEN ANGEFASST. DA VORNE HABEN SIE MICH ANGEFASST!“

„ich soll sie angefasst haben? und auch noch vorn? iihhh. warum sollte ich das denn tun?“

„SIE HABEN MICH ANGEFASST UND GESTOSSEN, WEIL ICH NICHT SCHNELL GENUG IN DIE SITZREIHE GEGANGEN BIN. UND JETZT STÖREN SIE UNENTWEGT.“

ich schaute ihn mir genauer an. genau der typ streber, der einen früher in der schule in der mathearbeit nicht hat abschreiben lassen. der einen turm aus mäppchen und handfläche gebaut hat, damit man seine lösungen nicht sieht. und der aus genau diesem grund noch nie eine abbekommen hat. deshalb muss er alleine ins theater gehen.

„hören sie. ich habe sie nicht angefasst. sie sind ein totaler unsympath. ihh.“

indes näherte sich das gewälze und geschüttele auf der bühne seinem dramatischen höhepunkt und hoffentlich auch ende entgegen. noch einmal alle zusammen synchron auf dem boden wälzen, aufspringen und sich gegen kopf und bauch schlagen und dann war es geschafft.

standing ovations seitens des publikums. bravo-rufe. der grottenolm neben mir klatschte enthusiastisch mit seinen schwitzigen patsch-händchen.

hm. ob wir das nicht verstanden hatten?

„ich gehe nie mehr mit euch ins theater. das war scheiße.“ ließ uns anika unmissverständlich wissen. naja, wenigstens sahen die tänzer hinreißend aus 😉