Was hilft bei Nebenwirkungen von Tamoxifen?

diese frage taucht jeden tag mehrfach in meinen suchanfragen auf. kein wunder. denn die nebenwirkungen von tamoxifen sind ein kapitel für sich. ich habe hierzu schon den einen oder anderen beitrag geschrieben, allerdings hat sich die qualität der nebenwirkungen in den letzten 4 wochen so stark verändert, dass ich heute einen aktuelleren beitrag dazu schreiben möchte. und ich kann auch nur darüber berichten, wie es mir geht. ich nehme das tamoxifen nun seit 7 monaten. seit ende april nehme ich monatlich noch zoladex und alle 6 monate zometa. in den ersten monaten der tamoxifen-einnahme habe ich das medikament alles in allem sehr gut vertragen. stimmungsschwankungen und gereiztheit sind natürlich von anfang an ein thema, aber irgendwie gewöhnt man sich daran und lernt damit umzugehen. meistens jedenfalls 😉 (siehe hierzu mein beitrag hässlicher schlumpf)

so habe ich in den ersten monaten gedacht: „das stecke ich doch locker weg, wenn das alles ist.“

mittlerweile ist es anders. seit etwa 5 wochen habe ich das gefühl, dass sich die nebenwirkungen des tamoxifen deutlich verstärkt haben. das hauptproblem sind massive schlafstörungen. aber auch hitzewallungen und stimmungsschwankungen. die hitzewallungen haben sich seit beginn der misteltherapie ende juli deutlich gebessert. das schlafproblem ist geblieben. ich habe seit etwa 4 wochen so gut wie gar nicht geschlafen. in der regel schlafe ich abends rasch und problemlos ein. dann aber werde ich in den frühen morgenstunden, meist schon so gegen halb 3, 3, wach und finde keinen schlaf mehr. in dieser wachphase bin ich dann so extrem unruhig, dass ich keine 5 sekunden in der gleichen position liegen bleiben kann sondern mich über stunden hin und her schmeiße wie ein gejagtes reh. ich habe schon probiert aufzustehen und etwas zu tun, zu lesen, entspannungsübungen zu machen, nützt  nichts. als konsequenz bin ich am darauffolgenden tag völlig im eimer und „überstehe“ den tag irgendwie. es gibt zwischendurch immer mal 2-4 tage hintereinander, an denen ich fast gar nicht schlafe. das ist eine enorme belastung. im büro bin ich null leistungsfähig und meine stimmung fällt durch diesen schlafentzug in den keller. nach allem, was ich bisher gehört habe, scheint dies eine charakteristische nebenwirkung des tamoxifen zu sein. so wird in den entsprechenden foren eifrig darüber gesprochen und es werden tipps ausgetauscht. was ich da so lese, stellt mir teilweise aber die haare und zwar aus folgendem grund: es ist bekannt, dass tamoxifen mit zahlreichen schlafmitteln und antidepressiva nicht eingenommen werden darf, da hierdurch die wirkungssweise des tamoxifen stark herabgesetzt, zum teil sogar ganz ausgesetzt werden kann. es gibt hierzu fortlaufende studien, die laufend aktualisert werden. nicht nur das bekannte antidepressiva paroxetin, auch andere, von der wirkungsweise schwächere und vermeintlich harmlose medikamente, fallen in diese gruppe. dennoch werden diese medikamente zur bekämpfung der nebenwirkungen konsumiert.

ich habe gestern meinen gynäkologen angerufen um mit ihm ein „SOS- ich drehe durch, wenn ich nicht bald mal schlafe-gespräch“ zu führen. als gynäkologischer onkologe habe ich ihn bislang als sehr kompetent, gewissenhaft und kritisch auf diesem gebiet erlebt. er bestätigte mir, dass die meisten schlafmittel nicht mit tamoxifen eingenommen werden dürfen. dazu gehören wohl alle „harmlosen“, d.h. nicht süchtig machenden, mittel. die schlafmittel, die die wirkung des tamoxifen nicht mindern, sind leider auch die, die hochgradig süchtig machen. na super. wir haben uns darauf geeinigt, dass ich eins dieser hammerdinger verschrieben bekomme, das medikament jedoch nur im absoluten notfall einnehmen soll. d.h. maximal 1x die woche und auch nicht jede woche. die tabletten werde ich mir also für den worst case aufheben. ansonsten werde ich eine andere lösung finden müssen.

was zu helfen scheint, ist ausdauersport. wenn ich 45-60 minuten laufen gehe, schlafe ich mindestens bis 5 uhr morgens durch. die letzten tage konnte ich wegen einer rückenzerrung nicht laufen gehen und schlief eigentlich gar nicht. gestern bin ich trotz schmerzen 10 runden um den sportplatz geeiert und siehe da, ich habe geschlafen, zumindest bis 5, das ist doch was. auch schwimmen, hier aber mindestens 1000 meter, hilft. problematisch wird es, wenn ich aus dem einen oder anderen grund keinen sport machen kann. ich bin mir sicher, dass die eine oder andere betroffene, die diesen beitrag hier liest, genau weiß, wovon ich spreche.

es ist und bleibt ein wesentliches problem. die sportkomponente scheint aber eine hilfe zu sein. ebenso die misteltherapie. zudem will ich im winter eine erneute akupunkturbehandlung beantragen. ich habe diese behandlung parallel zur bestrahlung gemacht und sehr davon profitiert. derzeit muss ich noch 3 monate warten, bis ich eine erneute behandlung beantragen kann. nach meiner erfahrung kann ich mir gut vorstellen, dass es hilft. ein weiterer trost ist, dass die nebenwirkungen des tamoxifen nach etwa 2-3 jahren nachlassen. in ermangelung einer echten alternative zu tamoxifen klammere ich mich dann eben an diesen strohhalmen fest. sonst krieg ich nämlich die krise.

ach ja, fast vergessen: alles wird gut!

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