Gestern im Theater Teil II

habs nicht vergessen 😉

und diesmal hatten wir glück, das theaterstück war einfach nur großartig. ich war gestern mit familie unterwegs: mann (immer noch leicht muffig), sohn (nicht mehr muffig), seine freundin (gespannt) und meine mama (erzählte auf der hinfahrt mit großer begeisterung alle schweinischen stellen aus dem film irina palm, den sie tags zuvor gesehen hatte). papa war nicht dabei, mit ihm war ich am freitag in einer anderen aufführung gewesen. die hinfahrt war, wie fast immer, wenn ich mit meiner mama was unternehme, chaotisch. die hauptzufahrtsstraße zum theater war gesperrt, weil ein fahrradrennen die strecke kreuzte. wir mussten die sperre großflächig umfahren und ordentlich weit laufen. ächz.

nun ist es so, dass das eigentlich immer passiert, wenn meine mam und ich unterwegs sind. letztes jahr fuhren wir in eine andere stadt ins theater. ich hatte mir zuvor extra eine wegbeschreibung aus dem internet ausgedruckt. kaum passierten wir die stadteinfahrt, wurden wir mit einer mordssperre konfrontiert, da die tour de france dort unterwegs war. die umleitung brachte uns irgendwohin nach ägypten oder so. grauenhaft. als wir endlich einen parkplatz fanden, hatten wir null plan, wo wir waren. wir fragten passanten, die so aussahen, als wüssten sie es, nach dem weg. zielstrebig wurden wir quer durch die stadt geschickt und fanden uns 30 minuten später vor einem theater wieder – dem falschen. das richtige theater fanden wir nie. wir fuhren dann wieder nach hause und kamen auf dem rückweg in einen jahrhundertstau. am ende waren wir etwa 6 stunden unterwegs gewesen, ohne im theater gewesen zu sein. jaja, und ich war angeblich chaotisch. hallo mama, ich weiß, dass du das hier liest 😉

ein anderes mal waren wir am muttertag zusammen wandern. weil wir im wald so viel quatschten und nicht auf die wegführung schauten, haben wir uns vollständig verlaufen, irrten planlos herum, kamen in die dunkelheit und sahen uns schon verwest und von füchsen angenagt enden. auch hier war natürlich ich chaotisch (hallo mama!).

und diesmal also wieder eine straßensperrung wegen fahrrädern. haha. wir scheinen ein fahrrad-karma zu haben.

dafür war die theateraufführung einfach nur toll. es war ein gastspiel der volkbühne berlin. ich liebe dieses theater, es ist immer herrlich bunt, originell und auf eine herrlich verrückte art philosophisch. sophie rois war in der hauptrolle. sie ist auf der bühne eine wucht. ich liebe sie.

ich konnte kaum einschlafen, weil mir einzelne szenen immer wieder durch den kopf gingen. die nacht war ohnehin kurz, denn unser aller joschi hatte heute nacht ab 3 uhr einen darmkoller und hat sage und schreibe 6x ins bad gesch******. so liebt man seine haustiere!

Gestern im Theater…

ich war gestern abend mit meiner besten freundin und ihrer 15jährigen teenager-tochter im theater. auf dem spielplan stand zeitgenössischer afrikanischer tanz. im vorfeld hoch gelobt und assoziationen von farbe, tollen bewegungen und klangvoller musik erweckend. als wir vor dem theater ankamen, hatte sich dort schon eine illustre gesellschaft von theaterfreunden versammelt, die meisten bunt gekleidet, die gesichter voller glühender vorfreude. es gab freie platzwahl, so gingen wir gleich hinein um uns gute plätze zu sichern. im theatersaal herrschte schon dichtes gedränge und ein kultivierter kampf um plätze. wir entdeckten 4 schöne freie plätze und just in dem moment, als ich mich in die sitzreihe schlängeln wollte, wurde ich abgedrängt. von einem grottenolm-artigen mann mit dickem hintern. er drängte mich ab, indem er seinen stattlichen hängehintern vor mich schob und den zugang zur sitzreihe versperrte. es ließ sich nicht vermeiden, dass ich auf ihn auflief und ihn ohne absicht kurz anfassen musste. iiihhhh.

er quetschte sich in die sitzreihe und ließ sich auf einen der freien plätze sacken. wir reihten uns daneben auf.

frag ihn doch mal, ob wir kurz in sein programmheft schauen können, wie lange das stück dauert„, sagte meine freundin.

entschuldigung, darf ich mal kurz in ihr programmheft schauen? wir möchten gerne wissen, wie lange das stück dauert.“ fragte ich höflich.

nein!“ pampte er mich an, ohne mich anzuschauen. das kann ich ihnen auch so sagen. exakt 65 minuten.

ooookkaaaaay. immer schön locker bleiben.

vor mir in der reihe nahm eine frau mit hoch aufgetürmter lockenpracht platz. na super. das passiert mir immer. sie roch extrem nach flieder. meine nase begann sofort zu jucken. glücklicherweise begann die aufführung, so dass ich mich nicht weiter auf meinen aufkeimenden niesanfall konzentrieren musste.

das bühnenbild bestand aus einer großen, senkrecht in der ecke stehenden spanplatte. sehr puristisch. sehr zeitgenössisch. 7 musiker mit rasta-frisuren betraten die bühne und setzen sich hinter ihre instrumente. als nächstes erschien eine rotgewandete afrikanerin, die mit klagender stimme eine litanei in afrikanischer sprache anstimmte und offenbar vorhatte, damit in diesem leben nicht mehr aufzuhören. was sie wohl so erzählte? hm. der choreograph wollte es uns nicht verraten. vermutlich würde sich der inhalt gleich aus dem tanz erschließen. aha, wer sagts denn! schon erschienen 2 stattliche, wohlgebaute tänzer und brachten sich in pose. der eine stemmte dem anderen den kopf in den bauch und schob ihn so auf der bühne hin und her. hm. was das wohl zu bedeuten hatte? es hatte sicher was mit dem klagelied zu tun, das keiner verstand. sehr zeitgenössisch.

es erschienen 7 weitere tänzer auf der bühne. sahen alle echt heiß aus, ich sags euch. und was taten sie? sie warfen sich auf den boden und blieben dort. durch die locken meiner vorderfrau hindurch sah ich ab und an, wie sie sich über den boden der bühne wälzten und robbten.

„geht das jetzt die ganze zeit so?“ ließ anika, die tochter meiner freundin verlauten.

„nein, sicher nicht. warts ab. gleich geht es richtig los.“

und so schien es auch. das gejammere auf der bühne war beendet und die musiker stimmten ein wildes, ekstatisches getrommel und getröte an, zu dessen takt sich die tänzer nunmehr wie die irren auf dem boden wälzten und zusätzlich zappelten.

„ich will nach hause.“ quengelte anika.

„mann, ist das grässlich. so was einfallsloses habe ich noch nie gesehen.“ ergänzte meine freundin.

„mir ist heiß und die vor mir hat ne scheißfrisur.“ hängte ich noch an.

weitere 30 minuten voller getrommel und ekstatischem gewälze folgten. 2 der tänzer waren zwischenzeitlich aufgestanden und schlugen sich aus uns unerklärlichen gründen selbst aggressiv gegen bauch und kahlrasierten schädel.

„wow, hat der einen geilen body. da würde ich nicht nein sagen“, raunte mir meine freundin genüsslich zu.

„ok. ich nehm den in der roten und du den in der weißen hose, ok?“ schlug ich vor.

„ich finde die hässlich, die schwitzen eklig.“ ließ uns anika wissen.

wir kicherten ein bisschen leise hinter vorgehaltener hand vor uns hin.

„HABEN SIE ES JETZT? HABEN SIE JETZT ENDLICH DEM GANZEN THEATER MITGETEILT, WAS SIE VON DEM STÜCK HALTEN?“

blökte mich völlig unerwartet der grottenolm neben mir an. ich schaute ihn erstaunt an.

„warum sind sie denn so unfreundlich“ fragte ich vorsichtig nach.

„SIE HABEN DAMIT ANGEFANGEN

*räusper*

„ähm, womit denn?“

„SIE HABEN MICH EBEN ANGEFASST. DA VORNE HABEN SIE MICH ANGEFASST!“

„ich soll sie angefasst haben? und auch noch vorn? iihhh. warum sollte ich das denn tun?“

„SIE HABEN MICH ANGEFASST UND GESTOSSEN, WEIL ICH NICHT SCHNELL GENUG IN DIE SITZREIHE GEGANGEN BIN. UND JETZT STÖREN SIE UNENTWEGT.“

ich schaute ihn mir genauer an. genau der typ streber, der einen früher in der schule in der mathearbeit nicht hat abschreiben lassen. der einen turm aus mäppchen und handfläche gebaut hat, damit man seine lösungen nicht sieht. und der aus genau diesem grund noch nie eine abbekommen hat. deshalb muss er alleine ins theater gehen.

„hören sie. ich habe sie nicht angefasst. sie sind ein totaler unsympath. ihh.“

indes näherte sich das gewälze und geschüttele auf der bühne seinem dramatischen höhepunkt und hoffentlich auch ende entgegen. noch einmal alle zusammen synchron auf dem boden wälzen, aufspringen und sich gegen kopf und bauch schlagen und dann war es geschafft.

standing ovations seitens des publikums. bravo-rufe. der grottenolm neben mir klatschte enthusiastisch mit seinen schwitzigen patsch-händchen.

hm. ob wir das nicht verstanden hatten?

„ich gehe nie mehr mit euch ins theater. das war scheiße.“ ließ uns anika unmissverständlich wissen. naja, wenigstens sahen die tänzer hinreißend aus 😉