Joschi hat die Pest

joschis jahr hat nicht so prickelnd angefangen. es gab ein paar blöde zwischenfälle mit viel zu großen hunden und genervten pferden. und ein nicht hundegerechtes gewitter.

wer meine joschigeschichten liest, weiß bestens bescheid über meinen wuscheligen, schwarzen tibet terrier. von mittelgroßer gestalt ist er in seinem herzen eigentlich ein dobermann. mindestens. und hat das herz eines löwen. und den sturkopf einer bretterwand. und ist, sagen wir mal, beratungsresistent, was deutlich größere rüden anbelangt. er hat noch nie gegen einen größeren rüden gewonnen. im gegenteil. aber das hält ihn nicht davon ab, wie vor ein paar tagen, einen irischen wolfshund anzupöbeln. einen angeleinten irischen wolfshund *schwitz*.

seit einigen monaten, genau genommen seit meinem reitstallumzug vergangenen sommer, gibt es in joschis leben eine neue herausforderung: egon. den stall- und hofhund. egon ist groß, schwarz und mächtig. eine durch und durch imposante, souveräne erscheinung. streckenweise humorlos. wäre ich hund, ich würde mich an allen ecken und enden vor ihm auf den rücken werfen und die weiße fahne hochhalten. joschi pöbelt ihn erstaunlicherweise nicht an, zollt ihm aber auch nicht den erwarteten respekt.  von anfang an schaut egon joschi mit hypnotischem killerblick, steifer rute und riesenkamm auf dem rücken an, und signalisiert ihm: „ich häuptling, du indianer.“ egon hört sehr gut, und alle versuche, sich an joschi heranzupirschen und ihm klarzumachen, wer der boss ist, wurden seitens seiner besitzer und mir bisher vereitelt.

bis vor ein paar tagen. ich war grad am ausmisten, als joschi mutterseelenallein über den hof trabte. und am hinterteil von luna, egons hauptfrau, schnüffelte. blöde idee war das. das getöse, dass egon und joschi veranstalteten, war beeindruckend, und als ich aus der box stürzte, sah ich ein wildes geraufe. wir trennten die hunde, es floss kein blut, und wir einigten uns darauf, dass das einfach mal geklärt werden musste, zwischen den beiden rüden.

seit 2 tagen läuft joschi nun mit einer verschorften nase herum. kampfspuren. kriegerhund. chingachgook. als ich heute mit ihm zu lola, meinem pferd fuhr, wurden wir unterwegs von andrea überrascht. andrea, dem sturmtief!!!! so etwas habe ich noch nie im auto erlebt. der wahnsinn. ich war mitten auf der autobahn, als es anfing, wie aus kübeln zu regnen, zu hageln, überall schlugen die blitze ein und der wind schüttelte so an meinem auto, dass ich dachte, mich fegt es von der straße. unglaublich. ich dachte, ich bin in irgendeinem horrorfilm. sichtweite gleich null. straße spiegelglatt. ich mordsschiss. uff. ich wusste mir nicht anders zu helfen, als unter einer brücke auf dem standstreifen zu halten und die warnblinkanlage anzumachen. joschi hatte solche angst und zitterte so stark, dass er mit den zähnen klapperte wie ein irrer. ließ sich auch nicht beruhigen. irgendwann beruhigte sich gott-sei-dank das unwetter zumindest so weit, dass ich weiterfahren konnte. als ich im stall ankam, war andrea dort gerade vorbeigezogen und es sah aus wie nach einer naturkatastrophe. der regen stürzte in sturzbächen die straße herab, ein ganz unwirkliches szenario.

joschi stürzte aus dem auto wie eine rakete und wollte in lolas box. da geht er furchtbar gerne rein, weil da so viele, kleine mäuschen sind, die er jagen kann. außerdem gewittert es da nicht. lola kennt joschi schon lange und ist immer sehr lieb zu ihm. das heißt, sie beißt und tritt ihn nicht 😉 heute allerdings wollte sie ihn nicht so richtig in der box haben. sie legte ein paarmal die ohren an und senkte ihren kopf in seine richtung. und was macht joschi? springt hoch wie der tasmanische teufel und versucht sie in die nase zu zwicken. etwa 10 x. das reicht auch dem liebsten pferd. mit einem satz senkte sie ihren kopf und zwickte ihn in den rücken. das geschrei und den tödlichst beleidigten hundeblick könnt ihr euch vorstellen?

zum krönenden abschluss habe ich joschi in der sattelkammer noch zwangsgebürstet, da er aussah wie ein dreckschwein. joschi hasst bürsten. zuerst versuchte er mich zu beißen, und, nach einem klaps, warf er sich theatralisch auf den boden und lag da wie ein sterbender schwan.

helmut, ein lieber mitreiter, sah sich das elend ein weilchen an und meinte. „egonrauferei, lolazwicken, zwangsbürsten. der joschi hat im moment echt die pest.“

jetzt liegt er hier neben mir, hat ein großes leckerli bekommen und streicheleinheiten. langsam wirds wieder. kann nur besser werden für joschi.

Klebehund

ich habe seit ein paar tagen einen klebehund zuhause. joschi klebt wie gummi. lebt auf dem schoß, auf dem arm, auf dem sofa, im bett und klebt. vorgestern im reitstall saß er auf meinem schoß, was für ihn in der öffentlichkeit, wo er lieber den macker demonstriert, eher ungewöhnlich ist. das mag aber auch an dem auf dem hof neuen rüden samson, einem grauen hütehundkrawalinski, gelegen haben. zwischen den beiden geht noch was. heute morgen saß er wieder auf meinem schoß, ach was, er lag mir mehr oder weniger um den hals. braucht offenbar eine extraportion zuwendung, der schwarze wuschel. so werde ich mit ihm heute einen extraschönen ausritt mit pferd machen und danach gibt es ein paar leckerlis. mal schauen, vielleicht kratz ich ihm auch die pfoten aus und schmiere sie mit huffett ein, das mag er ja besonders gern 😉

Bohnen in den Ohren

joschi hat derzeit bohnen in den ohren. hört mäßig bis gar nicht. ob er immer noch den tierarztbesuch und den verlust einiger zähne übel nimmt? zuzutrauen wäre es ihm. jegliche joschi-rufe werden ignoriert und erst etwa nach dem fünften mal schließlich auch honoriert. er dreht einem dann den kopf zu. kommen tut er nicht. nur manchmal *seufz*.

da joschi ansonsten ein sehr lieber hund ist, lassen wir es ihm grad ein bisschen durchgehen. aber nur ein bisschen. vorgestern wurde beim waldspaziergang aufgrund eines totalen hörverlustes eine kleine hundetrainings-einheit fällig. sozusagen ein hunde-kurz-boot-camp.

und es wurde uns einmal mehr klar, wie klug tibet terrier sind. sobald das ihm bekannte signal ertönte: „joschi, steh!stand er auch schon wie eine eins. und spulte das komplette trainingsprogramm: steh! sitz! platz! voraus! bei fuß! bleib!“ völlig gelassen ab. mit sichtlich gelangweiltem gesichtsausdruck. beim befehl „platz“ schlug er sogar die vorderpfoten übereinander.

er wusste auch genau, wann die trainingseinheit vorüber war. sofort war der stopfen wieder in den ohren.

 

„joschi, sitz!“

Joschi beim Tierarzt

neben mir sitzt ein sehr armer, sehr geschrumpfter, schwarzer, wuscheliger tibet terrier. joschi. leidend. arm. sehr arm. wir hatten gestern einen termin zum zahnsteinentfernen beim tierarzt. joschi hasst den tierarzt. also, nicht diesen im besonderen, sondern er hasst ALLE tierärzte. schon der weg die einfahrt hoch zur eingangstür war schlimm. er zitterte wie espenlaub. direkt vor der tür stand eine riesige, schwarz-weiße dogge, die noch mehr zitterte. sie zitterte so stark, dass der mann, der sie an der leine hielt, mitzitterte. joschi und die zitterdogge schauten sich kurz und tief in die augen, zitternd, und betraten die anmeldung gemeinsam. dort schrumpfte die dogge auf dackelgröße.

joschi beisst tierärzte sehr gerne. aus diesem grund bekam er schon im wartezimmer einen kleinen maulkorb. joschi mit maulkorb sieht sehr lustig aus, ich weiß, das ist gemein, aber er sieht wirklich sehr lustig aus. er hört auf, sich zu bewegen und guckt extrem finster. wie ein kettensägenmörderhund.

er bekam eine narkose. als ich sah, wie er binnen sekunden in sich zusammensackte, wurde es mir sehr schummerig *grusel*, das sieht schrecklich aus 😯

nach 1 stunde durften wir den armen schnuffel wieder abholen und als die helferin ihn wie einen kleinen, nassen sack die treppe hochtrug, brach uns schier das herz. so ein armer hund. der arzt musste joschi ein paar zähne ziehen, da einige entzündet und einer abgebrochen war. joschi hat jetzt ein paar kleine zahnlücken. sieht aus wie ein grundschulhund. gestern war er völlig neben der spur, wackelte schwankend durch das haus und schaute ganz belämmert aus der wäsche. heute geht es ihm schon besser, er ist aber immer noch sehr, sehr arm. es wurde noch ein blutbild gemacht, aus dem hervorging, dass joschi ansonsten kerngesund ist. und morgen geht es ihm sicher wieder richtig gut und ich nehme ihn mit lola auf einen schöne, sonnigen ausritt mit 😆

Joschi vor neuen Herausforderungen

was soll ich sagen. auch ein hundeleben ist ständigen veränderungen unterworfen. so sah sich mein joschi, allgemein bekannt als mittelgroßer, wuscheliger, schwarzer hütehund, im vergangenen jahr von einem tag auf den anderen mit einem neuen familienzugang konfrontiert: lola, marke oldenburger stute. und mit lola gleichzeitig auch mit einer neuen lebenssituation: reitbegleithund, pferdehütehund, eifersüchtiger pferdehütehund, der darauf besteht, sich striegeln und die pfoten auskratzen zu lassen.

als waschechter tibet terrier hatte joschi zunächst die irrige vorstellung, chef aller anwesenden hofhunde zu sein. kurze zeit und diverse hunderaufereien später musste er sich von dieser vorstellung verabschieden und fand sich als unterste sprosse einer langen leiter der rangordnung wieder. so kanns gehen 😉

und nun, nur 1 jahr später, steht er vor einer neuen herausforderung. ich habe vor 2 wochen den reitstall gewechselt. große aufregung, kann ich nur sagen. lola, die sich nach 14 jahren in eine neue umgebung, und vor allem in eine neue herde, einleben muss, tat sich zunächst sehr schwer. wenn man beobachtet, wie eine stute versucht, ihren platz in einer neuen herde zu finden, versteht man den begriff stutenbissigkeit sehr genau. mir hat das herz geblutet, als ich über tage mit ansehen musste, wie sie gemobbt wurde und sich vergeblich darum bemühte, die gunst der leitstute zu gewinnen. wer einmal erlebt hat, wie sein pferd einsam und todunglücklich, weitab von der herde, unter einem apfelbaum steht und sehnsüchtig zur herde schaut, die ihr konsequent den hintern zudreht, der versteht, was wahres leid ist. aber, meine lieben, mein liebes pferdchen hat es seit vorgestern tatsächlich geschafft und ist jetzt offizielle freundin der leitstute. ich habe im leben noch kein glücklicheres pferd gesehen *korken knall*.

joschi indes hat gänzlich andere probleme: viele, neue stallhunde. es gibt derer wirklich sehr viele. große, kleine, mini, lieb, böse. die meisten hat er bereits getroffen und es ging ohne blessuren vonstatten. ich bin fast ein wenig erstaunt. entweder joschi wird langsam älter und ruhiger oder er hat dazugelernt.

da wäre egon, der hofhund und chef. der pate unter den hofhunden sozusagen. unkastrierter rüde, groß, schwarz, mächtig, imposant, dominant und 100% souverän. mir rutschte das herz noch tiefer in die hose als joschi, als ich egon sah. die hofbesitzer sagten mir, egon sei brav, es sei aber wichtig, dass joschi ihm nicht in sein revier käme und ihn als chef akzeptiere. darin ist joschi in der regel nicht so gut, knurrt er doch mit vorliebe größere, und vor allem schwarze hunde an. aber siehe da, es genügte eines beeindruckenden aufblitzens des schneeweißen gebisses, was bei einem pechschwarzen hund besonders beeindruckend ist und eines langen, tiefen blickes, und joschi verstand die botschaft: „piss nicht in mein revier, du tibetischer zottel, sonst zieh ich dir deine rastalocken glatt.“ puh. ich hoffe, es bleibt dabei.

eine weitere gefahrenzone ist tarzan, der ungelogen größte kampfhund, den ich je gesehen hab. ein mix aus allem, was groß, böse und kämpferisch ist. und unkastriert. uff. warum haben menschen solche hunde? das gute an tarzan ist, dass er auf dem hof absoluten leinenzwang hat. ihm sind wir bislang 3x begegnet. jedesmal fing er bei joschis anblick an zu sabbern und zu zittern.

das wären vorläufig alle gefahrenzonen, die übrigen hunde sind klein und überwiegend freundlich. obwohl, da wäre noch heinz, der braune pudel. den hat joschi kürzlich den hof einmal rauf- und wieder runtergerauft. ich kann es mir nur so erklären, dass joschi ihn als egon-frust-ventil missbraucht hat. heinz war völlig geschockt deswegen und versteckte sich danach im kuhstall. hat gott-sei-dank keiner mitbekommen.

es gibt auch einige kleine, wunschelige hündinnen, die joschi bekanntlich ja besonders liebt. derzeit verhält er sich aber überraschend zurückhaltend, was ich eindeutig auf egons präsenz zurückführe. vor egon hat joschi die hosen voll. als ich vor einigen tagen mit ein paar anderen reitern bei einer limo zusammen saß, schlich egon um uns herum und terrorisierte joschi aus allen denkbaren winkeln mit abgrundtief bösen blicken. joschi schrumpfte immer weiter in seinem fell zusammen. bis es ihm zu bunt wurde. still und unauffällig verdrückte er sich. als ich ihm hinterherging, sah ich, wie er sich in lolas leere box schlich und sich dort gemütlich und sicher ins heu legte. man muss sich nur zu helfen wissen.

Joschi, der Pferdedominator

das verhältnis von joschi (meinem hund) und lola (meinem pferd) ist euch ja hinreichend bekannt. so ist joschis beziehung zu lola von glühender eifersucht geprägt, die sich in mitunter seltsamen auswüchsen äußert: so etwa joschis beharren, direkt nach lola ebenfalls gestriegelt zu werden, die pfoten ausgekratzt zu bekommen und anschließend, gleich lola, mit einem harten brotkanten belohnt zu werden. es ist auch bekannt, dass joschi zu hause beim bloßen anblick einer bürste sofort daran geht, die familie ausrotten zu wollen und beim anblick eines harten brotkanten seine siebensachen packen und zum nachbarn ziehen würde. es ist aber nicht nur eifersucht, die ihn umtreibt. mit der gleichen leidenschaft begleitet er frauchen und pferd ins gelände und wirft sich mächtig ins zeug, um im trab mitzuhalten und im galopp abkürzungen zu finden, um vor uns am ziel zu sein. gelegentlich geht er uns dabei verloren und muss im anschluss ausdauernd im gelände gesucht werden. nicht immer zu lolas vergnügen, die, einmal auf dem weg zurück in den stall und zum futter in ihrer box, keinerlei interesse hat, umzukehren und einen mittelgroßen, schwarzen, wuscheligen hütehund zu suchen.

lolas beziehung zu joschi ist ebenfalls nicht frei von eifersucht. diese tritt vor allem dann zu tage, wenn joschi gestriegelt und mit brot gefüttert wird. dann wird heftig mit den hufen geschabt und geschnaubt. ansonsten begnügt sich lola damit, joschi zu beäugen. und ihn manchmal von hinten unerwartet mit der schnauze anzumuffen. joschi verwandelt sich dann zuverlässig in einen tasmanischen teufel und ich könnte schwören, dass lola bei diesem anblick grinst. gelegentlich versucht lola, die nicht die mutigste ist, sich hinter joschi zu verstecken. im nebel zum beispiel. oder ihn als mutigen ritter vorausgehen zu lassen. gestern zum beispiel. nachdem ich 10 geschlagene minuten versucht habe, lola an einer rot-weiß-gestreiften schranke vorbeizureiten und lola fest davon überzeugt war, von der schranke mit absoluter gewissheit getötet zu werden. joschi, der sich diesen anfall von hysterie eine weile verdutzt und anschließend gelangweilt anschaute, drehte sich irgendwann einfach um und trabte an der bösen schranke vorbei. und was machte lola? trabte hinterher.

gestern aber habe ich eine völlig neue komponente in joschis verhältnis zu lola entdeckt: stolz. der stolz eines reitbegleithundes. vielleicht auch eines pferdedominators (möglicherweise joschis wahrnehmung). jedenfalls ritten wir auf dem heimweg über einen schönen, langen feldweg, als uns eine fahrradfahrerin mit einem großen, schwarzen labradorrüden entgegenkam. ich wurde etwas unruhig, da joschi und große rüden, belgische schäferhunde und schwarze labradorrüden insbesondere, ein kapitel für sich sind. in der regel geht joschi mit solchen begegnungen recht offensiv um und anschließend müssen 2 hunde unter gebrüll der besitzer voneinander getrennt und ein wehklagender joschi auf bissstellen untersucht werden.

nicht so gestern.

da ich schlichtweg zu faul war, abzusteigen und joschi anzuleinen und lola, von bremsen verfolgt, kurz davor war, abzuhauen, ließ ich ihn laufen. seinem schicksal entgegen. und was passierte?

joschi trabte hoch erhobenen hauptes neben lola am labrador vorbei. nicht, ohne ihm einen todesverächtlichen blick von der seite zuzuwerfen. der blick eines pferdedominators auf einen simplen drahtesel-begleithund.

hach leute, was ist das schön, wieder zuhause zu sein. hab die beiden zottels echt vermisst.