Bericht aus der Reha: kleine Lästerstunde

ich komm deswegen sicher nicht in die hölle, wenn ich jetzt mal ein kleines bisschen lästere, oder?

also: ich bin ja jetzt 10 tage hier in der rehaklinik und habe einen ungefähren überblick darüber, wer hier so alles durch die gänge kreucht und fleucht. die meisten sehen völlig normal aus. obwohl, lustig ist das ja schon. in wirklichkeit ist das hier ja so eine art reparaturwerkstatt. so wird also gehinkt, geschlurft, geschleppt, aber auch dynamisch mit federndem gang gespurtet und man fragt sich dann jedesmal: „hm, weswegen der oder die wohl hier ist?“. die klinik ist spezialisiert auf brustkrebs-, orthopädie-, allergie- und hauterkrankungen. die hautleute erkennt man meist sofort ;-), die orthopädieleute je nach gebrechen, die brustkrebsleute haben in der regel kurze haare oder perücken und man erkennt sie auch. aber es gibt auch ausnahmen. so erkennt man mich zum beispiel nicht als brustkrebspatientin, weil ich meine haare noch habe. vermutlich rätseln auch einige, warum ich hier bin.

neben den vielen normalos gibt es hier aber auch ein paar skurile gestalten. mr. boombastic hatten wir ja schon. er bleibt sich treu. man sieht ihn meist von kichernden blondinen umgeben, zum frühsport erschien er heute mit spiegelverglaster rayban-sonnenbrille und sonnengebräunten oberarmen. yes! dann haben wir einen sehr skurilen zeitgenossen hier. ich nenne ihn mr. robbe, weil er so einen seehundschaunzer hat. er hat wuschelige, graue haare, besagten schnorres und läuft konsequent im anzug herum, mit seidenschal, jawoll. zum sportprogramm erscheint er im immer gleichen sportanzug, marke ich bin schon 100 jahre alt und nicht gewaschen, wanderschuhen und bei outdooraktivitäten mit steppjacke drüber. er hat immer den gleichen gesichtsausdruck – grimmig – und ist irgendwie immer neben der spur. heute beim frühsport standen alle in einem großen kreis am strand, wer steht fast in der mitte, alleine? robbe. so kam die ganze gruppe in den genuss, ihn beobachten zu können. vor allem die übung wir rotieren die arme in entgegengesetzter richtung bot amüsante blickmöglichkeiten. meine nachbarin stupste mich kichernd an und sagte: „hihi, stell dir vor, wir wären im fernsehen und alle würden ihn sehen. da käm doch keiner mehr her.

dann gibt es noch die tussi-clique. sitzen alle an einem tisch, wir nennen ihn den denverclan-tisch, sind um die 60 und kommen immer in vollem prunk zum essen. ich mein, hier kommen fast alle im sport-outfit, aber die tussis nicht. escada, hermes, burberry, am besten alles kombiniert in schrillen farben, dazu goldene kreolen bis zur schulter. sehr lustig. auch die gesichter sind „bearbeitet“.

wen hätten wir noch? den club der lustigen tanten. wohnen bei mir im gang, sind um die 70 und mächtig gut drauf. fragen immer lustige sache, zum beispiel heute: „sagen sie mal, die gemischte sauna am donnerstag, ist die nackig?“ ich: „nein, soweit ich weiß, nicht.“ tante: „och schade, dann geh ich nicht hin.“

ach ja, und jesus ist auch hier. lange haare, jesuslatschen, und dieser besondere blick. sehr speziell. von dem habe ich noch nicht so ganz den plan im sack. muss ich dranbleiben.

so, erstmal genug gelästert für heute. was gibts ansonsten? mir gehts wieder gut, das ei ist sozusagen wieder gekocht. allerdings soll ich morgen nochmal zum psychologen, hmpf, ich hoffe, der versaut mir nicht das wochenende. habe aber gehört, dass alle heulend da rauskommen. ich war heute extrem aktiv und merke bereits, wie meine fitness steigt. meine beine laufen irgendwie von alleine und fühlen sich total leicht an, echt coooool. ich war heute um 7 zum frühsport am strand und danach im geräteraum zum krafttraining und danach schwimmen. nachmittags gabs wieder mein geliebtes qigong und ich habe 30 minuten lang nur solche dinge gemacht: den regenbogen getragen; wolken hochgehoben, auseinandergeschoben und verteilt; den himmel gestützt; den adler erschossen und schäfchenwolken zart gestreichelt. was für ein herrlicher zeitvertreib! „und, was hast du heute so gemacht?“ „och, schäfchenwolken zart gestreichelt.“ 😆

danach stand nordic walking & walking auf dem programm. für mich das erste mal hier. als ich am treffpunkt ankam, stand da eine voll dynamische truppe in den startlöchern. eine zu spät kommende, ältere, sehr füllige frau begrüßte uns mit den worten: „ohjeh seht ihr alle sportlich aus. wird die gruppe geteilt? in sportliche und solche wie mich?“ jesus war auch da und schaute mich hypnotisch an. und die robbe war da – grimmig wie immer.

wir hatten einen prächtigen sonnentag heute und ich war 1 stunde am strand und war nackig schwimmen. toll, so ein fkk-strand. jetzt werde ich nochmal zum strand runtergehen und mir den sonnenuntergang anschauen. hey, nicht schlecht, oder?