Schluss mit lustig – ich werde assi

ich war bislang meist ein sehr höflicher und freundlicher mensch. jetzt nicht so der typ, der alle last auf seine schultern lädt, und gleich die andere backe hinhält, aber doch eher darauf bedacht, keinen stress zu machen und lieber die klappe zu halten, wenn zum beispiel: mir jemand den parkplatz wegschnappt; das essen im restaurant nicht in ordnung ist und solche sachen. ich lasse im supermarkt menschen vor, die nur 2 artikel in der hand halten und helfe fremden menschen auf der straße. ich glaube, ich bin so der typus, der ziemlich oft sagt: „macht nichts. ist nicht so schlimm„. mein mann macht in solchen situationen gerne stress und mir ist das dann peinlich. ich finde es unangenehm, wenn menschen in der öffentlichkeit wegen irgendetwas ballawer machen. finde ich echt assi. ich kann zwar ordentlich aus der haut fahren, aber da muss man mich schon sehr reizen. das heißt aber nicht, dass ich nicht oft große lust habe, dem parkplatz-wegschnapper ne schöne fette beule ins blech zu fahren, den unverschämten koch zwingen will, seine pampe selbst zu essen oder aber dem menschen, der an mir vorbeidüst, sich vor mir durch die tür quetscht und mir die tür vor der nase zuknallt, einfach mal eine zu bummen. mental bin ich ehrlich gesagt öfters mal in raufereien verwickelt.

in den letzten wochen ändert sich meine wahrnehmung diesbezüglich. irgendwie keimt da was. ich denke, dass es womöglich assi ist, mal komplett unhöflich zu sein, aber vielleicht ja auch gesund, wenn man menschen, die sich wie assis benehmen, einen vor den koffer gibt. mein erlebnis mit renate sprunginderschlüssel (siehe zwangstherapiert) ließ in mir die überzeugung reifen, das es jetzt mal gut ist mit der übertriebenen höflichkeit. anstatt „würdest du mich jetzt bitte in ruhe lassen: ich möchte nicht darüber reden“ und mir dann noch minutenlang den müll anzuhören und mir das wochenende versauen zu lassen, hätte ich sofort nach dem einleitenden satz sagen sollen:

„heb deinen fetten arsch vom stuhl und zieh leine du psychotante. und nimm deine hässliche handtasche mit!“

allein der gedanke tut gut.

heute morgen konnte ich mein neues bewusstsein verwirklichen 😆

ich habe letzte woche eine ebay-verkaufsaktion gemacht, die mich nun die ganze woche genervt hat. ziemliche action das ganze. heute morgen habe ich etwa 32 DHL-päckchen mittlerer größe in mein auto geladen um sie nach dem kliniktermin endlich auf den weg zu bringen. vor der post war ein schöner parkplatz, direkt neben dem eingang, perfekt für mich. ich hätte nur die autotür aufmachen müssen und die päckchen gleich in die postagentur tragen können. ich bin also schon auf der parkplatz-einbiege-strecke, flatsch fährt mit schwung ein blauer kombi auf den parkplatz und bleibt schräg stehen. im auto eine fette blondine mit assi-palme auf dem schädel. oookaaaayyyyy. ich mich also nebendran gestellt. pamela anderson für arme nebendran kruscht in ihrem wagen rum. ich steige kompliziert aus, da sie dicht an meiner fahrertür steht, hole umständlich die erste fuhre päckchen raus, balanciere sie zum eingang, mache mit ellbogen und fuß die tür auf und stelle den berg auf den schalter. zum auto zurück, nächste fuhre holen. gleiches prozedere wie zuvor.

außer: ich will gerade die tür öffnen, da rauscht die walküre an mir vorbei, einen brief in der hand, reißt die tür auf, zwängt sich hindurch und knallt mir die tür vor der nase zu.

okay, diesmal ohne mich!

souverän betrete ich die post, sehe pamela am schalter stehen, die gerade ihren brief wegschicken will und sage laut und deutlich:

ich glaube, sie sind nicht dran. sie sehen ja, dass meine pakete schon da stehen.“

pamela schaut genervt und meint: „ich hab nur einen brief

ich: „und ich habe nur 32 päckchen, geht ganz schnell.

sie: „können sie mich nicht grad vorlassen?“

ich: „nein. wenn sie mir eben die tür aufgehalten hätten, würde ich darüber nachdenken. so jedoch nicht.“

wow, ich bin saustolz auf mich.

gestern wollte mein mann mich davon überzeugen, renate sprunginderschlüssel den link zu meinem blog-eintrag zu schicken. ich habe mich nicht getraut, aber ich denke darüber nach. vielleicht mache ich es doch.

ein bisschen assi schadet nie!