Joschi in der Normandie oder: ein Hund im Paradies!

joschi war 1 woche mit uns in der normandie oder besser gesagt: joschi war 1 woche im paradies. warum paradies? 1. er durfte mit 2. er durfte überallhin mit 3. er war das erste mal richtig am meer 4. er durfte im bett schlafen 5. er bekam häppchen vom tisch 6. er wurde von schätzungsweise der gesamten normannischen bevölkerung gekuschelt.

joschi ist, wie bereits bekannt, ein mittelgroßer, schwarzer, wuscheliger (derzeit frisch geschorener) hütehund. und zwar ein hütehund mit leib und seele. für einen hütehund ist es das größte, überallhin mitzudürfen, damit er einen immer und überall hüten kann. das war ein fest für joschi in der normandie, denn er durfte überall und wirklich überall hin mit. die normandie ist ein sehr hundefreundlicher landstrich und man trifft hunde überall: in allen gassen, in restaurants, in geschäften und am strand. ich habe noch nie so viele hunde am strand gesehen, wie dort. hunde, kinder, alles düst herum. joschi war einmal an der nordsee und dort durfte er nur an der leine an den hundestrand, was er eher öde fand. und nun das: endlose, wilde strände und grenzenlose freiheit.

wer tibet terrier kennt, weiß, dass sie keinen jagdtrieb haben. joschi jagt nicht. den einen oder anderen hasen, der ihm bislang an der nase vorbeilief, starrte er nur fassungslos an. eine kleine ausnahme macht er bei fröschen, die er in bachläufen sucht und falls er mal einen findet, was bislang zweimal vorgekommen ist, wird er kurz ins maul genommen und dann wie ein kirschkern wieder ausgespuckt. mäuse findet er manchmal ein bisschen interessant. wie auch immer, in der normandie hatte joschi sein coming out als jagdhund. er suchte fieberhaft mäuse, so richtig mit angehobener pfote wie ein vorstehhund und jagte vögel am strand bis ins wasser wie ein vortrefflicher wasserhund. ok, nicht alle vögel, sondern nur die kleinen, schwarzweißen, die ihm den gefallen taten, flach über dem boden, in kopfnähe zu fliegen und sich endlos jagen zu lassen. hier kam es zu einer verwechslung: auch möwen sind schwarzweiß. und sie lassen sich nicht so ohne weiteres einschüchtern. das merkte joschi aber erst, nachdem er sich dem vermeintlich erprobtem jagdobjekt näherte und sich plötzlich auge in auge mit einer stattlichen, normannischen, etwa gleichgroßen möwe sah, die keinerlei anstalten machte wegzufliegen oder sich jagen zu lassen. joschi bog unauffällig ab, und tat so, als würde er ein stöckchen holen. könnten hunde pfeifen, er hätte gepfiffen;-)

joschi hatte noch ein weiteres coming out, als gourmet. da er ins restaurant mitdurfte, bekam er ab und an was vom tisch. ich schwöre, das machen wir sonst nie nie nie, aber er hatte nunmal auch ferien. joschi kostete: ente, krabbe, lamm, lauwarmen schokokuchen, und als höhepunkt eine ganze portion kalbskopf. diesen hatte ich mir als mutprobe bestellt und als kurze zeit später ein teller mit 3 wackelpudding-artigen fettstücken vor mir stand, verließ mich der mut. so kam joschi in den genuss der ganzen portion, die er mit dicken backen und glupschaugen aß. dafür verweigerte er ab diesem zeitpunkt konsequent sein mitgebrachtes hundefutter. pfffft, wer isst schon rinti, wenn er gänsestopfleber bekommen kann. ach ja, solltet ihr in die normandie fahren, esst keinen kalbskopf (tete de veaux) ist nämlich absolut *oberwürg*.

joschi erfreute sich eines außerordentlichen beliebtheitsgrades. er ist ja schon ein sehr süßer schnuffel und das weiß er auch gezielt einzusetzen. in der normandie war er in der öffentlichkeit ein vorzeigehund, vor allem im restaurant (könnte ja was abfallen). so saß er mit riesigen, braunen kulleraugen brav neben dem tisch und schaute sehnsüchtig die tischnachbarn an, was natürlich in weiteren häppchen und kuscheleinheiten und aussprüchen wie: „il est très jolie (er ist sehr hübsch)“, il a des yeux très expressives (er hat sehr ausdrucksvolle augen)“ und „il est tres sage“ gipfelte. mein französisch ist auch schon ein paar jährchen her und ziemlich eingerostet. so fiel mir partout nicht mehr ein, was sage heißt. ich hatte das irgendwie als sauber abgespeichert. warum sagten aber dauernd alle, joschi sei sauber? gut, er war nicht gerade dreckig, aber so sauber, dass man dauernd drüber reden muss, auch wieder nicht. irgendwann fiel der groschen: sage heißt brav. habe ich wieder was gelernt 😆

es gab jedoch noch ein ganz besonderes coming out: joschi ist ein topmodel. normalerweise lässt er sich nur schwer fotografieren, dreht den kopf weg, dreht sich um und meist sieht man nur ein verschwommenes, schwarzes, fell. ihr erinnert euch noch an das foto, dass ich kurz vor dem urlaub nach seinem friseurbesuch aufgenommen habe, dass auf dem betonsockel? da hatte ich ihm eingeschärft, er solle ruhig sitzen bleiben, was mich einige mühe kostete. offenbar hat es da bei ihm aber klick gemacht. in der normandie begann joschi zu posen. wenn ich euch das sage, meine ich auch wirklich posen, wie die klum-mädchen. ach was, die sind nichts gegen joschi. zunächst dachten wir, es sei zufall, dass er sich mit erhobener schnauze hinsetze, wenn wir ihn fotografieren wollten. schnell kapierten wir aber, dass er es bewusst machte. sobald ich den fotoapparat zückte, flatsch, saß joschi ungefragt vor der linse und drehte sein näschen gekonnt hierhin und dorthin. zum knutschen. so entstand eine ganze serie wunderbarer fotos, die ich euch nicht vorenthalten will, viel spaß!