Kleine Alltagsgeschichten…

regnets bei euch auch bindfäden? aber immerhin ist es ein warmer sommerregen und kein kalter februarregen, so kann man sich regen schönreden 😉 und während ich hier in die tasten tippe, kommt von rechts schon blauer himmel 😆

gestern war ich das 1x alleine beim pferd. lola stand auf der weide. als ich dort ankam, war ich ganz froh, dass ihre besitzerin mitgekommen war, ich hätte lola sonst vermutlich nicht gefunden in der pferdeherde, hab sie ja erst 3x gesehen. haha, wäre sicher auch ein spaß gewesen, wenn ich das falsche pferd mitgenommen und geritten hätte 😆

ich bin mit ihr in die reithalle gegangen, da ich in ruhe testen wollte, wie es so ist mit ihr, alleine. und vor allem wie der gallopp funktioniert, den ich bislang noch nicht ausprobiert habe. das war schon witzig. ich auf einem pferd in der halle. ich glaube, das letzte mal ist jetzt über 20 jahre her. ich war erstaunt, wie gut das gestern geklappt hat. lola hat mir der himmel geschickt. sie ist brav, fleißig und kann alles. macht alles, was ichvon ihr will und das ohne murren. was für ein braves pferdchen. außerdem ist sie extrem goldig, habe mich richtig in sie verliebt. sie ist sehr neugierig. um die reithalle ist eine hohe bande und nur am ein- bzw. ausgang ist über der tür eine große sichtluke nach draußen auf den hof. die sichtluke ist allerdings so hoch angesetzt, dass ein pferd von lolas größe nicht einfach rausschauen kann. da draußen allerlei interessante geräusche vor sich gingen, schraubte lola jedesmal beim vorbeireiten ihren hals vorsichtig hoch und spähte mit riesigen augen raus. das mit dem „riesige augen machen“ scheint ihre spezialität zu sein, hat sie ja im gelände schon gemacht. als dann noch ein stallbursche mit einem ewig langen, gelben wasserschlauch in die halle kam und begann den boden zu sprengen, fielen ihr fast die augen aus dem kopf. echt süß. nach 2 stunden reiten und pferdkuscheln hatte ich auch nicht mehr das dringende bedürfnis schreiend in den wald zu rennen und fuhr deutlich entspannter nach hause zurück. schöne sache ist das mit dem reiten. ich bin stolz auf mich, dass ich mein in der reha gefasstes vorhaben so schnell in die tat umgesetzt habe.

joschi war gestern noch nicht mit, er war mit meinem sohn über nacht im elternhaus seiner freundin und kam gestern abend sehr zufrieden zurück. auch süß. sein ausflug scheint von erfolg gekrönt gewesen zu sein. wie ich gehört habe, wurde er dort von allen gehätschelt und bewundert. außerdem gibt es dort im garten einen teich mit fröschen. das ist eine sache ganz nach joschis geschmack. auf dem reiterhof waren gestern tonnenweise hunde. an der leine, ohne leine, angebunden, frei umherlaufend, alles vertreten. alles bellte durcheinander. ich habe auch schon den boss der truppe ausfindig gemacht: paul. paul ist ein deutscher terrier-mix und ganz offensichtlich der boss. tja, das wird dann munter werden mit joschi. ein zusammentreffen zweier machos und hoffentlich kein kampf der giganten. ich denke mal, die beiden müssen das untereinander klären und wir werden sehen, wer der stärkere ist. morgen nehme ich joschi mit.

was gibt es sonst noch? nicht viel. heute morgen war ich mit joschi spazieren und in unserer straße war gerade handwerker-eintreffen im gange. alle waren mächtig gut aufgelegt und wünschten mir einen schönen, guten morgen. einer rief mir sogar von hinten lautstark hinter: “ einen schönen, guten morgen, junge frau!“ ich liebe sowas, es geht doch nichts über nette menschen.

im büro habe ich heute morgen mal den versuchsballon „zeitlich begrenzte reduzierung meiner stelle auf 3/4“ steigen lassen. ich glaube, das klappt. ich möchte ab januar 2 jahre lang reduzieren, einfach mal, um es etwas langsamer angehen zu lassen. ich finde, das habe ich mir jetzt mal verdient.

und ich habe gestern meine erste mistel-injektion bekommen, tut gar nicht weh *erleichtert seufz*. ich denke aber mal, ich überlasse das gepieke 3x wöchentlich meinem mann. mir selbst die nadel in den bauch zu schieben, brrr, nö, das muss nicht sein.

Brustkrebstagebuch: das Wunder namens Leben

mir ist eben beim hundespaziergang noch eine lustige episode aus der reha eingefallen: wir waren mit unserer reha-clique (ihr wisst schon, bandscheiben-sanne, leuko-robbie & co) zum fussballgucken in der benachbarten reha-strandkneipe. als wir so am tisch saßen und rumalberten, wurde auch die eine oder andere erkrankung thematisiert. mit an dem langen tisch saß eine frau mit ihrem sohn. offenbar hörte sie uns zu, denn plötzlich sah sie uns an und fragte:

„seid ihr aus dem heim?“

🙂 🙂 🙂

die kandidatin hat 100 punkte. wir hatten tränen vor lachen in den augen.

die zeit geht so schnell vorbei, wahnsinn. ich bin jetzt genau 1 woche aus der reha zurück und schwelge nach wie vor in meinem neugewonnenem energiereichtum. die energiequelle sprudelt munter vor sich hin. ich mache jeden tag jede menge sport, weil es mich regelrecht in den muskeln juckt und ansonsten bin ich guter dinge. heute vormittag bin ich ein wenig übers land gefahren um mir den einen oder anderen reitstall anzuschauen. mir ist vor allem wichtig, was für pferde es dort gibt und wie das ausreitgelände ist. so verschlug es mich zunächst auf einen kleinen, abgelegenen, idyllischen hof, auf dem keine menschenseele zu sehen war. kein auto, kein mensch, menschenleer. dafür gab es jede menge tiere. 2 bunte, wohlgenährte katzen kamen angeschossen und miauten mich an wie verrückt, schnurrten um meine beine und verfolgten mich auf schritt und tritt. ein paar gänse schlossen sich schnatternd an. 1 einsames pony stand im stall, streckte den kopf aus der box und wieherte mir entgegen. grillen zirpten und die stallgebäude, wildrosenbüsche und pferdekoppeln drumherum flirrten in der hitze. eine herrliche atmosphäre. ich machte einen kurzen erkundungsgang zu den koppeln und entdeckte nur ponys. hm. kein großes pferd weit und breit. ich verbschiedete mich von katzen und pferd und fuhr weiter. auf dem rückweg zurück zur hauptstraße kam ich zufällig an einem kleinen reitstall vorbei, der araberpferde auf der kleinen koppel davor stehen hatte. araber: mein traum! ich fuhr auf den hof und stieg aus. sofort erschien wie aus dem nichts ein stämmiges, sehr selbstbewusstes männliches wesen in gummistiefeln, arbeitshose, nacktem oberkörper und einer pompösen goldkette mit massivem goldanhänger um den hals. sehr wunderlich. war wohl der besitzer, ein dubioser geselle, ehrlich gesagt, sah so aus, als wollte er, dass ich sofort wieder gehe. reiten konnte man bei ihm auch nicht. weiß der geier, was er gerade in der scheune tat, als ich auf den hof fuhr. oookaaayy, bin schon weg.

im nachbarort gibt es einen etwas größeren reitstall, das wusste ich. ich fragte mich durch und fand den stall schließlich inmitten einer bilderbuchlandschaft, von blühenden wiesen und feldern umgeben, auf den koppeln grasten gesund aussehende, GROSSE pferde. das sah schon mal gut aus. das empfangkommittee, bestehend aus 3 hunden unterschiedlicher größe, die alle geschirre mit namen trugen, begrüßte mich stürmisch. allen voran der größte, paul. ja, man kann dort reiten. ja, man kann reitbeteiligung machen. ja, es gibt ein großes, wunderschönes gelände zum ausreiten. ich verließ den stall mit der telefonnummer der besitzerin in der tasche.

*herzhüpf*

morgen ruf ich sie mal an.

*herzhüpf*

ich fühle mich seit der reha wie ein kind, das mit großen augen durch das schlaraffenland läuft. hier leben, dort leben, überall leben, wahnsinn! ich muss mich nur bedienen. als hätte ich das leben neu entdeckt. oder nach langer zeit wiederentdeckt.  und ich laufe mit riesigen tüten durch die gegend und packe alles rein.

6 monate ist es nun her seit meiner diagnose, ein halbes jahr. UND WAS FÜR EIN HALBES JAHR! wo ist es hin? schnell ist es verflogen, dennoch fühlt es sich so an, als wären es jahre gewesen. jahre in der eiswüste, die sich nach und nach gewandelt hat in eine blühende wiese. ich erinnere mich sehr genau an die einzelnen wandlungsabschnitte. vom anfänglichen schock über todesangst, verzweiflung, resignation hin zu hoffnung, zuversicht und dem immer stärker an die oberfläche brechenden lebenswillen. bis jetzt. wie es wohl weitergeht? ich bemerke auch, wie sich das verhalten meiner mitmenschen mir gegenüber wandelt. am anfang war es durch angst, entsetzen, trauer, unsicherheit aber auch mitgefühl und herzlichkeit geprägt. heute tritt die sorge mehr und mehr in den hintergrund, stattdessen begegnet man mir immer öfter mit freude. freude darüber, dass es mir besser geht. einige menschen sind aus meinem umfeld verschwunden, andere sind neu dazugekommen. auf meine antwort auf die frage, wie es mir geht: „gut. sehr gut im moment. besser denn je!“ reagieren manche mit ungläubigem schweigen. ob ich keine angst habe, dass der krebs zurückkommt? na klar hab ich die, und wie. aber die angst hat sich im moment in irgendwelche tieferen schichten meines seins zurückgezogen. und ich hoffe, hoffe ganz doll, dass ich sie nie mehr daraus hervorholen muss. nie mehr.

außerdem erlebe ich gerade ein wunder. mein heuschnupfen ist weg. normalerweise ist jetzt die hoch-zeit meines heuschnupfens. von mitte mai bis ende august stopfe ich mich mit pillen und sprays voll und muss dennoch dauernd niesen, schniefen und röcheln und bin schlapp. in den letzten jahren wurde es immer schlimmer. und dieses jahr? bis auf 3 tage auf sylt, nichts. nichts. ich kann über blühende felder laufen, gräserpollen um mich herum, nichts. ohne medikamente. das ist mir seit meiner kindheit nicht mehr passiert. woran liegt das nur? an der akupunkturbehandlung von märz bis mai? oder daran, dass mein immunsystem stärker geworden ist? keine ahnung. eine medizinische erklärung gibt es vermutlich nicht dafür.

also freue ich mich mal drüber 😆

Und noch ein paar Sprossen höher auf der Leiter

in den letzten 2 wochen habe ich zunehmend das gefühl: es wird wieder. meine körperliche belastbarkeit nimmt zu. ich bekomme langsam wieder kondition. war heute das 1. mal 1 volle stunde joggen 😆

die qualität meiner gedanken ändert sich. ich denke immer öfter daran, dass ich es schaffen könnte. ich fange an, mein leben vor mir zu sehen, ohne dass es mir angst macht. ich bekomme wieder lust aufs leben. ich kann mir sogar vorstellen, wieder arbeiten zu gehen. der psychologe würde dazu wohl sagen: anpassungsprozess. ein glück gibt es diesen prozess. vor 1 monat war all dies überwiegend noch im nebel.

ich merke aber auch, dass sich die dinge geändert haben. ich habe mich verändert. ob das so bleibt? ich spüre jedenfalls veränderungen in meiner denk- und verhaltsweise. seit dem 7. januar habe ich ein neues ziel: wieder gesund werden und überleben. dieses ziel steht am ende eines weges wie eine lodernde fackel. mein persönliches olympisches feuer 😉 ich darf dieses ziel nicht aus den augen verlieren. in diesem fall ist wirklich der weg das ziel. und auf diesem weg passen ein paar gewohnte dinge nicht mehr. dazu gehört trägheit. trägheit war gestern. dazu gehört auch die tendenz, negativ zu denken. klar kann man das nie ganz abstellen, aber man kann zumindest versuchen, der negativen energie einen stoß in die andere richtung zu geben, wenn man es merkt. einfach nur ein stückchen: *stups*. dazu gehört für mich auch die erkenntnis, dass das verhalten anderer menschen, vor allem auch derer, die einem nahe stehen, letztendlich keinen einfluss auf die genesung nehmen sollte. das ist schwer. aber anders geht es nicht. sonst kommt man in teufels küche. ich fühle instinktiv, dass ich versuchen muss, mich davon ein stück weit mehr freizumachen, als bisher. ich glaube, wenn ich gesund werden will, muss ich die ganze mir zur verfügung stehende kraft und energie für diesen prozess einsetzen und sie nicht woanders aufbrauchen. konzentration gehört auch dazu. es ist ein bisschen so, als würde man auf einem hochseil gehen. *seufz*. manchmal wünscht ich, ich wär ein oberflächlicher ego-panz, der völlig selbstverständlich das nimmt, was er braucht und sich über den rest keine gedanken macht. bin ich aber nun mal nicht. ich werde das hochseil dennoch überqueren, auf meine art.

Stimmungswandel

heute morgen war erstmal nicht so dolle. war schon beim aufstehen niedergeschlagen und auf dem weg zur bestrahlung hatte ich mehrmals wasser in den augen. das kenne ich ja jetzt schon: wenn ich schon früh morgens auf dem weg zur bestrahlung wasser in den augen habe, ist das ein untrügliches zeichen dafür, dass es einer der tage ist, an denen ich nicht so gut damit klarkomme. entsprechend war dann die bestrahlung: keiner war da, ich saß mutterseelenalleine im wartezimmer und wartete anschließend mit hängenden schultern in der umkleide. aus dem spiegel schaute mich ein ganz armer katerwolf an. extrem armer katerwolf. nachdem mir mein psychoonkologe gestern attestiert hat, dass ich zwischendurch ruhig auch mal deprimiert sein darf, ja sogar soll, denn das gehöre alles dazu, ließ ich die mundwinkel erstmal unten heute. ich habe grundsätzlich eine tendenz, immer gut drauf sein zu wollen. das war schon immer so. immer am strahlen und meine umgebung am unterhalten. auch, wenn mir grad nicht danach ist. selbst wenn ich mal jemandem erzähle, dass es mir nicht gut geht, lache ich dabei. auch nicht normal eigentlich. außerdem passt das in meiner derzeitigen situation so gar nicht. zeit damit aufzuhören!

also: mit hängenden mundwinkeln zur bestrahlung, wieder weg und zur lymphdrainage und dann nach hause. zu hause angekommen, verfiel ich dann in selbstmitleid. uff. und dann hatte ich schließlich genug davon. eine gute gelegenheit um auszuprobieren, ob man mit yoga die stimmung wandeln kann. oohh, das zieht und ziept im moment vielleicht! wegen meiner narbe und wundheilung konnte ich mich die letzten 3 monate nicht richtig bewegen, nur ausgedehnte hundespaziergänge gingen. dementsprechend steif bin ich jetzt. wie ein brett. ich habe mir vor einigen tagen eine yoga-übungsreihe zusammengestellt, die immunstärkend wirken soll. mein plan ist, mich in den nächsten wochen, in denen ich noch zu hause bin, so sehr an die tägliche yoga-routine zu gewöhnen, dass sie mir selbstverständlich wird und ich sie auch fortsetze, wenn ich wieder im alltag bin. mit fulltime-job und allem drum und dran. und was soll ich sagen: nach 1 stunde yoga war das elend-gefühl weg. stattdessen fühle ich mich jetzt innerlich stark und deutlich besser drauf. so lässt sich der tag besser leben!

Liste mit Dingen, die ich gerne mache

ich mache heute etwas, das ich schon seit wochen vorhabe: eine liste erstellen mit dingen, die ich gerne mache. denn so schlimm es auch ist, dass ich an brustkrebs erkrankt bin, mit all dem rattenschwanz, den das nach sich zieht, es hat auch was gutes: ich habe jetzt zeit. zeit, das kostbare gut!

nach dem studium habe ich längere zeit freiberuflich gearbeitet. währenddessen kam die heirat, mein sohn, die scheidung. danach der wohnortwechsel mit einem neuen, festen job, 2 jahre später ein neuer mann und vor 2 jahren meine 2. heirat, das alles mit den dazu gehörigen höhen und tiefen. es war immer was los. non-stop. ich arbeite nun seit  11 jahren fest angestellt, ganztags, von 8 bis 5, viele überstunden, häufig auch am wochenende. es ist ein job, der zwar abwechslungsreich aber auch mit viel ärger und stress verbunden ist, den ich nur zu gerne mental und emotional mit nach hause, ins wochenende und in den urlaub nehme. ich bin ein mensch, der sein leben darüber hinaus gerne vollpackt: mit sport, verabredungen, hier noch was, da noch was, immer wieder was neues anfangen, bloß nichts verpassen.

tja, und dann kam am 5. januar die zäsur. das große stopp-schild, das mich so vollständig ausgebremst und auf mich selbst zurückgeworfen hat. wie eine riesige schere, die mein leben in der mitte durchgeschnitten hat. ich stand da und fragte mich: „wo bitte schön ist jetzt norden?“

ich kann auf den brustkrebs gut und gerne verzichten, das könnt ihr mir glauben, aber diese auszeit tut mir dennoch auch gut. ich sehe als geschenk und als chance. den begriff schicksal als chance habe ich immer ein bisschen belächelt, jetzt nehme ich ihn ernst und weiß, was er bedeutet. in den vergangenen 2 jahren, vor allem letztes jahr habe ich in mir immer ein unterschwelliges unbehagen gespürt. ob mein unterbewusstsein mir signale über meine erkrankung geschickt hat? ich weiß es nicht. ich weiß aber, dass ich mich zunehmend gefragt habe: „was ist eigentlich los mit mir? ich habe doch alles, was ein erfülltes leben ausmacht. warum bin ich nicht glücklich? was stimmt hier nicht?“ an silvester vergangenen jahres saß ich schließlich da und hatte das gefühl, in einer sackgasse gelandet zu sein. aus der ich rauswollte. nur wie? ich erinnere mich an einen gedanken in dieser nacht: „ich könnte mal eine längere auszeit gebrauchen.“ dass ich diese auszeit nur 4 tage später, am 5. januar, mit der entdeckung des knotens in meiner brust bekommen sollte, ist ironie des schicksals. aber so ist das, im grunde wissen wir keinen deut, was das schicksal in der nächsten sekunde für uns bereithält.

da hatte ich nun meine auszeit. zeit, über die ich frei verfügen kann. zeit, in der ich die dinge machen kann, die mir wirklich spaß machen. die da wären? kurz nach meiner opration dachte ich darüber nach und: starrte in ein großes leeres loch. schock! da war nichts. dann fielen mir dinge ein, die bei einer genaueren prüfung ergaben, dass sie mir nur spaß machen, weil sie einfach spaß machen müssen. etwa weil sie besonders toll sind oder von mir erwartet werden. dann fielen mir all die dinge ein, die ich nicht gerne mache, die meisten davon aber machen muss. das waren ganz schön viele! was für ein durcheinander! mir wurde schließlich bewusst, dass ich vermutlich die vergangenen 15 jahre nicht mehr richtig darüber nachgedacht habe, was ich wirklich liebe zu tun. mit richtig meine ich: zu ende darüber nachgedacht. mit ergebnis. deswegen war da jetzt ein leeres loch.

ich habe beschlossen, dieses loch zu füllen. zunächst in gedanken. mit all den dingen, die mir spaß machen; die ich vernachlässigt habe; die ich mich bislang nicht getraut habe; für die ich keine zeit hatte; die ich als zu langweilig eingestuft und deshalb nicht gemacht habe; die ich schon immer mal machen wollte. mit der zeit will ich meinen wünschen immer mehr kraft und gestalt verleihen. bis sie immer stärker werden und schließlich wirklichkeit und bestandteil meines lebens werden. und ich habe beschlossen, mal gründlich auszusortieren, um auch genug platz für das neue zu schaffen! mein persönlicher frühjahrsputz 😉 .das macht mich neugierig und ich spüre, dass in mir etwas neues heranwächst. in mir reift ein plan.

hier also meine liste mit dingen, die ich gerne (und viel zu wenig) mache:

  • schreiben
  • zeit in der natur verbringen
  • ferne länder bereisen
  • von hohen bergen ins tal schauen
  • aufs meer hinausschauen
  • den augenblick in seiner schönheit genießen. ich nenne es für mich das stille glück genießen
  • zeit mit menschen verbringen, die mir wirklich was bedeuten
  • lachen
  • mit joschi wandern
  • reiten
  • freiheit spüren
  • sich an den wundern des lebens freuen
  • lesen
  • segeln
  • golf spielen, skifahren

und jetzt die „kühne“ liste, mit dingen, die ich gerne machen möchte, mich bislang aber nicht getraut habe.

  • ein buch schreiben
  • 1 jahr auszeit nehmen und die welt bereisen
  • ein paar monate mit pferden durch die mongolei reiten
  • das leben in vollen zügen genießen, mit allem, was es für mich bereit hält

die spreu trennt sich vom weizen

ich bin heute nachdenklich. gut drauf, keine angst! aber seit heute morgen mache ich mir so meine gedanken über den brustkrebs an sich. klar, ich bin ohnehin noch in der phase, in der ich fast ständig darüber nachdenke, aber ich merke, dass sich die qualität der gedanken ändert. ich glaube, ich habe ein bisschen distanz gewonnen.

ich war in meinem leben schon häufig krank, auch mal ernsthafter. jetzt erlebe ich, dass es ein riesenunterschied ist, ob man an etwas erkrankt, von dem man weiß, dass es nach einer bestimmten zeit geheilt ist oder an etwas, von dem man letztendlich nie weiß und wissen wird, ob es geheilt ist oder nicht. das ist schon ganz schön bedrohlich. kein wunder, dass ich nachdenklich bin! während man seine therapie macht, zur bestrahlung geht (ich glückspilz muss ja nicht zur chemo), tamoxifen nimmt und was man sonst noch so macht, leistet die psyche eine mordsarbeit indem sie versucht, sich an eine situation anzupassen, mit der man grundsätzlich erstmal völlig überfordert ist. tod. sterben. mit sicherheit die 2 top-themen, mit denen man sich nicht auseinandersetzen will. höchstens vielleicht, wenn man 99 1/2 jahre alt ist und auf ein erfülltes leben zurückblicken kann.

und plötzlich musst du dich damit auseinandersetzen. ich bin zutiefst beeindruckt und fasziniert, wie stark die psyche,wie groß der lebenswille und wie mächtig das bedürfnis, glücklich zu sein, ist. meine diagnose ist jetzt 3, die operation erst 2 monate her, was für eine kurze zeitspanne. vor 3 monaten noch dachte ich, mein leben sei zu ende und jetzt, 3 monate später, spüre ich immer öfter wieder hoffnung und zuversicht, doch noch mit 99 1/2 jahren auf ein erfülltes leben zurückblicken zu können.  trotz des ständig im untergrund tuckernden angstmotors. ich nehme ihn wahr, aber er jagt mir nicht mehr so ein grauen ein. der psychoonkologe, bei dem ich war, hat mir eine knacknuss mit auf den weg gegeben: „niemand weiß, wann er stirbt. sie, genausowenig wie ich, der im moment vermeintlich gesund ist. nehmen wir mal an, sie bekommen in 13 jahren einen rückfall. wie wollen sie die zeit von jetzt bis dahin verbringen: voller angst davor oder voller freude? sie können sich entscheiden!“ das hört sich gar nicht so schwer an, wenn man gesund ist und keine krebsdiagnose hat. aber er hat recht. im moment muss ich diese entscheidung jeden tag aufs neue treffen. dafür braucht es viel mut, kraft, zuversicht, hoffnung und glaube.

mein leben hat seit der diagnose eindeutig eine neue qualität bekommen. ich nehme viele dinge bewusster wahr und weiß gerade die kleinen dinge wieder viel mehr zu schätzen. gestern war ein sonniger, warmer tag. mein mann kam früher von der arbeit und schlug einen gang in die stadt vor. so spazierten wir mit einem überglücklichen joschi in die stadt, setzten uns auf 2 sonnige stühle in der altstadt und tranken 1 glas wein. ich saß in der sonne, ließ mir die sonne auf den pelz scheinen, schlürfte an meinem rotwein und dachte: „wie schön, dass ich lebe.

dann ist es so, dass mir so manches, was mir früher super wichtig war, plötzlich schnurz ist. ich gebe im moment lieber 300 € für akupunktur aus als für klamotten. was bringt schon ein schlapper, kranker, vernachlässigter körper im teuren fummel? nicht viel. also investiere ich jetzt lieber in meine gesundheit.

ich habe heute post bekommen. es gibt da einen besonderen freund von mir. er ist inder, jesuitenpater und lehrt in rom an der gregorianischen universität. ich habe ihn vor ca. 15 jahren auf einer konferenz in genf kennengelernt, seitdem sind wir in kontakt geblieben. ich mag ihn sehr gerne. vor ca. 3 wochen habe ich ihm geschrieben, da mir wichtig war, dass er weiß, was mit mir ist. heute kam die antwort. hier ein paar asuzüge aus seinem brief: „ich begreife deine gefühle und stimmung…du musst großen mut und vertrauen haben. mit hoffnung kann man viel gewinnen….ich werde dich in meine gebete einschließen.“ nachdem ich den brief fertiggelesen hatte, dachte ich an die bekannte, die mir kürzlich sagte: „naja, wenigstens war es dafür gut, dass ich jetzt zur vorsorge gegangen bin.“

was ich mit all dem sagen will: das leben ist ein geheimnis, das gelebt und kein problem, das gelöst werden muss. la vie est belle!

bestrahlung

so, nun hat also der 3. wichtige (aber nicht letzte) baustein meiner therapie angefangen: die bestrahlung. ehrlich gesagt, schlaucht mich das wesentlich mehr, als ich vorher dachte, denn die therapie ist zeitaufwändig und anstrengend. vor 14 tagen fand ein 1. vorgespräch bei chefarzt dr. s, einem grundsätzlich verbindlichen, kompetenten und menschlichen mann, statt. glaubt mir, wenn man den schrecken einer brustkrebserkrankung durchmacht, lernt man ärzte, die verbindlich, menschlich und kompetent sind, SEHR schätzen. sie vermitteln einem das in dieser zeit überlebensnotwendige gefühl der sicherheit und des vertrauens.

nach dem ausführlichen vorgespräch schloss sich ca. 10 tage später das planungs-ct, bei dem ich milimetergenau vermessen und zur lebenden zielscheibe wurde, da der oberkörper an allen zu bestrahlenden stellen mit einem schwarzen textmarker angemalt wird. es ist ein seltsames gefühl, als zielscheibe rumzulaufen, sich nicht richtig duschen zu können und aufzupassen, dass die markierungen nicht abgehen. wieder ca. 8-10 tage später begann dann die eigentliche bestrahlung, was bedeutet, dass man in der regel 4-6 wochen lang jeden tag außer am wochendende zu einer festen uhrzeit zur bestrahlung in die klinik fährt. ich war heute morgen das dritte mal dort und bin jetzt schon völlig groggy. anstrengend ist das, obwohl die bestrahlung selbst nur ca. 1 minute dauert. ich meine, heute hätte es bisschen verbrannt gerochen, war das etwa meine haut? vermutlich schon. auch die tatsache, dass man während der bestrahlung vom rest der menschheit durch eine ca. 1 m (gefühlt 10 m) dicke strahlenschutztür getrennt ist, ist nicht sooo vertrauenseregend. jedenfalls bin ich bislang immer froh, wenn ich wieder zu hause bin und mich aufs sofa fallen lassen kann. und das 6 wochen lang? uff. scheint aber jeder anders zu empfinden. ich kenne sogar jemanden, der nach der bestrahlung zum sport geht, RESPEKT, ich bin dann wohl eher der nach-der-bestrahlung-weichei-sofa-typ. ist auch ok so, denn seit meiner op muss ich mir grundsätzlich erstmal nichts anderes beweisen, außer gesund zu werden und zu bleiben!!!

und außerdem: die bestrahlung ist super, ich bin glücklich, dass es sie gibt, denn nun werden jeden tag fiese böse mikroskopisch kleine tumorzellen, die man tochtergeschwülste nennt, zerstört. nach der bösen mutter, dem haupttumor, wird nun der rest der mörderischen brut gekillt, jawoll, nieder mit ihnen, rom soll brennen!