der überlebensplan wirkt!

ladys and gentleman, der überlebensplan wirkt! jedenfalls geht es mir, seit ich ihn in gedanken formuliert und aufgeschrieben habe, deutlich besser. ich habe ihn mir heute morgen noch einmal durchgelesen und, auf gute empfehlung einer blog-gefährtin, um einen weiteren punkt ergänzt: es nicht tragisch nehmen, wenn nicht immer alles klappt.

ich hätte nicht gedacht, dass es mit arbeit verbunden ist, positiv zu denken. vielleicht fällt es einem im normalfall auch einfach nicht auf, wenn man sich so durch die alltagsprobleme schafft und nölt. irgendwie geht es dabei letztendlich meistens nicht um so viel. jetzt ist das anders. jetzt geht es um das überleben. jetzt ist das positive denken für mich plötzlich zu einem überlebensnotwendigen faktor geworden. ich muss diese denkweise hegen und pflegen, jeden tag aufs neue, sie ist mein wertvolles gut. mein überlebensplan ist ein wichtiger schritt auf diesem weg.

was ich heute getan habe:

heute morgen habe ich leider eine telefonische absage meines termins bei der psychoonkologin bekommen 😦

ein krankheitsfall. sie hat aber persönlich angerufen, was ich sehr nett fand und hat mich an ihren kollegen dr. m. verwiesen, bei dem ich nun am kommenden montag einen termin habe. das ist insofern interessant, da dr. m. derjenige war, der mich aufsuchte, als ich noch im krankenhaus lag. ich kenne ihn also schon. meine erste begegnung mit ihm war positiv, er gab mir zu verstehen, dass ich geistig auf einem guten weg der heilung sei. nun also wieder dr. m. das soll dann wohl so sein. ich möchte von ihm wissen, wie ich mit der angst vor einem rückfall und dem sterben umgehen soll. ich bin mir sicher, dass er mir helfen wird. denn diese angst muss und will ich überwinden.

ich hatte heute noch einen weiteren termin in der klinik, in der sozialstation. der leiter, herr e. ist ein mann, der zuvor 25 jahre pflegedienstleiter, u.a. auf der onkologie war und jetzt die sozialstation leitet. mit sicherheit jemand, der in seinem leben ganz viel leid und elend gesehen hat. früher fiel es mir nicht auf, weil ich kaum berührungspunkte damit hatte, aber neuerdings bin ich tief beeindruckt von dem echten sozialen mitgefühl von krankenhauspersonal. respekt und hut ab hoch zehn, kann ich nur sagen. und danke!

herr e. ist ein schatz. ich war bei ihm, um meinen grad der behinderung (50%) zu beantragen. das war schnell erledigt. dafür haben wir uns noch fast 1 stunde unterhalten, was wirklich sehr schön war. er fragte mich, wie es mir geht. ich habe ihm einiges erzählt, auch, dass ich mich entschlossen habe, psychologische hilfe in anspruch zu nehmen. das ist ja eigentlich ein eingeständnis von schwäche. so empfinde ich das jedenfalls. im gespräch mit herr e. wurde mir aber bewusst, dass es vielmehr ein zeichen von stärke ist.

er sagte mir folgendes: „das ist aber eine gute entscheidung. die tatsache, dass sie sich schon jetzt, also zu beginn, eingestehen, dass sie hilfe brauchen ist ein zeichen von stärke. sie haben eine diagnose erhalten, die traumatisch ist, für jeden. die aktive auseinandersetzung damit, und hierzu gehört auch die angst vor dem sterben und der tod, ist mutig und richtig. sie kann ihnen längerfristig helfen, besser damit klar zu kommen, freier zu werden. menschen, die es verdrängen und so tun, als wäre nichts, haben später viel häufiger psychische und seelische probleme. ihre stimmungsschwankungen sind ein gutes zeichen. sie bedeuten, dass sie sich mit der situation auseinandersetzen.“

indem er für mich etwas, das mir negativ erschien, ins positive verkehrte, führte er mir vor augen, dass ich SELBST es bin, die das tut. mein lebenswille und positives bewusstsein sein wesentlich stärker, als ich mir selbst eingestehe. mir wurde heute bewusst, dass ich dazu neige, dinge, die an sich positiv sind, negativ zu sehen. WOW! für diese erkenntnis bin ich sehr dankbar! danke, herr e.! als ich wegging, hätten wir uns fast umarmt.

als ich zurückkam, war ich mit meinem mann und hund 1 stunde bei herrlich blauem himmel und klirrender kälte spazieren und habe damit gleich 3 punkte meines überlebensplans auf einen schlag gemacht. zusammen mir all dem negativen, dass ich heute schon ins positive gewendet habe, war ich ganz schön fleißig.

ich bin heute voll die positiv-biene 😎

überlebensplan

nach einem 1-wöchigen mega-loch habe ich gestern beschlossen, dass es jetzt erstmal reicht mit schwarzen löchern. nach einer brustkrebsdiagnose kann man nur AKTIV wieder aus dem finstertal auf die sonnenalm gelangen.will ich im finstertal leben? nein. will ich auf der sonnenalm leben? ja. mit heidi, almöhi, ziegenpeter und allem drum und dran.

hier also mein überlebensplan:

1. alles nicht mehr so negativ sehen, vor allem nicht negativer, als es ist. darin bin ich nämlich eine weltmeisterin (war ich schon immer)

2. positiv denken

3. negative denkstrukturen erkennen und aktiv dagegen angehen

4. hierzu gibt es konkrete übungen

5. diese übungen muss man auch machen, nur wissen, wie sie aussehen und dass es sie gibt, reicht nicht

6. die übungen sind:

entspannungsübungen mit mentalen positiven leitsätzen:

ich habe das schlimmste erstmal überstanden (ok, an dem erstmal muss ich noch arbeiten)

ich habe alles in allem glück gehabt

es hätte viel schlimmer kommen können

ich habe eine gute prognose

es geht ab jetzt aufwärts und ich kann aktiv daran mitarbeiten

ich werde es auch tun, ab jetzt

ich bin stärker als der krebs

mein immunsystem ist stärker als der krebs

ich werde wieder gesund

der krebs wird nicht wiederkommen

ich glaube daran

7. ich höre auf, auf mein immunsystem sauer zu sein, weil es in der krebszellenabwehr versagt hat. stattdessen stärke ich es jetzt, damit es unterstützung hat und künftig NICHT mehr versagt. so werde ich es unterstützen:

konsequent gute ernährung als basis (kleine sünden ausdrücklich erlaubt!)

immunstärkendes bewegungsprogramm: yoga, nordic walking, schwimmen

versorgung des immunsystems mit unterstützenden vitaminen, enzymen, etc.

viel bewegung an der frischen luft – jeden tag, egal, was für ein wetter ist

positiv denken

8. stress aus dem weg gehen

9. jeden tag etwas tun, was ich wirklich gerne mache

10. jeden tag etwas schönes mit meinem mann machen

11. eine liste mit dingen erstellen, die ich gerne mache

12. jeden tag etwas auf mein lebenskonto packen

hört sich gut an, mein überlebensplan. es stehen nur dinge darin, die ich auch durchführen kann. einige dinge davon mache ich auch schon. ich bin also schon auf einem guten weg. einige dinge muss ich noch tun.

was ich schon davon mache:

ich gehe jeden tag mit meinem hundi an die frische luft, egal was für ein wetter ist

ich habe meine ernährung umgestellt und das klappt schon sehr gut

ich habe einen termin für eine einweisung ins nordic walking gemacht

ich habe meinen hausarzt angerufen, damit er mir ein vitamin-enzym-mineralien-cocktail zur immunstärkung und krebsabwehr zusammenstellt

ich habe am montag einen termin bei einer psychoonkologin

ich mache entspannungsübungen mit positiven leitsätzen, aber nur unregelmäßig

und das sollte ich noch tun:

täglich entspannungsübungen mit positiven leitsätzen machen

nach der bestrahlung, also ab mai, mit schwimmen anfangen

an meiner positiven einstellung arbeiten

einen unerschütterlichen glauben daran entwickeln, dass ich wieder gesund werde und bleibe. daran arbeiten

täglich dinge tun, die ich wirklich gerne mache

täglich etwas schönes mit meinem man tun

eine liste mit dingen erstellen, die ich gerne mache

11. es nicht tragisch nehmen, wenn es mal mit all den vorsätzen NICHT klappt

trüber tag

einfach nur ein trüber tag heute, mehr nicht. mir gehts mies und ich quäle mich zudem mit gedanken rum, dass ich was dagegen tun muss. und habe doch gar keine lust dazu, uff! bin ich zu ungeduldig, 6 wochen nach meiner op? verlange ich zuviel von mir und setze mich zu sehr unter druck? unterschätze ich das trauma, dass eine krebsdiagnose auslöst, auch WENN ich eine gute prognose habe? ich habe unterschwellig angst, dass ich, wenn ich mich nicht ständig zum „alles wird gut“ motiviere, in einem loch verschwinde. bubb, weg. generell ist die angst derzeit größer als alles andere. sie ist irgendwie immer da, unterschwellig, wie ein motor.

ich sag euch, das ist alles ganz schön schwer. vorher war immer ganz viel perspektive da und pläne und jetzt fällt mir der blick in die zukunft plötzlich schwer. so als würde ich dahin schauen und sagen: „och nö“. ich bin ECHT froh, dass ich mich entschlossen habe, am montag zu einer psychoonkologin zu gehen. ich hatte in meinem leben schon den einen oder anderen durchhänger, aber nichts, womit ich nicht klar gekommen wäre. aber das ding mit der zukunft und perspektive ist mir unheimlich. da möchte ich doch, dass mir jemand, der sich damit auskennt, was dazu sagt.

außerdem brauche ich einen plan. einen überlebensplan. nur mit dem hund spazieren gehen, gesund essen, bloggen, viel über BK lesen, tamoxifen schlucken, reicht nicht. morgen mache ich mir einen überlebensplan!

heute abend gehen wir mit der familie den 19ten geburtstag meines sohnes nachfeiern, zu unserem lieblingsitaliener. meine trübe stimmung lasse ich dann zu hause!

die entdeckung der langsamkeit

ich, die zeit ihres lebens mit vollgas durchs leben gedüst ist, meist noch mit mehreren dingen gleichzeitig jonglierend, bin seit meiner erkrankung, also seit 2 monaten, zur lahmen ente mutiert, die zudem nur noch eins nach dem anderen machen kann. früher konnte ich keinen gang runter schalten und plötzlich kann ich keinen mehr hoch schalten. das ist eine erfahrung! wenn ich mit meinem hund spazieren gehe, bin ich vor allem eine bergauf-lahme-ente und eine auf bänckchen-sitz-ente, eine puh-ist-der-weg-noch-lang-ente.

finde ich das jetzt so schlimm? eigentlich nicht. früher bin ich an vielem vorbei gerast, achtlos, keine zeit dafür. zum beispiel steht in unserem wald an einer wegkreuzung eine holzbank unter einer uralten majestätischen eiche. ich gehe seit jahren mehrmals die woche daran vorbei und denke mir, wie schön der platz ist, vor allem wenn er von der sonne beschienen wird. zeit, um mich auf diese bank zu setzen, habe ich mir tatsächlich noch nie genommen. jetzt nehme ich sie mir. was für ein genuss! gerade heute habe ich mich auf die bank gesetzt, das gesicht in die sonne gestreckt, und mir gewünscht, dass ich wieder gesund werde und dass mein brustkrebs nie mehr zurück kommt. ein perfekter ort, um sich etwas zu wünschen, das einem so wichtig ist. der perfekte ort für eine „kosmische bestellung“. ich merke, dass mir im augenblick kleine rituale helfen, wieder zuversicht zu fassen. das ist eins davon. das lahme-ente-sitzt-in-sonne-auf der-bank-und schickt-eine-kosmische-bestellung-ab-ritual.

drückt mir alle die daumen, dass mein wunsch erfüllt wird!