Abenteuer im heimischen Forst ;-)

ich fass es nicht, ich habe es doch tatsächlich geschafft, mich in unserem heimischen, eigentlich doch recht bekannten forst zu verlaufen, und wie!

da mir heute mittag wegen diversen medikamenten-nebenwirkungen (zoladex, uff), einem verzerrten rücken und allgemeinem stimmungstief die decke auf den kopf fiel, habe ich beschlossen, mit joschi eine größere runde durch den wald zu gehen. eine größere als üblich. meist gehe ich so meine 2-3 bekannten runden, je nachdem, wie viel zeit ich investieren will. heute dachte ich beim loslaufen: „katerwolf, heute läufst du mal länger und woanders lang. das schadet grad gar nichts.“ sprachs und verlief sich.

eigentlich war es so, dass ich anstatt dort, wo ich normalerweise rechts auf einen rundweg einbiege, beschloss, geradeaus weiterzulaufen. in der hoffnung, dass ein stück weiter eine weitere abzweigung kommt. dem war aber nicht so. stattdessen schlängelte sich der weg munter weiter, bergauf, bergab und irgendwie immer weiter und weiter und weiter….irgendwann wurde es mir mulmig, da ich auch müde wurde. tief unten im tal ein dorf: was ist das wohl? hille? halle? hulle? buenos aires? hm. ich traute der sache nicht so ganz und beschloss, links eine böschung hinaufzukraxeln. sehr klug. oben angekommen stand ich an einer wegkreuzung und wusste nun null wo ich war. joschi war es egal, er plazierte erstmal nen haufen in den wald. ich hatte kurz ein bild im kopf, wie ich fast verdurstet mit letzter kraft im schwindenden licht im forst verschwinde, mein skelett wird erst jahre später sauber abgenagt gefunden. ich habe so eine phantasie, oh ja.

können diese pappnasen von der forstverwaltung nicht irgendwelche gescheiten schilder an die bäume tackern????“ nein, können sie nicht. ich entschied mich für weg nr. 2 und fand mich kurze zeit später an einer weiteren, großen wegkreuzung wieder.

nun ist es ja an sich nicht gefährlich, sich in einem stadtnahen wald zu verlaufen, ich wohne ja schließlich nicht im amazonasgebiet. wenn man aber, so wie ich, schon den film blair witch project gesehen hat und zudem so ein schisshase mit ner gigantischen phantasie ist, dann ist verlaufen im wald echt kacke. kennt ihr blair witch project? das ist mit abstand der gruseligste film, den ich jemals gesehen habe. er handelt von einer kleinen studentischen forschungsgruppe, die dem mythos einer echt fiesen hexe in einem großen waldgebiet in den USA nachgeht, sich verläuft und dann nach und nach von dieser irren hexe gemeuchelt wird. echt supergruselig. ich hasse gruselfilme, habe keine nerven dafür. dennoch habe ich diesen film vor jahren mit einer freundin angeschaut und wir hatte so dermaßen schiss, dass wir nur zu zweit auf die toilette gegangen sind, mit dem rücken an der wand und uns zum schluss sogar voreinander gefürchtet haben. hört bloß auf!

jedenfalls musste ich an diesen film denken, was nicht wirklich hilfreich war. oh, ein schild auf der wegkreuzung! na, dann schauen wir mal, was da draufsteht:

hexentanzplatz

aaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!!!!!!!!!!!!!

ne, im ernst, das stand da wirklich. ich fand das null lustig. bin dann intuitiv zackig nach rechts marschiert und sah in der ferne einen spaziergänger mit hund. meine rettung. beim näherkommen entpuppte sich der spaziergänger als etwas suspekt aussehender, bärtiger mann mit riesigem, zotteligen hund. ich hatte angst vor dem mann, joschi vor dem hund. klasse.

entschuldigen sie bitte, wo ist denn hier der weg nach hille?“ ne, nö? das fragte nicht etwa ich, sondern er. da treff ich auf meiner odyssee endlich einen lebenden menschen und dann ist das so ein rumpelstilzchen, das sich auch verirrt hat. wie bekloppt ist das denn? nach einem kurzen intermezzo und sich gegenseitigem schicken in die falsche richtung war ich dann so klug, einfach joschi zu folgen, der völlig zielstrebig eine bestimmte richtung einschlug. ich glaube, er hatte genug von dem theater. 15 minuten später stand ich an einer wegkreuzung, die ich kannte. gerettet.

auf dem rückweg habe ich noch eine frau mit hund getroffen, der ich einfach mal so erzählt habe, was ich grad erlebt habe. sie schaute mich sehr seltsam an: „wie kann man sich denn hier verirren?“ entweder sie hielt mich für verrückt oder für völlig verblödet. jedenfalls ging sie mit großen schritten vor mir her und hängte mich zielstrebig ab. na, die hat zu hause was zu erzählen.

aber soll ich euch was sagen? das kleine abenteuer hat mir gut getan. ist manchmal schon gut, eingetretene wege zu verlassen – dann verlässt man sie auch im kopf.

Joschi, König der Baumstämme

und das hier muss heute auch noch rein in den blog. mir fällt dazu nur ein:

froh zu sein, bedarf es wenig

gib mir nen baumstamm

und ich bin könig