Reisebericht Südafrika: Der Ruf der Wildnis, Teil 3: Tiergeschichten

das wunderbare an einer individuellen safari ist nicht nur, dass man tiere aus nächster nähe sieht sondern auch was man über sie erfährt und lernt. wir haben viel gelernt! nachdem wir und die ganze gruppe unsere anfängliche scheu und unsicherheit abgelegt haben, ging es los mit der fragerei und wir fanden in unserem ranger rul und tracker ramson geduldige und kundige ansprechpartner. beide sind im bush aufgewachsen und kennen jedes einzelne tier. das ist beruhigend zu wissen!

 

rul


 

so haben wir erfahren, dass die tiere an sich nicht gefährlich sind. solange man sich richtig verhält. unfälle mit menschen passieren meist durch fehlverhalten von menschen. mit wenigen ausnahmen warnen tiere einen mit drohgebärden und -geräuschen. der löwe brüllt und läuft auf einen zu, nur um vorher abzubremsen. ein elefant schüttelt heftig den kopf, klappt die ohren auf und zu und schüttelt den rüssel. das als sehr aggressiv geltende flusspferd ist nur aggressiv, wenn es an land ist oder etwa vom grasen zurück kommt. habt ihr gewusst, dass es ausgerechnet der schwarze büffel ist, der als aggressivster bush-bewohner gilt? er greift ohne jegliche vorwarnung alles an, meist mit erfolg, löwen, menschen, alles. es war das einzige tier, an das wir nicht so nah heranfuhren und den motor laufen ließen, bei eingelegtem rückwärtsgang:

 

 

 

rul wirkte immer total gechillt. als ich ihn fragte, ob er wirklich vor gar keinem tier angst hätte, meinte er: „doch. vor big boy.“ so ranken sich beim abendlichen amarula viele geschichten um big boy. so etwa die von dem jungen ranger, der sich in der lodge bewarb. gemeinsam ging man mit ihm zu einem testgang in den bush. er sollte löwen aufspüren. was er auch erfolgreich tat. als er dann so da stand vor big boy, hob dieser nur kurz den kopf. worauf der ranger schreiend davonlief und die ganze gruppe in extreme gefahr brachte. den job hat er nicht bekommen.

 

big boy. was er hier übrigens tut, ist „revier markieren“. er machte es immer und dauernd um den ganzen jeep herum *bibber*

 


 

apropos löwen. wir spürten sie einmal auch in der dunkelheit auf, faszinierend, wie sie so in dem ausgetrockneten flusslauf lagen und schliefen. schliefen? die wahrheit enthüllte erst die fotoaufnahme, die wir am nächsten morgen mit bangen augen betrachteten.

 

daher merke: ein löwe schläft nie!


 

im bush ist es wie im wahren leben. die begegnung mit babytieren ruft im jeep kollektives glucksen und alberne geräusche hervor. kein wunder, oder?

 

 

 

und hier unser aller liebling. billy the punk. von uns so getauft.

 

und die hier haben wir auch gesehen, ganz oft sogar!

 

 

 

 

 

alles gute hat ein ende. wer hat das übrigens erfunden? wird völlig überbewertet. denn nach 3 wunderbaren tagen ging auch diese etappe zu ende. von mir aus hätte es noch eine lange zeit so weiter gehen können. und ich machte mir ernsthafte gedanken darüber, dass ich den falschen beruf habe und, wenn ich nochmal wählen könnte, sicher ein erstklassiger ranger geworden wäre *seufz*. wie dem auch sei, es kam der morgen, an dem wir wussten, dass unser flieger, der uns ins winterliche deutschland zurückbringen sollte, schon in johannisburg startklar war. da half alles nichts. rul bescherte uns noch eine herzige abschiedsdemonstration seiner grenzenlosen lässigkeit. es hatte nachts geregnet. ich meine, richtig geregnet. die zuvor roten, trockenen sandpisten hatten sich in schlammpisten verwandelt. das nette amipärchen aus unserer gruppe war mit einem sehr tiefliegenden miet-toyota unterwegs, der sie schon am frühen morgen nach johannisburg befördern sollte. mit steigernder panik raste marry durch die lodge und versuchte informationen über die straßenlage zu erfahren. in dieser verfassung stieß sie auf einen mächtig entspannten rul.

 

marry: „rul. hilfe. alles ist voller schlamm. wie kommen wir hier nur jemals wieder raus? wir bleiben stecken. alleine. tiere werden uns angreifen. wir werden unser flugzeug verpassen. oh mein gott, was sollen wir nur tun?“

rul, mit sonnigem gesicht, breitem grinsen, ausgebreiteten armen und hochgezogenen schultern: “ wo ist das problem? du hast einen wagen. es gibt eine straße. warum fährst du nicht einfach?“

da bleibt mir doch nur zu sagen: hakuna matata!


Reisebericht Südafrika: de Hoop Nature Reserve – einer der schönsten Orte der Welt, ich schwör!

ausgeruht und zufrieden vollgefuttert verließen wir franschhoek nach 3 tagen und fuhren durch eine grandiose landschaft nach de hoop.

grandiose landschaft


de hoop


ich sage es einfach mal so: das de hoop naturreservat ist einer der schönsten orte der welt. punkt. in de hoop gibt es eins der schönsten häuser der welt. zumindest für mich. genau dort könnte ich eine weile bleiben. und walbabys beobachten, die aus dem wasser springen. ganz nah.

das haus

das naturschutzgebiet de hoop nature reserve liegt etwa 250 km östlich von kapstadt und 60 km südwestlich von swellendamm und ist das südlichste naturschutzgebiet afrikas. es ist teil des Cape Floral und gehört damit seit 2004 zum unesco weltkulturerbe. es liegt an einem küstenabschnitt mit riesigen weißen sanddünen im westlichen teil und felsigen, von klippen umrahmten buchten im östlichen teil.

ein paar gesichter des naturparks

im frühjahr (das entspricht unserem herbst) kann man von den dünen aus herden von südlichen glattwalen (southern right whale) beobachten, der küstenabschnitt ist paarungs- und aufzuchtgebiet dieser walart.

man sagt, das de hoop naturreservat sei einer der weltbesten orte um wale zu beobachten. wenn nicht der beste überhaupt. ich habe keinen direkten vergleich anzubieten, aber eins kann ich euch sagen, ich habe dort wale gesehen. viele wale. ganz nah, vom strand aus. wale zu beobachten macht glücklich. schlicht und einfach. und babywale zu beobachten, die aus dem wasser springen und zeigen, was sie können, hat eine unkontrollierbare ausschüttung von glückshormonen zur folge. man ist versucht, tage auf den dünen zu verbringen und unverständliche brabbellaute von sich zu geben. leider habe ich auch diesmal „nur“ meine kleine digitallumix dabei gehabt, aber für das eine oder andere walbild hat es gereicht.

aber es gibt dort nicht nur wale. in de hoop gibt es insgesamt 89 säugetierarten, (z.B. bergzebra, elenantilope, buntbock), 250 vogelarten, 14 amphibienarten, 50 reptilienarten (gott sei dank keine gesehen). von den bergzebras gibt es insgesamt nur noch 550, 50 davon leben in de hoop, der rest in südafrika.

bergzebra

elenantilope

buntbock (mein persönlicher favorit)

der entzückende baby-buntbock

und der weltweit vermutlich  einzige vogelstrauß, der ein quad liebt und für seinen gatten hält


de hoop hat etwas magisches. um dorthin zu gelangen, fährt man über stunden eine mitunter holprige schotterpiste entlang und landet schließlich an diesem unglaublich schönen ort, irgendwo am ende der welt. man fühlt sich wie auf einem anderen planeten. und weiß, dass im umkreis von etwa 80 km kein haus steht. im reservat selbst gibt es die möglichkeit zu übernachten, in ein paar wenigen, urigen cottages, den opstal cottages direkt am fluss. es gibt auch ein kleines restaurant, in dem man alle mahlzeiten zu sich nehmen kann, typisch schmackhaft südafrikanisch zubereitet und einen wunderbaren rotwein, der tatsächlich auch southern right heißt und auf dem etikett einen glattwal hat. sitzt man abends im restaurant, trifft man alle anderen de hoop übernachtungsgäste. das sind nicht viele. wenn man sich dann vorstellt, mit dieser kleinen gruppe an diesem entlegenen ort zu sein, das ist schon spaßig. wenn man abends vom restaurant zum cottage geht, meint man, man fällt in ein schwarzes loch. unglaublich, diese dunkelheit, und unglaublich auch das konzert der nächtlichen natur um einen herum. da tut man gut daran, sich vorher mit einer flasche southern right mut anzutrinken 😉 .über einem erstreckt sich ein überwältigender sternenhimmel, man könnte dem gedanken verfallen, mitten im all zu sein. ich habe eine sternschnuppe gesehen. 3 x dürft ihr raten, was ich mir gewünscht habe.

wir waren insgesamt 1 1/1 tage in de hoop. am ankunftstag haben wir wale geschaut und noch mehr wale geschaut und buntböcke und bergzebras geschaut und uns an diesen wunderschönen geschöpfen gefreut. am nächsten tag waren wir mutig und haben das reservat mit mountainbikes erforscht. wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass ich 6 stunden auf einem halb kaputten mountainbike bergauf bergab über extrem steinige und holprige pfade (wenn man das überhaupt so nennen kann) rütteln und schütteln würde, hätte ich ihm den vogel gezeigt. und doch habe ich es gemacht. uns haben noch tage danach die handgelenke und hintern wehgetan, aber wo sonst bekommt man die chance, mit dem rad mitten durch riesige antilopenherden zu radeln? es war einfach nur großartig. auch wenn wir zwischendurch ordentlich muffe geschoben haben, als wir mitten im nirgendwo, mutterseelenallein, vor einer weit über 100 tiere fassenden elenantilopenherde standen. die sind echt groß und schauen einen ganz schön ernst an. ich kann nur sagen: lieber gott, mach dass solche orte nie verschwinden.