Glücksmomente

nach meiner gruseligen nicht-schlaf-nacht hatte ich heute ganz schön in der arbeit zu kämpfen. konzentrationsprobleme, hohe fehlerquote und das gefühl, einer rapiden verblödung zum opfer gefallen zu sein. joschi war heute mit im büro. er kriegt zum frühstück nie mehr schwarzwälder schinken als leckerli. hat mir nämlich ins büro gekotzt, der schnuckel. nachdem ich meinen arbeitstag trotz aller widrigkeiten zu ende gebracht hatte, fuhr ich mit joschi zum pferdchen.

lola stand auf der koppel und sah aus wie ein dreckschwein. ich denke jedesmal, sie kann es nicht mehr toppen. sie kann. eigentlich ist lola dunkelbbraun. heute war sie durchgehend lehmbraun. mit dem unterscheid, dass es tatsächlich auch lehm war, der sie vollständig bedeckte. pferd in lehmkruste. sie hatte sogar in den ohren lehm und in den wimpern. eigentlich war das einzige, das nicht von einer lehmschicht bedeckt war, ihre augäpfel, aus denen sie mich verliebt anschaute. klimper klimper. eigentlich müsste lola im schweine- und nicht im reitstall stehen.

ich brauchte etwa 30 minuten, bis ich die lehmkruste von ihr abgekratzt hatte. als sie sauber war, war ich von kopf bis fuß mit feinem lehmstaub bedeckt. joschi auch. heute war der erste tag nach dem hunde-pferd-drama von letzter woche, an dem ich joschi wieder ins gelände mitnahm. ich nahm ihn zunächst an eine lange longe und führte ihn so vom pferd aus. joschi trabte wie ein zirkushund neben uns her. nach einer weile beschloss ich, ihn abzuleinen. ich stieg ab und joschi warf sich theatralisch in den graben. der hund hat echtes schauspieltalent. als ob ich vom pferd steigen würde, nur um ihn zu vermöbeln. ich leinte ihn ab und stieg wieder auf. ich war echt neugierig, ob joschi irgendwelche konsequenzen aus seinem erlebnis letzte woche gezogen hatte. er hat. mit einem maximalabstand von 2 metern lief er vor. neben oder hinter uns. sobald der abstand größer wurde, kam er angerast wie ein geschoss. zum kreischen. er hatte definitiv keine lust auf eine weitere folge von hund-verläuft-sich-beim-ausritt-im-wald-und-ist-eine-stunde-verloren.

wir ritten über felder. die sonne schien. mehr goldener oktober geht nicht. ich schaute weit über die felder. lola schritt bester laune munter daher. joschi trabte wie auf sprungfedern mit. auf einmal war mir alles egal. die miese nacht. die probleme auf der arbeit. mein brustkrebs. einfach alles. alles war gut. wenn ich meine tiere nicht hätte.

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24 Gedanken zu „Glücksmomente

  1. Ach, liebe Katerwolf, das entschädigt doch echt für so einiges. Ich wünsche Dir noch viele solcher Erlebnisse. Fast hätte ich „Tage“ geschrieben, aber der Anfang des Tages ist eher nicht wiederholungsbedürftig 😉
    Liebe Grüße! Jenneke

  2. Sind unsere Tiere nicht ganz wundervolle Seelentröster? Ob Lola, eigenwilliger Tibet-Terrier oder exzentrische Katze – sehr viele „menschliche“ Seelenklempner könnten sich von unseren Vierbeinern so manch dicke Scheibe abschneiden. 😉
    Herzlichst!

  3. Na hoffentlich kommt Joschi, nach der Aufmerksamkeit die diese Lehmschicht mit sich gebracht hast, nicht auch auf die Idee sich so zu kleiden 😉
    Ich wünsche Dir eine Gute Nacht
    Sue

  4. diese sätze
    der hund hat echtes schauspieltalent. als ob ich vom pferd steigen würde, nur um ihn zu vermöbeln.
    haben mir gerade einen lauten lacher entrissen – obwohl ich gerade leise sein muß, weil mein vater pennt… 😀 thx!

  5. Hey, schön dass er draus gelernt hat. Nachdem Lola lehnbefreit war, war Joschi doch bestimmt auch mit Lehm bedeckt, oder? Da hat sich seine Putzliebe ja mal gelohnt, oder? 😆

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