Rehageflüster: Nachdenklich

heute vormittag hatte ich visite. da sie streikbedingt letzte woche ausfiel und ich heute eine riesenschlange wartender vor der arzttür vorfand, hielten sich meine erwartungen in grenzen. ich rechnete mit etwa 7 minuten drin und wieder raus. umso überraschter war ich, als sich die ausgesprochen sympathische und bodenständige ärztin 20 minuten zeit für mich  nahm und ausführlich mit mir sprach.

danach hatte ich nen kloß im hals und feuchte augen. ist immer noch so, und frau katerwolf ist verdächtig still. scheint, dass die ärztin im gespräch den richtigen nerv traf. wie schon bei meiner letztjährigen reha auf föhr ging es in dem gespräch auch diesmal um das thema: runterfahren. zur ruhe kommen.

böse falle, das.

einmal mehr wurde mir bewusst, in welchem tempo ich seit der letzten reha wieder durch mein leben rase. viel zu oft erschöpft und überfordert bin. ist es ein wunder. nein, ist es nicht. ob ich es endlich mal lerne? und zwar auch über die 3 monate nach der reha hinaus? ich sollte wohl. es geht nicht immer nur um die grenzen, die man dem außen steckt. es geht auch um die grenzen, die man sich selber stecken muss. seufz. es geht schleichend und doch so schnell, dass man immer und immer wieder in die alten strukturen zurückfällt. sie kommen allzu gern in einer neuen verkleidung daher. ganz schön tückisch. so wird aus einem anfänglichen kann plötzlich ein muss. freiheiten, die man sich herausnimmt, werden plötzlich zur pflicht. und schon steckt man wieder in zwängen fest. grübel. nicht so viel darüber nachdenken? doch, sollte man. immer wieder.

die ärztin riet mir zur disziplin und dazu, jeden einzelnen tag 1 entspannungsübung zu machen. ganz konsequent. ohne wenn und aber. auch sie sprach von dem tank, der immer mehr als halbvoll sein sollte und nie auf reserve. kommt mir das bekannt vor? seufz. sie schlug mir vor, einen kalender zu führen, in den ich einmal die woche für jeden tag die zeiten eintrage, in denen ich mich aktiv entspannt habe. und ein smiley dahinter male. ich scheine eine art notorischer daniel düsentrieb zu sein.

und musste mir wieder einmal anhören, dass ich mich selbst nicht so überfordern darf. akzeptieren soll, dass ich bedingt durch meine diagnose und therapie weniger kraft zur verfügung habe. vorübergehend oder vielleicht auch auf dauer. und mit der kraft klug haushalten muss. anstatt ständig auf reserve zu gehen. hmpf. grübel.

macht es gut, eure sehr nachdenkliche katerwolf

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28 Gedanken zu „Rehageflüster: Nachdenklich

  1. Was ich nicht bei dir kapiere, du WEISST es doch im Grunde genommen. Und bist erfahren in Meditationstechnik, Yoga und Qi Gong. Aber auf ein „da könnt ich doch nochmal“ folgt ein „da mach ich nochmal schnell“, dabei muss das Leben doch kein Leistungskatalog sein, bei dem es darum geht, möglichst viele Punkte zu sammeln. Du hast doch schon so viel erreicht im Leben, du musst nix mehr beweisen. Aber das ist, glaube ich, auch nicht das Problem, sondern die Lust, das Leben zu erleben und Neues zu erfahren. Wenn ich dich bis heute richtig verstanden habe, ist es das, was dich antreibt. Und da musst du dann selber zur Erkenntnis kommen, dass weniger mehr ist. Zum Wohle der Gesundheit.
    *Ende der Moralapostelansprache*

    • liebe frau moralapostel, du hast es ganz richtig erkannt. frau katerwolf ist zu gierig nach der droge leben und kann manchmal ganz schwer nein sagen. habe aber eben von frau doc eins auf die mütze bekommen. und da ist es mir wieder bewusst geworden. tjö. ich sollte mit merkzetteln arbeiten. und zwar mit dem einer tankstelle 😉

  2. Nun ja… alleine wenn wir uns mal anschauen was du jetzt schon alles in der Reha wieder alleine gemacht hast, ne? Muss man unbedingt reiten? (Ja.. ist geil… seh ich ein. *g*) Aber muss man da unbedingt mit dem Fahrrad hin? Auch Sylt wird nen Bus haben. Und da könnte man dann einfach mal entspannt raus schauen oder ein Buch lesen oder seinen Entspannungskalender führen, weil man vorher brav irgendwie entspannt hat. 😉 Aber ich kenne das ja auch… entweder es geht gar nichts, oder ich will alles sofort. Wir unterscheiden uns da allerdings darin, dass die „alles sofort“ Phasen bei dir länger andauern und bei mir „ich bekomm nix hin“ eindeutig überwiegt 😀

  3. Ich muß jetzt da mal ein wenig widersprechen.
    Solange Du Dich nicht überfordert, ausgepumpt oder fertig fühlst, solltest Du genau das tun, was Du willst und auch in dem Tempo wie es Dir gefällt. Manch einer mag das als zuviel empfinden, aber letztendlich entscheidest Du selbst was Dir zuviel ist und kannst das auch nur selbst beurteilen. Was der Eine als überaktiv empfindet ist dem Anderen gerade passend. Wäre ja ätzend, wenn wir hier alle gleich wären.
    Wichtig finde ich nur das in sich hineinhören, ob man sich wohlfühlt damit, wie es läuft.

    Dein Leben, Deine Geschwindigkeit, Deine Intensität…….

    lieben Gruss sue

    • Im Prinzip hast Du ja Recht, nur merkt halt nicht jeder, wann der kritische Punkt erreicht ist, und meist ist es ja auch nicht ein Punkt, sondern der Übergang zur Selbstüberforderung oder -ausbeutung ist fließend. Da ist es nicht schlecht, wenn einen hin und wieder mal jemand zum innehalten und rekapitulieren anhält. Es muss ja nicht gleich in zwanghaftes Entspannen müssen ausarten.

      Mir geht das oft ähnlich, es gibt immer wieder irgendwelche „guten Gründe“ oder „Sachzwänge“ mehr zu tun als mir gut tut und das Relaxen zu kurz kommen zu lassen.

      • hey, ihr zwei, ich geb euch beiden recht! bei mir ist es tatsächlich so, dass ich meinen kritischen punkt mittlerweile immerhin merke aber noch immer nicht in aller konsequenz darauf höre. ich bin mir sicher, dass man das lernen kann. vielleicht ist hier disziplin ein guter schritt. zumindest bei solchen hartnäckigen fällen wie mir.

        liebe grüße 😆

  4. Ich kann das gut nachempfinden…ich kann auch nur schlecht entspannen….wenn es nichts zu tun oder zu erleben gibt, spucken mir irgendwelche Sachen im Kopf rum…aber Kopf hoch, so lange die Dinge wenigstens Spaß machen (wie das Reiten) mit denen man sich „stresst“ sind sie doch gar nicht so schlecht…

  5. Na endlich mal eine vernünftige Ärztin…Ich habe zwar andere Krankheiten, laufe aber ständig auf Reserve. Und was krieg ich zu hören? „Andere schaffen das auch, also stellen Sie sich net so an“. Aufbauend, oder?

    Genieß die Zeit in der Reha und ich glaube Entspannungsübungen sind schon eine tolle Sache für Dich. Lang genug, um Dich runterfahren zu lassen, aber kurz genug, damit Du nicht wieder unruhig wirst 😉

    Knuddel

  6. Wenn das möglich wäre, würde ich dir jetzt ein bisserl von meiner „Faulheit“ abgeben, ich habe es mir angewöhnt, „sparsam“ mit meinen Kräften umzugehen, vor allem mit den körperlichen. Gelernt habe ich das während der vergangenen sechzehn Jahren von meiner sehr weisen Miezekatze Smokey. 😉
    Probier’s mal aus, Stresswolf, faul sein kann soooooo schööööön sein. 😉

    • habe ich aus der letzten reha in föhr nicht das wunderbare pippi langstrumpf-lied „faul sein ist wunderschön“ gepostet? oh ja. so lange ist das doch gar nicht her 😆

  7. Liebe Katerwolf, lies mal deinen Blog. Die letzten Monate waren die Einträge viel über Stress, keine Verschnaufpause, viel Arbeit… Verfolg deinen Blog und du weisst, wann es an der Zeit ist, wieder runterzuschalten!
    Drück Dich, schöne, erholsame Reha und ein besseres Essen wünscht DIr,
    Trolleira

  8. Es ist schlicht nicht einfach, die Speed herunter zu fahren! Auch wenn ich weiss, dass ich ‚überpowere‘ kann ich mir tausendmal vorhalten, „bremse“! Kann ich es?
    Ich konnte es nicht. Nicht in meinem alten Umfeld. Also ging ich weg. Und seitdem geht es mir sehr gut. Ich wünsche Dir, auch Du findest Dein neues, „gebremstes“ Umfeld!
    Alles Liebe!

    • liebe vallartina, ich kann ja nicht alle 6 monate umziehen *grins* aber ich kann dich verstehen, ich habe so etwas in meinem leben schon ab und an gemacht. jetzt muss ich wohl lernen, vor ort die seele baumeln zu lassen. ich schaff das!

  9. Vielleicht sollten wir dich dran erinnern, wenn du mal wieder von zuviel Stress schreibst? 🙂
    Hat die Ärztin eigentlich ein Rezept dafür, wie man den Tank wieder aus der Reserve raus bekommt?

    • ja, bitte, tut das!!!! ausdrücklich erwünscht!!!!

      ja, hat sie: dinge meiden, die kraft wegfressen. man weiß im grunde genau, welche das sind. oder sein verhalten in solchen situationen ändern. und dann eben: entspannen, entspannen, entspannen, viel frische luft, ausreichend bewegung, gesunde kost, viel essen. wichtig: dinge tun, bei denen einem das herz aufgejt.

      kennt man m grunde alles, oder? man muss es wohl auch tun!

  10. Das mit dem Buchführen scheint ein gute Sache zu sein.
    Du bist echt eine, die immer wieder unter Volldampf ist. Weiß dein Mann doch bestimmt auch, dass darauf zu achten ist. Müsst ihr vielleicht gemeinsam tun, wie wäre das?
    Ein wenig Hilfe dabei wäre doch bestimmt nicht schlecht.

  11. Woher kenne ich das ?? Mein Mann hilft mir aber mittlerweile. Wir besprechen den Plan des nächsten Tages/der nächsten Tage *zwinker * (- GG ist Jungfrau, die planen gerne ) und da baut er dann immer Erholungsphasen ein, an die ich mich dann auch halte. Ohne seine anfangs hochgezogenen Augenbrauen wäre ich dann doch wieder los gedüst, um xyz noch schnell nebenher zu erledigen. Jetzt habe ich mich daran gewöhnt, den Akku aufzuladen ! Hast Du das mal mit Deinem Schatz besprochen ? Manchmal sind Partner besser, als Zettelwirtschaft ;-))
    LG Carina

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