Rehageflüster: Heute blau, morgen blau

ich habe gestern abend dann noch mit 2 reha-freundinnen ein paar gläschen auf meine arme, kleine schulter getrunken *hicks*

wir waren sozusagen gezwungen. wir saßen nämlich völlig harmlos in unserer lieblings-strandkneipe, als ein mordsgewitter losbrach. wir waren gefangene. und da mussten wir eben trinken. weil wir gefangene waren, weil wir angst vor dem gewitter hatten und weil uns meine arme, kleine schulter so leidtat. auf dem heimweg haben wir gesungen. irgendeinen schulter-rap. wie das dann halt so ist. apropos singen: heute abend ist hier wieder musikantenstadel. ich überleg schon die ganze zeit, was ich mir für nen song wünschen könnte, und ich glaube, ich wünsche mir je t´aime. mal schauen, ob der gitarren-michel das drauf hat und ob dann unter den ü-hundert eine wilde knutscherei ausbricht.

ansonsten hatte ich heute einen mega-duften samstag. hier schien ab mittag die sonne vom blauen himmel und ich bin 2 stunden durchs watt galoppiert und habe mir auf dem heimweg noch ein weilchen die surf-meisterschaften n westerland angeschaut. coole show. lauter gutaussehende surfer unterwegs und menschen in neonfarbenen pudelmützen. der letzte schrei hier auf sylt. ach ja, man müsste nochmal 20 sein.

dann macht es mal gut, meine lieben, habt nen schönen samstag, eure saufwolf 😆

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Rehageflüster: Achtsamkeit

macht ihr das auch: nicht achtsam genug mit euch sein? beharrliche hilferufe des körpers so lange ignorieren, bis sie so laut werden, dass man sie nicht mehr ignorieren kann? das flüstern der seele so lange missachten, bis die seele schreit? den rufen des geistes so lange den mund zu verbieten, bis er schweigt?

warum macht man das eigentlich? seinen körper, geist und seine seele so lange zu benutzen und auszunutzen, bis sie ganz leer sind, matt und erschöpft. und sich dann zu wundern, warum das so ist. und dann noch mit sich zu schimpfen. deswegen deprimiert zu sein.

warum ist man so streng mit sich? sagt sich so oft: „nun stell dich nicht so an!“ „na, komm schon, ein bisschen geht noch was!“ „sei nicht so eine mimose!“

ist es so schwer zu verstehen, dass man körper, geist und seele die nötige achtsamkeit, pflege, fürsorge und liebe zukommen lassen muss, um all das zurückzubekommen, was einen leicht und sicher durchs leben trägt? und nicht erst dann zu reagieren, wenn man am boden liegt?

scheinbar schon.

heute morgen erst wieder den roten knopf gefunden. auf die frage der physiotherapeutin hin, die meine rechte schulter, in der sich verspannungen in backsteingröße befinden, seit 3 wochen massiert. „seit wann haben sie das?“ „hm, seit einigen jahren.“ „und warum haben sie bislang nichts dagegen getan?“ „hab ich doch. ich gehe alle 2 jahre zum orthopäden, wenn es ganz schlimm wird, und lasse mich osteopathisch behandeln und spritzen.“ „nein, ich meinte, warum tun sie nichts dagegen, dass das weg geht und wegbleibt?“ „äh, wie meinen sie das?“ „massagen, entspannen, tapen, solche sachen eben.“ das war dann der rote knopf. jou, frau katerwolf, warum machst du da nichts? hast dich schon so an deine ständig schmerzende schulter gewöhnt, von der du regelmäßig kopfschmerzen bekommst und dann ein paracetamol reinpfeifst. ist ja bloß die schulter. stell dich nicht so dran.

man muss nicht unbedingt so lange warten, bis es krebs wird. geht auch vorher.

wenn ich nach hause komme, werde ich mich meiner schulter mal liebevoll widmen. arme, kleine schulter.

achtsamkeit.

Rehageflüster: Der Zauberarzt

habe ich euch schon von doc methusalem erzählt? das ist der arzt, bei dem ich hier mein aufnahmegespräch hatte. er kann zaubern. heute hat er sich nämlich weggezaubert. doc methusalem ist gefühlte 300 jahre alt. wenn ich ihn richtig verstanden habe, ist er bereits in rente und arbeitet nun ein bisschen hier weiter. wie auch immer. er ist ein wirklich netter, alter herr. allerdings hatte ich in dem aufnahmegespräch ständig das gefühl, ihn daran erinnern zu müssen, wer ich bin und vor allem, warum ich bei ihm bin. hm.

heute stand in meinem terminplan: 9.00 entlassungsgespräch, doktor methusalem, arztzimmer. punkt 9 saß ich vor seiner tür. 9.15 immer noch. keine mensch weit und breit. ich horchte an der tür, totenstille. ich klopfte, drückte die klinke herunter. abgesperrt. hm. ich also ins pflegezimmer runter, pfleger in der pause, nach 30 minuten pfleger wieder da. er macht sich schlau, ich soll wiederkommen. halbe stunde später. tja, doc methusalem sei im haus, das wisse man, man wisse nur nicht, wo. und anpiepen und anrufen kann man ihn nicht, da sowohl handy als auch pieper im pflegezimmer lagen.

tiefgründiger blick seitens des pflegers. tiefer blick von mir: „vielleicht hat er sich verlaufen?“ tiefgründiger blick seitens des pflegers. 

ich war zwischenzeitlich bei einer anderen ärztin zum entlassungsgespräch. in meinem entlassungsbericht steht nun, dass die reha, bedingt durch den streik, nicht sehr zielführend war und die therapeutischen ziele nicht erreicht wurden. wie auch? ausfallende anwendungen, mieses essen, ungeputzte zimmer, schlechte stimmung. tja, leute, nicht gut gelaufen, hier.

am ende des gesprächs fragte ich vorsichtig: „ist doc methusalem schon wieder aufgetaucht?“ kopfschütteln. „ich versteh es auch nicht.“

methusalem, wo bist du? sitzt du in deinem büro und machst ein nickerchen? bist du am strand surfen? pilgerst nach santiago de compostela? ich könnt´s verstehen.

Rehageflüster: Dildo Walking

cooler titel, oder? bin ich selbst stolz drauf. aber die besten geschichten schreibt nun mal das leben.

heute morgen vor dem nordic walking: wie üblich stand eine noch etwas verschlafene patientenschlange vor dem therapieraum und wartete auf das austeilen der nordic walking stöcke. plötzlich…

schüchterne stimme irgendwo von vorne: „ist das hier eine einführung?“

launischer kommentar von meiner vorderfrau: „wie jetzt? ich dachte mit den stöcken soll man gehen.“

sie rechnete nicht mit dem therapeuten, der wie aus dem nichts hinter ihr auftauchte, ihr eine hand auf die schulter legte und verschmitzt anmerkte: „möchte die dame vielleicht etwas anderes als die stöcke einführen?“

*pruuuuuuusssssst*

so kann´s gehen 😉

Rehageflüster: Beobachtungen am Rande

ich habe gestern einen der schönsten sonnenuntergänge meines lebens gesehen. in sylt kann man, wenn man glück hat, sonnenuntergänge sehen, die einem die sinne rauben. lange und dramatisch versinkt die sonne glutrot in der see und taucht meer, himmel und sand in eine pastell-farbpalette, wie man sie nur von nolde-gemälden kennt. einfach nur schön.

so saß ich gestern abend vor meiner sylt-lieblingskneipe wonnemeyer, den hintern im warmen sand, in der hand einen caipi, coole loungemusik in den ohren, augen und sinne beim sonnenuntergang. das leben kann schon ganz schön toll sein. nun kann man nicht 2 stunden ununterbrochen die sonne anstarren. also lasse ich gerne meine augen über die zahlreich versammelten sonnenuntergangsanbeter schweifen. interessant, interessant. es gibt ihn, den klassischen sylt-urlauber. er sieht nach viel geld aus. aber gar nicht mal von der unangenehmen sorte, also marke neureich. vielmehr seit jahrhunderten reich und entspannt. keine schlechte kombi. man sieht viele entspannte, gutaussehende paare um die dreißig mit kindern. die männer tragen ausnahmslos hollister, abercrombie oder la martina. die haare sind entweder kurz und an den schädel gegelt, oder etwas länger, lockig und ebenfalls an den schädel gegelt.  die entsprechenden frauen gehören zur kategorie klon-blondie: schlank, stupsnase, pilotenbrille, blonder pferdeschwanz (zu hause sicher einen bmw x3 in der garage, der serienmäßig mit golden retriever geliefert wird). die kinder tragen hollister und abercrombie und sehen aus wie eine miniaturausgabe ihrer eltern.

man sieht auch viele alte, nicht so schöne männer, immer noch sehr lässig, mit deutlich jüngeren, bildschönen gattinnen und tragischerweise hässlichen kindern, die genetisch bedingt nach dem alphavater geraten sind. pech.

in der regel haben sie viele hunde, was sie mir sympathisch macht. es ist doch zu schön, eine tobende hunderasselbande vor einem sonnenuntergang zu beobachten. ich gehe heute abend nochmal los. gestern war die rede von einem perfekten sonnenuntergang heute. ich nehme die kamera mit, dann habt ihr morgen auch was davon 😆

macht es gut, ihr lieben, eure sylt-wolf

Rehageflüster: Musikantenstadl

ich schreibe diesen post verdeckt. investigativ. habe angst, dass ich ertappt, verschleppt und im watt versenkt werde. aber wat mut, dat mut.

sonntag abend: ein heiterer musikabend im veranstaltungsraum. ich weiß. wie verzweifelt muss man sein, um sich so etwas anzutun. ich hatte einfach lust zu singen und die hoffnung, es auch tun zu können. in der not frisst der teufel fliegen. oder geht zum musikabend in der rehaklinik.

im verdunkelten vortragssaal waren schon fast alle stühle besetzt. überwiegend menschen jenseits der 100. auf den parkplätzen: rollatoren. ein wenig unbehaglich setzte ich mich neben meinen tischnachbar peter in die reihe. der star des abends, alleinunterhalter michel, ein großer, stämmiger mann, stimmte seine gitarre und blickte fröhlich in die runde. und schon gings los. eins muss man michel lassen, er ist ein ungemein sympathischer, mit solchen veranstaltungen erfahrener mann, der schon in kürze alle herzen eingefangen hat. so auch am sonntag. er schmetterte humoresk ein paar schlager und bekannte nordsee-lieder und verkündete dann: wunschkonzert!

man konnte einfach einen interpret oder ein lied nennen und michel gab es zum besten. „john denver!“ kam es von links vorne. 😯 2 sekunden später grölte der ganze raum: „country ro-ho-oo-d, take me ho-o-ome!“ ich mit. dann jagte ein hit den andern: tom jones, michael jackson, randfichten, queen, udo jürgens. das volle programm. ein wenig peinlich war es, ich gebs zu, aber ich ertappte mich dabei, wie ich wild zu „auf der reeperbahn, nacht um halb 3“ schunkelte und fast mit tränen in den augen „hey jude“ jammerte. erinnerungen an jugendliche lagerfeuer tauchten vor meinem inneren auge auf.

„marianne rosenberg!“ rief ich. „buhhhh!“ kam es von den anderen. „matthias reim!“ kam es schüchtern irgendwo von hinten. „davon muss ich strahlbrechen!“ war meine rachsüchtige antwort. highnoon im vortragssaal. der sekundenzeiger tickte. michel rettete die situation mit einer willy fritsch einlage und frieden kehrte ein. mittlerweile waren 2 rothaarige feger mittleren alters zu uns gestoßen und rollten das feld mit glockengleichem gesang von hinten auf. sehr, sehr laute glocken. große glocken. uff. streckenweise waren sie deutlich lauter als michel.

„queen! metallica!“ spornten sie michel an. sehr gewagt. „we are the champions!“ schallte es kurz darauf aus allen ecken. vorne flammten die ersten feuerzeuge auf. „der rauchmelder! der rauchmelder!“ brüllte jemand. egal. der vortragssal stand eh in flammen. die ersten standen auf und wippten klatschend im takt. rollatoren drehten sich wild im kreis. krücken tockten im takt auf den boden.

„highway to hell!!!!“ stimmte michel mit wilder stirntolle an. „highway to hell!!“ riefen alle zurück. arme flogen in die luft, im raum braderup brodelte der kessel. gegen 23 uhr, nach 10 zugaben, war die stimmung auf dem höhepunkt, michel verließ samt klampfe den saal und lief singend im hausflur auf und ab. es war kurz vor polonaise durch die rehaklinik.

tja, ihr lieben, auch solche dinge erlebt man in der reha. die nacht der lebenden toten, sag ich nur. aber spaß hat es gemacht und allein der anblick der ü-100, die mit in die luft geballter faust „highway to hell!“ brüllten, war es wert. so macht altwerden mut 😉

Rehageflüster: Kleine Lästerstunde

vielleicht habt ihr es schon gemerkt, dass ich mich diesmal mit reha-lästereien zurückhalte. ich bin zugegebenermaßen ein wenig von meiner letztjährigen reha-läster-begebenheit traumatisiert. ihr erinnert euch: ich wurde noch in der klinik von einem mitpatienten enttarnt. peinlich, peinlich.

tief in mir sitzt die angst, dass, während ich ahnungslos tratsch blogge, plötzlich eine walküre auf mich zurast, mich am kragen packt, schüttelt und brüllt: „sooooooo, ICH bin also die fette wuchtbrumme mit oberlippenbart, die in ihren kräutertee sabbert?????“

aber so ganz ohne tratsch geht es nicht. außerdem reise ich nächsten montag ab. also, los gehts, wen hätten wir den da *händereib*

fangen wir mit meiner ganz speziellen freundin an, annabelle. annabelle ist chronisch gut drauf. sie ist durchtrainiert, jüngeren datums, stets dynmischen schrittes unterwegs, die trendigen sportklamotten sitzen perfekt, der dunkle pferdeschwanz wippt frohgemut im takt. annabelle sprüht vor lebensfreude und munterkeit. im speisesaal lacht sie am lautesten. abends in der kneipe um die ecke auch. annabelle kennt jeden, liebt jeden, umarmt jeden. annabelle ruht ganz in ihrer mitte und fordert ihre gesamte umgebung auf, ebenfalls seine mitte zu suchen. sie findet alles und jeden SUPPPIII!!! wenn man annabelle dreimal hintereinander aus nächster nähe erlebt hat, möchte man ihr gerne eine große socke in den mund stecken, wahlweise ihren hals ein paarmal umdrehen.

wen hätten wir noch? ahhh ja, die reha-irre. in jeder reha gibt es eine reha-irre. dieses jahr ist es mäggie. mäggie, mit betonung auf gg, ist undefinierbaren alters und ähnelt einer mumie. sie ist ausgedörrt, gestählt, trägt eine art indianerstirnband und bewegt sich mit einer dynamik, dass es einem angst und bange wird. sie wirkt, als wäre sie in einer mission unterwegs. im zirkeltraining powert sie wie ein duracellbatteriebetriebener hase, im nordic walking ist sie immer die erste, im frühsport rast sie im kreis herum wie gedoped und stürzt sich im anschluss bei jedem wetter in die nordsee.

„kein schöner anblick mehr.“ konstatierte heute morgen eine mitpatientin trocken.

ebenfalls in jeder reha gibt es den aufreißer. im letzten jahr war es jochen, der auf dicke frauen stand. dieses jahr ist es mäx. mäx ist mittelgroß, dynamisch, und sehr läääässig, schmissig. er geht federnden schrittes durch die rehaanlage, fährt sich grinsend durchs haar und verteilt petzaugen. und legt die eine oder andere flach. vermute ich jedenfalls. da ich ihn schon mehrfach abends in wechselnder, giggelnder begleitung gesichtet habe. er erinnert mich an meinen exmann. ganz schlecht.

ich hätte noch eine terror-else anzubieten. sie ist etwa 100, hat eine sagenhafte turmfrisur und begleitet ihren etwa 200 jahre alten mann. und terrorisiert ihn. er hat klumpfüße und krücken. sie einen rollator. mit dem rollt sie wie eine furie im foyer herum und managed ihren armen mann. gerade sitzt er etwas erledigt vor der großen frontscheibe im foyer. schön im schatten einer gardine, da die sonne reinknallt. sie zieht sie auf, damit er licht hat. „du brauchst licht, LICHT!“ schmunzelnd beobachte ich, wie sie gerade zur rezeption rollt und er schnell und heimlich die gardine wieder zuzieht und unschuldigt guckt.

und ich gucke jetzt mal in den speisesaal, das mittagessen ruft. und heute nachmittag pack ich die badehose ein und hau mich sowas von an den strand.

macht es gut, ihr lieben, eure bikiniwolf